Der Weg der AfD

Damals dachte der Werwohlf, mit der Spaltung sei die AfD erledigt. Aber da ahnte er – wahrscheinlich wider besseren Wissens – noch nicht, wozu eine von der CDU gestellte Bundeskanzlerin so alles fähig ist. 

Dennoch: die alte Prognose gilt. Petry hat sich der Spießgesellen der Höckes und Poggenburgs bedient, um in Essen gewählt zu werden, während Gauland als eigentliche Integrationsfigur der Partei und als „graue Eminenz“ im Hintergrund die Fäden zog. Das Schicksal des Zauberlehrlings ist Petry gewiss. Sie setzte damals gegen ihre eigene Überzeugung und aus reinem Machttrieb auf die Rechten in der Partei, und im Konflikt mit Meuthen versucht sie dieselbe Masche erneut. Es ist leicht, sich darüber zu empören, dass zu viele AfD-Abgeordnete sich mit dem Antisemiten Gedeon solidarisch erklärten, aber dahinter steckt keine politische Überzeugung, sondern ein Machtkalkül, das jederzeit bereit ist, mit den politischen Tabus Nachkriegsdeutschlands zu brechen, wenn das die eigenen Interessen bedient. Aus der Überzeugung, dass es der Tabus vielleicht gar zu viele sind, muss man nicht zwingend den Schluss ziehen, dass es keine mehr geben solle – aber genau das entspricht nun einmal Rolle und Popularität der AfD. Wer sich darauf beruft, hat die Sympathie der Basis fast sicher.

Petry könnte in Meuthen ihren Meister finden. Der scheint noch skrupelloser und in der bekundeten Überzeugung noch beliebiger als die derzeitige Vorsitzende und könnte damit Gauland & Co. als geeigneter erscheinen. Denn, falls der eine oder die andere das nicht mehr parat haben sollte, selbstverständlich wusste Meuthen schon lange von den Thesen Gedeons. Er wurde ja auch ständig darauf aufmerksam gemacht. Nur war es zu der Zeit anscheinend noch nicht opportun, diesen Konflikt vom Zaun zu brechen. Man brauchte schließlich Stimmen, gerne auch die der Antisemiten im Land. 

Aus Sicht des Werwohlfs ist der Trend nach rechts in der Partei strukturell verankert – Erfolg und parteiinterne Regularien bedingen das, auch wenn die ganz Rechten nicht begreifen, dass der Erfolg nur so lange da sein wird, wie sie sich noch nicht für alle erkennbar durchgesetzt haben werden. Solche Kleinigkeiten haben schon die Republikaner nicht vom Gang in die Bedeutungslosigkeit abgehalten. 

Um so höher ist die Leistung der „Grünen“ einzuschätzen, sich jenseits des inhärenten Drangs zum Extrem dauerhaft als nach allen Seiten hin koalitionsfähige Alternative zu etablieren. Aber vielleicht denken Linke taktisch auch nur weiter als Rechte.

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11 Kommentare on “Der Weg der AfD”

  1. alphachamber sagt:

    Das ist eine gute Analyse. Rein machtpolitisch -und entsprechend deutschen Verhältnissen – haben Sie sicher recht. Aber das ist gerade die Misere, nicht nur das Schicksal der AfD, sondern der Deutschen. Die AfD ist ein Gradmesser, wieweit den Bürgern vernünftige Politik wichtiger ist, als die Einstellung ihrer Akteure zum Judentum.

    • stefanolix sagt:

      Die AfD stand in ihren Anfängen für legitime Kritik an der EU-Politik, speziell an der Währungspolitik und an der Schuldenpolitik. Sachliche Kritik gehört zu einer Demokratie und deshalb kann man sagen: die AfD hat damals eine neue Position in der Politik besetzt. Gern kann man das ansatzweise als »vernünftige Politik« bezeichnen, denn CDU und FDP hatten diese Positionen vorher geräumt und es gab de facto keinen bürgerlichem Widerstand gegen unvernünftige und verantwortungslose Politik mehr.

      Später wurde die AfD aber von rechtsradikalen und rechtspopulistischen Kräften zuerst unterwandert und dann überrollt. Die AfD steht (Stand: Juli 2016) nicht für »vernünftige Politik« – weder in einem Landtag noch bundesweit.

