Alternativen gegen den Terror

Man kann sie ja nicht mehr hören, die Phrasen, die von der Politik nach jedem Terroranschlag neu abgesondert werden. „Unsere Gedanken sind bei…“, „feiger Anschlag…“, „ihnen wird es nicht gelingen…“ usw. Dabei ist es ihnen längst gelungen. Die Unbeschwertheit an so vielen Orten unserer Welt ist weg. Wegen ihnen. Wir brauchen heute Polizei, wo wir sie früher nicht brauchten. Und trotzdem können wir nicht sicher sein.

Aber was kann die Politik tun?

Nach Meinung des Werwohlfs gibt es nur drei Alternativen. Keine davon gefällt.

Alternative 1: Nichts tun. 

Das bedeutet: Jederzeit muss mit einem neuen Anschlag irgendwo und den üblichen Phrasen danach gerechnet werden. Es werden auch jedesmal neue Schlaumeier auftreten, die uns nachweisen, dass die daraus resultierenden Toten statistisch untergehen. Das wird nur ĺeider weder den Toten, noch ihren Angehörigen, noch all jenen etwas nutzen, die daraufhin auf Dinge verzichten, die sie sonst erlebt hätten.

Alternative 2: Totalüberwachung.

Der Staat schlägt zurück. Überall Polizei, überall Kameras, (Mobil-)Telefone, Computer, Autos, in allem kann sich der Staat einloggen und nachschauen, ob jemand von uns Übles plant. Vorteil: Das könnte die Zahl der Anschläge tatsächlich verringern. Nachteil: Wir hätten dann vermutlich ein anderes Problem, nämlich einen Staat auf dem Weg zur Autokratie.

Alternative 3: Muslime raus. Oder wenigstens nicht rein.

Wenn Ausweisung nicht möglich ist, sofortiger Einreisestopp für alle Menschen, die Mohammed als ihren Propheten anerkennen. Oder hilfsweise für alle, die Arabisch sprechen. Diese Maßnahme wäre völlig ungerecht, weil viele Muslime oder viele Arabisch sprechende Menschen, die mit Terror überhaupt nichts am Hut haben, davon betroffen wären. Andererseits wäre die Wahrscheinlichkeit relativ hoch, dass potenzielle Täter darunter sind. Und es würde dem Rest die Totalüberwachung ersparen. Mit allen Muslimen oder Arabern weltweit hätte man es sich aber gründlich verdorben. Hat da jemand „Erdöl“ gesagt? Ach ja, auch wenn man in den letzten Jahren zu anderen Ergebnissen kommen konnte: Arabisch sprechende Islamisten haben kein Monopol auf tödliche Attentate. 

Aktuell bevorzugt die Politik eine Mischung aus Alternative 1 und Alternative 2. Mit Schwerpunkt auf Alternative 1. 

Wie erwähnt: Keine der Alternativen gefällt. Aber wer sagt, dass das in der Politik immer der Fall zu sein hat? Der Werwohlf würde bei dieser Ausgangslage alle diese Alternativen einer demokratischen Willensbekundung unterwerfen wollen. Egal, für welche man sich dann entscheidet: Jeder sollte sich der Konsequenzen bewusst sein. Jede Nichtentscheidung ist übrigens auch eine Entscheidung, und zwar für Alternative 1. Die kann man durchaus bevorzugen, sollte das dann aber auch ehrlich mit allen Folgen so kommunizieren.

Sollte einer der – die Meinungen widersprechen sich – sechs bis acht Leser noch eine vierte Alternative nennen können (bitte eine knackige und keine wolkigen Maßnahmenpakete, die dann doch wieder auf 1-3 zurückzuführen wären), so ist diese in den Kommentaren herzlich willkommen. Es kann nur besser werden.

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17 Kommentare on “Alternativen gegen den Terror”

  1. Hans Brox sagt:

    1 ist gut. Nur damit macht man deutlich, dass man wirklich weitermacht wie bisher.

  2. erlingplaethe sagt:

    Es gibt noch einen anderen Ansatz und m.E. die 4. Alternative. Gleichzeitig die von mir bevorzugte.
    Massive Kontrolle aller Moscheen. Keine Predigt ohne dass mitgehört wird. Kappung ausländischer Geldflüsse in die Moscheen und Rauswurf von ausländischen Religionsbehörden wie Ditib.
    Da auch die anderen Alternativen sehr absolut daherkommen habe ich mir jetzt erstmal auch eine Feinabstimmung erspart.
    M.E. geht sind die Moscheen und das was in ihnen gepredigt wird, die Hauptursache des Problems.
    Als 5. Alternative, und begleitend zur 4. müssten wieder durchgängig effektive Grenzkontrollen eingeführt werden da die EU offenbar die Außengrenze nicht vor illegaler Einwanderung schützen kann.

