Was Werwohlf wählen wird

Ja sischer dat, da gehört noch ein „der“ in die Überschrift, aber warum eine schöne Alliteration kaputt machen?

Wenn es nach dem Wahl-O-Mat geht, sollte der Werwohlf AfD wählen. Das kommt davon, wenn man beim Frage-Antwort-Spiel den Konservativen in der Startaufstellung bringt und den Liberalen weitestgehend auf der Tribüne versauern lässt. Aber ob es bei den Punkten für die AfD mit rechten Dingen zugeht, darf man schon ein wenig bezweifeln, wenn man z.B. liest, dass die Erinnerung an den Holocaust auch nach dem Willen dieser Partei im deutschen kollektiven Gedächtnis weiterhin eine wichtige Rolle spielen soll. These: Auf einem x-beliebigen Parteitag würde ein derart lautender Antrag unter lautem Getöse durchfallen…

Aber wer dieses Blog kennt, weiß, dass der Verfasser nie und nimmer diese Partei wählen wird, weil er sich sonst schon beim Wahlakt unmittelbar übergeben müsste. 

Diese Mischung aus simpelster Provokation, kalkulierten Tabubrüchen, ungehobeltem Gepöbel, penetranter Opferhaltung und ständigem Kokettieren mit rechtsextremistischen Positionen taugt nur für spezielle Mägen. Dabei vermag der Werwohlf schon noch einzusehen, dass AfD zu wählen, eine der wenigen Möglichkeiten darstellt, sich in grundlegenden Fragen anders zu positionieren als dies von einem doch recht insistierenden Mainstream vorgegeben wird, sei es nun der Euro oder die Zuwanderung. Die Frage ist nur, ob der erhoffte Moment der Befriedigung über den Wahlabend hinaus reichen würde. Dass die realistischerweise in Frage kommenden Regierungskombinationen einen Menschen mit zumindest teilweise konservativer Überzeugung erschaudern lassen müssen, ist nämlich dann kein Argument dafür, das eigene Verdauungsorgan doch noch über Gebühr zu strapazieren, wenn damit keine Aussicht auf Änderung besteht. 

Die Selbstradikalisierung der AfD macht es den Konsensparteien nämlich einfach, durch die Anwendung der stets griffbereit herumliegenden Etikettierungen, wie z.B. Nationalismus oder Rassismus, ungeliebte Positionen allein deshalb auszugrenzen, weil sie von dieser Paria-Partei vertreten werden. Nicht, dass die entsprechenden Versuche nicht schon vorher unternommen worden wären, da sollte man sich als Konservativer keinen Illusionen über die deutsche Medienlandschaft hingeben, aber man kann es den Spin-Doktoren eben einfacher oder auch schwerer machen. 

Aus Sicht des Werwohlfs ist die Sache tragisch. Er könnte sich relativ problemlos damit identifizieren, FDP zu wählen. In den meisten Fällen sind die von ihrem Vorsitzenden vertretenen Positionen im Vergleich zum Gewäsch, das sonst so verbreitet wird, derart auffallend rational, dass man sie fast für konservativ halten könnte. Was sie nicht sind, aber die Zeiten sind eben hart für unsereins. Wenn denn da nicht dieser Grund-Dissens wäre: der Euro. Aber immerhin vertritt die Lindner-FDP hier mittlerweile auch Meinungen, die damals, zum Zeitpunkt des Mitgliederentscheids, als böse nationalistisch und reaktionär gescholten wurden – allein schon der Gedanke, dass ein Staat vielleicht die Eurozone verlassen könnte oder gar müsste, galt auch in der FDP mal als Sakrileg.

Deswegen ringt sich der Werwohlf hiermit zu dieser Empfehlung durch: Wer als Liberaler oder Konservativer mehr Vernunft an die Stelle des hektischen Erhaschens von Stimmungen setzen will, sollte im nächsten Bundestag die FDP stärken.

Advertisements

27 Gedanken zu “Was Werwohlf wählen wird

        • Ja war sie. Ich werde die Nichtwähler stärken. Wie schon zur letzten Bundestagswahl. Regional gehe ich allerdings wählen. So auch am 24.09.17 zur Wahl des Bürgermeisters meiner Stadt.

