Was zum jüngsten AfD-Parteitag (oder: Die Organisation des Zorns)

Zunächst eine kleine Vorbemerkung: Wer es sich angetan hat, auf diesem Blog frühere Beiträge zur AfD zu lesen, wird in diesem kaum etwas Neues finden. Es folgt also so eine Art Re-Mix.

Von vielen Kommentatoren ist die Entscheidung des Kölner AfD-Parteitags, den Antrag zur Richtungsentscheidung, den die Vorsitzende Frauke Petry einbringen wollte, nicht auf die Tagesordnung zu setzen, als Sieg des rechten Parteiflügels und folglich als Menetekel für die weitere Entwicklung  der Partei eingeordnet worden. Das zeugt allerdings nicht gerade von besonderem Einblick in die Führungsriege sowie die Masse der Mitglieder dieser Partei, und auch nicht in das, was tatsächlich geschah.

Denn zusammen mit dem Petry-Antrag verschwand auch einer des rechten Flügels, der sich gegen das Parteiausschlussverfahren wendete, das zur Zeit gegen den Thüringer Rechtsaußen der AfD, Björn Höcke, läuft. Es handelte sich also um einen Deal, der Delegierten und Mitgliedern das gab, was sie sich am meisten wünschen: Geschlossenheit und Fokussierung auf das gemeinsame Feindbild der durch die Bundestagsparteien geprägten heutigen Politik. Letzteres ist der Kitt, der aus vielfältigsten Positionen eine Partei macht. Nach Einschätzung des Werwohlfs besteht  die AfD neben ein paar Ideologen und Karrieristen (diese allerdings unter den Funktionären besonders stark vertreten) vor allem aus Menschen, die das, was ihre Identität im Wesentlichen ausmacht, nicht gebührend gewürdigt oder sogar massiv angegriffen sehen. Meist handelt es sich um Männer, die das leben, was sie für eine ganz normale bürgerliche Existenz halten, diese im Lauf der letzten Jahre aber immer mehr als entbehrlich hingestellt erfahren, während im Gegenzug Lebensentwürfe und Einstellungen als vorbildhaft und herausragend hingestellt werden, die ihren eigenen Werten und Vorstellungen komplett konträr gegenüberstehen. Man könnte es auch so sagen: Die von den Leitmedien gefeierte Modernisierung trifft auf Menschen, die damit nichts anfangen können und wollen.

Seitdem die CDU sich unter medialem Lob dieser angeblich zwingend erforderlichen und letztlich auch unabwendbaren (vertraut, die Story?) Modernisierung anschloss, und das auch noch mit dem Tempo des Nachzüglers, der schnell wieder aufschließen will, haben diese Menschen keine politische Heimat mehr. Sie fühlen sich zurückgelassen, abgehängt, missachtet und betrogen. Das führt nicht unbedingt zu Hass, aber es führt zu Zorn, großem Zorn. Die AfD gibt ihnen die Gemeinschaft, wo man diesen Zorn gemeinsam ausleben kann. Und nicht nur das: Diese Organisation des Zorns verschafft ihnen auch die Befriedigung, damit jene zu ärgern, gegen die er sich richtet.

Das wollen diese Menschen von der Partei. Sie wollen Dampf ablassen gegen ihre Peiniger, sie wollen Leuten zujubeln, die mit markigen Worten, die ihnen selbst leider nie einfallen, den Etablierten in ihrer moralischen Selbstverliebtheit Saures geben, und sie wollen in Programmen die heile Welt konstruieren, von der sie einmal dachten, sie lebten in ihr. Ihr Ideal ist nicht das Dritte Reich, es ist auch kein reaktionäres Regime, sondern ganz einfach die Bundesrepublik Deutschland von vor ein paar Jahrzehnten. Sie wollen vielleicht ihre Ruhe vor zu viel Außeneinflüssen, und sie wollen sich in ihrer Art, Deutsche zu sein, wohl fühlen können, aber sie streben keine nationale Überlegenheit an. Und im tiefsten Grunde ihres Herzens wollen sie noch nicht mal in irgendeine Koalitionsregierung eintreten, sondern wünschen sich vor allem, die bekannten Parteien fänden wieder zu ihren von früher gewohnten Rollen zurück. Ach ja: Karrieristen wollen sie auch nicht, deswegen, und nicht etwa aufgrund von ideologischen Streitereien hat die jetzt auch mit ihrem berüchtigten Mann als Ballast auftretende Petry zur Zeit schlechte Karten in der Partei.

Die Menschen als Nazis zu diffamieren, ist nicht nur grundfalsch: Es ist auch in höchstem Maße dämlich und sagt damit mehr über die Denkfaulheit oder schlicht Dummheit der Person aus, die solchen Unsinn verzapft, nur um gegen den derart als solchen moralisch legitimierten Ausgegrenzten tief in die Werkzeugkiste des Unmenschen greifen zu können.

Gauland scheint so ziemlich als Einziger wirklich zu begreifen, wie die AfD tickt und ist deswegen auch die einzige unumstrittene Person dort. Der größte Gefallen, den Medien und andere Parteien ihm tun können, ist, dies nicht zu erkennen und sich weiterhin durch Beiträge und Aktionen wie anlässlich des Parteitags als demokratische Kräfte unglaubwürdiger zu machen.

Advertisements


Platz für Senf.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s