Klein-Fritzchen und der CSU-Generalsekretär

Es geht die Mär von einem Klassenbucheintrag, der da lautete: „Klein-Fritzchen pfeift schmutzige Lieder!“

Ein Witz ist es deswegen, weil offenbar wird, dass die eintragende Lehrerin anscheinend sehr genau den Text des Liedes kennt, das von dem Schüler nur gepfiffen wurde. Somit ahndet sie eigentlich in erster Linie ihre eigene Assoziation, da von Klein-Fritzchen gar nicht bekannt ist, ob er zu der von ihm dargebotenen Melodie überhaupt den passenden Text anführen könnte.

Der Generalsekretär der CSU, Andreas Scheuer, sagte gegenüber dem Bayerischen Rundfunk u.a. folgendes: „Entschuldigen Sie die Sprache, aber das Schlimmste ist ein fußballspielender, ministrierender Senegalese, der über drei Jahre da ist. Weil den wirst du nie wieder abschieben.“

Und die Rassismus-Vorwürfe ließen nicht auf sich warten, selbstverständlich auch nicht in den sogenannten Qualitätsmedien. Denn der CSU-Politiker hat „Jehova“ gesagt, in diesem Fall also „Senegalese“, und Senegalesen sind, wie wir gemeinhin annehmen dürfen (was in anderen Zusammenhängen übrigens rassistisch wäre, aber das nur nebenbei), überwiegend Schwarze, und eben weil der CSUler ein Beispiel wählte, in dem ein Schwarzer vorkommt, soll er jetzt ein Rassist sein. Hätte er statt einen Bürger eines schwarzafrikanischen Landes, dessen Einwohner hierzulande praktisch keine Chance auf Asyl haben, einen der Schweiz oder des Vatikans gewählt, wäre er wohl eher nicht des Rassismus geziehen worden. Dummerweise aber gibt es so gut wie keine Asylbegehrenden aus diesen beiden Ländern, was die entsprechende Wahl Scheuers erklären könnte, denn Aslyanträge von Senegalesen gibt im Vergleich dazu reichlich.

Die Frage, die sich da stellt, ist natürlich, ob die Assoziationskette, die zum Rassismus-Vorwurf führt, nicht ähnlich wie bei der o.g. Lehrerin vor allem im Kopf der Urteilenden entsteht. Als ob die Heranziehung eines schwarzafrikanischen Landes als Beispiel nur besondere Motive haben könnte. Als ob in diesem Fall zwingend ein nicht-schwarzafrikanisches Land anzuführen gewesen wäre. Denn jede Nennung eines Schwarzen müsse ja, sofern es im Kontext um abzuschiebende Fälle geht, auf finsteren Motiven beruhen.

Dabei könnte man auch anders an die Sache herangehen. Offensichtlich geht es Scheuer darum zu erklären, warum trotz offensichtlich nicht gegebenen Anspruchs auf Asyl die betreffenden Personen weiter im Land bleiben. In diesem Zusammenhang weist er darauf hin, dass die Integration in Kirchengemeinden oder Sportvereinen als Abschiebehindernis gelten – was dann aber faktisch auf eine Aushöhlung des geltenden Rechts hinausliefe und letztlich eine Einladung darstellt, auch unbegründet in Deutschland um Asyl nachzusuchen, in der Hoffnung, während des viel zu lange dauernden Verfahrens genügend Andockstellen im Land zu finden, die eine an sich berechtigte Abschiebung unmöglich machen.

Dies wäre ein offensichtlicher Missbrauch der grundgesetzlichen Garantie, die eben für solche Fälle nicht gedacht ist. Selbstverständlich kann und muss man diskutieren, ob es neben dem Asyl nicht auch vermehrt andere Möglichkeiten der Einwanderung geben sollte, aber erstens ändert das nichts am geltenden Recht und zweitens würde auch dann wohl weniger darauf geachtet werden, welche Dienste die Antragsteller in Kirchen oder Vereinen übernehmen, sondern auch und insbesondere der Arbeitsmarkt als Beurteilungskriterium herangezogen werden. So jedenfalls pflegen es die Länder zu tun, die sich selbst „Einwanderungsland“ nennen.

Man könnte die mediale Aufregung also auch simpel als Kampagne auffassen, in der die Assoziation „CSU-Schwarzafrikaner-Abschiebung“ allzu gerne zum Vorwand genommen wird, eine ungeliebte Meinung von der Diskussion auszuschließen.

Und wenn man sich die Stimmen anschaut, die sich hier besonders apodiktisch äußern, dann fällt es sogar sehr schwer, eine andere Sichtweise einzunehmen.

 

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