Was zum Anschlag in Berlin

Es gibt so viel zu sagen zum Terroranschlag in Berlin. Wo anfangen?

Vielleicht beim Werwohlf selbst. Der kennt die Ecke nämlich sehr gut, weil er bei fast jedem Berlin-Besuch mal da war. Einmal auch zu Weihnachtsmarktzeiten. Und obwohl die viel zitierte Trauer ihm ehrlich gesagt schwer fällt, weil er höchstwahrscheinlich keins der Opfer näher kannte, dieses Gefühl stellt sich ein, dass es auch ihn hätte erwischen können. Angst hat er trotzdem nicht. Er würde morgen jeden beliebigen Weihnachtsmarkt besuchen. Aber Wut, die ist da. Definitiv. Nicht auf „Flüchtlinge“ generell – was können die anderen für solche Arschlöcher? Noch nicht mal auf den Täter selbst – da herrscht eher Verachtung und Abscheu vor, verbunden mit dem Wunsch, man möge den Mann oder die Frau (hier soll niemand beim Verdacht diskriminiert werden) so bald wie möglich festnehmen.

Nein, die Wut richtet sich gegen ganz andere. Gegen die vielen Schönredner, die Relativierer, die Moralprediger und gegen die Politik, die ihnen folgte und weiterhin folgt. Man hat seit dem Jahr 2015 ca. eine Million Migranten aufgenommen, ohne groß nachzuprüfen, wer da kommt. Man hat sich Gesetze und Verfahren gegeben, die es verhindern, dass unberechtigt Einreisende das Land wieder verlassen müssen, selbst wenn sie sich für ihr Gastrecht mit ausgedehnter krimineller Tätigkeit bedanken. All das geschah und geschieht im Namen der Menschlichkeit, um „ein freundliches Gesicht zu zeigen“. Nun kann man das alles so machen, wenn sich die Menschen in diesem Land damit besser fühlen. Aber wer dann so tut, als habe all das keinen Preis, der hat sich als ideologischer Schreibtischtäter des Werwohlfs Wut redlich verdient. Doch nicht nur das: Man wollte uns einreden, dieser Zustrom[1] habe überhaupt keine negativen Auswirkungen, null, niente, nix. Nur positive: Wachstum, Rente, Buntheit, Friede, Freude und Eierkuchen. Okay, letzteren vielleicht nicht, denn wir sollen ja besser vegan leben…  Der Werwohlf würde ja fast noch gnädig durchwinken, wenn jemand behauptete, die positiven Wirkungen überwiegten die negativen, aber nein: Wer Nachteile auch nur erwähnte, wurde ja bereits als Rechtsextremist von der öffentlichen Diskussion (diese somit vermeidend) ausgeschlossen.

Die Politik[2] hat versucht, die, die schon länger hier leben, über den Tisch zu ziehen, indem sie behauptete, dieses Land könne sich den Pelz waschen, ohne sich nass zu machen. Das kann es jedoch nicht, und das können auch die anderen europäischen Länder nicht, weshalb die große Mehrzahl es auch vorzog, lieber trocken zu bleiben. Nochmal: Einen solchen Zustrom an Menschen mit diesen Hintergründen, was Kultur und Ausbildung betrifft, kann man nur bewältigen, indem sehr, sehr viele Ressourcen dafür aufgewendet werden: Dolmetscher, Sozialarbeiter, Ärzte, Krankenpfleger, Polizisten, Lehrer, Ausbilder. Ganz abgesehen von dem Geld: Wir tun so, als ob wir Massen solcher Fachkräfte ohne Beschäftigung frei hätten. Haben wir aber nicht, und daher können die Wunschdenker noch so sehr was von „Ausspielen“ kreischen: Die Ressource, die für A eingesetzt wird, fehlt bei B. Das gilt zumindest so lange, bis Deutschland offiziell zum Schlaraffenland erklärt wird. Die Versuchung ist groß, fehlende Kapazitäten dadurch „herszustellen“, dass man Qualifikationsanforderungen senkt. Dass diese Strategie alles andere als „nachhaltig“ ist, sollte nicht verwundern – eher, dass sie von Nachhaltigkeitsaposteln in der Regel konsequent verfolgt wird. Dieser Staat ist auch darauf gar nicht vorbereitet – und schon scheitert eine schnelle Verfolgung von Verdächtigen an Rechtschreibfehlern in den erforderlichen Anträgen…

