Was zu Terrorismus, Islam und Einwanderung

Diesen Text schrieb der Werwohl wenige Tage nach den Morden von London:

„Es ist wieder passiert. Wie immer liegen kurz nach so einer Tat noch keine “gesicherten Erkenntnisse” vor, aber sowohl das Tatmuster als auch die ersten Augenzeugenberichte deuten darauf hin, dass hier wieder einmal islamistische, oder besser: salafistische Attentäter ihr blutiges Werk verrichteten.In einem ersten sarkastischen Reflex empfahl der Werwohlf der Politik, sich ihre Phrasen, die bei solcher Art Anlässe üblicherweise gedroschen werden, lieber zu sparen, denn wir hätten ja noch die vom letzten Mal parat. Da konnte er noch nicht ahnen, wie sehr sein Sarkasmus vom praktischen Zynismus der Politik bestätigt werden würde. In der Tat hängen ihm die leeren Worte von Trauer oder in Gedanken bei den Angehörigen sein ebenso zum Hals heraus wie die folgenlosen Beschwörungen von Konsequenzen. Und es gibt doch tatsächlich immer wieder irgendwelche Holzköppe, die mit einer tadellosen Moral entlehnten Entrüstung jeden kritisieren, der nicht als ersten Kommentar diese Formeln abliefert. Es ist verständlich, wenn nationale Symbole wie eine Queen oder ein Bundespräsident mit solchen Worten den Gefühlen einer – ja: – Nation Ausdruck verleihen, aber der Job der Regierungschefs und –chefinnen ist nicht die salbungsvolle Rede, sondern die konkrete Tat. Und zwar nicht hinterher bei der Verfolgung der gewöhnlicherweise “polizeibekannten” Täter, sondern vorher zum Schutz der Bürger, von denen sie gewählt wurden.

Aber daran scheint es zu hapern, unter anderem aufgrund der mit Tagesabstand eintrudelnden Relativierungen und Vernebelungen, die unseren vom Ennui an sich selbst geprägten Gesellschaften mittlerweile eigen sind. Zunächst wird konstatiert, die Tat habe “nichts mit dem Islam zu tun” bzw. die Täter seien keine “wahren SchottenMuslime”. Es ist verständlich, wenn manche Muslime sich diesen Unsinn wünschen, aber es besteht für Nicht-Muslime kein Anlass, diese Beschwichtigungen nachzuplappern. Woher soll man als Christ oder Atheist wissen, was denn der “wahre Islam” sei? Wir sehen nur, dass diese Religion hier und heute rechtfertigt, beliebige Zivilisten zum Ziel blindwütige Mordens zu machen. Wir sehen nur, dass dort, wo diese Religion Staatsreligion ist, Unrecht, Willkür und Gewalt regieren. Also wenn der “wahre Islam” anders ist, dann muss man sich doch fragen, wo der denn zum Ausdruck kommt, wenn es ans Eingemachte geht. Und man muss sich fragen, woher der denn Ergebnisse von Umfragen unter Muslimen kommen, in denen beträchtliche Prozentsätze der Befragten eine gewisse Sympathie für die Taten von Dschihadisten bekunden und es für sich ausschließen, terroristische Pläne ihrer – ja, was, also doch: – Glaubensbrüder an die Polizei der Ungläubigen zu verraten. Genau dort ist jedoch der Knackpunkt. Die immer wieder gern verlangten öffentlichen Bekundungen und Distanzierungen der Muslime von im Namen des Islam ausgeübter Gewalt sind überflüssig und wären eher sinnfrei. Viel wichtiger, wirksamer und ehrlicher wäre es, wenn es die Terroristen in Moscheen und islamisch geprägten Nachbarschaften keine sichere Zuflucht mehr hätten, weil sie dort als Geächtete jederzeit damit rechnen müssten, dass die Behörden über ihre Existenz informiert werden. Statt auch dort, wo die Sympathie mit ihnen nicht besonders groß ist, wenigstens – wenn auch widerwillige – Duldung erwarten zu können, die von Schutz vor Stratverfolgung dann übrigens auch nicht mehr zu unterscheiden wäre. Und es wäre ein schönes Zeichen, wenn Vertreter von Muslimen sich nicht sofort selbst in die Opferrolle drängeln und letztlich den Nicht-Muslimen die Schuld an den Übeltaten ihrer Mitbrüder in die Schuhe schieben würde, denn das ist auch nichts anderes als ein Spucken auf die Gräber der eben Ermordeten. Nein, die Attentate der Salafisten waren keine Anschläge gegen den Islam.