          • „Ich werde die Nichtwähler stärken.“

            Nach meiner persönlichen Einschätzung ist das Lager der Nichtwähler faktisch absolut irrelevant. Es kann daher nicht gestärkt werden. Eine „Stimme“ für dieses Lager ist daher im „Mächtespiel“ eher verloren.

            Bei dieser Wahl (wie bei einigen anderen vorher auch) geht es aus meiner Sicht darum, zwischen Überzeugungen und Pragmatismus zu entscheiden. Ich hänge da eher dem Pragmatismus an.

            Das mag daran liegen, dass mir Überzeugungen immer etwas supekt sind

            • Vor vier Jahren habe ich auf einem Dir vertrauten Blog einen Beitrag geschrieben, inklusive Diskussion.
              Meine Stimme ist nicht verloren. Sie wäre es, wenn mit ihr Angela Merkel von untertänigen Abgeordneten erneut zur Kanzlerin gewählt werden würde. Ich wollte die FDP wählen, aber zwei Tweets ihres Vorsitzenden haben mich eines Besseren belehrt.

            • Ich bin im Gegenteil der Ansicht, dass gerade dieser Wahlkampf von Haltung und Überzeugung geprägt ist, nicht von Pragmatismus.
              Pragmatismus ist zu überlegen wie bekommt man Merkels-Union in die Opposition. Das erreiche ich nicht wenn ich die FDP wähle. Im Gegenteil.
              Deswegen ist es logisch und pragmatisch für mich nicht an dieser Farce eine mehrfach grandios gescheiterte und unfähige Kanzlerin immer und immer wieder zum Weitermachen zu animieren.
              Nein, nur wer nicht wählt, macht seine Opposition gegenüber dieser undemokratischen GroKo, die die Meinungsfreiheit angreift, den Rechtsstaat aushebelt und die Gewaltenverschränkung aufhebt, deutlich.
              Herr Lindner hat geschrieben:

              „Dann kommt der neue Punkt ins Wahlprogramm und dann hoffst Du, dass die Menschen das umsetzen wollen“. https://youtu.be/tXyVdCKjldI

              Das passt super zum Merkel-Nudging wenn „die Menschen“, nicht mehr die Bürger wohlgemerkt, nicht wollen und Lindner sich fragt, ob seine Politik trotz des Widerstands „richtig“ ist, kämpft er gegen „die Menschen“.
              Dafür werde ich ihn aber nicht wählen.
              Ihn nicht und die Kanzlerin schon gar nicht.
              Und dabei handelt es sich um das mir mal nahegestandene politische Spektrum.
              Also warum soll ich als politisch Heimatloser irgendwas wählen und damit meine Stimme verschenken? Ohne Gegenleistung. Für zukünftige Einschränkungen meiner individuellen Freiheit muss ich noch die Vollzieher wählen.

            • Oh je, der Text ging ganz schön daneben. Da fehlen nicht nur Satzzeichen sondern auch einige Wörter. Naja, mit etwas Fantasie kann man vielleicht erahnen was ich sagen wollte. Tut mir leid.

  1. Sehr geehrter Herr Wohlf,

    ich zitiere Sie mal:
    „Aber wer dieses Blog kennt, weiß, dass der Verfasser nie und nimmer diese Partei wählen wird, weil er sich sonst schon beim Wahlakt unmittelbar übergeben müsste.“

    Obwohl ich inhaltlich mit Ihnen einer Meinung bin – auch für mich käme die Partei mit den Kleinbuchstaben in der Mitte nicht mehr in Frage – muss ich sagen, dass ich mich der Formulierung z. T. nicht anschließen kann.
    Ich habe den Eindruck, diese Partei bekam beim Wahl-o-mat deshalb so ein relativ brauchbares Ergebnis, weil sie sich in Teilen den Liberalismus angeschlossen hat in den Antworten. Ob das in den Handlungen so wäre?

