Was zu Nachbarn

Es gab ja einige Tage kein wichtigeres Thema als die Gauland-Äußerung zur Frage, wer Jerome Boateng vielleicht nicht als Nachbarn haben möchte. 

Anscheinend hatte die FAS, die das Interview mit Gauland führte, den ominösen Satz geradezu begeistert aufgegriffen, um damit folgende Story zu erzählen:

  1. Gauland beleidigt Boateng.
  2. Es handelt sich hierbei um eine bewusste Provokation mit dem Ziel, rechte Ressentiments wahlweise zu „bedienen“ oder zu „schüren“.

Die Absicht der FAS wird sehr gut deutlich in einem Kommentar von Richard Wagner. Wagner lässt keinen Zweifel daran, dass die Aussage Gaulands nur auf niedrigsten Motiven basieren kann. 

Belege dafür kann er keine anbieten – die FAS-Redakteure haben dankbarerweise auch nicht nachgefragt, um etwaige Zweifel auszuräumen – aber das hindert ihn nicht daran, einen erneuten Versuch zu unternehmen, die AfD aus dem normalen Umgang unter Demokraten auszuschließen. Gut, die AfD werden solche Ansinnen freuen, sind sie doch Wasser auf ihre Mühlen als verfolgte Alternative des herrschenden Parteienkartells, aber der nicht so sehr im Kampfmodus befindliche Leser könnte bei dieser Art Holzhammer-Propaganda etwas befremdet reagieren.

Dummerweise kam mittlerweile heraus, dass es die FAS-Interviewer waren, die den Namen Boatengs in Spiel brachten, und das auch noch reichlich kontextfern im Zusammenhang mit einer Diskussion über Muslime (Boateng ist bekanntlicherweise Christ). Die FASsler rechtfertigen sich jetzt damit, dass der Name des Bayern-Spielers Gauland offensichtlich bekannt war. Das mag so sein, aber mehr als den kannte Gauland anscheinend auch nicht. Es dürfte wohl nicht allzu waghalsig spekuliert sein, davon auszugehen, dass dem distinguierten Herrn Gauland die Beschäftigung mit dem Profifußball eher nicht so liegt und er diese vermutlich irgendwo bei der gesellschaftlichen Klasse ansiedelt, mit der er qua Bildung und Einstellung nicht viel meint zu tun zu haben. Das mag man dem Werwohlf als Nicht-Bayern-Fan glauben: Es dürfte reichlich schwer fallen, in Deutschland tatsächlich jemanden zu finden, der Jerome Boateng als Nachbarn ablehnen würde. Ausgerechnet dieser zwar reiche und berühmte, aber weiterhin höfliche und zurückhaltende Berliner (normalerweise ein Oxymoron) wäre wohl am allerwenigsten dazu geeignet, Gauland dabei zu helfen, irgendwelche Punkte bei denen zu machen, die von diffusen Ängsten getrieben werden. Und wir können getrost davon ausgehen, dass genau das der Grund war, warum die FASsler ausgerechnet diesen Namen erwähnten und nicht z.B. nach irgendwelchen Salafisten fragten (oder wenigstens nach Jeromes Bruder Kevin Prince, dem ein gewisses „Bad Boy“-Image anhaftet, der aber auch nicht besonders zum Thema Islam passen würde).

Dem Werwohlf scheint es eher so, als hätten die FASsler Gauland aufs Glatteis führen wollen, und dieser sei sofort darauf herumgeschlittert. Ähnlich wie diese beliebten Fake-Interviews, in denen Passanten nach irgendwelchen fiktiven Dingen gefragt werden und diese, weil sie sich nicht als Unwissende entlarven wollen, dann dazu irgendwelchen Blödsinn erzählen („Natürlich bin ich gegen die Abschaffung von Artikel 147 des Grundgesetzes! Das ist eine Sauerei!“). 

Vor diesem Hintergrund erscheint die daraufhin von der FAS losgetretene Kampagne, bei der sich die Zeitung auch nicht entblödete, tatsächliche Nachbarn Boatengs zu befragen und dabei die zu erwartenden Antworten erhielt, als nicht so sehr empörenswerter, aber vor allem äußerst peinlicher Versuch, für die „richtige Seite“ (mit kleinen Seitenhieben gegen anders textende FAZ-Journalisten) Schlagzeilen zu machen und endlich, endlich, einen führenden AfD-Funktionär zu „entlarven“. Was natürlich um so einfacher geht, wenn man mit dem zu Beweisenden argumentiert, wie eben der gute Herr Wagner. 

