Was zu Trump

Es wurde schon viel geschrieben und viel gesagt zur Amtseinführung Trumps. Aber noch nicht von jedem, denn das Heulen des Werwohlfs fehlt noch.

Die Rede war bemerkenswert. Und sie war untypisch für Amtseinführungsreden. Normalerweise nutzen Präsidenten an dieser Stelle die Gelegenheit, etwas Balsam auf die Wunden der bei der Wahl Unterlegenen zu streuen, um das Land wieder hinter sich zu vereinen. Diese Einstellung gilt geradezu als Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Amtszeit in Präsidialsystemen. Nicht so bei Trump. Dessen Ansprache hätte auch als Wahlkampfrede durchgehen können. Sie richtete sich eindeutig ausschließlich an seine Anhänger, und sie verurteilte sowohl seine Gegner als auch pauschal die bisher in Washington aktiven Politiker.

Hingegen inszenierte Trump sich als Volkstribun im genau dem Stil, der auch bei Diktatoren in spe so beliebt ist[1]: Man entwirft ein erschreckendes Bild der aktuellen Lage, erklärt die bisher Gewählten für illegitim und erhöht sich selbst zur einzig legitimen Vertretung „des“ Volkswillens. Dazu passt auch wie die Faust aufs Auge die Proklamation des Tags seiner Amtseinführung[2] als „National Day of Patriotic Devotion“. Ebenfalls bei Diktatoren sehr beliebt und von Trump in seiner Rede eingesetzt: die Identifizierung von fremden Mächten und einheimischen Verrätern als Ursache des Übels.

Kurzum: Der Mann hat auch bei seiner Amtseinführung alle Urteile über ihn bestätigt. Falls es dem Leser noch nicht bekannt sein sollte: Aus Sicht des Werwohlfs ist Trump ein intellektuell minderbemittelter und narzisstischer Wheeler-Dealer mit sehr schwach ausgeprägtem Selbstbewusstsein. Ja, tatsächlich. Denn gerade wer seine eigenen Fähigkeiten ständig ins positive Licht rücken muss und wer auf jeden Angriff äußerst empfindlich reagiert, um dessen Selbstbewusstsein ist es in der Regel ziemlich schlecht bestellt. Wahrscheinlich hat Trump, zumindest im Unterbewusstsein, ein ziemlich realistisches Bild seiner eigenen Persönlichkeit…

Dazu passt dann der Streit um die Teilnehmer an der Amtseinführungs-Zeremonie. Für vernünftig denkende Menschen eine äußerst lächerliche Angelegenheit. Nicht so für diverse Medien, und nicht so für Trump. Im Grunde ist es doch völlig wumpe, wie viele Menschen teilgenommen haben. Über die Legitimität des künftigen Präsidenten sagt es nämlich rein gar nichts aus, denn diese erhält er – Achtung, Überraschung: – allein durch die Wahl. Wer wie viele Leute an einem gegebenen Tag auf die Straße gebracht hat, mag zwar etwas aussagen über die demografische und regionale Zusammensetzung der jeweiligen Anhängerschaft, hält darüber hinaus aber keinerlei politisch relevante Erkenntnisse bereit. Um so lächerlicher die Versuche der Trump-Gegner, mit diesen Zahlen aufzutrump(f)en, und um so lächerlicher die Versuche der Trump-Anhänger, mit geschickter Perspektivwahl aufgenommene Fotos dagegen einzusetzen. Dass aber das offizielle Trump-Lager, vom Sprecher des Präsidenten angefangen, sich auf dieses Terrain begibt (begeben muss?), zeigt, wie wenig souverän die neue „Administration“ agiert. Bei Trump muss alles außerordentlich, nie dagewesen, besonders groß und besonders herrlich sein – drunter tut er’s nicht, und das ist schon mal eine offensichtliche Schwäche, die von Leuten wie Putin ebenso geschickt wie gnadenlos ausgenutzt werden wird.

