Ein paar unsortierte Gedanken zu den Landtagswahlen

Die medial-offiziöse Sprachregelung lautet:

  • grandioser Erfolg der Grünen in Baden-Württemberg wegen des beliebten Ministerpräsidenten Kretschmann
  • grandioser Erfolg der SPD in Rheinland-Pfalz wegen der beliebten Ministerpräsidentin Dreyer
  • herbe Niederlage der CDU-Kandidaten Klöckner und Wolf wegen ihres Wackelkurses in der Flüchtlingsfrage
  • erschreckende Erfolge der AfD wegen der Verunsicherung beim Thema “Flüchtlinge”

Das kann man so sehen. Aber auch anders, und das mit keiner geringeren Berechtigung:

  • Grüne und Ministerpräsident Kretschmann profitieren von der Schwächung der CDU durch die AfD
  • die Gewinne von Grünen in Baden-Württemberg und SPD in Rheinland-Pfalz gehen auf Kosten drastischer Verluste ihrer Koalitionspartner
  • wenn die Unterschiede zwischen Koalitionspartnern zu sehr verschwimmen, gilt die Regel: Koalitionsregierungen nutzen nur der Person an der Spitze und ihrer Partei
  • berücksichtigt man das Abschneiden der AfD, haben die CDU-Spitzenkandidaten in Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt, Klöckner und Haseloff, einen guten Job gemacht – sie wurden nicht wie ihr Kollege Wolf in Baden-Württemberg nach unten durchgereicht
  • das Abschneiden der SPD in Baden-Württemberg und in Sachsen-Anhalt ist ein Desaster dieser für die Bundesrepublik Deutschland bislang so wichtigen Partei
  • die FDP wird vermisst

Und, last but not least: Merkels Politik ist an ihre Grenzen gestoßen. Nein, nicht an die, die sie nicht schließen will, und es hat auch in erster Linie nichts mit Migration zu tun, aber seit der fast noch verlorenen Wahl 2005 hat Merkel die CDU inhaltlich immer linker ausgerichtet, und zwar vermutlich aufgrund des Kalküls, dass erstens die deutsche Wählerseele eher linken Ideen nachhängt und zweitens aufgrund der Medienlandschaft und der allgemein eingeübten antirechten Reflexe die Gefahr gering ist, dass die so entstehende Lücke rechts von der CDU durch andere Parteien besetzt wird.

Letzteres ist auch nicht einfach, aber was bei den eher abstrakten und in erster Linie nur Fachleuten zugänglichen Themen Energiewende und Euro noch funktionierte (und bei anderen Linksrucken noch als “Modernisierung” durchging), fuhr beim für allzu viele Menschen allzu konkreten Thema Migration dann endgültig gegen die Wand.

Wenn FJS selig immer sagte, rechts von der CSU dürfe sich keine andere Partei etablieren, dann wollte er sich damit nicht auf den linken Reflex verlassen, der nur allzu bereitwillig Nazi-Etiketten zu verteilen bereit ist, sondern dann meinte er damit, dass es Aufgabe der CSU (und letztlich der Union insgesamt) sei, den rechteren Parteien die Themen wegzunehmen und sie im demokratischen Spektrum zu verankern. Strauß wusste, dass das linke Rezept der Tabuisierung von Themen sich eher kontraproduktiv auswirken würde, und Seehofer hat diese Lektion des “Großen Vorsitzenden” nicht vergessen. Merkel indes nahm darauf keine Rücksicht, und nur so konnte sich letztlich gegen alle Versuche, ihr grundgesetzlich verbriefte Rechte auch mit Gewalt zu verweigern, bei diesen Wahlen die AfD als Stachel im Fleisch des herrschenden Parteienspektrums etablieren.

Die AfD hat so die einmalige Chance bekommen, auch die anderen Unzufriedenheiten, die bei ehemaliger Unions-Klientel entstanden, und zwar in so gut wie allen Politikbereichen, in Stimmen für sich umzulenken und sich dadurch auch dann, wenn durch das Handeln Anderer die Zuwanderung nicht mehr das beherrschende Thema sein sollte, erstmal fest im deutschen Parteiensystem zu verankern. An ihren Gegnern, so viel steht nach den bisher bekannten, von nur wenig Lernfähigkeit geprägten Reaktionen fest, wird sie auf keinen Fall scheitern.