      Im Fall Gedeon geht es nicht lapidar um die »Einstellung der Akteure zum Judentum«. Wer sich mit solchen Theorien wir Gedeon hervortut, ist in Deutschland schlichtweg nicht politikfähig. Er mag sich um einen Sitz im Parlament des Iran oder Palästinas bewerben …

      Gedeons Name kommt von der biblischen Figur Gideon, der als Zertrümmerer eines Götzenbildes bekannt wurde. Die AfD in der heutigen Verfassung ist im Grunde auch ein Götzenbild, also eine Projektionsfigur für Erwartungen. Diese müssen notwendigerweise enttäuscht werden, denn das Götzenbild ist hohl. Gedeon hat daran mitgewirkt, das Götzenbild zu zertrümmern.

      • alphachamber sagt:

        Danke für ihre Antwort zu unserem Kommentar.
        „Wer sich mit solchen Theorien wir Gedeon hervortut, ist in Deutschland schlichtweg nicht politikfähig.“
        Genau das haben wir gemeint. Der deutsche Parlamentarismus lässt prinzipiell keine „vernünftige“ Politik zu, denn die Axiome der Vernunft gelten hier als rechts. Somit bleibt nur das Emotionelle, der Populismus. Das ist zum Schaden der Bürger – mit oder ohne eine AfD.

        • stefanolix sagt:

          Der Parlamentarismus lässt viel zu und eine wirklich bürgerlich-demokratische (etwa konservativ-liberale) AfD hätte sich dort auch einfügen können.

          Meine Anmerkung bezog sich speziell auf den Antisemitismus – und mit Antisemitismus grenzt man sich völlig zu recht aus dem Kreis der Demokraten aus. Die Relativierung oder gar Leugnung von Auschwitz ist ein absolutes Tabu. Ich achte die Meinungsfreiheit sehr hoch, aber mit dieser Einschränkung der Meinungsfreiheit für politische Akteure wird sie nur minimal gemindert. Es hat jeder das Recht auf eine eigene Meinung, aber nicht das Recht auf seine eigene historische Realität.

          • alphachamber sagt:

            Wir wissen wohl, dass dieses Thema „tabu“ ist. Die wenigsten Deutschen kennen ihre eigene Geschichte, weil eben vieles tabu erklärt wurde – so ziemlich die ganze Epoche seit vor dem WK I. bis Ende WK II. Die meisten geistigen Größen der Geschichte waren mäßige bis starke Antisemiten, darunter der Heilige Augustinus und Voltaire. Das war aber vor 1933.

            Sie schreiben:
            „Ich achte die Meinungsfreiheit sehr hoch, aber mit dieser Einschränkung der Meinungsfreiheit für politische Akteure wird sie nur minimal gemindert.“
            Das sehen wir anders. Mit dem Vorwurf des Antisemitismus (oder genereller, des Rassismus) ist man in D. schnell zur Hand. Das erweitert dann den Kreis der Tabu-Themen schon erheblich, finden Sie nicht?

            Sie schreiben:
            „Es hat jeder das Recht auf eine eigene Meinung, aber nicht das Recht auf seine eigene historische Realität.“
            Woher meinen Sie die denn selbst so genau zu kennen?

            • Werwohlf sagt:

              Die meisten geistigen Größen der Geschichte waren mäßige bis starke Antisemiten, darunter der Heilige Augustinus und Voltaire. Das war aber vor 1933.

              Der Antisemitismus ist aber nichts, was den Geistesgrößen positiv zuzuschreiben wäre, sondern höchstens ein Beleg dafür, wie tief auch solche gesellschaftlichen Vorurteilen verhaftet zu sein pflegen. Nach 1945 noch Antisemit zu sein, erfordert eine Mischung aus Dummheit und charakterlicher Fehlbildung, die, egal zu welcher von beiden Bestandteilen das Pendel am meisten ausschlägt, gerade ein vernünftiger Mensch bei Politikern nicht mehr sehen will.

              Mit dem Vorwurf des Antisemitismus (oder genereller, des Rassismus) ist man in D. schnell zur Hand. Das erweitert dann den Kreis der Tabu-Themen schon erheblich, finden Sie nicht?

              Selbstverständlich ist auch der Antisemitismus einer dieser Ismen, die gerne dazu verwendet werden, sich Argumente zu ersparen. Was nicht dagegen spricht, ihn da zu diagnostizieren, wo er auftritt. Wenn man denn Argumente dafür hat, dass er vorliegt. Antisemitismus an sich ist nicht strafbar, und der Wähler darf sich auch für Antisemiten entscheiden. Nur dürfen Leute, die Antisemitismus z.B. als Beleidigung ihrer Intelligenz ansehen, sich dann auch dagegen aussprechen und die Wahl entsprechender Politiker als für sie inakzeptabel betrachten.