    Weiterhin:
    „Die Selbstradikalisierung der AfD macht es den Konsensparteien nämlich einfach, durch die Anwendung der stets griffbereit herumliegenden Etikettierungen, wie z.B. Nationalismus oder Rassismus, ungeliebte Positionen allein deshalb auszugrenzen, weil sie von dieser Paria-Partei vertreten werden.“

    Das ist absolut richtig und doch relativ falsch.

    1. Haben die „Konsensparteien“, das bedeutet fast alle politischen Medien, das Fernsehen und diverse Parteien es eh schon immer gewusst. Wer den EURO kritisiert, der will den Nationalismus des 19. Jahrhunderts zurück, wenn nicht weit schlimmeres.
    Das die AfD das alles bestätigt mag traurigerweise stimmen, macht aber den berühmten Kohl auch nicht mehr fett. In Übrigen stört es die meisten Parteien in Deutschland ohnehin nicht, wenn sie den Klischee entsprechen.
    2. Dem Argument kann ich mich auch deshalb nicht voll anschließen, weil es hier um das Image einer Position geht.
    Die AfD wäre, so aufgestellt wie heute, keine bessere Partei, wenn sie sich im berühmt-berüchtigten „Kreidefressen“ üben würde.

    Zitat:
    „Wer als Liberaler oder Konservativer mehr Vernunft an die Stelle des hektischen Erhaschens von Stimmungen setzen will, sollte im nächsten Bundestag die FDP stärken.“

    Mit der Entscheidung hätte ich auch starke Bauchschmerzen. Sehe ich mir den Wahlkampf der Freidemokraten so an, dann fällt mir schon auf, dass da eher postfaktisch gearbeitet wird.
    Auch die ganzen Positionen der FDP scheinen mir zu undeutlich zu sein.
    Ich glaube, wenn die FDP eine starke Partei wird, könnte sie ihre Haltung durchsetzen. Fall sie dagegen schwach bleibt, denke ich, dann wären solche Experimente wie „Ampel“ usw. drin, wo meines Erachtens nichts gutes bei rauskommen kann. Außer natürlich das Parteienspektrum wie wir es kannten endgültig zu zerstören.

    Fazit von mir: Es gibt keine gute Wahl, nur schlechte.

    • Ich habe den Eindruck, diese Partei bekam beim Wahl-o-mat deshalb so ein relativ brauchbares Ergebnis, weil sie sich in Teilen den Liberalismus angeschlossen hat in den Antworten.

      Das bezweifle ich. Eher erscheinen mir einige Antworten nicht ganz ehrlich den Konsens der Partei wiederzugeben. Da ich bei meinem Versuch eben sehr konservativ votiert habe, dürften liberale Positionen sich bei der Präferenz nicht förderlich ausgewirkt haben.

      1. Haben die „Konsensparteien“, das bedeutet fast alle politischen Medien, das Fernsehen und diverse Parteien es eh schon immer gewusst.

      Das schrieb ich ja auch oben.

      2. Dem Argument kann ich mich auch deshalb nicht voll anschließen, weil es hier um das Image einer Position geht.

      Was nichts daran ändert, dass dieses Image Wählerstimmen bewegt – übrigens in beide Richtungen, und diese Bewegung nicht dazu beiträgt, diese Partei für mich wählbar zu machen.

      Die AfD wäre, so aufgestellt wie heute, keine bessere Partei, wenn sie sich im berühmt-berüchtigten „Kreidefressen“ üben würde.

      „Kreidefressen“ soll keiner – ich würde mich aber freuen, wenn die erschreckend simplen Parolen, die man aus Kreisen der AfD leider immer wieder vernehmen darf, und der Hang eines Höcke, den Westentaschen-Goebbels zu geben, aus echter Überzeugung keinen Platz in der AfD hätten. Mag sein, dass vom Meinungskartell dann immer noch bzw. trotzdem das Zerrbild einer rechten Gefahr gezeichnet würde – nur gäbe es dann weniger Menschen, die Grund hätten, dem auch zu glauben.

      Ich glaube, wenn die FDP eine starke Partei wird, könnte sie ihre Haltung durchsetzen. Fall sie dagegen schwach bleibt, denke ich, dann wären solche Experimente wie „Ampel“ usw. drin, wo meines Erachtens nichts gutes bei rauskommen kann.