    • erlingplaethe sagt:

      Und falls die Standardfrage kommen sollte, hier gleich die Antwort: Ja, für mich steht jede Moschee unter Generalverdacht.

      • Dr. Caligari sagt:

        Hallo Herr Erlingplaethe,

        ich kann mich Ihrem Vorschlag unmöglich anschließen.
        Mit dieser Generalüberwachung aller Moscheen würde man nur einen echten Keil zwischen die Kulturen treiben und damit die Gefahr noch größer machen.

        Dem Gedanken des Profilings stehe ich dagegen aufgeschlossen gegenüber. Es ist schon paradox, dass dieses vernünftige Verfahren von der Mehrheit als Diskriminierend abgelehnt wird, gleichzeitig aber sowas passiert wie:
        – Bestimmte Risikogruppen müssen als Autofahrer mehr Geld an die Versicherung bezahlen als andere. Das ist legitim.
        – Sowas wie Frauenquoten weren einegführt.

        Dies alles sind doch Fälle von Diskriminierung, nur da sind sie plötzlich gut? Absurd!
        Also scheint ja Diskriminierung nicht pauschal böse zu sein. Wieso soll es also ausgerechnet bei der inneren Sicherheit böse sein? Ich als Mann muss auch damit leben, dass ich eher der Täter bin als eine Frau.

        Alles gute,

        Caligari.

    • n_s_n sagt:

      In der Dokumentation „Europa deine Muslime“ mit Hamed Abdel Samad war dieses lange Interview mit einem belgischen Polizisten, welcher die Radikalisierung der Gläubigen über die letzten Jahrzehnte durch Predigten beschrieb. Ob man ihm glauben sollte, weiß ich nicht. Mir allerdings erscheint diese Sicht sehr schlüssig, nicht zuletzt aufgrund der antiwestlichen Entwicklung in vielen muslimischen Ländern, welche über den gleichen Zeitraum zu beobachten ist.

      Ein wichtiges Detail bei dieser Lösung, wäre auch noch die konsequente Verfolgung entsprechender antiwestlicher Propaganda über das Internet. Und an dieser notwendigen Maßnahme und der leider herrschenden Realität erkennt man leider, wie groß die Bewusstseinsänderung in unserer Gesellschaft sein müsste, einen solchen Vorschlag zu erwägen.

      Auf jeden Fall erscheint mir persönlich der Vorschlag Erlings als der sinnvollste. Er wird kurzfristig zwar erst einmal nichts verbessern. Mittelfristig hat er allerdings das Potential die Radikalisierung der letzten Jahrzehnte zurück zu drehen und vielleicht sogar von Europa ausgehend eine Reform des lslam anzustoßen.

      • erlingplaethe sagt:

        Constatin Schreiber hat in „Inside Islam – was in deutschen Moscheen gepredigt wird“ ebenfalls den Widerspruch zwischen öffentlicher Darstellung sowie Meinungsbekundung und tatsächlichem Tenor in den Predigter angeblich moderater und integrationsbereiter Moscheen dargelegt.
        Sein Report wäre eigentlich Grund genug staatliches Handeln zu korrigieren.
        Was stattdessen getan wird, ist der Versuch mit den Konsequenzen aus dem „Nichtangriffspakt zwischen europäischen Regierungen und dem antijüdischen Terrorismus“ (Marcel Gyr) irgendwie klarzukommen.

      • Werwohlf sagt:

        Ein wichtiges Detail bei dieser Lösung, wäre auch noch die konsequente Verfolgung entsprechender antiwestlicher Propaganda über das Internet. Und an dieser notwendigen Maßnahme und der leider herrschenden Realität erkennt man leider, wie groß die Bewusstseinsänderung in unserer Gesellschaft sein müsste, einen solchen Vorschlag zu erwägen.

        Vor allem bei der labernden Klasse und den im Netz Öffentlichkeit herstellenden Unternehmen. Islamistische Hetzer haben kaum Probleme, ihre Mordaufrufe und ähnlich ekelhaftes Zeugs zu verbreiten, während jede Islamkritik bereits als höchst verwerflich gelöscht werden kann.