Der Werwohlf würde es bedauern, wenn ausgerechnet die AfD diese Chance bekommt, auch wenn er die Hysterie der Entsetzten nicht teilt und die z.T. bedenklichen Methoden der Gegner dieser Partei verurteilt, und er sieht die Möglichkeit, dass die AfD sie noch verspielen könnte, weil ihre weiterhin existierenden inneren Widersprüche nicht durch die meist bei solchen Parteien erforderliche, dort aber bislang fehlende, charismatische Führungspersönlichkeit überspielt werden können. Aber auch das politische Leben ist kein Wunschkonzert, und somit wird sich der Werwohlf zusammen mit der von ihm präferierten ALFA auf ein Dasein als vom Aussterben bedrohte Art einrichten.

Was ihn nicht daran hindern wird, hier weiter seinen Senf zu hinterlassen und andere ebenfalls dazu einzuladen.

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26 Kommentare on “Ein paar unsortierte Gedanken zu den Landtagswahlen”

  1. n_s_n sagt:

    Lieber Werwohlf,

    du erwähnst hier in meinen Augen in einem Satz etwas ganz zentrales. Möglicherweise ist es nur für mich zentral, bei meinem Blick auf die Welt, da bin ich mir nicht sicher, aber ich denke es ist mehr als nur mein Blick auf die Welt.

    Du schreibst:
    „was bei den eher abstrakten und in erster Linie nur Fachleuten zugänglichen Themen Energiewende und Euro noch funktionierte … fuhr beim für allzu viele Menschen allzu konkreten Thema Migration dann endgültig gegen die Wand.“

    Ich würde sogar noch weiter gehen.

    Zu diesem Thema gesellten sich noch andere, wie Quotenregelungen, Gender, Dinge in der Familienpolitik, u.ä. mit deren aktueller gesellschaftspolitischer Gestaltung viele Menschen nicht wirklich etwas anfangen können. Auch bei diesen Themen wurde durch die etablierten Parteien (über deren fast einheitliche Programmatik zu diesen Themen) faktische Alternativlosigkeit verordnet. Die Alternativlosigkeit bei diesen Themen bewegte die Menschen nur nicht so sehr, weil sie in ihnen keine wirkliche Bedrohung sahen. Kopfschütteln, so glaube ich, auch mitunter Mißmut, löste das dennoch aus.

    Die aktuelle „Zuwanderungs Krise“ ist in meinen Augen nun lediglich der Katalysator an der genau dieser lange aufgestaute Mißmut zu einer stark beschleunigten, explosiven Reaktion führt.

    Ich begreife daher den Aufstieg der AFD eben nicht nur als Reaktion auf die Flüchtlingskrise, sondern als ein Aufbegehren gegen Alternativlosigkeit genau an dem Punkt, wo sie viele Menschen als bedrohlich empfinden. Wo viele Menschen sie als das empfinden, was sie im Grunde genommen auch ist: Eine unterdrückende Tyrannis.

    Alle Äußerungen und Kommentare zeigen, dass dieses Problemverständnis keine der etablierten Parteien hat, obschon genau diese Analyse eine Implikation des FJS Zitates ist: Das politische bewirtschaftete Spektrum hat sich derart verengt, dass es einfach keine politische Alternativen mehr gibt. Dort wo diese liegen, herrscht gähnende Leere, in die nun eine neue Partei stößt.

    Ob diese Leere durch eine links / rechts Trennung zu beschreiben ist, darf bezweifelt werden. Es ist in meinen Augen deutlich mehr als das. Es ist die politische, zeitgeistige Verengung auf ein dogmenbeladenes, quasireligiöses Weltbild. Deswegen finden sich in meinen Augen auch viele „linke“ Wähler bei der AFD wieder, weil auch diese ein weitaus differenzierteres Weltbild haben, als es ihre traditionellen Parteien anbieten. Man kann diese Wählerbewegung daher in meinen Augen als ein Aufbegehren gegen die Verengung der politisch angebotenen Meinungen verstehen.

    Nimm doch nur zum Beispiel das Buch „Deutschland schafft sich ab“. Das war politisch durch und durch ein sozialdemokratisches Buch. Das Buch eines traditionellen, intellektuellen und besorgten Sozialdemokraten und diese Sozialdemokraten wollten ihn dafür aus der Partei hinauswerfen.

    Die Frage, die sich bei der aktuellen, politischen Krise stellt ist, ob das Erstarken der AFD ein bleibender Dammbruch gegen die Alternativlosigkeit sein wird oder ob sich die Menschen, nach dem Beilegen der Zuwanderungsproblematik, wieder im Konsensdeutschland einfinden werden / wollen. Ich weiß das nicht.

