Neues der Woche (KW 44)

Diesmal nicht zurück vom Projekt (es ist eh die Zeit gekommen, mich dort rar zu machen), sondern vom Ein-Wochen-Urlaub aus internen Gründen.

Oettinger hat „Schlitzaugen“ gesagt und von „Pflicht-Homoehe“ gesprochen. Aua. Kann man machen, kommt aber nicht gut, wenn man EU-Kommissar werden oder bleiben will. Da muss man die PC-Klaviatur schon drauf haben, und sich gegen wichtige Handelspartner so weit aus dem Fenster zu lehnen, ist keine gute Idee. Interessant allerdings, dass ihm sofort Verteidiger aus der Medienwelt zur Seite springen. Statt die nächste Skandalsau durchs Land zu treiben, üben sich Leute wie Claus Kleber vom ZDF und Ulf Poschardt von der „Welt“ als Oettinger-Versteher. Man mag sich kaum ausmalen, welch Shitstorm z.B. über einen Herrn Gauland hereingebrochen wäre, hätte man ihm diese Begriffe zuschreiben können. Nun ja: Quod licet Iovi non licet bovi.Dafür entlarvt die „Welt“ lieber den deutschen Alltagsrassismus. Ein Herr namens Bilal Chanchari ist Deutscher, sieht aber anscheinend nicht so aus. Dass andere Menschen dies so einstufen, ist doppelplusungut. Der junge Deutsche mit dem nichtdeutschen Aussehen ist allerdings sehr menschlich-nachsichtig mit den Fehlenden:

Der fertige Film ist deshalb auch keine Satire, er zieht die Befragten nicht ins Lächerliche – stigmatisiert sie aber auch nicht als fremdenfeindlich oder rassistisch. „Das war uns wichtig“, bekräftigt Bilal, „die meisten Menschen sind keine Rassisten, sondern häufig einfach nur unsensibel.“ Er sei deswegen auch kaum einem der Befragten wirklich böse.

Dennoch:

Mit dem Video möchten Bilal Chanchiri und seine Kommilitonen die Menschen dazu bringen, das eigene Denken und Handeln zu reflektieren – auch was solche Aussagen betrifft, die auf den ersten Blick positiv wirken. „Selbst wenn die Leute es gut meinen und sagen ‚Sie sprechen ja so toll Deutsch‘, ist das nicht richtig“, sagt Chanchiri, „denn der Satz ist damit nicht zu Ende – in Gedanken folgt bei den meisten: ‚… obwohl Sie so aussehen.‘ Das ist auf Dauer einfach niederschmetternd.“

Man kann Herrn Chanchari eigentlich nicht genug preisen. Ihm ist das Menschliche nicht fremd, und er fordert auch keinen Safe Space für ihn und andere „nichtdeutsch“ Aussehende. Aber als deutsch aussehender Deutscher ist der Werwohlf das Nörgeln gewohnt und muss es deswegen hier ebenso anbringen. Denn selbstverständlich rechnen die meisten Deutschen nicht damit, dass Landsleute so aussehen wie eben z.B. Herr Chanchari. Dazu gab es bisher viel zu wenig Migration aus Ländern, in denen die Menschen mehrheitlich eine dunklere Hautfarbe aufweisen als hier. Vielleicht wird sich das in der Zukunft ändern. Wenn Herr Chanchiri mit seinem Aussehen nicht mehr eine Ausnahme ist, sondern nur eine weitere Variante unter vielen anderen. Es hängt auch ein wenig von der Gegend ab. Je nachdem, ob man Menschen in Berlin oder einem Dorf bei Altötting befragt, wird man wohl unterschiedliche Äußerungen vernehmen – ganz einfach, weil die Mischung der Bevölkerung in einer Großstadt meist eine vielfältigere ist als auf dem Land. Der Werwohlf kann aber – im Gegensatz zur Herrn Chanchiri – nichts Schlechtes daran finden, dass Menschen, die mit Deutschen dunkler Hautfarbe bisher kaum zu tun hatten, ihn wegen seiner Sprachkenntnisse loben oder vielleicht auch fragen, woher er denn komme. Die gute Absicht verkennt auch Herr Chanchiri nicht – dann sollte er aber auch souverän genug sein, sich selbst als Vorreiter einer Entwicklung zu betrachten, die eben noch nicht flächendeckend in Deutschland präsent ist. Überhaupt: Vorurteile sind nur dann wirklich schlecht, wenn sie das Zusammentreffen mit der anders gestalteten Realität überleben.

