Arme linke Parshipper

Vor kurzem ging es durch die Presse: Das Online-Dating-Portal „Parship“ ermittelte, dass man als „Rechter“ deutlich schlechtere Chancen bei der Partnerwahl hat[1]. 

Dankenswerterweise stellt Parship die ermittelten Zahlen selbst online. Hier kann man also nachlesen, dass man insbesondere als „rechter“ Mann in fast der Hälfte (NPD) bzw. einem Viertel aller Fälle (AfD) in die Röhre schaut, wenn einen die vermeintlich Angebetete als Wähler einer dieser Parteien entlarven kann. 

Leider wissen wir zu dieser Umfrage nicht viel über die Zusammensetzung der bei Parship registrierten Mitglieder. 

Wenn wir aber für einen Moment lang annehmen, dass die Wahlabsichten dort ungefähr denen der gesamten Wähler entsprechen, dann erweisen sich die nicht-linken Parteien offensichtlich als die mit den viel toleranteren Wählern. Zwar würde auch ein nicht allzu kleiner Teil der Rot-Stasirot-Grün-Wähler einen AfDler (wenn es sonst passt) wiedersehen wollen, aber für Wähler der „Linken“ z.B. besteht praktisch überhaupt keine Gefahr, wegen ihrer Präferenz ausgeschlossen zu werden. 

Man könnte natürlich viel in diese Zahlen hinein interpretieren. Haben es die Nicht-Linken so viel nötiger, einen Partner zu finden? Sind Linke grundsätzlich intoleranter bzw. fanatischer? Handelt es sich hier um eine Ausprägung der Schweigespirale? Aber ohne genauere Analyse der Zusammensetzung der Parship-Mitglieder muss das alles reine Spekulation bleiben.

Dabei beginnt das Interessante ja schon etwas früher. Also der Werwohlf wäre nie auf die Idee gekommen, bei einem Date gleich über Politik zu quatschen. Und wenn sein Gegenüber damit angefangen hätte, wäre ihm das auch eher suspekt vorgekommen. Das sehen 61% der Parshipper ähnlich (die, die es von sich aus grundsätzlich ansprechen und die, die es vielleicht tun werden). Nur.  Übrigens drängen vor allem die Anhänger der Grünen ihrem potenziellen Partner ein politisches Gespräch auf (wer hätte das gedacht?). Also der Werwohlf würde es zunächst vermeiden, und wäre damit bei der Minderheit von 13% der Parshipper.

Natürlich möchte man von seinem potenziellen Partner einige Charaktereigenschaften wissen. Zum Beispiel, wie tolerant er gegenüber anderen ist. Ob er engstirnig ist oder offen. Ob er Empathie empfinden kann oder gefühlskalt ist. Ob er über Leichen geht oder Skrupel hat. Ob er über sich selbst lachen kann (kleiner Tipp eines alten Hasen: Premium-Kriterium!). Aber das findet man schon noch heraus, vor allem durch konkretes Handeln des Anderen in scheinbar ganz banalen Alltagssituationen. Weniger über politische Lippenbekenntnisse. Und es wäre ziemlich dämlich, das eine mit dem anderen zu verwechseln. Auch, wenn manche Medien mit großer Reichweite es gerne anders darstellen: Aus der Präferenz für eine bestimmte Partei lässt sich nicht auf den Charakter eines Menschen schließen. Es gibt egoistische Grüne und warmherzige FDPler.  Vielleicht sogar jeweils überwiegend – keine Ahnung… Wer also Abneigung gegen „rechte Dates“ offenbart, betreibt damit vielleicht wirkungsvolles „virtue signalling“ unter den Anhängern der anderen, verbaut sich aber viele Chancen bei der Partnerwahl. Nun gut, jede(r) muss wissen, was einem das Geld wert ist.

Übrigens kommt auch beim Werwohlf irgendwann die Politik zur Sprache. Nur stellt sich meistens auf wundersame Weise heraus, dass die (potenzielle) Partnerin, die er als besonders sympathisch empfindet, tatsächlich politisch nicht allzu weit entfernt von ihm ist. Nachdem alles andere zur Sprache kam und man sich gegenseitig in diversen Situationen reagieren sehen konnte.

Das ist dann auch seine Empfehlung.

[1] Die Überschrift ist etwas arg übertrieben, aber eine Verringerung der Chancen um die Hälfte ist auch schon was.

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5 Gedanken zu “Arme linke Parshipper

  1. „Ob er über sich selbst lachen kann (kleiner Tipp eines alten Hasen: Premium-Kriterium!).“

    Dieser Hase hier ist wohl nicht ganz so alt wie du, kann aber aus eigener (leidvoller) Empirie bestätigen. Über sich selbst lachen zu können ist DAS Premium Kriterium.