    • Klaus sagt:

      Überwachung von Moscheen und Grenzkontrollen sind von Werwohlfs 2. Alternative abgedeckt.

      • erlingplaethe sagt:

        Sehe ich nicht so. Ich habe mir das auch überlegt. Ich meine keine Videoüberwachung von Moscheen sondern ein Monitoring dessen, was in den Moscheen gepredigt wird. Und was die 2. Alternative mit effektiven Grenzkontrollen (das wäre das Ende des Schengenabkommens) zu tun haben soll, kann vielleicht der geschätzte Werwohlf erläutern.

        • Klaus sagt:

          Effektive Grenzkontrollen wären bei Alternative 3 wohl unumgänglich und damit abgedeckt.

          • erlingplaethe sagt:

            Ok, jetzt soll es die 3. Alternative sein. Mein Ansatz ist aber gerade nicht der, alle Muslime draußen zu halten, sondern alle Einreisenden zu kontrollieren. Am besten so wie in Amerika.

    • Werwohlf sagt:

      Massive Kontrolle aller Moscheen. Keine Predigt ohne dass mitgehört wird. Kappung ausländischer Geldflüsse in die Moscheen und Rauswurf von ausländischen Religionsbehörden wie Ditib.

      Die Bemerkung, dass zumindest der erste Teil grundgesetzwidrig sein dürfte, sei hier nur formell angebracht, denn meine mit Handeln verbundenen Alternativen sind das ja wohl auch. Das Problem in der Sache dürfte hier aber sein, dass sich die Hassprediger dann wohl in den Untergrund zurückziehen würden, so dass ohne Verbindung zu Alternative 2 die Maßnahme viel von ihrer Wirkung verlöre.

  3. Klaus sagt:

    Die einzig wirklich funktionierende Alternative ist:
    4. Das Äquivalent zu G-23 Paxilon-hydrochlorate versprühen. Nebenbei hilft es gegen Rassismus, Klimawandel und Umweltzerstörung. Ha!

    Lieber Werwohlf, dein Beitrag klingt wie immer vernünftig, aber selbst wenn alle Folgen ehrlich kommuniziert werden und die Bürger dann demokratisch ihren Willen bekunden dürfen bin ich mittlerweile völlig überfordert.

  4. Dr. Caligari sagt:

    Lieber Herr Wohlf,

    Sie haben längst nicht alle Alternativen geprüft.
    Zum einen: Überwachung hilft nachweislich nicht.
    Selbst die elektrische Fußfessel hält die Täter nicht vom Schlachten ab. Das Internet zu überwachen ist auch wirkungslos, es sei denn, man will das Netz vom „Schmutz und Schund“ des 21. Jahrhunderts reinigen.

    Was hilft?

    Eine Mischung zwischen 2 und 3 vielleicht?
    Also: Profiling. Haßprediger und ihr Standardpublikum überwachen, mit den gemäßigten Immamen zusammenarbeiten und systematisch alle potentiellen gefährder dort anschwärzen („Du verlierst ein Schäfchen“). Und wie gesagt: Mehr Polizei. Mehr Polizei auf Öffentlichen Plätzen, mehr Kontrollen und natürlich Profiling.

    Nicht, dass ich diese Maßnahmen toll finden würde.
    Aber Alternative 2 ist der Orwell-Staat im dem keiner freiwillig leben, nicht mal sterben möchte und Alternative 3 ist einfach Sippenhaft. Natürlich gibt es ein Spektrum dazwischen.

    Und wie gesagt: Diese Form des Terrorismus geht nun mal von einer ganz bestimmten Gruppe aus und ist deshalb grundsätzlich handhabbar. Dass Drogendealer oder dergleichen ärger machen, das lässt sich selbst außerhalb einer freien Gesellschaft nicht komplett verhindern.

    Alles gute,

    Caligari.

    • Werwohlf sagt:

      Also: Profiling. Haßprediger und ihr Standardpublikum überwachen, mit den gemäßigten Immamen zusammenarbeiten und systematisch alle potentiellen gefährder dort anschwärzen („Du verlierst ein Schäfchen“). Und wie gesagt: Mehr Polizei. Mehr Polizei auf Öffentlichen Plätzen, mehr Kontrollen und natürlich Profiling.

