Was über Fluchtursachen

Nachdem uns unsere Herrscherin mitteilte, Grenzen ließen sich nicht schützen (es sei denn, es handele sich um türkische), gilt es als Königsweg zur Verhinderung der Einwanderung weiterer Ingenieure und Ärzte, dass die Fluchtursachen zu bekämpfen seien.

Der Ansatz ist nicht ganz schlecht. Schlecht ist allerdings, dass dazu untaugliche Mittel eingesetzt werden sollen. Meistens heißt die Antwort: „Das Bisherige hat nicht funktioniert? Dann brauchen wir mehr davon!“ Dabei mangelt es an Kritikern des Instruments „Entwicklungshilfe“ nun wahrlich nicht. Man lese zur Einführung nur mal das Buch des erfahrenden Diplomaten Volker Seitz, „Afrika wird armregiert“, oder nur diesen Artikel aus dem Hamburger Abendblatt. Oder eben jüngst die von Ex-Deutsche-Bank-Volkswirt Thomas Meyer angeführten wissenschaftlichen Erkenntnisse.

Es bringt eben nichts, nur immer mehr Geld in schlechte Institutionen zu schaufeln. Aber es gibt Lösungsansätze. Einer davon ist die Idee des mittlerweile als Kritiker des Mainstreams bekannten US-Ökonomen Paul Romer: „Chartered Cities“. Kennen wir Institutionen, die wirtschaftliche Entwicklung besser begünstigen als die, die wir z.B. in afrikanischen Staaten vorfinden? Ja, tun wir. Was also spricht dagegen, in den zu entwickelnden Ländern Industriezonen und Lebensräume, also letztlich tatsächlich Städte, zu schaffen, in denen genau diese Institutionen bestehen!? Niemand muss dazu die Lebensbedingungen für ein ganzes Land verändern. Es reicht, eine einzige Stadt in einem von extremer Armut gekennzeichneten Land zu schaffen, in der beispielsweise kanadische oder deutsche Gesetze gelten. Niemand wird gezwungen, diese Stadt aufzusuchen oder gar zu bewohnen. Es soll eine Einladung sein. Und dann schauen wir mal, was daraus wird.

Das Konzept ist nicht auf Afrika beschränkt. Was spräche – jenseits der Logik bestehender Machtverhältnisse – dagegen, solche Chartered Cities in Ländern einzurichten, die eine Hauptlast von Kriegsflüchtlingen zu tragen haben? Warum müssen sich die Menschen erst auf den mühsamen Weg nach Europa machen, wenn es letztlich die ökonomisch erfolgreichen Institutionen Europas sind, nach denen sie in Wirklichkeit suchen?Es kann – und das ist die Kehrseite der Medaille – sich natürlich herausstellen, dass diese Institutionen gar nicht so gewünscht sind. Dass man der Meinung war, ihre Ergebnisse seien auch ohne sie zu haben. Weil man irgendein magisches Verständnis von wirtschaftlichem Erfolg besitzt, das ohne Institutionen auskommt, oder weil man schlicht der Ansicht war, von denen leben zu können, die sich diesen Institutionen aufgrund eigener Dummheit unterwerfen.

Böse Rechte würden genau letzteres annehmen. Es wäre an der Wirklichkeit, sie zu widerlegen.

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One Comment on “Was über Fluchtursachen”

  1. Paul sagt:

    Mein Favorit ist die kleinteilige Wirtschaftshilfe. Ich bezeichne das absichtlich nicht als Entwicklungshilfe, weil dieser Begriff zu sehr in Verruf geraten ist.

    Was meine ich damit?
    Kurz gesagt: Hilfe zur Selbsthilfe, geleistet hauptsächlich von kleineren Hilfsorganisationen, die dies direkt personell begleiten. Flankiert wird das ganze durch zinslose Kleinkredite, die Existenzgründungen ermöglichen.
    Beispiele: Einer Frau wird mit einer Nähmaschine eine Existenzgründung ermöglicht. Ein Mann eröffnet eine Autowerkstatt.
    Ich kenne kirchliche Organisationen, die dies schon seit 20 Jahren mit Erfolg praktizieren. Es ist mühsam, aber es geht.
    Der Staat sollte solche Initiativen fördern. Er könnte auch selbst mit kleineren Organisationseinheiten tätig werden. Sie dürfen nicht zu groß sein, weil Größe eine Verfremdung bewirkt und auch die Überschaubarkeit sowie die Anleitung, Durchführung und Kontrolle erschweren.

    Herzlich, Paul


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