              Sie schreiben:
              „Es hat jeder das Recht auf eine eigene Meinung, aber nicht das Recht auf seine eigene historische Realität.“
              Woher meinen Sie die denn selbst so genau zu kennen?

              Es gibt eine seriöse Geschichtswissenschaft, derer Erkenntnisse man sich jederzeit bedienen kann. So bescheuert es ist, die Erzählung historischen Unsinns unter Strafe zu stellen, so hohl ist es, diesen Unsinn eben deswegen auf allen mögichen, gerade so eben nicht strafbewehrten Wegen in die Welt zu setzen.

            • alphachamber sagt:

              Wenn Sie – nach 2500-jähriger Geschichte – 1945 als das Ende jeglicher Kritik an einer Gesellschaft ziehen, dann fragen wir uns schon, inwieweit Sie kritiklos die staatlich verordnete pk Linie vertreten. Diese zeitliche Grenze existiert so in keinem anderen Land. Wenn Kritik an Juden regional beschränkt ist, wie kann sie dann allgemein als „Dummheit und charakterlicher Fehlbildung“ gelten?
              Da wir gerade dabei sind: Der Wert eines Menschen ist in einem Rechtssataat dergleiche, unabhängig seiner Ethnizität; also gerade das, was im III. Reich fehlte.

              Wir haben nur ein paar Zitate aus Gedeons Buch am internet gelesen. Die Frage wäre, ob seine Aussagen Kritik darstellen oder gleich antisemitische Grundeinstellung. bescheinigen.

              Es gibt in der Tat genügend Quellen der wahren Geschichte. Wenn sich ihnen jeder bedienen würde, gebe es kaum noch Bürger die glauben D. hätte den WK I. angefangen, nicht wahr?

              Judenkritik als Intelligenzmesser ist, unserer Meinung nach, nun … nicht intelligent. Ich denke, das hätte Voltaire und Goethe auch so gesehen.

            • Werwohlf sagt:

              Damit sollte die Sache klar sein. Ich lasse den obigen Kommentar mal als Musterbeispiel für heutige antisemitische „Argumentation“ stehen, möchte aber darauf hinweisen, dass ich Ähnliches zukünftig löschen werde.

              Dem User „alphachamber“ danke ich für seine Beiträge. Vielleicht findet er in Kreisen Gleichgesinnter ja noch ausreichend Gelegenheit, „Judenkritik“ zu üben. Hier allerdings bitte nicht mehr. Wäre auch nett, wenn bei der Gelegenheit mal auf das öde „Zensur“-Gekreische verzichtet werden könnte. Merci.

            • alphachamber sagt:

              „Musterbeispiel für antisemitische Argumentation“? Atmen Sie mal tief durch! Ich lebe seit 1972 in Fernost und wundere mich wo ich mir wohl den Antisemitismus holte. Wir hatten freundlich und sachlich kommentiert. Sie sind es, dem der deutsche Philister auf der Schulter lastet. Es ist Ihr Blog und was Sie Ihrem Geiste antun, hat nicht weiter unser Interesse.

  2. n_s_n sagt:

    Deine Analyse überzeugt mich. Und damit depremiert sie mich.

    Es wird absehbar keine seriöse politische Alternative zum Merkelismus bzw. seinem Programm geben, die Chancen hätte im Paralment vertreten zu sein. So ist das aber wohl in einem Land, in dem selbst die „Liberalen“ im Parteienspektrum Planwirtschaft für sinnvoll erachten, weil es die Moral gebietet.

    Manchmal ist es einfach zum heulen. Es sind die Momente, wo ich wirklich glaube, dieses Land wird vor die Hunde gehen. In einem Merkel & Maasschen Orwell Szenario, in einem völkischen Chaos.oder einer Melange aus beidem. Es wird an seiner Moralgläubigkeit, wie immer sie gefärbt sein wird, ersticken. Wieder einmal.

    Vor vielen Jahren, in meiner jugendlichen Sturm und Drang Zeit, habe ich einmal ein Gedicht geschrieben: „An die Moral“. Es begann mit den Worten: „Du vermaledeites Drecksvieh“.

    Es erstaunt mich heute, wie unbewußt weitsichtig ich damals gewesen zu sein scheine.

    • Werwohlf sagt:

      Es wird an seiner Moralgläubigkeit, wie immer sie gefärbt sein wird, ersticken. Wieder einmal.

      Wenigstens schaden wir damit mal nicht anderen.


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