„Umstritten“ (Wdh)

Aus gegebenem Anlass hier das Zitat eines besonders klugen Kopfes:

Wie oft mussten wir dieses Adjektiv schon lesen: der Mann (oder die Frau) ist „umstritten“.

Es erzählt viel über das deutsche Verständnis von Demokratie und Politik, dass dieses Attribut in diversen Medienberichten als Warnsignal verwendet wird. Denn unser Ideal sind Ikonen, Überväter und -mütter, oder sozusagen der Mühsal des politischen Alltags enthobene Altpolitiker. Die Wenigsten werden es noch wissen: Helmut Schmidt z.B. war auch mal „umstritten“, was ihm u.a. den Spitznamen „Schmidt-Schnauze“ einbrachte. Aber das war zu einer Zeit, als man noch annehmen konnten, aus den Deutschen könnten tatsächlich Demokraten im westlichen Sinn werden.

Denn sollte man nicht erwarten, dass in einer Demokratie Politik immer umstritten ist, was dann auch auf ihre Repräsentanten zutreffen würde?

Wer so denkt, hat die Rechnung nicht mit dem germanischen Hang zur großen, einheitlichen Volksgemeinschaft und einer diese verkörpernde unfehlbaren (…) Gallionsfigur gemacht. Konsens geht hier über alles, und das „Parteiübergreifende“ ist offiziell über jede Kritik erhaben. Wagt es dennoch jemand, eine solche zu äußern, kann er nur noch als Volksschädling entfernt werden – zum Glück entgegen früherer Praxis nicht mehr unmittelbar physisch, aber mittels öffentlicher Ächtung, die auch das Gebot für Anständige einschließt, mit dem geächteten Subjekt keine Verträge irgendwelcher Art (Miete, Arbeitsverhältnis, Übernachtung…) einzugehen.

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