Auch die ökonomische Inkompetenz Trumps wird den Amerikanern noch viel Freude bereiten. Sicher kann man das Phänomen „Globalisierung“ unter verschiedenen Blickwinkeln unterschiedlich diskutieren. Aber das erfordert zumindest ein grundlegendes Verständnis von wirtschaftlichen Prozessen. Trump geht dieses vollständig ab, wie er z.B. im Interview mit der „Bild“ und der „Times“ belegte. Das ist kein Widerspruch zu dessen Erfolgen als Geschäftsmann[3], denn betriebswirtschaftliches und volkswirtschaftliches Denken unterscheidet sich grundlegend, weil es auf unterschiedliche Fragestellungen zielt[4].

Gibt es also nichts Positives über Trump zu sagen?

Doch. Seine Gegner. Wenn es etwas auf dieser Welt gibt, dass Trump für den Werwohlf in ein etwas positiveres Licht zu rücken im Stande wäre, dann sind es die ausgewiesenen Trump-Gegner. Nicht nur, dass sie dieses absurde Spiel um Teilnehmerzahlen initiiert haben, und dass sie den Eindruck erwecken wollten, als bekomme die Leistung, an einem bestimmten Tag Hunderttausende mit bestimmten Vorurteilen[5] auf die Straße gebracht zu haben, gegenüber einer demokratischen Wahl eine höhere Legitimität. Sondern auch, dass sie sich dazu aufgerufen fühlten, das Eigentum und die persönliche Unversehrtheit Anderer anzugreifen (auch, wenn – huch – mal was daneben geht). Und dass sie sich nicht schämten, ihren Frust am kleinen Sohn Trumps auszulassen, mit einer unter linken Intellektuellen gefeierten „Friedenspreisträgerin“ an prominenter Stelle.

Was aber wiederum nichts Positives über seine Anhänger aussagt. Wo wir eben schon bei „lächerlich“ waren: Die Versuche, die Teilnehmerzahlen zugunsten Trumps aufzublähen, hatten etwas ebenso Rührendes wie Erbärmliches an sich. Überhaupt macht es den Werwohlf traurig, wie sich einige Leute, die er aus dem Netz kennt, von ihrer durchaus berechtigten Abneigung gegen linke Bigotterie dazu verführen lassen, geradezu zwanghaft an die Seite des neuen Präsidenten zu treten und dessen Defizite klein zu reden. Sicher, man muss den Übertreibungen seiner ideologischen Gegner nicht folgen. Zum Beispiel dürfte eine kriegerische Auseinandersetzung unter dem Isolationisten Trump weniger wahrscheinlich sein als unter der sich für universale Werte aussprechenden Clinton – und die Versuche, ein anderes Bild zu vermitteln, sollten sogar vernünftig denkenden Trump-Gegnern peinlich sein. Und dass die Anstrengungen, Trump mit Antisemitismus in Verbindung zu bringen, allen politischen und persönlichen Taten Hohn sprechen, sollte diesen auch klar sein[6]. „America first“ ist es auch nicht, was man Trump verübeln kann, denn dazu werden Volksvertreter normalerweise gewählt, auch wenn das bei deutschen Linken heutzutage einer Sensation gleichzukommen scheint.

Aber es gibt bei Trump genug Angriffspunkte, sowohl aus europäischer als auch aus amerikanischer Sicht. Es gehört zur intellektuellen Redlichkeit, diese auch aufzuzeigen. Und es gehört zur politischen Vernunft, diese zur Kenntnis zur nehmen und daraus Schlussfolgerungen zu ziehen. Die dann wiederum selbst Gegenstand politischer Auseinandersetzung sein müssen.

So geht Demokratie.

Update (sollte eigentlich auch im Text stehen):

Auf Twitter folgt der Werwohlf u.a. der „tageszeitung“. Filterblasen sind nämlich Bullshit. Und Ehre, wem Ehre gebührt: Im Trump-Bashing-Debunking spielt das Berliner Blatt eine erstaunlich ehrenwerte Rolle, die man sich z.B. vergleichsweise auch von den öffentlich-rechtlichen Medien gewünscht hätte. Der Werwohlf hofft, dass dies nicht nur anti-deutschem Einfluss geschuldet ist, sondern ehrlichem Interesse an Erkenntnis.

