Guardiola: Wird Ancelotti zum Heynckes?

Es sieht fast so aus, als versuche die „Welt“, sich vorauseilend an die Spitze der Guardiola-Kritiker zu setzen. Da wird zur Not sogar der in München zwar beliebte, aber letztlich auch nicht mit den großen Titeln in Verbindung gebrachte Ivica Olic, als Kronzeuge herangezogen.

Sicher, Guardiola hat bestimmt nicht alles richtig gemacht in München. Aber das ist auch nicht die Aufgabe von Revolutionären. Die müssen umwälzen, das Bestehende überwinden, um es auf eine neue Stufe heben zu können. Es gab in der jüngeren Zeit in München schon so einen: Luis van Gaal. Der hat aus dem von Klinsmann hinterlassenen Chaos erst ein richtiges System gebastelt und wichtige Spieler wie Müller und Badstuber eingebaut. Aber auch van Gaal schaffte es mit Bayern nicht ganz an Europas Spitze – das gelang dann im zweiten Anlauf erst Jupp Heynckes, der (auch dank umsichtiger Einkaufspolitik des Vereins) van Gaals Arbeit weiterführte und verfeinerte, ohne die Defizite des Holländers im menschlichen Umgang (vor allem mit der Vereinsführung). Wenn man den Experten glauben kann, hat auch Guardiola die Mannschaft nochmal entscheidend verbessert, moderner, flexibler und sinngebender gemacht. Allein der entscheidende europäische Erfolg blieb auch ihm versagt. Vielleicht, weil auch dieses fußballerische Genie an bestimmten Stellen Defizite aufweist. So wird ihm ja eine gewisse Starrköpfigkeit nachgesagt, die bis zur Verbohrtheit gehen kann, und mit Kritik scheint er nicht wirklich gut umgehen zu können. Auch im Umgang mit verletzten Spielern könnte er wohl noch dazulernen.

Aber wie verfehlt wäre eigentlich die Prognose, dass Ancelotti zum Heynckes werden kann? Jemand, der die bahnbrechenden Prinzipien seines Vorgängers übernimmt, sie mit eigenen Zutaten verfeinert und so letztlich auf das entscheidende Ziel hin perfektioniert? Nach allem, was man vom Italiener so hört, stehen die Chancen gut.

Einen Champions-League-Sieger zu formen, ist ein Prozess. Führt er zum Erfolg, sollte man dann aber nicht nur den Setzer des Schlusssteins feiern, sondern alle am Bau Beteiligten. Guardiola verdient für seinen Beitrag einen herzlichen, dankbaren Abschied.

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