    Ich lehne mich mit einer Theorie dazu, welche ich nur aus empirischer Erfahrung durch eine Korrelation bestätigt sehen kann, aus dem Fenster:
    Menschen ohne diese Fähigkeit neigen zum Ideologen. Zumindest aber ist es umgekehrt: Es gibt keine Ideologen, welche über sich selbst lachen können. Diese Fähigkeit schützt also vor Ideologie (und damit auch Gewalt).

    __________________________________________________________________________

    „Sind Linke grundsätzlich intoleranter bzw. fanatischer?“

    Ich habe von dieser Umfrage im Radio gehört und erinnere, dass es auch eine Angabe dazu gab, wie viele der jeweiligen Gruppe einen der anderen Gruppe ablehnen. Ohne die genauen Zahlen zu erinnern, lehnten eine große Mehrheit der „Linken“ „Rechte“ als Partner ab, während es umgekehrt nur eine sehr kleine Minderheit war.

    Das scheint mir zumindest ein Hinweis darauf sein zu können, dass dein Fragezeichen oben weggelassen werden kann. Es deckt sich auch mit meiner persönlichen Erfahrungen: Ich kenne viele Grüne. Gegen Ironie als Stilmittel sind diese meist völlig immun. Sie erkennen und verstehen sie einfach nicht. Genausowenig, wie sie über sich selbst lachen können.

    Aber Grüne sind ja nun eigentlich auch keine Linken in dem Sinne. Für mich sind es (in ihrer reinen Ausprägung) totalitaristische Weltenretter, die deswegen mit links konnotiert sind, weil sie einst aus der kommunistischen Studentenbewegung kamen. MIt links hat ihr Weltbild aber eigentlich längst nichts mehr zu tun.Eher mit einem reaktionären „Nischen Rechts“. Daher trifft die Intoleranzvermutung möglicher Weise eher auf die Grünen zu, denn auf Linke.

    In meiner Sicht sind die Grünen das was herauskommt, wenn man versucht mit den durch die Eltern anerzogenen Mitteln, die dunkele Vergangenheit seiner Eltern abzuschütteln: Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.

  2. „Sind Linke grundsätzlich intoleranter bzw. fanatischer?“

    Nachtrag dazu:

    Was man dabei natürlich auch nicht vergessen darf: Links umfasst heute umfangreich und dezidiert radikale Meinungen, während viele der „Biedermeier Bourgeoise“ schon als rechts gelten.

    Insofern kann man natürlich eher den Schluß ziehen, dass Radikale (egal ob links oder rechts) wohl intolerant und „bürgerlicher Spießer“ eher tiefenentspannt sind. Da sehe ich mich, als derbürgerlicher Spießer der ich bin, ja auf der richtigen Seite. 🙂

  3. Und noch ein kurze Korrektur, weil mir ein Satz im Beitrag oben völlig unverständlich mißraten ist. Es soll heißen:

    MIt links hat ihr Weltbild aber eigentlich längst nichts mehr zu tun. Eher mit einem reaktionären „Nischen Rechts“.

    • Lieber n_s_n, ich antworte mal hiermit zu Deinen letzten drei Posts.
      Auch wenn ich Deine Erfahrungen hinsichtlich der Humorlosigkeit (die mangelnde Fähigkeit über sich selbst lachen zu können) bei „Linken“ bestätigen kann, so habe ich doch kein annähernd objektives Bild, weil ich mit viel mehr „Linken“ zu tun hatte und habe, als mit Konservativen.
      Somit traue ich meinem Eindruck nicht.
      Stattdessen erscheint mir viel relevanter als die Befolgung ideologischer Vorgaben, die Verbindung zur eigenen Person zu sein.
      Ich kann mir zum Beispiel einen Idealisten vorstellen, der sich selbst weit weniger wichtig nimmt als sein Ziel, für eine bessere Welt einzustehen. Gerade bei jungen Leuten ist dies nicht selten der Fall (empirischer Einzelnachweis liegt vor).
      Daraus schließe ich, die Selbstbezogenheit und Selbstgefälligkeit steht viel mehr der Fähigkeit über sich selbst lachen zu können, im Weg.
      Beides Eigenschaften die sich vor allem mit zunehmendem Alter stärker ausbilden können.

  4. Was noch gar nicht beleuchtet wurde: Was passiert mit der Partnerschaft wenn sich ein Partner (oder beide) politisch bewegen? Wenn es vielleicht sogar einen Bruch mit politischen Grundsätzen gibt?
    Ich kann dazu nur sagen, dass Liebe durchaus stärker sein kann als politische Präferenzen und letztere sich sogar in einer stabilen Partnerschaft angleichen können. Auch wenn das viele Jahre dauern kann.

Platz für Senf.

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