Gauland hat übrigens in dem Interview auch andere Aussagen getroffen. Über die könnte und sollte man diskutieren, wenn man beabsichtigt, der AfD politisch entgegenzutreten. Vielleicht entschließt sich ja irgendwann mal jemand dazu.

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6 Kommentare on “Was zu Nachbarn”

  1. n_s_n sagt:

    Ich glaube ja, dass in dieser Sache völlig unwesentlich ist, was diskutiert wurde. Das Wesentliche ist, dass diskutiert wird. Dieser Umstand sagt mehr über die Befindlichkeit unserer Gesellschaft aus, als jeder Inhalt. Auch deswegen, weil alle Inhalte spekulativ sind.

    Wenn Gauland zum Beispiel wirklich so ahnungslos wie kolportiert bezüglich Fußball ist, wer sagt dann, dass er nicht Kevin Prince beim Namen Boateng assoziiert hat? Der hat in Deutschland wahrscheinlich deutlich mehr Boulevard Schlagzeilen gemacht und den wollte ich auch nicht zum Nachbarn. Diesen Wunsch teile ich womöglich sogar mit seinem Brunder. 🙂

    Auf der anderen Seite halte ich Gauland für einen polit Profi, der sich im Griff hat und durchaus auch unter Druck souverän reagiert. Ich kann mir daher auch vorstellen, dass er bei der Erwähnung des Wortes „Boateng“ geistesgegenwertig die Absicht der FAS durchschaute und die Gelegenheit nutzte, sich als Medienopfer darzubringen, das die beiden Journalisten dann dankbar annahmen. Und wie ich als Schachspieler weiß, sind manche Opfer, so groß sie auch erscheinen mögen, vergiftet. An anderer Stelle habe ich ja mal thematisiert, wie der linksgrüne Mainstream sich mit Feindbildern abgrenzt, um innere Kohäsion zu erzeugen. Das gleiche macht natürlich auch die AfD. Das ist eben eine (die) Art nicht liberaler Parteien, Politik zu machen. Gauland weiß genau, dass jede „etablierte, mediale Prügel“ für die AfD die Kohäsion in der eigenen Gruppe erhöht und dabei auch noch ein paar Mörtelstücke aus dem Aussenbereich der gegnerischen Mauer herauslöst. Denn auch viele von denen, die mit der AfD nichts anfangen können, geht die moralische Überheblichkeit des Antipoden gehörig auf den Geist und da ist es nicht weit hin, etwas Sympathie mit dem Prügelknaben zu empfinden – in einer Gesellschaft, die den „Opferkult“ so gerne pflegt.

    Wie man es dreht und wendet: Das ist das Berteiben von Politk mit Moral, Stereotypen, Ressentiments und Ausgrenzung anstatt mit Inhalten. – Von beiden Seiten.

    Deutschlad im Jahre 2016.

    Herzlich

    nachdenken_schmerzt_nicht

    • Werwohlf sagt:

      Wenn Gauland zum Beispiel wirklich so ahnungslos wie kolportiert bezüglich Fußball ist, wer sagt dann, dass er nicht Kevin Prince beim Namen Boateng assoziiert hat?

      Das habe ich mich natürlich auch gefragt. Aber so wie ich Gauland einschätze, kennt der nichtmal den. Für den sind das wahrscheinlich alle so merkwürdige Schwarze, die da in kurzen Hosen einem Ball hinterher rennen.

      Ich kann mir daher auch vorstellen, dass er bei der Erwähnung des Wortes „Boateng“ geistesgegenwertig die Absicht der FAS durchschaute und die Gelegenheit nutzte, sich als Medienopfer darzubringen, das die beiden Journalisten dann dankbar annahmen.

      Das kann ich mir nicht vorstellen, weil ich mir bis dato nicht vorstellen konnte, dass Redakteure dieses Blattes eine derartige Kampagne lostreten würden. Und ich schätze, Gauland konnte das auch nicht, sonst würde er mit denen nicht Gespräche auf Vertrauensbasis führen.

