Mei, san mia guad!

Kannten Sie „Pegida BW – Bodensee“? Vielleicht ein lokales Phänomen, aber noch nicht mal der Werwohlf als Beute-Badener hat jemals von diesem Haufen gehört. Sind das mehr als drei? Oder weniger?

Egal. Denn jetzt sind sie berühmt. Auf der entsprechenden Facebook-Seite entrüstete man sich darüber, dass Kinderfotos von Mitgliedern der deutschen Fußballnationalmannschaft mit offensichtlich ausländischen Vorfahren die Packungen einer bekannten Schokoladensorte zieren. Und fiel dabei zunächst auf eine Provokation herein, denn die Bilder des Anstoßes waren so raffinierte Ausschnitte, dass der Begleittext nicht mit auftauchte, aus dem man den Zusammenhang entnehmen konnte. 

Aber es ist ja auch bekannt, dass Kicker mit allzu offensichtlichem „Migrationshintergrund“ (einen Oliver Neuville ließ man sich ja noch so gefallen) bei weit rechtsaußen anzusiedelnden Betonköpfen selbst dann auf Abneigung stoßen, wenn sie ihre Fähigkeiten zum Ruhme des gemeinsamen Vaterlandes einsetzen. Wie dem auch sei: Wer so reagiert, macht sich auf eine der schnellsten Arten zum Deppen, die man sich vorstellen kann. Hätte der Werwohlf so nebenbei davon erfahren, hätte er wahrscheinlich die Augen verdreht und mit seinem Zeigefinger in Höhe der Stirn eine kreisende Bewegung vollzogen. Um sich danach wichtigeren Dingen zuzuwenden.

Nimmt man aber die Reaktion der berühmt-berüchtigten „sozialen Netzwerke“ und im Gefolge die diverser Medien zum Maßstab, dann handelte es sich bei den schwachsinnigen Kommentaren um eine für Deutschland äußerst relevante Aktion. So sehr, dass sich vom kleinen Twitter-User bis zum großen Karikaturisten eine erkleckliche Anzahl von Leuten aufmachten, mit Wort- und Bildwitzen zu demonstrieren, wie dämlich doch diese komischen Bodensee-Pegidisten seien. 

Offensichtlich besteht in der Gesellschaft ein großes Bedürfnis nach klaren Feindbildern und ihrer öffentlichen Bekämpfung. Das Feindbild kann nicht grob geschnitzt genug sein, und am besten, seine Protagonisten treten besonders böse oder besonders idiotisch auf, so dass es moralisch und intellektuell nicht allzu schwer fällt, die jeweilge Gegenposition einzunehmen. Um zu signalisieren, dass man selbst auch zur großen Gemeinschaft der wirklich Guten zählt, nutzt man dankbar jede Chance, auf dieses Feindbild einzudreschen. Ja, es scheint, als lauerten viele nur darauf, endlich wieder so eine Gelegenheit zu bekommen. So sehr, dass man zur Not die Äußerungen wirklich komplett unbedeutender Deppen zum Anlass nimmt. Eine fast schon rituelle Handlung, als wenn man das Kreuz schlagen würde, sobald irgendwo einer besonders unflätig vor sich hinflucht.

Eigentlich ist auch das ein Grund, die Augen zu verdrehen. Und den Zeigefinger zur Stirn zu führen. 

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