Sie waren übrigens in erster Linie auch keine Anschläge gegen irgendwelche abstrakten Werte, sondern gegen ganz reale Menschen mit ganz realen Leben, und genau solche sollte es treffen und wird es auch bald wieder treffen. Deswegen gilt  des Werwohlfs Verachtung auch denen, die uns einreden wollen, jede Aktion, die weitere solche Verbrechen verhindern soll, spiele doch nur den Terroristen in die Hände, weil die ja “genau das wollen”. Mit anderen Worten: Es gehört jetzt mittlerweile zum Alltag, sich von durchgeknallten religiösen Fanatikern massakrieren zu lassen, das ist wie Blitzschlag oder Autounfall. Manche formulieren dies mittlerweile auch recht unverhohlen. Hauptsache, es müssen keine Entscheidungen getroffen werden, die liebgewonnenen oder für andere Zwecke noch gebrauchten Weltbildern widersprechen.

Inzwischen werden schon die ersten Vergleich mit den Zuständen in Israel gezogen. Was den Hass der Täter angeht, ist das vielleicht vergleichbar. Aber wenn die Israelis nicht ziemlich kompromisslos auf diese Gefahren reagieren würden, gäbe es ihren Staat womöglich längst nicht mehr. In Israel ist man doch tatsächlich der wahnwitzigen Meinung, dass jemand, der einen Juden umbringen will, womöglich das auch ín erster Linie beabsichtigt hat.“

Inzwischen wissen wir etwas mehr. Unter anderem auch, dass es tatsächlich Muslime gab, die spätere Täter bei den Behörden wegen ihres Verhaltens meldeten, so dass sich der Vorwurf mehr gegen letztere richten müsste. Das gibt Anlass zur Hoffnung, aber noch scheinen die Täter über Milieus zu verfügen, die sie decken. Nötig ist eine durchgehende Ächtung unter den Muslimen, die es den Übeltätern unmöglich macht, sich in islamischen Gemeinschaften wie der Fisch im Wasser zu bewegen. Klar ist aber auch, dass allein die schiere Zahl der „Gefährder“ die Behörden überfordert.

Gerne wird darauf verwiesen, dass unter den Terroristen nicht nur Zugewanderte, sondern auch solche zu finden sind, die schon länger hier leben. Das mag vielleicht die alleinige Fixierung auf die Zuwanderung aufheben, lenkt dafür aber den Blick auf die Ideologie, die von vielen Zugewanderten mitgebracht wird: den Islam. In einem der beiden (der Werwohlf weiß leider nicht mehr, in welchem, aber man sollte sich eh beide anschauen..,) sehr empfehlenswerten Filme des Briten Robb Leech über seinen islamistischen Stiefbruder erläutert ein Imam den Radikalisierungsprozess: Die späteren Täter nehmen Nachrichten von tatsächlichen oder angeblichen Misshandlungen und Untaten an Muslimen irgendwo auf der Welt zum Anlass, sich selbst mit diesen zu identifzieren und in deren Namen Rache zu üben. Eine ebenso interessante wie erschreckende Parallele findet sich in einer von Wolfang Kraushaar kolportierten Aussage Horst Mahlers, die spätere Terroristin Ulrike Meinhof habe auf einen Fernsehbericht über den Vietnam-Krieg mit den Worten reagiert „Das können die mit mir nicht machen!“. Es geht in solchen Fällen also offensichtlich weniger um konkretes Erleben als um subjektiv angeeignetes. Und damit laufen die bei solchen Gelegenheiten gerne beschworenen sozialpolitischen Instrumente ins Leere.

Sicher kann man mehr Personal einstellen. Oder für mehr Überwachung sorgen. Aber ersteres könnte allein schon wegen der demografisch ungünstigen Voraussetzungen scheitern (wo sollen die jungen Männer mit den entsprechenden Fähigkeiten herkommen?). Und letzteres ist ein Preis, den westliche Gesellschaften nicht allzu bereitwillig zahlen sollten. Was also bleibt dann als Alternative? Nicht mehr und nicht weniger, als die faktische unkontrollierte Einwanderung zu stoppen. Damit verbleiben noch viel zu viele „Gefährder“ im Land, aber es verringert wenigstens die Wahrscheinlichkeit, dass weitere hinzu kommen. Deutschland muss nur noch Menschen aufnehmen, die nach den Buchstaben des Grundgesetzes Anspruch auf Asyl haben. Und es darf und sollte aufnehmen, wen es darüber hinaus als nützlich für alle ansieht, die schon länger hier leben. Alles andere führt zu einem Niedergang der Standards in allen Bereichen. [1]

Das hiermit skizzierte Konzept mag für viele selbstverständlich klingen. Für besonders meinungsbildende Personen der labernden Klasse hingegen gilt es als rassistisch. Um das zu illustrieren, genügt die Lektüre eines Interviews, in dem sich ein auf Vorteile für Migranten erpichter Lobbyist den kritischen Fragen einer Journalisten stellen musste, der dessen Lobbyismus nicht weit genug ging.