      An anderer Stelle habe ich ja mal thematisiert, wie der linksgrüne Mainstream sich mit Feindbildern abgrenzt, um innere Kohäsion zu erzeugen.

      Das ist ja auch eine uralte Methode. Im Fall der AfD sorgt sie für eine perfekte Symbiose: Linke und Rechte schließen in ihrer gegenseitigen Verachtung der Methoden der Anderen jeweils intern die Reihen.

      Wie man es dreht und wendet: Das ist das Berteiben von Politk mit Moral, Stereotypen, Ressentiments und Ausgrenzung anstatt mit Inhalten. – Von beiden Seiten.

      Deutschlad im Jahre 2016.

      Seufz. Tja, leider.

  2. Dennis sagt:

    Okay, aufs Glatteis geführt. Man kann auch sagen: Reingelegt, okay, kann man so sehen.

    Es mag ja Leute geben, die gar nicht wissen, dass das Glatteis ein gefährlicher Ort ist. Kleine Kinder zum Beispiel. Da sind dann Papa und Mama in der Verantwortung.

    Das Interessante ist doch hier, dass sich Gauland ganz locker und explizit auf diesen infantilen Standpunkt begibt: Er ist seit Jahrzehnten im Geschäft, u.a. auch langjährig in leitenden journalistischen Funktionen und spielt das Dummchen – das ist ja auch ’ne Nachricht.

    Klar, es werden da möglichst geschickte Fangfragen gestellt mit Provokationsabsicht. Bei Honecker-Interviews lief das anders, etwaiges Glatteis wurde großflächig beseitigt.

    >>Dummerweise kam mittlerweile heraus, dass es die FAS-Interviewer waren, die den Namen Boatengs in Spiel brachten<>Dem Werwohlf scheint es eher so, als hätten die FASsler Gauland aufs Glatteis führen wollen, und dieser sei sofort darauf herumgeschlittert>>

    Das zeigt, wie gesagt, dass die FAZler einigermaßen geschickt sind und G. mindestens ’n bissle doof – vielleicht lässt er sich aber auch gerne aufs Glatteis führen bzw. wird leichtsinnig, wenn er nur seinen völkischen Kram unterbringen kann. Dass das zu erwarten ist, war wiederum die „Vorkenntnis“ der FAZler, für die sooooo viel Geschick gar nicht notwendig ist.

    In der Essenz isses doch so: Herr G. vermutet bei Herrn B. das Erfordernis einer Integrationsleistung. Wenn er den „nicht kennt“, kann das nur am Namen gelegen haben, der auffällig anders klingt als Schmidtchen und Huber.

    Wenn das nicht völksch-nationalistisch gedacht ist, frag ich mich, was völkisch eigentlich sein soll.

    • Werwohlf sagt:

      Wenn das nicht völksch-nationalistisch gedacht ist, frag ich mich, was völkisch eigentlich sein soll.

      Das frage ich mich schon lange. Allerdings kann ich auch nicht den Drang nachvollziehen, dieses Etikett irgendwo loswerden zu wollen.

      Er ist seit Jahrzehnten im Geschäft, u.a. auch langjährig in leitenden journalistischen Funktionen und spielt das Dummchen – das ist ja auch ’ne Nachricht.

      Das spielt er m.E. erst mit seinen Erklärungsversuchen. Zum Zeitpunkt des Interviews aber wollte er ganz schlau erscheinen und ließ sich somit eine für sein Argument völlig untaugliche Person unterjubeln. In Deutschland geboren und aufgewachsen, deutsche Mutter, Christ, vom Verhalten her Typ Muster-Schwiegersohn – da kann einen mehr als bei anderen eigentlich nur noch die Hautfarbe (oder der Name) stören, und ich glaube nicht, dass Gauland ausgerechnet diese Aussage treffen wollte. Erst recht nicht, wenn man sich das Ganze im Kontext anschaut Gauland geht es um Religion und Kultur – es wäre zwar als Feindbild bequemer, würde er sich auch als grundsätzlich gegenüber Menschen mit anderer Hautfärbung oder fremd klingenden Namen eingestellt präsentieren, aber so simpel gestrickt sind die Gaulands dieser Welt nun mal nicht.

