Neues der Woche (KW 12)

Mit Erschrecken stellt der Werwohlf fest, dass es schon gut einen Monat her ist, dass er hier einen Beitrag verfasste. Aber so ist das nun mal: selbst und ständig…

Heute ist aber mal Zeit für ein wenig „Neues der Woche“.

Bundestagspräsident

Mit Alexander Gauland „drohte“ dem Deutschen Bundestag nach der nächsten Wahl ein Alterspräsident der AfD. Nun ist das zwar ein Job mit äußerst kurzer Dauer, der nur so lange ausgeübt werden kann, bis als dessen erste Amtshandlung ein Bundestagspräsident vom neuen Parlament gewählt wurde, aber anscheinend fürchtet man sich in Berlin so sehr vor einer Wiederholung der Machtergreifung von 1933, dass einem Abgeordneten der AfD auch diese Funktion unter keinen Umständen gegönnt werden soll. Die in der offiziellen Pressemitteilung aufgeführten Gründe jedenfalls können nicht überzeugen, denn all die angeblichen Probleme, die jetzt plötzlich mit der alten Regelung in Verbindung gebracht werden, bestanden seit Bestehen der Bundesrepublik, ohne dass sie sich jemals signifikant manifestiert hätten.

Diese Funktion aber nach „Dienstalter“ zu vergeben, wäre eine Selbstermächtigung der im Westen etablierten Parteien und der Berufspolitiker. Nun wird man zwar gerade von Alterspräsidenten nicht unbedingt „frischen Wind“ erwarten können, aber die Aufgabe praktisch für Altparteien (zu denen man heute auch die „Grünen“ zählen muss) zu reservieren, hat ein wenig demokratisches Geschmäckle.

Dunja Hayali und die „Junge Freiheit“

Der Werwohlf hat nie zu denen gehört, die der ZDF-Journalistin Dunja Hayali besondere politische Relevanz attestierten. Vielleicht hängt es damit zusammen, dass er morgens zu allem Möglichen imstande ist, nur nicht dazu, einen Fernseher einzuschalten. Er liest auch die „Junge Freiheit“ nur dann, wenn ihm über Twitter ein Link in die Timeline gespült wird, dessen Thema ihn interessiert. So hält er es allerdings gleichermaßen mit allen anderen Online-Publikationen, „mainstreamingen“ und abseitigen von links und rechts.

Es steht dem Werwohlf auch nicht zu, irgendein Generalurteil über Frau Hayali zu fällen. Er kennt sie ja nicht. Manche ihrer Meinungsäußerungen findet er gut, bislang etwas mehr davon eher nicht so gut, einiges lässt in ihm auch den Verdacht hochkommen, dass da manch guter Wille vielleicht durch etwas zu viel Naivität beschädigt wird (Stichwort „Nahost-Karten“). Aber wie gesagt: kein generelles Urteil über die Person. Und wenn er denn eins gefällt hätte, so hätte er es spätestens jetzt revidieren müssen, denn Frau Hayali hat etwas getan, das ihrer wahrgenommenen Motivation einen neuen Aspekt und ihr selbst mehr Authenzität verleiht. Sie hat sich nicht mehr nur Pegida-Marschierer als Interview-Partner herausgegriffen, unter denen die Anzahl derer, die intellektuell mit ihr Schritt halten könnten, vielleicht etwas unterrepräsentiert ist, sondern sie begab sich sozusagen in die Höhle des Löwen, indem sie der Wochenzeitung „Junge Freiheit“ ein Interview gab. Nun will der Werwohlf auch der Zeitung kein Etikett anheften – an dieser Stelle sei nur gesagt, dass er zu den Problemen, die dieses Blatt umtreiben, in der Regel keinen Zugang hat: „Volk“ und „Nation“ sind z.B. Begriffe, die in seinem politischen Denken vor allem als Kriterien Anderer vorkommen.

Die vorhersehbaren Kosten dieses Zusammentreffens waren allerdings etwas ungleich verteilt. Zwar gab es natürlich auch die Rechten, die ihrer Hauspostille vorwarfen, der „Systemjournalistin“ und vielleicht auch „Gutmenschin“ eine Plattform geboten zu haben (dieses „Argument“ ist links wie rechts gleichermaßen nur ein Ausdruck der Angst vor Argumenten), aber so richtig Feuer bekam nur eine Person: Frau Hayali. Und zwar insbesondere auch von all denen, die vorher frenetisch Beifall klatschten, wenn sie wieder mal einem sprachlich herausgeforderten Pegida-Marschierer die Gelegenheit gab, sich vor einem Mikrofon zum Affen zu machen.