      Sicher wähle ich die FDP sozusagen „auf Bewährung“. Ich wäre allerdings nicht grundsätzlich gegen neue Bündnisse eingestellt. Es käme dann eben auf die konkrete Politik an, die von einem solchen Bündnis gemacht werden würde. Aber natürlich besteht eher die Gefahr, dass schon Schwarz-Gelb genug Unsinn machen wird und dass die anderen Farbkonstellationen noch viel schlimmer ausfallen würden, aber mir ist eine wankende FDP ehrlich gesagt immer noch lieber als ein prinzipienfester, dafür aber radikaler Haufen von Parolenschreiern, die, sofern sie links einzuordnen sind, sogar noch eine Chance auf Regierungsbeteiligung haben.

      Fazit von mir: Es gibt keine gute Wahl, nur schlechte.

      Das war m.E. schon immer so. Die beste Regierung bestünde aus einer Diktatur mit mir an der Spitze. Die zweitbeste entsteht aus dem Mist, den wir haben.

  2. Nachdem mich diese Frage des Werwohlfs ebenfalls lange umtrieb, kam ich zum gleichen Ergebnis wie er.

    Einen Grund, welcher für eine Stimme zugunsten der FDP sprechen könnte und der mir erst die letzten Tage kam ist, dass eine Stimme für die FDP die SPD womöglich in die Opposition zwingen könnte. Nun mag das eine unbegründete Hoffnung sein, aber ich hege sie trotzdem: Eine SPD in der Opposition könnte sich gezwungen sehen ein Profil zu finden, mit dem man sich merklich zum Konsens der Regierenden abgrenzt. Sei es beim Thema Euro, Zuwanderung oder Energiepolitik. Bei diesen drei (wichtigen) Themen läge es für eine klassisch sozialdemokratische Partei eigentlich inhaltlich recht nahe, alternativen zur aktuell praktizierten Politik anzubieten. Vielleicht bringt die SPD ja ein Schubs in die Opposition dazu diesen Schritt zu gehen, was unserem Land äußerst gut täte.

    • Angesichts des grundlegenden Zwecks von Demokratie und seiner Unterscheidung von absolutistischen Gerrschaftsformen müsste es genau anders herum laufen. Die Union muss in die Opposition.
      Was unserem Land gut täte, wäre, eine funktionierende Opposition, ein Wechsel an der Macht (Merkel regiert schon zu lange) und ein Ende sich wiederholender GroKos.

  3. ich finde, um ehrlich zu sein, auch nach langem Überlegen keinen annähernd überzeugenden Grund, Union, SPD oder FDP zu wählen. Grüne oder Linke schon gar nicht.
    Wer hat denn den grassierenden Verfall allerorten zu verantworten? Seit Jahrzenhnten. Das Personal lauter Apparatschiks, die zu nichts anderem in der Lage sind, als dummes Zeug zu labern. Und die hier hochgelobte FDP ist ja wohl vollkommen zu Recht aus dem BT herausgeflogen. Und inhaltlich haben die alle Schweinereien der beiden Großen mitgetragen, man soll sich mal nur nicht blenden lassen. Was ist bei denen neu? Nichts. Nur ein begnadeter Schauspieler an der Spitze, der Scheinopposition zeigt. Eine hohle, taube Nuss. Schön lackiert, aber verlogen bis ins Mark. Herzlichen Glückwunsch.

    • ich finde, um ehrlich zu sein, auch nach langem Überlegen keinen annähernd überzeugenden Grund, Union, SPD oder FDP zu wählen. Grüne oder Linke schon gar nicht.

      Deswegen beschränke ich mich auch auf die weniger überzeugenden Gründe.

      Und die hier hochgelobte FDP ist ja wohl vollkommen zu Recht aus dem BT herausgeflogen.

      Dieses Recht sehe ich nicht. Selbst eine nur lauwarm liberale Stimme wie die FDP hat in den letzten Jahren sehr gefehlt.

      Und inhaltlich haben die alle Schweinereien der beiden Großen mitgetragen, man soll sich mal nur nicht blenden lassen.

