Neues der Woche (KW 50)

Auch aus Sicht des Werwohlfs dominierendes Thema der Woche war die Kampagne gegen böse „rechte“ Blogs, die in Deutschland ein Angestellter einer Werbeagentur lostrat. Nun ist der Versuch Linker, die wirtschaftliche Existenz von Andersdenkenden anzugreifen, für den Werwohlf nichts Neues. Schließlich war er früher, vor seiner Verwandlung, Teil der sogenannten „liberalen Blogosphäre“ und musste da miterleben, was wackere Kämpfer für das Hehre und Wahre so alles anzustellen bereit sind, um den von ihnen identifizierten Feind auszuschalten. Es traf damals Mitstreiter, die naiv oder mutig genug waren, unter ihrem Klarnamen zu bloggen – deswegen hört der Werwohlf auch die Nachtigall trapsen, wann immer jemand ihn mit der Forderung angreift, er solle doch nicht feige sein und sich mit seinem RL-Namen zur Wort melden. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass da jemand, der bequem im Mainstream mitschwimmt oder Teil der vom Mainstream akzeptierten und hofierten Linken ist, nur seine Chance wittert, es dem Störenfried mal so richtig zu besorgen. Da wird dann eben mal beim Arbeitgeber angerufen. Oder es werden eben Geschäftspartner kontaktiert und freundlich auf das erwünschte Paria-Dasein des Störenfrieds hingewiesen, immer mit der leichten Drohung im Gepäck, es könnte auch auf diejenigen durchschlagen, die mit ihm in wirtschaftlichem Kontakt stehen. Der Werber hatte bei seiner Maßnahme Erfolg: Den Blogs „Tichys Einblick“ und „Achse des Guten“ sprangen die Werbepartner massenhaft ab. Warum, ist klar: Die dadurch unter Umständen ausbleibenden Umsätze bei den Werbenden kennen diese selbst nicht. Aber eins wissen sie genau: Wenn sie wegen ihrer Werbung auf einer Website in die Gefahr laufen, in einen Shitstorm zu geraten und als Unterstützer böser Rechter dazustehen, dann ist der Schaden deutlich größer. Also handeln sie entsprechend.

Ironischerweise erwischte dieselbe Logik den Verursacher. Dessen Arbeitgeber wurde zum Ziel von Shitstorms der anderen Seite, und auch dort fand man es dann wohl opportuner, sich durch Trennung vom Initiator des – ja, es sollte ganz eindeutig einer sein – Boykotts aus der Schusslinie zu nehmen. Egal, wie das nach außen jetzt verkauft wird – alle, die im Wirtschaftsleben mit Entlassungen zu tun haben, kennen die Sprachregelungen.

Aus Demokratiesicht ist all das höchst kritisch zu betrachten. Aber nach Meinung des Werwohlfs liegt die Schuld eindeutig bei dem, der sich als erster entschloss, die wirtschaftliche Existenz der anderen Seite zum Ziel der politischen Auseinandersetzung zu machen. Wenn es nun aus dem Wald so schallt, wie derjenige in ihn hinein rief, sollte sich die allgemeine Verwunderung in engen Grenzen halten.

Nun gibt es auch noch Schlaumeier, die den boykottierten Blogs bedeuten, es gebe „kein Recht auf (Werbe)umsätze“. Damit haben sie natürlich Recht. Aber was sagt es über dieses „Argument“, wenn wir uns vor Augen halten, dass es genau so gut von einem SA-Mann hätte kommen können, den man auf sein Schild „Kauft nicht beim Juden!“ ansprach?

 

„Hatespeech“ war gestern. Heute geht es um „Fake News“. Allen diesen anglophonen Begriffen ist gemein, dass sie auf eine Einschränkung der Meinungsfreiheit zielen. Dem Mainstream reicht es nicht, dass er über die Oberhoheit der Leitmedien verfügt. Er will vielmehr jeden vernehmbaren Widerspruch an sich verhindern. Entweder, weil die Gegenmeinung pauschal als „Hass“ verunglimpft wird, oder weil eine vom Mainstream eingesetzte Institution ihr das Wahrheitssiegel verweigert. Wer noch die Diskussionen von bekannten Politikern in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts erlebt hat, würde, so wie der Werwohlf, wahrscheinlich von sich aus nie auf solche Ideen kommen. Damals haute man sich die Positionen derart um die Ohren, dass es krachte. Aber interessanterweise schätzte man es auch, dass es diese andere Meinung gab. Der – auch harte – Streit war ein Feature und kein Bug. Heutzutage scheint man das genau anders zu sehen. Gegenmeinungen sind moralisch verwerflich und müssen daher entweder strafrechtlich oder – siehe oben – ökonomisch verfolgt werden.