      Und ich wiederhole mich: Die Unterstellung, Gauland meine mit der von ihm als solche ausgewiesenen Meinung anderer in Wirklichkeit seine eigene, ist im Grunde eine Argumentation mit dem zu Beweisenden. Dass er sich den Menschen, die so denken, aber als Kümmerer anbietet, dürfte außer Zweifel stehen. Ob man dafür wieder hektisch in der Etiketten-Kiste kramen muss, ist allerdings eine andere Frage. Ich würde ganz nüchtern sagen: Es wäre nicht nur normal, sondern im Sinn einer Demokratie geradezu geboten, wenn auch Menschen, die bei der Aussicht auf „Buntheit“ und „Weltoffenheit“ nicht in Verzückung geraten, von Parteien vertreten werden.

      • Dennis sagt:

        Zitat D :
        „Wenn das nicht völksch-nationalistisch gedacht ist, frag ich mich, was völkisch eigentlich sein soll.“
        Zitat W:
        „Das frage ich mich schon lange. Allerdings kann ich auch nicht den Drang nachvollziehen, dieses Etikett irgendwo loswerden zu wollen.“

        Klar, muss man nicht loswerden, Zurückhaltung an dieser Stelle hat was für sich insofern, als politische Kategorisierungen dieser Art immer „weich“ sind, d.h.: Nichts ganz Genaues weiß man nicht so richtig, indem man sich nicht in harten Definitionen bewegt sondern in Grauzonen. Außerdem ist man as Beurteiler nicht neutral. Es sind maßgeblich BEWERTUNGEN dabei, gerne auch nebst (hoffentlich nicht zu viel) Polemik als das Salz in der Suppe. In der politischen Debatte ist man halt nicht unter Eunuchen oder Pafarrerstöchtern – von Merkel man abgesehen, denn dann könnte man gar nichts mehr sagen, also beispielsweise auch nicht „links“ oder „konservativ“ „orthodox“ oder irgendwas, was auf „istisch“ endet oder dergleichen kombiniert, oder, oder, oder. Dergleichen hängt immer wesentlich davon ab, wo ICH stehe und nirgends kann man nicht stehen.

        Zitat W:
        „Erst recht nicht, wenn man sich das Ganze im Kontext anschaut Gauland geht es um Religion und Kultur – es wäre zwar als Feindbild bequemer,………“

        Das Letztere ist z.B. so ein polemisches Ding. Wieso ist es ein „bequemes Feindbild“, wenn man begründete Einwendungen hat? Okay, kein Problem, so geht’s halt in politischen Debatten. Das Argument mit Religion und Kultur überzeugt mich indessen. Runtergekocht geht’s da um gesellschaftliche Homogenität und Kohärenz, wobei Linke und Rechte interessanterweise i.d.R darin ÜBEREINSTIMMEN, dass das grundsätzlich ’ne gute Idee ist. „Die Reichen“ fallen z.B. auch aus der Homogenität. Da hat jeder so sein Lieblinge, die er aussortieren will.

        Zitat W:
        „Die Unterstellung, Gauland meine……., ist im Grunde eine Argumentation mit dem zu Beweisenden.“

        Beweisen kann man in der Politik eh NIX. Man ist da nicht in der Mathematik. Leider ;( , die gefällt mir besser 😉

        Zitat W:
        „Wie bei der Aussicht auf „Buntheit“ und „Weltoffenheit“ nicht in Verzückung geraten,…“

        Dann nennen Sie ’s halt Verzückung. Liberales Denken Kann man das auch nennen und die Anführungszeichen sind aus meiner Sicht redundant – aber selbstverständlich erlaubt. Die anderen sind in dieser Diktion rein logisch diejenigen, welche Einfarbigkeit und Weltverschlossenheit wünschen. Man kann da u.a. die Frage stellen, ob das im Internetzeitalter mit dem Zusammenschrumpeln von Entfernungen auf praktisch nichts Zukunft hat. in weites Feld, natürlich, mit vielen Aspekten .

        Gruß
        Dennis

        • Werwohlf sagt:

          Es sind maßgeblich BEWERTUNGEN dabei, gerne auch nebst (hoffentlich nicht zu viel) Polemik als das Salz in der Suppe.