Zum Reformationstag hat der Vorsitzende des „Zentralrats der Muslime“, Aiman Mazyek, von einigen Medien trotz der geringen Schar der von seinem Verein vertretenen Muslime zum „Sprachrohr der deutschen Muslime“ befördert, eine Rede gehalten, die mit „Standing Ovations“ der Anwesenden gefeiert wurde. Der Werwohlf wäre wohl heute nicht mehr Protestant, wäre er vorher einer gewesen. Dass ausgerechnet zum zentralen Feiertag einer christlichen Kirche ein Redner eingeladen wird, der Christen als „Ungläubige“ betrachten und deren zentrale Glaubensaussagen als Lügen verachten muss, kann man nur als einen weiteren Akt zur Selbstaufgabe verstehen. Herr Mazyek war zwar schlau oder höflich genug, nicht die gesamte Palette seines Glaubens vor den Zuhörern auszubreiten (und deren Veröffentlichung auf der von ihm verantworteten Website vorher zu löschen), aber mit einer anderen Haltung als der eben hier skizzierten wäre er kein Muslim mehr. Nun mögen die Muslime gerne von den Christen halten, was sie wollen, aber dass letztere, die von ersteren weltweit bei der erstbesten Gelegenheit nur allzu gerne diskriminiert und verfolgt werden, diesen auch noch auf ihren wichtigen Feiertagen huldigen, ist aus Sicht des Werwohlfs einfach nur absurd, Dialog hin, Dialog her.

Update 1:

Wenn wir schon über das Fehlverhalten von Kirchen reden, kann natürlich auch die lupenreine Unterwerfungsgeste der beiden wichtigsten deutschen Bischöfen nicht unerwähnt bleiben, die beim Besuch des Jerusalemer Tempelbergs ihre Kreuze ablegten, aus „Respekt“ gegenüber dem Wunsch ihrer muslimischen Gastgeber, wie es heißt. Respekt gegenüber einer Leugnung ihrer Religion? Christliche Märtyrer sind für Geringeres gestorben, die beiden wohlbestallten Herren hingegen hätten nur woanders hingehen zu brauchen.

Advertisements

2 Kommentare on “Neues der Woche (KW 44)”

  1. erlingplaethe sagt:

    Nun bist Du ja kein Protestant. Da sagt sich leicht, wenn ich einer wäre, wäre ich es heute nicht mehr. Für Standing Ovations.
    Wieviel mehr Unterwerfung ist es dagegen der Aufforderung zum Ablegen des Kreuzes an diesem Ort nachzukommen?
    Als Agnostiker (protestantisch getauft) sehe ich in der Kirche Roms das Original – mit entsprechend höheren Maßstäben.
    Doch selbst wenn ich mich um mehr Objektivität bemühte:
    Du selbst beschreibst die Unterwerfungsgeste der Vertreter beider Kirchen überdeutlich, könntest also genauso gut auch als Katholik austreten.

    • Werwohlf sagt:

      Du selbst beschreibst die Unterwerfungsgeste der Vertreter beider Kirchen überdeutlich, könntest also genauso gut auch als Katholik austreten.

      Ich könnte es mir einfach machen und sagen: Bin ich ja auch nicht. Aber das ist noch nicht mal der Punkt. Als Protestant ist die Verbindung zur landesweiten Kirche eine ganz andere. Hingegen: Erst wenn Papst Franziskus solche Unterwerfungsgesten vollführen würde, wäre für den guten Katholiken der Zeitpunkt zum Austritt gekommen.


Platz für Senf.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s