Viele derer, die neu dazu gekommen sind[3], sind von Staats wegen eine robustere Vorgehensweise gewohnt als unser sehr auf Täterschutz bedachter Rechtsstaat das anzubieten hat. Wiederholtes „Auf-freien-Fuß-Setzen“, lasche Urteile und humaner Strafvollzug werden nicht als Einladung der Gesellschaft an verirrte Schäflein verstanden, sondern als auszunutzende Schwäche. Was soll auch Resozialisation, wenn noch nicht mal Sozialisation stattfand? Um ein oder zwei ihre Bildung eher auf ihren Body beschränkende Herren festzunehmen, sind ganze Mannschaften erforderlich, und es landet stets eine Handvoll Beamte danach in ärztlicher Behandlung, weil erst der zwanzigste geworfene Wattebausch anfängt, Wirkung zu zeigen. Wobei man als Polizist noch aufpassen muss, dass man nach dem dreißigsten nicht wegen exzessiver Gewalt belangt wird. Aus Anreizperspektive betrachtet, ist Deutschland längst „Gangsta’s Paradise“.

Wenn man sich anschaut, welche Kette an Versäumnissen dazu geführt hat, dass ein jetzt tatverdächtiger, längst kriminell gewordener Dschihadist untertauchen konnte, statt abgeschoben zu werden (wahrscheinlich trennt man in Tunesien den Müll nicht), fällt es schwer, den Behörden dieses Landes auch nur etwas Vertrauen entgegen zu bringen[4].

Aber vielleicht ist das eh unbegründet. Der Vortrag unserer Kanzlerin als Reaktion auf den Anschlag deutet eher auf einen gesunden Fatalismus hin. Die Bundesregierung ist oberste Gefühlsvorleberin, aber Handeln gegen die Bedrohung durch den Terror scheint sie nicht als vordringliche Aufgabe zu betrachten. Es fehlte nur noch, dass Merkel ihre Formulierung, die sie auf die Migranten bezogen verwendete, auch auf die Terroristen verwendete: „Nun sind sie eben da.“ Kismet. „Wir“ sollen jetzt mit dem Terror leben müssen. Die einen mit Bodyguards und gepanzerten Fahrzeugen, die anderen als „weiche Ziele“ auf Weihnachtsmärkten.

Unsere Freiheit ist auch die der Terroristen und Kriminellen. Von denen haben wir jetzt mehr, und wir machen es ihnen zur Zeit leicht. Jetzt haben wir die Wahl: Machen wir es ihnen künftig schwerer, oder soll es so weiter gehen? Wie auch immer sich dieser Staat entscheidet: Wir werden einen Preis zahlen müssen. Jetzt, wo sie eben alle da sind.

Aber auch jetzt noch bevölkern sie unsere Talkshows und Nachrichtensendungen – alle die, die uns verkaufen wollen, Politik sei sowas wie ein Gebet. Man muss nur etwas Gutes ganz doll wollen, und dann verschwinden alle üblen Dinge ganz von selbst. Nur die bösen Rechten muss man noch rituell bekämpfen, dann sorgen höhere Mächte dafür, dass alles gut wird.

Tun sie nicht.

[1] Uns haben ja „Sprachforscher“ erzählen wollen, dass Wort „Strom“ in Verbindung mit „Flüchtlingen“ (es sind Migranten) zu verwenden, sei voll nazi. Galt das für Besucherströme bei Konzerten oder Fußballspielen bislang denn nicht? Wo die eigentlich manipulative Sprachregelung liegt, wird eher jetzt deutlich: Es gab, wohl von der notorischen Frau Künast in einer Talkshow und auch sonst unter edlen Nutzern der sozialen Netzwerke, Vorschläge, dem Attentäter von Berlin den Status als „Flüchtling“ sozusagen zu entziehen. Nach dem Motto: „Flüchtlinge“ sind immer gut und hilfebedürftig, sozusagen das vervielfachte Jesuskind. Ganz abgesehen davon, dass viele vor nichts anderem als zu geringem Einkommen geflüchtet sind: Nein, auch unter „Geflüchteten“ und „Schutzsuchenden“ gibt es jede Menge Arschlöcher. Je mehr junge Männer als Masse auftreten, desto mehr davon. Migranten zu dämonisieren, ist Unfug. Sie zu idealisieren, aber auch.
[2] Auch „die Politik“ zu sagen, ist angeblich irgendwie voll nazi. Von wegen „Altparteien“ oder „Systemlinge“ oder ähnlichem Nazisprech. Aber was soll man anderes sagen, wenn der komplette Bundestag als nationale Front auftritt?
[3] Dass die Kanzlerin nicht twittert, erkennt man ihren Sprachregelungen – 140 Zeichen sind da schnell weg…
[4] Der Werwohlf gehört übrigens nicht zur „Merkel muss weg!“-Fraktion. Merkel tat nur das, was ihr Zustimmung sicherte. Wie immer seit der Lektion, die ihr die Deutschen 2005 erteilten. Sie wollten es so.

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