      Das stimmt selbstverständlich nicht. Ich erinnere da mal nur an Netzsperren oder Vorratsdatenspeicherung.

      Nur ein begnadeter Schauspieler an der Spitze, der Scheinopposition zeigt. Eine hohle, taube Nuss. Schön lackiert, aber verlogen bis ins Mark.

      Also meiner Erfahrung nach haben Menschen, die eine andere Person mit solchen Invektiven angehen, stets unrecht. In dieser Wohlfshöhle wird nur gebissen, nicht zerfleischt.

      • Ich darf an den Ausgangsbeitrag erinnern. Jemand wollte sich übergeben. Derjenige scheint weder das Wahl- noch das Grundsatzprogramm der AfD gelesen zu haben.
        Drei von vier (Teil-)Antworten sind auch bloße Behauptungen; die Netzsperren und die Vorratsdatenspeicherung gestehe ich zu.
        Aber zu gerne hätte ich einmal von den großen Taten des bestfotografierten Parfümmodels aller Zeiten gehört, aber da ist nichts. Einfach nichts. Ein Fähnchen im Wind, nur an Macht und einem Platz am Katzentischchen interessiert. Nicht einmal eine Überzeugung, von einer Haltung ganz zu schweigen, gibts zu vermelden.
        Ich hab den Verein übrigens mal gewählt, meine zweite freie Wahl dafür verschwendet. Aber da wusste ich noch nichts von IM Tulpe. Jetzt weiß ich, dass die damals schon Inhaltslosigkeit als Liberallala verkaufen konnten. Alle, die bei denen wählbar waren, sind längst tot. Gestorben oder vom Himmel gefallen worden.

        • Dass ich mich übergeben muss, ist ja wohl mein Problem. Die Programme der AfD interessieren mich tatsächlich eher weniger als ihr Personal. Als Ex-Mitglied habe ich einen Eindruck von den Entscheidungsprozessen dort bekommen und bin seither der Meinung, dass auch den AfD-Mitgliedern Papier weitaus weniger wichtig ist als Personen.

          Große Taten von Herrn Lindner habe ich bisher auch nicht gesehen. Das könnte damit zusammenhängen, dass er bisher auch keine exekutive Gewalt inne hatte. Die würde ich ihm deshalb gerne mal geben, um zu sehen, was er damit macht.

          Meine Begeisterung für Antisemiten in der FDP, ob lebend oder tot, hält sich im übrigen in äußerst eng gesteckten Grenzen.

          • Selbsverständlich dürfen Sie reihern, wann und wo Sie wollen oder müssen – ich habe lediglich darauf hingewiesen, dass es seltsam scheint, dass Sie selbst heftige Affekte in Bezug auf Dritte haben dürfen, das aber Anderen verwehren.
            Interessant wäre, zu erfahren, welches Personal aus welchem Grund Sie so zur Abneigung trieb? Wechseln Sie doch den Landesverband, das geht. Und Sie glauben doch nicht im Ernst, dass gerade die FDP nur mit Wattebällchen wirft??? Sie erinnern sich: „Du intrigantes Schwein!…“
            Die Frage, was würde Lindner mit Macht anstellen, haben Sie doch im Beitrag „Falsche Flaggen“ selbst beantwortet! Er würde umfallen! Lesen Sie doch genau, was der sagt: wer integriert ist, darf bleiben, auch ohne Status. Und was „integriert heißt, sagen wir euch später. Im Zweifel ist das bei der Dauer der Verfahren und Rechtsstreite ein Hilfsjob bei einer kirchlichen Einrichtung oder Mitgliedschaft im Sportverein. Jeder weiß doch mittlerweile, wie das hier läuft. Das ist genau dieselbe Position wie sie alle anderen haben, von schwarz bis lila! Nur etwas schlauer formuliert. Der weiß, dass er in eine Koalition nur kommt, egal ob die schwarz-rot-gelb oder schwarz-grün-gelb wird, wenn er dieses Spiel mitmacht. Alles andere sind Nebelkerzen, wie immer.
            Warum kommen Sie jetzt mit der Antisemitismuskeule um die Ecke? Warum ist jemand, der die Politik des Staates Israel kritisiert, ein Antisemit? Wissen Sie nicht, dass die Araber genauso Semiten sind?
            Wie sehen Ihre Grenzen der Begeisterung für einen Staat aus, der auf den Bundeskanzler ein Attentat verübt hat?
            Lassen wir es dabei bewenden; ich will, dass weder Sie noch ich im freiesten Deutschland aller Zeiten Besuch von netten Herren im Trenchcoat erhalten, wobei das in dieser Republik wohl eher das senffarbene Pepitasakko sein dürfte…

