Vermischtes, KW 39

Auf Reisen erwarb der Werwohlf diese Woche mal wieder den „Cicero“, angelockt durch die Versprechungen Linker, dieses Blatt sei jetzt irgendwie endgültig in die „rechte Ecke“ abgedriftet. Wie erwartet, fand er außer der hier und da geäußerten Kritik an der Regierung Merkel nichts dergleichen – und schon gar nicht eine durchgängige ideologische Ausrichtung. Interessant aber, dass Amelie Fried ihre Kolumne in dieser Ausgabe einstellte. Sie machte kein Hehl daraus, dass ihre Einstellung vor allem zur „Flüchtlingskrise“ im Gegensatz zu der der Mehrheit der Redaktion stand, betonte aber, dass sie stets habe das schreiben können, was sie wolle, und dass sie vom Chefredakteur auch gegen aus ihrer Sicht deutlich unangebrachte Kritik eines Henryk Broder in Schutz genommen wurde, obwohl dieser in der Sache nicht ihrer Meinung war. Sehr nobel also, dieser Abgang von Frau Fried. Dennoch, nicht zuletzt aufgrund eigener Erfahrungen mit solchen Konstellationen, stellt sich der Werwohlf die Frage, ob nicht aus ihrem Umfeld entsprechend Druck auf Frau Fried ausgeübt wurde, ihre Tätigkeit beim jetzt neu verhassten Blatt zu beenden.

Im Online-Auftritt der „Berliner Zeitung“ las der Werwohlf ein Interview mit dem Historiker Paul Nolte, das ihn vor allem deswegen faszinierte, weil der Herr Professor in einer anderen Logik-Welt zu Haus zu sein scheint als der Werwohlf selbst. Natürlich ist sowas immer ein Anlass, die eigene Meinung nochmal so kritisch zu betrachten, wie einem das mit eigenen Meinungen eben möglich ist, aber es stellte sich heraus, dass auch nach Ende dieser Revision es die Meinungen des Herrn Nolte waren, die sich nicht so recht nachvollziehen ließen. In dem Interview wurde der Aufstieg der AfD behandelt, einer Partei, die der Werwohlf selbst nie wird wählen können, die er aber auch nicht für den Beelzebub hält, zu dem sie diverse Medien machen wollen. Da wäre zum einen die Aussage, die AfD stünde irgendwie jenseits der Demokratie. In journalistischen Kreisen scheint das mittlerweile so sehr als Allgemeinplatz zu gelten[1], dass auf Belege dieser Behauptung ganz verzichtet werden kann, aber da der Werwohlf kein Journalist ist, hätte ihn eine Begründung schon noch interessiert. Zum anderen befremdete den Werwohlf das Gegenmittel, das der Professor empfahl. Auf die Frage, was die „Volksparteien“ tun könnten, antwortete er:

Sie müssen sich ganz stark auf ihren gemeinsamen demokratischen Kern besinnen und müssen alles dafür tun, dass das Vertrauen in den Staat und seine Institutionen nicht noch weiter schwindet. Tatsächlich spielt es heute nur noch eine untergeordnete Rollen, ob jemand CDU, SPD oder Grüne wählt, wichtig ist die Mitte, also diejenigen, die das demokratische System unterstützen. Das gilt ähnlich für viele andere europäische Länder.

Dabei ist genau das, die Nichtunterscheidbarkeit der angeblich einzig demokratischen Parteien (die „Linke“ hat er ausgelassen, aus welchem Grund auch immer…) aus Sicht des Werwohlfs der Hauptgrund für das Erstarken der AfD. Und jetzt empfiehlt dieser kluge Kopf nicht nur ein „Weiter so!“, sondern auch noch ein „Mehr davon!“. Da möge sich jeder selbst bewusst machen, welche Logik überzeugender ist…

Das Prinzip „Abgrenzung“ soll nach Meinung dieses Wissenschaftlers hingegen für die AfD gelten. Er empfiehlt den anderen Parteien:

Kante zeigen, sich klar abgrenzen! Wer AfD wählt, muss für die liberal-demokratische Mitte wiedergewonnen werden. Aber unser Verständnis sollte sich sehr in Grenzen halten.

Nun wäre eine inhaltliche Abgrenzung sehr zu begrüßen, nicht nur gegenüber der AfD. Aber wer nun das „wir“ sein soll, welches das Possessiv-Pronomen „unser“ rechtfertigt, darüber kann man nur spekulieren. So um die 15% der Wähler scheinen jedenfalls nicht dazu zu gehören. Was eine Demokratie taugt, die einen solchen Anteil bestenfalls ignorieren, wenn nicht gar bekämpfen soll, wäre eine interessante Frage, die dem Historiker aber leider nicht gestellt wurde.

Faszinierend auch die Inkomptenz des EU-Kommissars Oettinger. Um die Bemühungen von Verlagen zu unterstützen, Google dafür zahlen zu lassen, dass es ihnen Traffic bringt, erwiderte er so gut wie jeden kritischen Einwand mit einer Umfrage, wonach 47% der User, die einen Anreißer auf „Google News“ lesen, nicht weiter zum Artikel klickten. Dass diese Click-Trough-Rate von 53% der feuchte Traum jedes Web-Designers ist, ist diesem Fachmann für „Digitale Wirtschaft und Gesellschaft“ ẃohl nicht so bekannt. In Folge dokumentierten diverse Online-Angebote die Quellen ihres Traffics unter dem Hashtag #trafficleaks auf Twitter. Der hohe Anteil an Weiterleitungen durch Google sticht dabei jeweils ins Auge. Bleibt die Frage: Was macht Oettinger eigentlich beruflich?

 

 

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