Die überschätzte Politikerin

Im „Netz“, oder besser, in dem, womit Journalisten ihre Filterblase verwechseln, wird gerade ein Interview der Deutschen Welle gefeiert, das ein gewisser Tim Sebastian mit der Co-Vorsitzenden der AfD Frauke Petry führte.

Genauer wird der Verhörstil gerühmt, in dem es erfolgte. Der Werwohlf muss zugeben: Er kennt Herrn Sebastian nicht und weiß daher auch nicht, wie er mit anderen Interviewpartnern umspringt. Er weiß nur aus den kolportierten Fragen, dieser Herr es darauf anlegte, Frau Petry in Schwierigkeiten zu bringen. Mit Erfolg, offensichtlich. Aber das lag dann vor allem an der Selbstüberschätzung der AfD-Politikerin, sich in einem Interview, das nicht in ihrer Muttersprache geführt wurde, einem ihr nicht gerade freundlich gesonnenen Herrn zu stellen. Die Fragen, für die Herr Sebastian gefeiert wird, waren hingegen alles andere als genial. Ein rhetorisch etwas versierterer Mensch hätte sie ziemlich mühelos gekontert. Beispiele gefällig?

Nehmen wir diese Frage: „Sie haben aber nicht gesagt: ‚Schießen Sie in die Luft‘, oder?“ Darauf gibt es natürlich diverse Gegenantworten, die Frau Petry in die Karten gespielt hätten. Nehmen wir nur die, die der Werwohlf an ihrer Stelle genommen hätte: „Ich habe noch vieles andere in dem besagten Interview nicht gesagt, und ich bin aller dieser Nichtaussagen schuldig. Ich sagte zum Beispiel auch nicht, man solle Hundewelpen am Leben lassen. Danke, dass Sie das nicht erwähnen!“

Oder im Zusammenhang mit der Beschneidung die Frage: „Warum interessiert sich eine politische Partei für den männlichen Penis?“ Mögliche Antwort: „Sind es nicht in erster Linie die betroffenen Religionen, die sich für den männlichen Penis interessieren? Also richten sie die Frage besser an diese. Wir von der AfD setzen uns jedenfalls für die umfassende körperliche Unversehrtheit von Kindern ein.“

Oder „Ist Ihre Kultur so schwach und empfindlich, dass sie durch ankommende Menschen zerstört werden wird, nur weil sie eine andere Kultur haben oder sich anders kleiden?“ Denkbare Entgegnung: „Wenn diese andere Kultur den Prinzipien unserer Verfassung widerspricht und z.B. einseitig Frauen bestimmte Kleidungsvorschriften auferlegt, die sie zu befolgen haben, wenn sie nicht unmittelbare Nachteile erleiden wollen, dann müssen wir uns dagegen wenden. Nicht vor allem zum Schutz unserer Kultur, sondern den von dieser anderen Kultur in ihrer Freiheit eingeschränkten Menschen.“

Nun kann man sicher sagen: Der Werwohlf hat gut reden. Hat Tage Zeit gehabt, sich passende Antworten auszudenken, die er noch nichtmal in Englisch formuliert. Legitime Einwände, die nicht zu widerlegen sind. Aber wer den Werwohlf persönlich kennt, wird es ihm vielleicht abnehmen, dass ihm diese Antworten spontan einfielen, und dass er auch in der Lage gewesen wäre, sie irgendwie so in Englisch an den Mann zu bringen, dass Herr Sebastian sie verstanden hätte. Und der Werwohlf vermutet, dass es vielen anderen genau so gegangen wäre.

Dieses Interview ist also weniger Ruhmesblatt für Herrn Sebastian als vielmehr Zeugnis einer überforderten Politikerin. Und sagt über die Positionen der AfD gar nichts aus, weil ihnen nicht die bestmögliche Verteidigung gewährt wurde. Zwar kann man, das jedenfalls ist werwöhlfische Meinung, gute Gründe gegen viele Forderungen der AfD anführen, aber mit simplen rhetorischen Tricks alleine ist es da eben nicht getan. Auch wenn es „im Netz“ viele simpel gestrickte Charakter gibt, die sich das erhoffen.

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2 Kommentare on “Die überschätzte Politikerin”

  1. erlingplaethe sagt:

    Da war kürzlich schon mal ein rhrtorisch versierter Autor der Ansicht, die AfD könnte etwas Medienberatung vertragen…😉

  2. Dirk sagt:

    Ich habe nur Ausschnitte gesehen, aber in denen war Petry gar nicht so schlecht.Es ist ja ziemlich egal was und wie sie geantwortet hätte, den Shitstorm bekommt sie so oder so.

    Man muss allerdings schon fragen, was denn der Sinn dieses Interviews aus ihrer Sicht war. Sie macht es sich durch die Fremdsprache unnötig schwerer und das obwohl in diesem Bereich und gerade von ihr jedes Wort auf dei Goldwaage gelegt wird und addressiert mit dem Interview vielleicht 1.73 potentielle Wähler.


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