            • Mit Verlaub: Ich verwehre niemandem seine Affekte, wohl aber möchte ich, dass hier darauf verzichtet wird, andere Menschen mit beleidigenden Ausdrücken zu bedenken. Wer den Unterschied nicht selbst bemerkt, muss sich dann im Zweifel von mir helfen lassen.

              Lass mich das mit dem Personal anders formullieren: Es gibt niemanden in der AfD, den ich für kompetent oder vertrauenswürdig halte (von beidem in einer Person ganz zu schweigen), wohl aber viele mit zweifelhaftem Leumund oder ideologischen Positionen, die ich für wirklich übel halte. Und wenn ich die johlende Meute sehe, die auf den Parteitagen dominiert, und was für Sprüche die so abgehen lässt, dann weiß ich eben, dass ich mit sowas nichts zu tun haben möchte.

              Ich bin übrigens weit davon entfernt, ein Loblied auf die FDP zu singen. Da gäbe es auch viel Kritikwürdiges anzuführen, aber diese Partei ist aus meiner Sicht die einzige, die, falls sie an einer Regierung beteiligt werden würde, der sozialdemokratisch-grünen Maschine wenigstens etwas Sand ins Getriebe streuen könnte. Es ist möglich, dass sie sich wieder als Papiertiger erweist, aber erstens glaube ich nicht, dass die denselben Fehler zweimal hintereinander machen, und zweitens hätte sich dann wenigstens auch nichts verschlimmert.

              Was Lindner gesagt hat, ist nur logisch: Warum sollen Menschen, die die Kriterien eines Einwanderungsgesetzes erfüllen, keine dauerhafte Aufenthaltsberechtigung erwerben können, nur weil sie vorher anerkannte Kriegsflüchtlinge waren? Das kann man für naiv halten, verwerflich ist diese Ansicht aber auf keinen Fall. Und sie unterscheidet sich eben doch deutlich von denen, die eben doch de facto das Menschenrecht proklamieren, dass jedermann in Deutschland leben können soll, wie man an den vollkommen überzogenen Reaktionen auf Lindners Aussagen erkennen kann. Man muss dem Mann ja direkt dankbar sein, dass er diese Leute dazu veranlasste, endlich ihre wahren Absichten kundzutun.

              Es ist allerdings interessant, wie gerne heute AfD-Anhänger (oder gar Mitglieder?) Antisemitismus herunterzuspielen versuchen und dabei auch nicht vor ganz üblem Whataboutism zurückschrecken. Meinem Magen tut sowas wirklich nicht gut.

  4. Vernünftige Entscheidungen können manchmal schmerzen. Ich werde Deiner Empfehlung für die Zweitstimme/Listenstimme folgen, weil Nichtwählen für mich ausgeschlossen ist. Im Wahlkreis werde ich mit der Erststimme allerdings einem Kandidaten einer demokratischen Partei meine Stimme geben, der garantiert nicht in den Bundestag kommen wird. Der lokale CDU-Vertreter wird es auch ohne meine Stimme wieder auf die hinterste Hinterbank schaffen.