          Mein Problem dabei ist aber immer: Ich finde durch Etiketten ausgedrückte Bewertungen anderer in der Regel ziemlich uninteressant. Und wenn sowas, wie in der aktuellen Politik mehr und mehr üblich, ganz an die Stelle einer Argumentation tritt, ist es aus meiner Sicht einer Demokratie nicht gerade förderlich. Ich werfe den FASslern vor, dass sie Gaulands Satz lieber skandalisierten, als ihm auf den Grund zu gehen. Ich hätte z.B. gerne nachgefragt: Woran machen Sie das fest? Welche Eigenschaften sind es, die für die von Ihnen herangezogenen Leute in der Nachbarschaft problematisch sind? Was verstehen Sie unter „fremd“? Oder in späteren Interviews: Was ist denn „klassisch deutsch“? Warum soll die Nationalelf das nicht mehr sein? Braucht es mehrere Generationen, um sich dafür zu klassifizieren? Einfach, um der Argumentation dahinter auf die Spur zu kommen. Und ich bin mir sehr sicher, dass wir da schnell auf ganz klar als solche zu identizierende falsche Annahmen stoßen würden, einfach weil Gauland den Drang hat, seinen Senf zu Dingen dazu zu geben, von denen er schlicht keine Ahnung hat. Aber nein, man hat ja ein Etikett in der Hand, das man loswerden möchte. Patsch – draufgeknallt, und alle sind zufrieden, nichts hat sich geändert, die Fronten sind begradigt.

          Das Letztere ist z.B. so ein polemisches Ding. Wieso ist es ein „bequemes Feindbild“, wenn man begründete Einwendungen hat?

          Ist es nicht. Welcher Depp hat das denn behauptet? Es ist allerdings sehr bequem, z.B. jemanden wie Gauland als einfältigen Ewiǵgestrigen hinzustellen, der Menschen allein wegen ihrer Hautfarbe ablehnt. Denn diese Einstellung ist in der deutschen Gesellschaft zu Recht weitgehend völlig verpönt – wer sich gegen eine solche Haltung ausspricht, bekommt so mit den billigsten Beifall, den man sich in der Politik abholen kann. Und wer eine solche Haltung anderen unterstellt, ist dann von jeder weiteren Diskussion mit ihnen befreit. Was ja in vielen Fällen auch der Sinn der Sache zu sein scheint.

          Runtergekocht geht’s da um gesellschaftliche Homogenität und Kohärenz

          So ist das, und einer solchen Debatte muss man sich in einer demokratischen Gesellschaft stellen.

          Beweisen kann man in der Politik eh NIX. Man ist da nicht in der Mathematik.

          Ja, und eine Maschine kann nicht gehen, weil sie keine Beine hat. Aber es gibt da einen faszinierenden Trick: Einfach den Kontext beachten 🙂 Denn selbstverständlich dienen Argumente dazu, etwas zu beweisen. Auch wenn man stattdessen vielleicht mehr „belegen“ sagt. Dass streng wissenschaftlich-objektiv gesehen ein solcher Beweis vielleicht nicht zu führen ist, mag stimmen, ist aber in diesem Kontext komplett irrelevant. Erst recht, wenn es darum geht, den rhetorischen Trick zu erkennen, wenn jemand als Beleg für sein Werturteil ein durch dieses Werturteil erst mögliches Argument anführt.

          Dann nennen Sie ’s halt Verzückung. Liberales Denken Kann man das auch nennen und die Anführungszeichen sind aus meiner Sicht redundant – aber selbstverständlich erlaubt.

          Wenn mit den Vokabeln „Weltoffenheit“ und „Buntheit“ Einwände gegen unkontrollierte Einwanderung, das Entstehen kulturell bedingter Konflikte und das Ignorieren der Sorgen der Einheimischen weggewischt werden sollen, hat für mich das mit „liberalem Denken“ einen feuchten Kehricht zu tun. Dann handelt es sich wieder einmal um Auswüchse einer Ideologie, die keine Zielkonflikte kennt und Widerstand dagegen delegitimieren will – z.B. indem man den anderen unterstellt, sie seien Anhänger einer „Abschottung“ und „dumpfen Deutschtums“ (oder „Einfarbigkeit“ und „Verschlossenheit“? ;-)). Es ist natürlich nichts Neues, dass die Anhänger einer Ideologie ihre Sicht gerne verabsolutieren und eine Diskussion darüber unmöglich machen möchten. Neu erscheint mir aber, wie sehr das mittlerweile quasi-offiziell als Tugend gilt.


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