Jetzt ist es genug

Jetzt ist es genug. Es hat wieder Tote gegeben. 

Man darf dem Treiben dieser radikalisierten Hetzer nicht länger zusehen. Ihre Vertreter müssen an den Pranger gestellt, ausgegrenzt und geächtet werden. Ihren Anhängern muss klar gemacht werden: Folgt ihr weiter diesen Leuten, müssen wir euch auch als Feinde betrachten. Es ist eine Schande, mitten in Europa die Vertreter dieser Ideologie ungehindert ihre Thesen verbreiten zu sehen, wonach die Andersdenkenden, die Andersartigen minderwertig seien und sich gefälligst der Art von „Leitkultur“ zu unterwerfen hätten, die von diesen Hetzern vertreten wird. Es darf da keine Toleranz geben. Mit diesen Leuten kann man nicht reden, ihnen soll man keine Plattform bieten in Talkshows oder woanders, und ihre Versammlungen müssen massiv gestört werden. Wer sich dieser Richtung anschließt, für den ist kein Platz in Europa und der hat jede Bürgerrechte verwirkt.

Islamophob? Rassistisch?

I wo. Die Rede ist doch von der AfD. Folgt man den Kommentaren bestimmter Medien und Politiker, muss die irgendwie hinter diesen Attentaten wie in Brüssel stecken. Zwar schreien die Attentäter üblicherweise „Allahu akbar“, aber mit dem Islam haben die Anschläge – so besagte Kommentare – natürlich nichts zu tun. Im Gegenteil: Man müsse sie geradezu als gegen den Islam gerichtet interpretieren. Schlussfolgerung: Es handelt sich also um eine sogenannte „False Flag“-Aktion. Dafür spricht gleichermaßen, dass besagte Kommentare einhellig als größte Gefahr anführen, die Attentate mit den vielen Toten würden nur den „Rechtspopulisten“ nutzen. Als auch die Frage „Cui bono?“ lässt keine Zweifel offen, wer hinter den Anschlägen steckt. 

Deswegen ist das Rezept klar. Weiter klare Kante gegen die AfD, auch über lästige demokratische und rechtsstaatliche Grundsätze hinaus, aber ansonsten nix tun. Denn alles, was gegen den Terror unternommen werden könnte, ist – das bleut man uns ein –  genau das, was die Terroristen wollen, Und das können wir ja unmöglich auch wollen, gelle? Mit anderen Worten: weiter so! 

Die Angehörigen der Opfer werden sich vor Begeisterung kaum einkriegen können. 

Jetzt ist es wirklich genug. Jetzt reicht auch Sarkasmus nicht mehr. Diese Beschönigungen, diese Ablenkungen, diese Doppelmoral – das kommt zu den Augen und Ohren rein, macht einen Abstecher über den Magen und muss sofort oral wieder entsorgt werden. 

Nein, es geht jetzt nicht darum, „den Islam“ zu bekämpfen. Aber wir müssen aufhören, es den Muslimen in unseren Gesellschaften weiterhin zu leicht zu machen mit einem Problem, das eben doch tatsächlich in allererster Linie sie betrifft. Nicht nur, weil sie ebenfalls, wie alle anderen hier lebenden Menschen auch, zu den Opfern zählen könnten, sondern weil die Täter aus ihren Gemeinschaften kommen und zu einem nicht sehr geringen Teil von diesen auch getragen werden. 

Was passiert denn, wenn einige Deppen in Deutschland Häuser anzünden, die für die Unterbringung von Asylbewerbern vorgesehen sind? Die Repräsentanten des Staates äußern Betroffenheit, manche auch explitit Scham. Diverse Kommentare halten „den Deutschen“ vor, was da angeblich in ihrem Namen geschieht. Kritische Äußerungen zur Einwanderungspraxis werden als Ermunterung der Brandstifter an den Pranger gestellt, mit der Absicht, diese möglichst aus der öffentlichen Diskussion zu entfernen.

Was passiert, wenn einige muslimische Deppen sich an belebten Plätzen in die Luft sprengen und viele Menschen mit in den Tod reißen? Äußern die Repräsentanten des Islam Betroffenheit und Scham? Wird den Muslimen vorgehalten, was in ihrem Namen passiert? Werden blutrünstige Passagen aus dem Koran verurteilt und mit einem Bann belegt? Oder ist es nicht vielmehr so: Die Repräsentanten des Islam verurteilen die Anschläge, sehen sich aber in erster Linie selbst als Opfer und kritisieren vorbeugend alle Versuche, die Taten mit ihrer Religion in Verbindung zu bringen. Überall erheben sich Stimmen, es sei extrem ungerecht, Muslime überhaupt mit den Taten dieser Verirrten in Verbindung zu bringen, denn dass bedeute, sie unter „Pauschalverdacht“ zu stellen. Und wer die gewalttätigen Stellen aus dem Koran zitiert, sei eh islamophob.

Wenn schon, denn schon. Wer das eine tut, kann nicht ohne Verlust der Glaubwürdigkeit das andere lassen. Oder für beides ist eine andere Sichtweise angebracht. Dafür spricht in der Tat viel.

Konkret auf die Brüsseler Anschläge bezogen heißt das: Die Muslime (und ja, alle!) müssen sich schon die Frage gefallen lassen, wieviel Sympathie (und sei es auch nur klammheimliche) unter ihnen für die Taten der Mörder herrscht. Und was sie dagegen zu tun gedenken, sollte diese Zahl als unangenehm groß erscheinen. Noch weiter: Sympathie ist das eine, aber gleichgültige Solidarität das andere. Was also mit denen, die wenig Begeisterung für solche Taten zeigen, diese aber auch nie zum Anlass nehmen würden, einen „Bruder“ an die Institutionen der „Ungläubigen“ zu verraten? Weil sie dann doch irgendwo noch Verständnis für die Motivation des Täters haben und mit der Staatlichkeit, in der sie leben, nichts anfangen können. Was von den üblichen Verdächtigen natürlich sofort als Versäumnis der Einheimischen angeprangert werden würde, aber wie das mit Thesen so ist: Schon ein Gegenbeispiel widerlegt sie. Und gegen diese These gibt es nicht nur eins, sondern viel zu viele, die es dann doch nicht als gleichgültig erscheinen lassen, welchen kulturellen Hintergrund jemand hat.

Das sind alles dieselben Fragen, die sich auch Deutsche gefallen lassen müssen, wenn in ihrem Land rechte Radikalinskis Brandanschläge verüben. Dass es sich beim einen Kriterium eine Nationalität handelt, beim anderen um eine Religion, spielt in diesem Zusammenhang nur eine untergeordnete Rolle: Entscheidend ist, was jeweils als Abgrenzung herangezogen wird.

Verantwortlich für seine Taten ist immer der Einzelne selbst. Aber wenn ein bestimmter Teich dieser Sorte Fisch besondere Entfaltungsmöglichkeiten bietet, sollte man ihn sich genauer ansehen. Das wusste schon Mao.

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