    Die „Gefahr“ des AfD Aufstiegs für die etablierten Parteien, mit ihrer aktuellen Programmatik, sehe ich aber mitnichten bei der Migrationspolitik, sondern in einem möglichen verkennen, der tiefer liegenden Ursachen dieser Wähler Reaktion (nämlich der Alternativlosigkeit), wenn es denn ein „Dammbruch“, werden sollte.

    Der von uns beiden geschätzte Zettel hat ja zur letzten Bundestagswahl formuliert: „Als Partei gegen die Energiewende käme die FDP wahrschinlich über die 5%.“

    Ich halte diese Aussage für richtig und eine solche Positionierung zum Beispiel, wäre eine große Chance für etablierte Parteien, den „Dammbruch“ selbst zu beschleunigen und positiv zu nutzen. Der CDU traue ich das nicht zu. Der „Merkel Moloch“ ist noch zu groß. Die FDP könnte es hinbekommen, vielleicht sogar die SPD – wenn der Schmerz über die dramatischen Niederlagen so groß wird, dass die traditionelle Basis sich das Ergebnis nicht mehr von ihrer Ökoboheme- Parteispitze, im grün-, genderistischen Weltenrettungsauftrag schön reden läßt.

    Für mich ist daher der Aufstieg der AfD die Hoffnung auf ein „Aufbrechen“ der Methode Merkel, die ich als die fast schon singuläre Verengung des politischen Spektrums, auch Alternativlosigkeit genannt, begreife.

    Natürlich sind Hoffnungen auf Veränderung auch immer mit Risiken verbunden. In diesem Falle sehe ich das eher gelassen, weil ich das deutsche Volk, vor allen sein sehr prägendes Bürgertum, als einen äußerst stabilen Anker gegen selbst „kleinere Zivilisationsbrüche“ sehe.

    In diesem Sinne sehe ich die Menschen im Lande deutlich positiver, als die Rhetorik der etablierten Parteien sie zeichnet.

    Es sind jedenfalls in der Tat bewegte Zeiten, die wir gerade erleben.

    Herzlich

    nachdenken_schmerzt_nicht

    • erlingplaethe sagt:

      Pardon, aber dazu möchte ich unbedingt was loswerden:
      Es geht um viel mehr, lieber n_s_n. In Deutschland läuft nichts weniger als ein Kulturkampf unter Kulturalisten von links und rechts. Don Alphonso hat kürzlich völlig zurecht getwittert, dass „Wenn wir die Identitätsdebatte nicht positiv selbst führen, werden AfD und Co sie uns in ihrem Sinne aufzwingen“.
      Und genau das passiert bereits. Ob Identitäre Bewegung, Pegida oder AfD, sie verfolgen ähnliche Thesen wie der Philosoph der AfD, Marc Jongen, oder Götz Kubitschek von der Sezession. Wenn es um ernstzunehmende Theorien abseits von Verschwörungen geht, so muss die intellektuelle Auseinandersetzung mit denen geführt werden.
      Was nicht passiert.
      Nicht von den Multikulturalisten weil sie nicht satisfaktionsfähig und Teil des Problems sind und nicht von den Liberal-Konservativen (ich hab da mal wieder ZR im Sinn) weil sie viel zu beeindruckt von der Rethorik und der Einfachheit sind.
      Hinzukommt die starke Betonung und Rechtfertigung der Funktion von Emotionen, die für Jongen noch viel zu verhalten artikuliert werden.

      • n_s_n sagt:

        “Wenn wir die Identitätsdebatte nicht positiv selbst führen, werden AfD und Co sie uns in ihrem Sinne aufzwingen”.

        Lieber Erling,

        ich widerspreche überhaupt nicht, dass diese Gefahr im Raum steht. Ich sehe nur ebenfalls die Möglichkeit, dass uns ein rechtzeitiges Verändern der Programmatik bei den etablierten Parteien vor dieser Gefahr bewahren kann.
        Und ich sehe auch einen stabilisierenden Faktor im deutschen Bürgertum. Da bin ich möglicherweise optimistischer als die meisten. So einfach wird es sich die Identität, die großen Teilen der AfD vorschweben mag, nicht aufzwingen lassen.

        Das faktische Problem ist in meinen Augen sehr viel weniger die AFD als die Programmatik der etablierten Parteien. Sobald diese echte Alternativen anbieten, welche das komplette (demokratische,) politische Spektrum abdecken, wird die AfD wieder verschwinden. – Wenn es nicht zu lange dauert.

        “ ich hab da mal wieder ZR im Sinn”.
        Wenn Sie mir diese persönliche Bemerkung erlauben, ist das auch einer der Gründe, weswegen ich ihr Ausscheiden dort noch immer bedauere.