Demnach ist ein Einwanderungsgesetz nur als zusätzliche Option erwünscht, und im Übrigen gilt die Veränderung der deutschen Gesellschaft als geradezu geboten, zunächst aus ethischen, dann, wenn sich der mengenmäßige Erfolg abzeichnet, auch aus pragmatischen Gründen, bis hin zur Forderung, in deutschen Schulen müsse selbstverständlich auch die Geschichte der Heimatländer der Zugewanderten gelehrt werden. Assimilation wird verdammt, das Nebeneinander von verschiedenen Werten gilt als erstrebenswert, weil Deutsches in der Tendenz „überwindend“. Politisch wäre das Ganze durch Quoten zu begleiten – das Wort fällt im „Interview“ zwar nicht, die Absicht wird aber ausreichend skizziert, wenn man die Botschaften zu dechiffrieren versteht: „gesetzlich festgeschriebene interkulturelle Öffnung“, „Verbindlichkeit beispielsweise in Form eines Bundespartizipationsgesetzes“.

Jeder mag für sich beurteilen, wie sich solche Ermunterungen, die mitgebrachten Wertvorstellungen weiter mit Leben zu füllen, auswirken werden. Zumindest sind damit die sich gegenüber stehenden Modelle etabliert.

[1] Es ist mittlerweile wohl auch kaum davon auszugehen, dass das Märchen von den zugewanderten Fachkräften noch irgendwo geglaubt wird. In einem offensichtlich mit sehr migrationsfreundlicher Absicht geschriebenen Artikel der hiesigen Lokalpresse taucht z.B. b eher beiläufig die Mitteilung auf, dass die Fähigkeit zum Deutschlernen sehr dadurch erschwert wird, dass die Schüler z.T. schon in ihrer eigenen Sprache Analphabeten sind.

 

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14 Kommentare on “Was zu Terrorismus, Islam und Einwanderung”

  1. Muriel sagt:

    Woher kommt denn die Erkenntnis, dass ein verändertes Einwanderungsrecht nützlich wäre, und wie genau müsste es deines Erachtens verändert werden?

    • Werwohlf sagt:

      Zur ersten Frage:

      Damit verbleiben noch viel zu viele „Gefährder“ im Land, aber es verringert wenigstens die Wahrscheinlichkeit, dass weitere hinzu kommen.

      Zur zweiten Frage:

      Deutschland muss nur noch Menschen aufnehmen, die nach den Buchstaben des Grundgesetzes Anspruch auf Asyl haben. Und es darf und sollte aufnehmen, wen es darüber hinaus als nützlich für alle ansieht, die schon länger hier leben.

      Aber den Text hast du schon gelesen? 😉

      • Muriel sagt:

        Schon. Ich dachte halt, du hast noch mehr als eine nackte Behauptung und diese vage Vorstellung, deshalb dachte ich, ich frag mal.

        • Werwohlf sagt:

          Du bist herzlich eingeladen, jeder nackten Behauptung zu widersprechen, aber mit dem Ausfertigen von Gesetzesentwürfen beginne ich frühestens, wenn hinsichtlich der Zielrichtung Konsens herrscht…

          • Muriel sagt:

            Naja, was nützt es, wenn du keine Begründung zu bieten hast? Ich hätte gerne mehr erfahren, aber wenn’s nichts gibt, gibt’s hier für mich nichts zu holen.
            Danke trotzdem!

            • Werwohlf sagt:

              Vielleicht hätte es was genutzt, wenn du deine Gegensicht begründet hättest. Aber das werden wir dann wohl nie erfahren… Danke auch!

            • Muriel sagt:

              Verstehe ich nicht. Du kannst deine Position nur Leuten erklären, die eine Gegensicht vertreten?
              Bist du ein verhexter Prinz oder sowas?

            • Werwohlf sagt:

              Och, ich stelle halt eine These auf. Und wenn keiner zeigt, warum die falsch sein soll, gilt die so lange eben weiterhin. Zugegeben, in einer wissenschaftlichen Abhandlung würde ich es anders handhaben, aber die würde ich auch kaum in Blogposts veröffentlichen…

            • Muriel sagt:

              Wow… Na denn. Horrido.

