Spiralschlüsse – völlig losgelöst

Nach der Trump-Wahl zeigt sich jetzt, wie sehr die Linke aufgrund ihrer „Spiralschlüsse“ den Kontakt zu anderen Teilen der Bevölkerung verloren hat. „Spiralschlüsse“ sind positiv rückgekoppelte Zirkelschlüsse – zusätzlich zur kreisenden kommt noch eine horizontale Bewegung, die den Akteur immer mehr Abstand zur Erde bekommen lässt.

Die Sache läuft so: Um ihre eigene Positionen als „alternativlos“, oder, wie es in diesen Kreisen stattdessen lieber heißt: „modern“, erscheinen zu lassen, werden Andersdenkende mit ausgrenzenden Bezeichnungen eingedeckt, dass es nur so kracht. Gegner unkontrollierter Einwanderung? Rassist. Gegner der Frauen-Quote? Sexist. Gegner der Homo-Ehe? Homophober. Freundlich ausgedrückt, handelt es sich hier um eine bequeme Komplexitätsreduktion. Aber jetzt setzt die Dynamik ein. Die Vertreter der eben beispielhaft erwähnten Gegenmeinungen dürfen ja wählen, offensichtlich sehr zum Verdruss der progressiven Kräfte. Dass sie sich dann für jemanden entscheiden, den diese Kräfte nicht mögen, dürfte auch auf der Hand liegen. Dieses Angebot pflegt in einer Welt mit sich eher links einordnenden Protagonisten der veröffentlichten Meinung (und ihren – aus verschiedenen Motiven – eifrigen Nachahmern) nicht allzu reichlich vorhanden sein. Als Gegner des linken Zeitgeists darf man nicht sehr wählerisch sein, so dass viele einfach nehmen, was sie kriegen können. Aber praktischerweise wurden solche Menschen bereits mit den passenden Eitketten versehen: Rassisten, Sexisten, Homophobe. Und nun fangen die Linken an, vom Effekt ihrer eigenen Denunziation überzeugt zu werden: Rassisten, das sind ja Leute, die von der Überlegenheit der „weißen Rasse“ überzeugt sind. Sexisten sind Leute, die Frauen zum Objekt degradieren. Und Homophobe würden am liebsten Homosexualität verbieten und alle Menschen, die sie praktizieren, verfolgen lassen.

Kein Wunder, dass in den Teilen der Linken, die jeder Selbstkritik abhold sind, die Auffassung empört zurückgewiesen wird, man müsse z.B. auf die Wähler eines Trump eingehen. Schließlich sind das – siehe oben – alles Ku-Kluxer, Chauvinisten und Schwulenhasser, und mit sowas redet man erst gar nicht. Und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie in ihrer Blase weiter.

Wie kann man auch von einer Realität eingeholt werden, die man als beliebig gestaltbares soziales Konstrukt begreifen will? So wird Major Tom zum Schutzpatron der Linken. Selbst als Konservativer oder Liberaler muss man es nicht gut finden, wenn sich die Linke derart in erdferne Umlaufbahnen begibt. Eine funktionierende Demokratie braucht auch ein wirksames linkes Gegengewicht. Aber dazu braucht es eben die Anerkenntnis der „sozialen Konstruktion“ namens Gravitation.

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