Des Werwohlfs Vorurteil gegenüber Journalisten

Selbstverständlich hat auch der Werwohlf Vorurteile. Die sind unvermeidbar. Wer keine hat, macht sich keine Gedanken über andere. Wichtig ist allein, dass man in der Lage ist, ein Vorurteil auch mal über Bord zu werfen, sobald das Objekt dieses Vorurteils sich in der eigenen Erfahrungswelt materialisiert. Vorurteile können immer nur vorläufige Urteile sein und müssen gegenüber konkreten Erfahrungen zurücktreten. Offenheit gegenüber Neuem und die ständige Bereitschaft, überholte Überzeugungen neuen Erkenntnissen anzupassen, sind dafür natürlich unabdingbar – wenn das fehlt, ist es aber nicht das Problem des Vorurteils…

Wie dem auch sei: Der Werwohlf hat ein Vorurteil gegenüber Journalisten. 

Er hält sie für weniger intelligent, realitätsferner und grundsätzlich linker als er selbst es ist. Sollte ein Journalist das lesen: Sorry. Kann sein, dass Sie nicht darunter fallen. Der Werwohlf kann selbstverständlich nicht ausschließen, dass Sie intelligenter, realitätsnäher und – sagen wir mal – liberaler sind als er es ist. Nur hält er es für wenig wahrscheinlich. Und ebenso selbstverständlich können die drei von ihm genannten Merkmale unterschiedlich stark ausgeprägt sein: Sie mögen intelligenter sein als er aber z.B. doch der Realität entrückter. Kann alles so sein, aber für die Masse hält der Werwohlf sein Vorurteil aufrecht. 

Wenig zu dessen Eliminierung trug bei, dass seine Mitschüler, von denen er wusste, dass sie den Beruf des Journalisten anstrebten, in Fächern gnadenlos versagten, denen er eine gewisse Korrelation zu Intelligenz unterstellt, also z.B. Mathematik. Von Ökonomieverständnis gar nicht erst zu reden – da fehlt es in Deutschland sowieso an geeigneten Lehrern (bis in die Unis hinein). 

Die späteren Begegnungen mit „ausgewachsenen“ Journalisten trugen leider nicht dazu bei, das Vorurteil zu revidieren. Der Werwohlf hörte allerdings davon, dass einige unter ihnen sich später gegenüber anderen als ihm intellektuell überlegen bezeichneten. Vielleicht ist ihm da gerade wegen seiner geistigen Minderausstattung einiges an Brillanz entgangen. Auch das will er nicht ausschließen, hält es aber aufgrund anderer Feedbacks für eher unwahrscheinlich.

Nun ist der Werwohlf auch bei Twitter. Dort äußern sich viele Journalisten. Der Werwohlf folgt einigen davon[1], aber diejenigen, die sein Vorurteil bestätigen, werden ihm eher von anderen in die Timeline gespült. Es ist hier wirklich auffällig, wie offen viele Journalisten, ob bei namhaften Zeitungen beschäftigt oder beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk, auf Twitter sowohl ihrer ideologischen Einseitigkeit als auch ihrem Unwillen zur Diskussion mit Andersdenkenden Ausdruck verleihen. Zugleich ist es erschreckend. Von solchen Leuten eine eher informative statt manipulativ-ideologische Berichterstattung zu verlangen, wäre krasse Realitätsverweigerung. Diese Damen und Herren haben unzweifelhaft eine Mission, und sie wählten ihren Beruf offensichtlich aus genau diesem Grund, nämlich ihre Mission voranzubringen. 

Der Werwohlf kann seinen zwei Lesern nur empfehlen, sich auch auf Twitter anzumelden, um die Stellungnahmen möglichst vieler Journalisten zu verfolgen. Ansonsten bleibt nur eins: Maximale Skepsis und null Vertrauen gegenüber dem, was man in vorgeblich seriösen Medien aufgetischt bekommt. Immer kritisch bleiben, nichts als endgültig gegeben hinnehmen, vermeintlichen Experten misstrauen, alternative Quellen studieren und sich erst dann ein Bild machen. Es hilft natürlich, wenn man an einen der wenigen Journalisten gerät, bei denen das Vertrauen gerechtfertigt ist, weil er oder sie sich vor allem der faktenorientierten Information der Leser/Zuhörer/Zuschauer verpflichtet fühlen. Aber auch das erfordert eine längere Phase der Prüfung.

Diese Ratschläge zu befolgen, ist übrigens auch dann sinnvoll, wenn man mit den Vorurteilen des Werwohlfs nichts anfangen kann…

[1] Natürlich gibt es ausgezeichnete Journalisten. Die Welt folgt eben nicht zu 100% den Vorurteilen eines Werwohlfs. Zum Glück.

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7 Kommentare on “Des Werwohlfs Vorurteil gegenüber Journalisten”

  1. n_s_n sagt:

    „Der Werwohlf kann seinen zwei Lesern nur empfehlen…“

    Nach meinen statistischen Erhebungen hast du sechs Leser. Nicht, dass dies einen Unterschied für die Rettung der Welt macht, aber trotzdem: So viel Bauchpinselei darfst du dir gönnen.

    • Dennis sagt:

      Falls ich da nicht mitgerechnet bin, sind es sieben. Das ist zahlensymbolisch durchaus bedeutend mit diversen Interpretationen, zum Beispiel den Siebengescheiten.

      • Gutartiges Geschwulst sagt:

        Sofern meine Person infrage kommt, würde ich gerne als achter Leser mitgerechnet werden. Im Sinne der Zahlensymbolik wären wir dann die Achtbaren.

        • Werwohlf sagt:

          Ich fürchte, ich muss meinen Schreibstil überdenken, wenn ich für eine so große Öffentlichkeit publiziere.

          • n_s_n sagt:

            Keine Angst. Die beiden hatte ich bereits in meiner Statistik und musste gerade feststellen, dass ich sie doppelt zählte. Alles gut also. Alles im grünen Bereich. Du läufst keine Gefahr auf deine alten Tage Mainstream zu werden…

            • Werwohlf sagt:

              Da bin ich aber wirklich beruhigt. In Sachen Vereinen halte ich es ja bekanntlich mit den Herren Mey („Bevor ich mit den Wölfen heule“) und Marx. Also wie immer nicht Karl, sondern Groucho…

            • n_s_n sagt:

              Allerdings hätte ich doch noch etwa Salz für deine Wunde, mein liebes wohlfühlendes Wertier: Ich vermute in einigen Jahren werden das Sentiment deiner Gedanken der neue Mainstream sein. Zumindest außerhalb des Journalismus. Sie werden dann so übertrieben und exzessiv sein, dass du wohl in der Tat deinen Schreibstil ändern würdest. That’s the was life goes.😘


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