 

In diesem Zusammenhang vermag der Werwohlf nicht in die Elegien einzustimmen, die anlässlich des Todes von Hildegard Hamm-Brücher verfasst wurden. Diese Politikerin wurde dafür gelobt, dass sie alles aus einem strengen moralischen Bickwinkel beurteilte. Der Werwohlf hält eine solche Sichtweise für im Grunde antidemokratisch. Beispielhaft sei erwähnt, dass Hamm-Brücher die erste Wahl Helmut Kohls zum Kanzler nicht akzeptieren wollte, weil dieser keine Entscheidung der Wähler vorausgegangen sei. Eine solche Meinung zeugt weniger von Moral als von einer grundlegenden Ablehnung der Prinzipien, die das Grundgesetz ausmachen: die Wahl von Abgeordneten (statt von Kanzlern) und die Möglichkeit des konstruktiven Misstrauensvotums aus der höchsten Vertretung des Volkes, dem Parlament.

 

Die „Welt“ wundert sich, warum „die Flüchtlingskosten 2016 aus dem Ruder liefen“. Der Werwohlf wundert sich, wie man die künstliche Unterschätzung dieser Ausgaben aus Gründen der politischen Korrektheit als Überraschung ansehen kann. Es mag ja sein, dass die Deutschen diejenigen, die schon länger hier sind, das alles auszugeben bereit sind, um ein freundliches Gesicht zeigen zu können. Aber dazu müsste man eben erstmal wissen, worüber man eigentlich redet…

 

Sonst noch was? Ach ja, Trump. Man hofft ja immer, das alles sei nur eine Sitcom. Aber die Präsidentschaft dieses Deppen dürfte eine der größten Herausforderungen sein, mit der die USA je fertig werden mussten. Der Werwohlf hat allerdings Vertrauen in eine der ältesten Demokratien und in den Freiheitswillen der Amerikaner.

 

 

 

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7 Kommentare on “Neues der Woche (KW 50)”

  1. Paul sagt:

    Mein Senfchen:
    Über Trump werde ich erst urteilen, lieber Werwohlf wenn die ersten 100 Tage vorbei sind und ich sehen kann, was er wirklich umsetzt.
    Als Skatspieler weiß ich, dass nicht jeder der hoch reizt auch ein wirklich gutes Blatt hat. Beim Pokern ist es wohl noch schlimmer.
    Mal sehen welchen Trumpf Trump (dieser Kalauer musste sein) in der Hand hat.
    Ich stimme Kohl zu: „Entscheidend ist, was hinten rauskommt.“

    Herzlich, Paul

    PS: Trump mag sein, was er will, aber ein Depp ist er mit Sicherheit nicht.

    • Werwohlf sagt:

      Über Trump werde ich erst urteilen, lieber Werwohlf wenn die ersten 100 Tage vorbei sind und ich sehen kann, was er wirklich umsetzt.

      Da Trump sich keinen Zwang antut und sich reichlich vor seiner Präsidentschaft produziert, wäre es seine sehr künstliche Zurückhaltung, seine Worte nicht zu beurteilen. Im besten Fall ist er dann eben ein Schwätzer und Maulheld.

      Als Skatspieler weiß ich, dass nicht jeder der hoch reizt auch ein wirklich gutes Blatt hat. Beim Pokern ist es wohl noch schlimmer.

      Aber als guter Kartenspieler weiß man auch, dass man nicht ständig so tun soll, als hätte man ein gutes Blatt. Um in der Pokersprache zu bleiben: Irgendwann will mal einer sehen, und dann ist es schnell aus mit der Herrlichkeit.

      Trump mag sein, was er will, aber ein Depp ist er mit Sicherheit nicht.

      Kommt drauf an, was man drunter versteht. Bauernschlau ist der wheeler-dealer schon. Das reicht gegen eine unpopuläre Gegenkandidatin. Aber gegen einen Schachspieler und Strategen wie Putin wird er gnadenlos abkacken. Der wird vorne Trumps Ego pampern und hinten seinem Ziel einen weiteren Schritt näher kommen. Da werden sich manche noch nach Obama sehnen.

      • Paul sagt:

        Ohne die Diskussion weiterführen zu wollen, warten wir es einfach ab, werter Werwohlf, noch eine Anmerkung.

        Zwischenzeitlich hat Trump sich zu Israel geäußert. Wenn er das wirklich durchzieht, dann hat er bei mir einen „Stein im Brett“.
        Allerdings sehe ich dann auch Probleme mit Putin.
        Also, ich warte ab und sitze derweil vor dem Bildschirm, nicht unbedingt in der „Ersten Reihe“ wie es früher hieß.
        Was er inneramerikanisch macht, interessiert mich wenig. Damit sollen die Amerikaner fertig werden. Schließlich haben sie ihn gewählt.

        Herzlich, Paul

        • Werwohlf sagt:

          Lieber Paul, ich messe Politiker weniger an ihren Motiven als daran, ob ihre Taten geeignet sind, das gewünschte Ergebnis herbeizuführen. Und da fürchte ich nunmal, dass Trump und seiner Truppe die „unintended consequences“ nur so um die Ohren fliegen werden. Und uns damit auch.