            • Werwohlf sagt:

              CU… Ja, wow! Diese blöde Methode, wonach alles, was falsifiziert werden kann, auch behauptet werden kann, so lange es nicht tatsächlich falsifiziert wird… Wer hat das nur erfunden?

    • n_s_n sagt:

      Ein verändertes Einwanderungsrecht? Dazu müßte Deutschland ja erst einmal eines haben. Mehr als ein Asylgesetz und die Regelung von Aufenthalten hat es ja als Staat bisher nicht hinbekommen.

      Ein Gesetz kann nur die rechtliche Ausführung eines gesellschaftlich gewünschten Zustandes sein. Dies gesagt, kann ein Gesetz nur entstehen und bestehen, wenn ihm ein wohldefinierter, großteils kohärenter Wille unterliegt.

      Dies ist in Deutschland bei dem Thema Einwanderung meines Ermessens nicht der Fall.

      Ich habe einmal die interessante, zugespitzte These gelesen, dass die gesellschaftliche Interpretation von Einwanderung in Deutschland als so etwas wie der Erlöser für den Schuld/Sühne Komplex, folgend aus der Barbarei des Dritten Reiches verstanden werden kann.

      Gleich ob man diesem Gedanken folgen möchte oder nicht, erscheint mir das Bild von Einwanderung in Deutschland so diffus und von ideologischen, inkohärenten Wünschen geprägt, dass ein vernünftiges Gesetz dazu kaum möglich ist. Der erste Schritt zu einem Einwanderungsgesetz, müßte daher sein, den gesellschaftlichen Willen kohärent in dieser Frage zu erkennen. Dazu müßte man dann so mutig sein klar zu benennen, in wie weit man die bestehende Gesellschaft erhalten möchte oder ob man gar möchte, dass sie sich komplett auflöst. Das ist zu tun und davon sind wir weit entfernt.

      Hat man es allerdings getan, kann man sicher recht einfach ein Gesetz zu diesem „gesellschaftlichen Willen“ machen. Das ist dann „nur“ noch formale Juristerei.

      Herzlich

      n_s_n

      • Werwohlf sagt:

        Vielen Dank, lieber n_s_n, für diese Konkretisierung dessen, was ich auch mit „wenn hinsichtlich der Zielrichtung Konsens“ herrscht meinte.
        Es ist auch ziemlich witzlos, konkrete Ausformulierungen zu Gesetzen zu verlangen, wenn man schon das Ziel, das mit ihnen erreicht werden soll, nicht teilt.

  2. n_s_n sagt:

    Ich denke, soweit Deutschland betroffen ist, leidet das Thema Migration an zwei grundlegenden Sachverhalten, welche ineinander greifen.

    – Die weit verbreitete Unfähigkeit der deutschen Gesellschaft sich selbst intrinsisch positiv zu begreifen, so wie sie derzeit ist.
    – Ein gesellschaftlicher Totalpazifismus, der Gewalt voraussetzungslos ablehnt.

    Was Menschen, soweit meine persönliche Erfahrung reicht, selten bis niemals begreifen ist der Sachverahlt, dass man, wenn man eine bestehende Ordnung schützen und gleichzeitig Gewalt verhindern möchte, grundsätzlich zur (staatlichen) Gewalt bereit sein, bzw. sie in gewissen Formen oder unter gewissen Umständen moralisch legitimiert sehen muß.

    Die Unfähigkeit die eigene Gesellschaft als intrinsisch positiv zu begreifen führt dazu, dass unsere Gesellschaft keine schützenwerte, bestehende Ordnung sieht, welche ein Totalpazifismus ohnehin zu schützen verböte.

    Das mag stark vereinfacht und zugespitzt sein aber wohl an den Kern des Problems rühren, mit dem wir uns derzeit konfrontiert sehen.

    • Werwohlf sagt:

      Da ist was dran. Wie soll Respekt vor den Menschen und den Sitten und Gebräuchen des Ziellandes entstehen, wenn die Einwanderer als Überwinder des verhassten Deutschseins begrüßt werden? Wenn immer wieder mit zweierlei Maß gemessen wird? Es muss etwas mit einem durch Auschwitz ausgelösten protestantisch geprägten Schuldkomplex zu tun haben, dass Heil im Grunde nur noch in mit Selbstgeißelung kombinierter kollektiver Fernstenliebe und pathologischer Umdrehung des alten Nationalismus und Rassismus in ihre Gegenteile gefunden werden kann. Maß und Mitte sind diesem moralischen Rigorismus fremd. Der Totalpazifismus, den du ansprichst, ist eine Facette davon.


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