      Der Glaube an die hierfür notwendigen Fähigkeiten des Profiling geht mir etwas ab, und ich bezweifle sehr stark, dass Polizeipräsenz gegen Terrorismus besonders viel ausrichten würde. Sie führt dann vielleicht dazu, dass sich die Zahl der Opfer von Messerstechern verringert (ganz verhindern wird auch sie sie nicht), aber die Attentate von Nizza, Berlin und jetzt Barcelona wären wohl auch so über die Bühne gegangen.

      Zusammenarbeit mit gemäßigten Imamen setzt voraus, dass man solche kennt. Nur allzu oft entpuppen sich angebliche Exemplare dieser Gattung im Kreis der Ihren, vor allem, wenn sie sich von einer Sprachbarriere geschützt fühlen, doch als Radikalinskis.

      Und gegen ein Abtauchen in den Untergrund oder die Untiefen des Netzes ist auch das eher wirkungslos.

      Aber Alternative 2 ist der Orwell-Staat im dem keiner freiwillig leben, nicht mal sterben möchte und Alternative 3 ist einfach Sippenhaft.

      Tja, in die Richtung ginge das. Der Grund, warum ich mir Zwischentöne ersparte, ist die Überlegung, dass weniger radikale Maßnahmen immer Lücken auflassen würden, die uns näher an Alternative 1 bringen. Es ist eben eine Frage der Prioritäten. In allererster Linie geht es mir um Ehrlichkeit, und ich bin mir gar nicht mal so sicher, dass, wenn Alternativen tatsächlich ehrlich diskutiert würden, dann eine recht große Mehrheit nicht für heute als ganz übel geltende Alternativen zu gewinnen wäre.

      Wenn es so ist, dass man heuzutage damit rechnen muss, von jemandem, der unsere Gesellschaft angeblich bunter macht, abgemurkst zu werden, weil seine Religion das von ihm verlangt, und dass der Staat dagegen nichts unternehmen will, weil ihm andere Dinge wichtiger sind, die als Errungenschaften gelten, fürchte ich, dass man auf diese Errungenschaften bald nichts mehr geben wird.

      • Dr. Caligari sagt:

        Hallo Hr Wohlf,

        zu Ihrem Beitrag, Sie schreiben:
        „Der Glaube an die hierfür notwendigen Fähigkeiten des Profiling geht mir etwas ab, und ich bezweifle sehr stark, dass Polizeipräsenz gegen Terrorismus besonders viel ausrichten würde.“

        Das Profiling ist keine Glaubenssache, man kann durchaus die Erfahrungen anderer Länder heranziehen.
        Klar gibt es Personen, die eher eine W’Keit für sowas wie Islamismus haben als andere Personen. Man wird damit nicht alle finden, aber man wird es damit schon schwerer machen.

        Natürlich kann die Polizei helfen, wenn sie die notwendigen Maßnahmen ergreift, z. B. Zufahrt kontrollieren. Leuten Messern wegnehmen usw.

        Weiterhin:
        „Zusammenarbeit mit gemäßigten Imamen setzt voraus, dass man solche kennt.“

        Zur Not kann man ja selbst welche ausbilden. Ein deutscher Religionsgelehrter, der über „Gender in der Religion“ promoviert hat, ist wohl eher nicht terrorverdächtig, oder?
        Ich bin überzeugt, wenn man sich wirklich bemüht findet man viele gemäßigte. Nur schaffen es die, jenseits der schwarzen Schaffe, nicht in die Tagespresse.

        Weiterin:
        „Und gegen ein Abtauchen in den Untergrund oder die Untiefen des Netzes ist auch das eher wirkungslos.“

        Das ist wahrscheinlich ein Risiko, das man eine freie Gesellschaft aushalten muss. Auch hier kann man kollektive Kontrollstrukturen aufbauen. Ich meine, eine soziale Gruppe, die es hinbekommt einen starken Gruppendruck z. B. im Fastenmonat zu erzeugen, die schafft auch sowas, so sie dann will.

        Weiterhin:
        „In allererster Linie geht es mir um Ehrlichkeit, und ich bin mir gar nicht mal so sicher, dass, wenn Alternativen tatsächlich ehrlich diskutiert würden, dann eine recht große Mehrheit nicht für heute als ganz übel geltende Alternativen zu gewinnen wäre.“

        Entschuldigung, aber mir fehlen einfach die Zwischentöne.


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