Der Werwohlf hat das Interview aus den genannten Gründen noch nicht gelesen und nur Auszüge in Sekundärquellen zur Kenntnis genommen. Seine Wertung gibt den Rechten Recht: Die Gewinnerin ist eindeutig Frau Hayali. Sie hat sich gleichermaßen als mutig, höflich und ihren Werten treu erwiesen. Für alle, die diese Frau vorher nur hassen konnten, muss das eine enorme Herausforderung darstellen. Die von geifernden Linken als Gefahr hingestellte Möglichkeit, dass die „Junge Freiheit“ fortan mit ihren politischen Ansichten mehr Resonanz finden wird, scheint hingegen eher unrealistisch zu sein, zumal die dazu nötigen Ursache-Wirkungs-Ketten nur als bemüht konstruierte vorstellbar wären.

Interessant war aber auch der Einblick in das Denken all derer, die sich Politik nur als Kampf von Gut gegen Böse vorstellen können, mit klaren, von vornherein feststehenden Frontlinien. Ein „Empörter“ brachte die „Junge Freiheit“ mit dem „Neurechten“ Kubitschek in Verbindung, und auf den Hinweis Frau Hayalis, die Zeitung habe sich von diesem Theoretiker abgewendet, hatte er nur das mächtige Argument vorzubringen, beide, sowohl die „Junge Freiheit“ als auch Herr Kubitschek seien ja „rechts“ und damit derselben Richtung zuzuordnen. „Wir“ gegen „die“ – wo Frau Hayali sich gegen dieses Schema wendet, hat sie des Werwohlfs Unterstützung. Was sie vermutlich nicht merken wird, aber für die zwei Leser dieses Blogs sei es gesagt…

Update: Bei der Gelegenheit sei auf ein Interview (Youtube) verwiesen, das Wolfgang Herles mit Norbert Bolz führte. Letzteren unterscheidet in seiner Analyse nur wenig vom Werwohlf, in seiner Therapieempfehlung allerdings schon das eine oder andere. Dennoch: Der Werwohlf kann eine in ihrer Klarsichtigkeit und Stringenz einzigartige halbe Stunde versprechen. (Mit Dank an Twitterer @WoSchBonn).

Home Office IBM

IBM schafft die Home Offices ab. Offizielle Begründung: Nur wenn man „Schulter an Schulter“ arbeite, könne „echte Kreativität und Inspiration entstehen“. Die Sache hat natürlich, wie immer, mindestens mehrere Aspekte. Erstens ist natürlich die Begründung Schwachsinn. Zweitens dürften sich viele IBMler in Home Offices so sehr auf diese Option ausgerichtet haben, dass ein Wechsel für sie nicht in Frage kommt. Womit wir drittens bei der These wären, dass es in Wirklichkeit darum geht, Personal einzusparen. Allerdings ist das Feuern in den USA nicht so schwierig, dass man solche Umwege gehen müsste. Also deutet vieles darauf hin, dass da ein neuer Chef neue Methoden einführen muss (nicht „will“ – neue müssen). Wenn auch die Möglichkeiten, sich vom Home Office in das Arbeitsleben seines Unternehmens einzubringen, durch die Digitalisierung enorm gewachsen sind, so scheint es tatsächlich nicht ganz so wirkungsvoll zu sein, Mitarbeiter ausschließlich so zu beschäftigen. Ohne dass er jetzt Studien dazu gelesen hätte, erscheint dem Werwohlf eine Mischung als die zu bevorzugende Alternative: einige Arbeitstage im Team vor Ort, einige im Home Office. Es hängt natürlich immer auch von der Art der Arbeit ab, aber zumindest die meisten Jobs mit akademischer Ausbildung bringen doch beide Elemente mit sich: die Notwendigkeit des Austauschs im Team als auch die nötige Zeit für sich alleine.

Insofern wirkt die neue Regel der IBM nicht überzeugend und lässt alternativen Motivationen viel Raum. Hätte das Unternehmen gleichzeitig die Schaffung regionaler Zentren verkündet, in denen sich die bisherigen „home alone“-Mitarbeiter an einigen Tagen in der Woche treffen, hätte es wie ein sinnvolles Konzept ausgesehen.

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One Comment on “Neues der Woche (KW 12)”

  1. n_s_n sagt:

    Als einer deiner zwei Leser fühle ich ich geradezu zur Rückmeldung verpflichtet. 🙂

    Danke für den Hinweis auf das Hayali Interview. Ich habe es gelesen.

    Ich war weniger indifferent als Du in ihrer Beurteilung. Meine Wahrnehmung zu ihr war vor allem diese „selbstaffirmative“ Dankesrede damals. Vielleicht habe ich sie aber mit „selbstaffirmativ“ falsch interpretiert. Vor diesem Publikum war sie aber, so wie gehalten, wohl auch schwer anders zu interpretieren.

    Nach der Interviewlektüre in der JF würde ich Hayali aber (wie du auch) ebenfalls positiver sehen. – So schwer mir das fällt. Es wäre interessant für mich, wie sie aus einem Interview mit dir herauskäme.

    Auch die JF überrascht positiv. Beide Parteien haben ein zivilsiertes Gespräch abgehalten, wo bisher nur Beschimpfung existierte. Ein Anfang, welches man als positives Beispiel sehen könnte.


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