  5. Pingback: Zweifel an einer E-Mail | Der letzte Biss

  6. Ganz ehrlich, ich kann den Sinn Ihrer Argumentation nicht nachvollziehen. Sie trauen keinem in der AfD irgendetwas zu; wem in der FDP trauen Sie etwas zu? Lindner etwa? Dem, der den Koalitionsvertrag mit der Union 2009 maßgeblich mitzuverantworten hat, der Westerwelle den politischen Kopf gekostet hat? Dessen Ehefrau in der WELT installiert wurde, der Kumpel ist mit Poschardt? Der mit AfD-Positionen hausieren geht? Die nichts schlimmer machen würden? Doch, da sie mit Täuschung verhindern, dass die, die geklauten Positionen wirklich vertreten würden, weniger Stimmen erhalten, da der Roßtäuscher der Gelb-Pinken Wähler zieht, die inkonsequent handeln
    Bei den „Kriegsflüchtlingen“ sollte man genau hinhören (das es nur einen verschwindenden Anteil wirklicher Flüchtlinge gibt, setze ich mal als bekannt voraus): Lindner grenzt das nicht auf solche ein, er redet von ALLEN, die hier sind – er ist also nicht anders als die Linken und Grünen, die in ihrem Veitstanz der Selbstaufgabe jedem ein Siedlungsrecht mit Vollversorgung durch den deutschen Steuerzahler zugestehen. Ich prophezeie Ihnen, gerade Lindner wird jede rechtsbrechende Sauerei mittragen.
    Und mal ehrlich, wer glaubt, mit einem Einzug der AfD in den Bundestag muss wieder der Deutsche Gruß gezeigt werden, der sollte sich untersuchen lassen!

    • Ja, Lindner. Nicht, weil ich der Meinung wäre, dass der Mann politisch so denkt wie ich (das tut er mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht), sondern weil ich sehe, dass er aus dem Rauswurf der FDP weitgehend die richtigen Konsequenzen gezogen hat[1] und u.a. auch zeigt, dass man in der Migrationsfrage eine Position gegen die Front aus Rot-Grün in Regierung und öffentlich-rechtlichen Medien beziehen kann, ohne auf platte Stereotype zurückgreifen zu müssen. Und er hat in der Partei offensichtlich auch die Position, diese Programmatik durchzusetzen.

      Dass es bei Menschen, die die Kriterien eines sinnvollen Einwanderungsgesetzes erfüllen, nicht darauf ankommen soll, ob sie sich schon in Deutschland aufhalten oder nicht, ist erstmal ein vernünftiger Gedanke, wenn er mit einer konsequenten Abschiebung bei Nichterfüllung verbunden ist – was die FDP explizit so will.

      [1] Nach dem, was man so hört, ist er das ganz professionell angegangen, Marktforschung und so. Ursprünglich hatte er die Absicht, die FDP mehr in Richtung des allgemeinen Sozial- und Gerechtigkeitsgedusels zu positionieren. Man muss ihm das nachsehen, denn schließlich war es genau das, was ihm die „Edelfedern“ dieser Republik nahe legten, damit die FDP zum willigen Gehilfen einer Ampel werden könnte. Aber sein technokratischer Ansatz bewahrte ihn vor diesem Fehler – es ist nie gut, Ratschläge vom politischen Gegner anzunehmen. Wobei der hier erstmal als solcher eindeutig zu identifizieren war. Zur Überraschung aller Beteiligten (weniger der des Werwohlfs und anderer, aktuell oder ehemals FDP-naher Blogger) entpuppte sich „FDP classic“ mit den alten Inhalten, aber leicht „modernisierter“ Schwerpunktsetzung als die eigentliche Marktlücke.

      Et voilà. Und die Nummer zieht er jetzt durch. Manchmal ist Scheitern eben auch für etwas gut.

    • Aus gegebenem Anlass: AfD-Spitzenkandidat Gauland meint, man könne/müsse auf die Soldaten der Wehrmacht stolz sein. Aus der FDP wird man sowas nicht vernehmen. Das reicht als Unterschied.

      • In der Tat, das reicht als Unterschied. Die ach so weltoffenen FDPler haben versäumt, sich mal bei ausländischen Historikern zum Thema zu informieren. Aber egal. Dennoch werden auch SIe wohl mindestens einen Verwandten haben, der Wehrmachtsangehöriger war.
        Was setzen Sie, wenn Lindner doch reiner machtbesessener Mehrheitsbeschaffer fürs Weiter-So ist? Ich spendiere einen van Crefeld.

Platz für Senf.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.