Was zum Händeschütteln

Gleich vorweg: Jemandem Morddrohungen zu schicken, nur weil er einem anderen nicht die Hand gegeben hat, ist ebenso verwerflich wie debil. Allerdings sind des Werwohlfs Kenntnisstand nach die einzigen, auf deren Drohungen man sich halbwegs verlassen kann, islamistische Terroristen oder Angehörige einer Mafia. Von den Politikerattentaten der Nach-RAF-Zeit, die dem Werwohlf so einfallen (Schäuble, Lafontaine, Rekers), wurde wohl kein einziges vorher angedroht. Insofern kann der baden-württembergische SPD-Landtagsabgeordnete Drexler eigentlich ganz entspannt in die Zukunft sehen. 

Aber das Händeschütteln wird anscheinend immer mehr zum Politikum. 

Üblicherweise erregen hierzulande strenggläubige Muslime Anstoß, wenn sie sich weigern, einer Frau die Hand zu geben. Warum sollte man also gleiches Handeln eines SPD-Abgeordneten anders bewerten? Weil er sein Handeln begründet? Das tun die besagten Muslime auch. „Haltung“ könnte in beiden Fällen in Anspruch genommen werden. Dass einem die eine Begründung zusagt, die andere aber nicht, kann aus einem neutralen Standpunkt heraus nicht überzeugen. 

Der Mensch hinter dem Werwohlf jedenfalls gibt jedem und jeder die Hand, sofern der Anlass dies üblicherweise gebietet. Das Händeschütteln ist zwar tatsächlich ein „Symbol“, aber anders, als Herr Drexler dies meint. Wer sich die Rechte(!) gibt, kann in selbiger kein Schwert halten und kein Messer verstecken. Durch das Händeschütteln vergewissern sich begegnende Menschen sich ihrer Friedfertigkeit. Es ist – zumindest beim Begegnungsanlass – eben kein Zeichen besonderen Respekts. Oder man könnte auch ganz simpel sagen: Es ist ein Gebot der Höflichkeit. 

Nun steht es jedem Menschen frei, sich daneben zu benehmen. Strenggläubigen Muslimen zum Beispiel. Oder auch Herrn Drexler. Meistens führt es zu Gegenreaktionen derer, die dieses Verhalten zur Kenntnis nehmen. Und das wäre es dann wohl auch dazu. 

Was den Werwohlf allerdings wirklich den Kopf statt einer Hand schütteln lässt, ist die eigenartige Idee Herrn Drexlers, die Dame, der er diesen praktisch selbstverständlichen Akt der Höflichkeit verweigerte, hätte daraufhin einen Anlass, mit ihm inhaltlich zu diskutieren. Mit der Menschenkenntnis dieses Abgeordneten scheint es nicht weit her zu sein. Hätte es in seiner Absicht gelegen, besagter Dame ins Gewissen zu reden, wäre nach aller werwöhlfischen Erfahrung ein normaler menschlicher Umgang die beste Voraussetzung dafür gewesen. Wer aber gleich zu verstehen gibt, auf Krawall gebürstet zu sein, zieht höchstens noch eben den an, macht sich jedoch für halbwegs ernstzunehmende Gespräche unattraktiv. Insofern steht Herr Drexler als Exempel für wohl letztlich kontraproduktive Art, wie die etablierten Parteien mit der neuen Kraft von rechts umgehen. Oder besser: umgingen, denn es dämmert immer mehr Politikern, dass die bequeme Masche nicht die erfolgversprechendste ist. Den Wähler würde es freuen.

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3 Kommentare on “Was zum Händeschütteln”

  1. Paul sagt:

    Lieber Werwohlf,
    ich klappe mal ein wenig nach.
    Diese Aufregung um das Händeschütteln verstehe ich überhaupt nicht. Habe ich doch in meiner Jugend – lang, lang ist es her – gelernt, dass der Herr (so nannte man es damals noch) der Dame (so nannte man Frauen damals noch) nie zuerst die Hand reicht. Er muss warten, ob sie ihm angeboten wird. Geschieht das nicht, erfolgt die Begrüßung durch eine leicht Verneigung des gesamten Oberkörpers.

    Habe Ähnliches jetzt auch noch gefunden. Sogar bei der Begrüßung von Männern:
    „Im Gegensatz zur verbalen Begrüßung mit einem Grußwort und/ oder einem Nicken entscheidet der Ranghöhere bzw. der Ältere darüber, mit wem er einen Händedruck austauschen möchte.“ http://www.knigge.de/themen/kommunikation/handschlag-2587.htm

    So mache ich das heute noch. Allerdings biete ich, als sehr oft der Ältere jedem die Hand zum Gruß. Bei Frauen mache ich immer eine Ausnahme und warte auf die ausgestreckte Hand. Bin also etwas altmodisch. Werde ich aber nicht mehr ändern.

    Bei kleinen Kindern erlebe ich manchmal eine Abneigung beim Hände geben. Sie werden dann hinter dem Rücken verschränkt. Das aktzeptiere ich mit einer launigen Bemerkung. Habe nur noch nicht herausgefunden, ob das Hand geben bei den Kindern noch der ursprüngliche Vertrauensbeweis ist, der es mal war?
    Routine und Gewohnheit haben das bei uns Erwachsenen wohl beseitigt?

    Allerdings bin ich der Meinung, dass Ausländer in Deutschland sich unseren kulturellen Gepflogenheiten unterwerfen müssen. Jedenfalls mache ich im Ausland das auch.

    Herzlich, Paul

    • Werwohlf sagt:

      Habe ich doch in meiner Jugend – lang, lang ist es her – gelernt, dass der Herr (so nannte man es damals noch) der Dame (so nannte man Frauen damals noch) nie zuerst die Hand reicht.

      Es war in dem Fall doch anscheinend auch so, dass man vom Herrn nur erwartete, die angebotene Hand anzunehmen.

      • Paul sagt:

        Genau.
        Dies hat der ungehobelte Klotz aus Gründen der politischen Profilierung nicht gemacht.
        Schmach und Schande über sein Haupt.


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