Ähnlichkeiten

In der Twitter-Timeline des Werwohlfs scheinen sich ziemlich viele Computer-Spieler zu befinden, gemessen an den Reaktionen auf jede Äußerung eines Politikers oder Experten, die einen Amoklauf mit der vorherigen Leidenschaft des Täters für Ego-Shooter verbinden.

Die übliche Abwehrreaktion besteht dann darin, die Behauptung ins Extrem zu verzerren, bis aus ihr „Jeder Spieler von Ego-Shootern läuft irgendwann Amok“ geworden ist, und auf diesen dankbaren, weil empirisch nun wirklich leicht zu widerlegenden Strohmann heftig einzudreschen. Um dann – unter gewisser Umgehung der Logik nach dem Motto „Wenn A falsch ist, muss das extreme Gegenteil von A richtig sein“ – zu konstatieren, Amokläufe hätten überhaupt nichts mit Computerspielen zu tun.

Ein nicht geringer Teil der so Argumentierenden allerdings pflegt in der Regel in virtuelles, höhnisches Gelächter auszubrechen, wenn nach einem Amoklauf der Satz fällt: „Das hat alles nichts mit dem Islam zu tun!“, sobald bekannt wird, dass es sich bei dem Täter um einen Muslim handelte. 

Was wiederum belegt: Es ist keinesfalls ein Privileg von Linken, sich die Welt nach eigenem Gusto zurechtzuschnitzen

P.S.: Auch wenn die Versuchung der Argumentationsabkürzung nahe liegt: Der Werwohlf ist keinesfalls der Meinung, dass Ego-Shooter Menschen zu Amokläufern machen. Das denkt er vom Islam allerdings auch nicht.

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7 Kommentare on “Ähnlichkeiten”

  1. nachdenken_schmerzt_nicht sagt:

    Dein P.S.würde ich grundsätzlich so unterschreiben. Meines Ermessens beantwortet das aber nicht notwendig die Frage, ob Korrelation und/oder Kausalität die beiden jeweils paarweise betrachteten „Zusammenhänge“ auf die jeweils identische Weise verknüpfen.

    • Werwohlf sagt:

      Es muss nicht die identische Weise sein. Das Ausmaß kann auch individuell unterschiedlich sein. Nur die Abwehrreaktion „Das hat nichts mit X zu tun“ ist in beiden Fällen unangebracht.

  2. Klaus sagt:

    Alles richtig, aber: Computerspiele geben üblicherweise keine Handlungsanwesisungen für das wirkliche Leben, Religion dagegen schon.

  3. Andreas Döding sagt:

    Zustimmung. Ist ein bisschen so wie die neue Dichotomie „psychisch gestörter Einzeltäter“ vs. „Islamistischer Terrorist“. Man mag die Welt gerne einfach haben. Den Gefallen tut sie uns nur leider nicht.

    • n_s_n sagt:

      Korrelationen, soweit sich mein empirischer Erfahrungshorizont erstreckt, liegen meistens zwischen 0 und 1 und selten bis nie exakt darauf und sie sind auch noch äußerst schwer zu betsimmen.

      Des Weitern sind Korrelationen keine Kausalitäten, können aber durch solche hervorgeufen werden. Korrelationen und Kausalitäten sind die Ideale Spielweise für geschlossen Weltbilder, da sie durch Transformation des einen ins andere alles bestätigen können.

      Im vom Werwohlf genannten Beispiel neige ich dazu, Menschen mit Gewaltphantasien häufig bei Ego Shooter Spielen zu vermuten, weil diese ihren sozial eingehegten Gewaltdrang dort ausleben können.

      Des Weitern glaube ich die Beobachtung zu machen, dass es Kulturkreise gibt, in denen die Sozilisation weniger als in der westlichen Welt die Persönlichkeitsrechte schützt und in denen nicht Staatliche Gewalt auch nicht die Ächtung erfährt wie sie es in der westlichen Welt tut. In solchen Gesellschaften scheint mir häufig eine bestimmte Religion vorzuherrschen. Ob das eine Koninzidenz ist oder in irgend einem verknüpft kausalen Zusammenhang steht, kann ich in keiner Weise beurteilen. Wenn es aber einen verknüpft Kausalen zusammenhang geben sollte, dann liegt die beobachtbare Korrelation defintiv nicht bei 1.

      Die Aussage, dass weder Ego Shooter, noch der Islam die Menschen zu Amokläufern machen ist also uneingeschränkt richtig.

      Um so wichtiger ist es herauszufinden, was Menschen nun zu Amokläufern macht und dazu müßte man Korrelationen und Kausalität in den genannten Fällen unvoreingenommen untersuchen und beurteilen und auch ungeliebte Wahrheiten zulassen.

      Stattdessen werden Korrelationen und Kausalitäten aber nur so hingebogen, dass sie die eigenen Weltbilder unterstützen. Das ist moderne Intellektualität in der Variante Moral 2.0 oder Opfer 2.0.


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