 

[1] Parallelen dazu, wie die AfD manchmal argumentiert, sind nicht rein zufällig.
[2] Wer auch bei anderen Gelegenheiten „Inauguration“ sagt, mag diesen Begriff gerne verwenden. Der Werwohlf gehört nicht dazu.
[3] Ob diese Erfolge real sind oder nicht.
[4] Als jemandem, der in seinem Studiengang beides kombinierte, mag man dem Werwohlf hier vielleicht sogar eine gewisse Expertise zutrauen.
[5] Entgegen dem Marketing der Demonstrationen hatten die Teilnehmer kein gemeinsames Ziel (Scharia vs. Feminismus?), sondern nur einen gemeinsamen Feind.
[6] Trotzdem kann Trump gegenüber Schwarzen rassistisch eingestellt sein. Die Welt ist halt komplizierter als manches Feindbild.

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2 Kommentare on “Was zu Trump”

  1. Kommentar sagt:

    1. Leider ist das Trump-Bashing teilweise so heuchlerisch, unbegründet oder scheinheilig, dass man sich schnell unter den Verteidigern Trumps findet, wenn man ihn nicht für den Teufel persönlich hält.
    2. Was Trumps ökonmische Kompetenzen angeht: Ich will mich zunächst mal überraschen lassen, ob seine Maßnahmen erfolg haben oder nicht.
    Lassen wir doch die Wirklichkeit entscheiden, ob man auf diese Weise wirtschaften kann oder nicht.
    Das Recht auf Kritik an Trumps Vorstellungen haben IMHO nur Leute, die die Globalisierung nicht ablehnen. Wer das, wie viele Linke, tut, der ist im Grunde mit Trump einer Meinung, dem stört nur die Person.
    3. Was Trumps Einstellungen angeht. Ja, ich habe den Eindruck, er hat sich bei diversen Fragen verrannt. Aber seien wir doch mal ehrlich: Haben das die deutschen Politiker oder die etablierten in den USA nicht auch?
    Das große Problem ist, dass Trump als großer Wirtschaftschef und Prominenter wahrscheinlich auch dann an den eigenen Überzeugungen festhält, wenn Gegenwind kommt. Weil erdann glaubt sich durchsetzen zu müssen
    4. Die Rede war jetzt für mich kein Skandal. Von den Eliten zurück zum Volk.

    • Werwohlf sagt:

      Hattest Du keinen originelleren Nick parat? 😉

      Ad 1. Ich kenne das Phänomen, aber ich finde, man sollte unterscheiden zwischen der Inschutznahme vor ungerechtfertigten Angriffen und einer Unterstützung der angegriffenen Partei bzw. Person.

      Ad 2. Wer etwas Ahnung von Ökonomie hat, weiß, dass sie keinen „Erfolg“ haben können. Jedenfalls, wenn man sich ein wenig an Frédéric Bastiat erinnert. Es ist ja nicht so, dass die Trump-Masche nicht schon tausendfach probiert wurde, angefangen vom Merkantilismus zu des Sonnenkönigs Zeiten bis hin zu Argentinien unter den Kirchners – von den sozialistischen Experimenten ganz abgesehen. Soweit auch zur Glaubwürdigkeit linker Kritik an Trumps ökonomischen Vorstellungen. Bernie Sanders wollte da nicht viel anderes, nur zusätzlich noch mehr Steuern und Regulierung.

      Ad 3. Ja, stimmt, andere reden und verzapfen auch Mist. Aber deswegen ist es ja die Kritik an Trump nicht weniger berechtigt. Und man wird Stimmen wie meiner kaum vorwerfen können, wir verschonten die anderen Irrläufer zu sehr. Allerdings sind die Folgen des Trumpschen Unsinns für die Welt ungleich relevanter als die eines „grünen“ Ideologen aus Deutschland.

      Trump glaubt nicht nur, sich durchsetzen zu müssen – er kennt vor allem nur Sieg und Niederlage als zulässige Kategorien. Politisch ist das fatal.

      Ad 4. Genau das ist der Skandal. „Das Volk“ ist eine Fiktion. Bisher in der Geschichte haben alle, die an „das Volk“ appellierten, nur ihrem eigenen Machtanspruch eine höhere Legitimität verleihen wollen – höher als die der mühsamen demokratischen Prozesse des Interessenausgleichs. Die Alternative zu „den Eliten“ ist hier der „starke Führer“, das „das Volk“ sich standhaft weigert, sich als solches zu manifestieren.


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