          • Paul sagt:

            Lieber Werwohlf, darin sind wir uns einig. „An ihren Taten sollt ihr sie erkennen! (1. Johannes 2,1-6)“
            Das warte ich mit ruhiger Gelassenheit ab. Die Befürchtungen bezüglich der Auswirkungen auf uns habe ich nicht.

            Da fürchte ich mich eher vor den Auswirkungen politischen Handelns bei uns.

            Frohe, gesegnete Weihnachtszeit wünscht Ihnen Paul

  2. n_s_n sagt:

    „Er will vielmehr jeden vernehmbaren Widerspruch an sich verhindern. Entweder, weil die Gegenmeinung pauschal als „Hass“ verunglimpft wird, oder weil eine vom Mainstream eingesetzte Institution ihr das Wahrheitssiegel verweigert. Wer noch die Diskussionen von bekannten Politikern in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts erlebt hat, würde, so wie der Werwohlf, wahrscheinlich von sich aus nie auf solche Ideen kommen. Damals haute man sich die Positionen derart um die Ohren, dass es krachte. Aber interessanterweise schätzte man es auch, dass es diese andere Meinung gab.“

    Ich habe an anderer Stelle, welche du hier ja nicht so gerne verlinkt siehst, ein paar Gedanken dazu ausgebreitet. Das was du hier beschreibst ist wohl das Symptom einer Entwicklung, welche ich als „Übergang der Politik von Interessen zu Dogmen“ bezeichnen würde.

    Wenn man zu der Einsicht kommt, dass Wahrheit und Lüge im ontologischen Sinn keine Bedeutung haben, sondern nur in Bezug auf die Beschreibung einer intersubjektiv überprüfbaren Beobachtung, wird schnell klar, dass Interessen das Maß für Politik sein sollten. Diese sind intersubjektiv überprüfbar. Dogmen, welche Wahrheit und Lüge per definitionem festlegen wollen, sind es nicht.

    Nun möchte ich nicht darüber spekulieren, warum „Interessen“ in den vergangenen Jahren einem immer schlechteren Leumund bekamen – das alleine wäre wohl wert ein ganzes Essay darüber zu verfassen – aber es bleibt wohl festzuhalten, dass Interessen heute etwas sind, was nur schlechte, moralisch verderbte Menschen haben. In einer solchen Welt, in der Interessen „unzulässig“ sind, kann aber Politik nur mehr als Streit über das „richtige“ Dogma funktionieren, nicht als interessengeleiteter Streit über die richtigen Schlüsse aus intersubjektiv überprüfbaren Beobachtungen.

    Damit ist das ganze Dilemma beschrieben, welches wir dieser Tage erleben:
    Die politische (gesellschaftliche) Auseinandersetzung, die wir dieser Tage führen, wird über dir Richtigkeit von Dogmen ausgetragen. Das ist das, was ich eine Entsäkularisierung der Politik nennen möchte, da es den Glauben zurück in die Politik bringt. Gleich ob religiös oder sonst wie motiviert.

    Das was du beschreibst ist das Symptom eben dessen. Der Dogmatiker kann nur unnachgiebig gegenüber dem fremden Dogma sein. Er darf es nicht zulassen, muß den Häretiker verfolgen. Das unterscheidet ihn von Menschen, welche ein Interesse daran haben, intersubjektiv überprüfbare Entscheidungen zu treffen. Von dieser letztgenannten Sorte Mensch gab es in der Politik des ausgehenden letzten Jahrhunderts noch einige. Heute treten solche zumindest nicht mehr in Erscheinung, wenn es sie denn noch geben sollte.

    Übrigens als Nebenbemerkung:
    Damit bekommt sogar das Wort „Realpolitik“ einen Sinn, welches suggerieren soll diese Politik sei mit intersubjektiv überprüfbaren Beobachtungen begründet, anstelle mit dem Glauben an das richtige Dogma.

    Herzlich

    nachdenken_schmerzt_nicht

    • Werwohlf sagt:

      Lieber n_s_n, du hattest ja schon sehr richtig erkannt, dass ich zuletzt nur wenig Zeit hatte. Ich bin ja schon froh, wenn ich hier mal wieder was veröffentlichen kann.

      Ich halte deine Sichtweise für eine sehr treffende. Politik wird heutzutage überhöht und damit im Grunde unzugänglich gemacht. Es gibt nur noch den Streit zwischen Protestanten (Priestertum eines jeden Gläubigen, wie es in den sozialen Netzwerken zum Ausdruck kommt) und den Katholiken (Vorrecht des journalistischen Klerus). Religiös sind sie allesamt motiviert.

      Es wäre Zeit, Politik wieder zu profanisieren, sie vom moralischen Sockel herunterzuholen und als pragmatisches Mittel zum Ausgleich von Interessen zu begreifen. Aber wer soll das leisten? Auch die Angelsachsen als ehemalige Gralshüter dieser Sicht scheinen ja zur dunklen Seite der Macht überzuwechseln..


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