        Die Reden dort sind nicht immer differenziert in letzter Zeit, aber ich glaube, dies ist mehr einem „Ende der Geduld“, als einem „präferieren einfacher Lösungen“ geschuldet – und das ist ein Unterschied, den ich auch deutlich in meiner eigenen Emotion wahr nehme. Umso mehr fehlen die Stimmen, die auch immer wieder zur Besinnung rufen. Umso mehr fehlen Stimmen wie Ihre.

        Ich will nicht sagen, dass es mir immer „Vergnügen macht“, mich mit Ihrer Meinung auseinander zu setzen, es ist manchmal sehr unangenehm. Noch will ich sagen, dass ich Sie immer teile (wenn auch recht oft). Aber sie hat noch immer meinen Horizont erweitern können und was mehr will man erwarten, vom Argument des anderen?

        Zettels Raum ist alles nur kein homogener Meinungsblock. Schon gar keiner der die AfD geschlossen goutiert. Zumindest in meinen Augen. – Auch wenn die AFD dort einigen positiven Widerhall findet und Probleme manchmal zu sehr im Vordergrund stehen. Zettels Raum muss und kann eine Auseinandersetzung mit der AfD aushalten. Wenn sie ernsthaft geführt wird, ist diese schmerzhaft und das erlebt Zettels Raum gerade in meinen Augen. Schmerzhaft, weil Konflikte entstehen, mit denen man nicht immer einfach umgehen kann. Wir beide haben kürzlich selbst erlebt, zumindest ich, wie schwer das persönliche (auch in der Sache) manchmal aussen vor zu lassen ist. Ich bin aber zuversichtlich, dass ZR und auch Deutschland „die Kurve“ hinbekommt. Ganz ohne Polarisierung wird das, befürchte ich, allerdings nicht gehen. Der notwendige Pragmatismus wird am Ende alle ein paar Kröten schlucken lassen, aber so ist das.

        Wenn ich am Ende wieder ein Kreuzchen bei einer Partei, gegen Klimarettung, gegen Energiewende Planwirtschaft, „Quotendiskriminierung“ und undifferenziertes „Weltumarmen“ machen kann, hätten sich ein paar Kröten aus meiner Sicht gelohnt. :-). Das ist – ganz wirklich – meine Hoffnung.

        Herzlich

        nachdenken_schmerzt_nicht

      • Werwohlf sagt:

        In Deutschland läuft nichts weniger als ein Kulturkampf unter Kulturalisten von links und rechts.

        Einen echten Kampf sehe ich hier nicht. Der Sieger steht fest, er ist nur überrascht, in seinem von Erfolgsrausch getriebenen Vormarsch auf vereinzelte Widerstandsnester zu stoßen und behandelt deren schiere Existenz bereits als existenzielle Bedrohung.

        Das „gemeine AfD-Mitglied“ und noch weniger der „gemeine AfD-Wähler“ wird mit den Herren Jongen oder Kubitschek nichts anfangen können. Deren Thesen sind allgemein unbekannt (was keine Schuld der Medien ist, sondern an der bemühten Intellektualität, in der sie verpackt werden), und wie oben schon erwähnt, es ist wohl weit mehr der Bauch als der Kopf, der die Mitglieder und Wähler dieser Partei antreibt. Die Jongens und Gaulands dieser Welt hegen noch die Hoffnung, hier eine willige Masse vorzufinden, die sie dann in die von ihnen gewünschte Richtung kneten können, aber m.E. irren sie sich da gewaltig. AfD heute, das ist vor allem Protest und Reflex auf die (überwiegende) Borniertheit der Bundestagsparteien, und nicht etwa eine kulturelle Gegenbewegung, wie es seinerzeit die Grünen waren. Genau das erhöht auch das Risiko (oder die Chance), dass diese Partei genau so schnell von der Bildfläche verschwinden könnte wie sie auf ihr erschien.

        • erlingplaethe sagt:

          Für das gemeine AfD-Mitglied wie für den gemeinen AfD Wähler sind die Thesen von Herrn Jongen längst vertraut. Sie werden von den Spitzenkandidaten der AfD transportiert und müssen im einzelnen weder verstanden noch gelesen werden. Und sollte dies mal jemand versuchen, wird er angenehm überrascht sein wie eingängig sie sind. Das versteht jeder.

          Als die Spaltung der AfD mit einem möglichen Weggang Luckes bevorstand, wurde auch (hier) der Partei keine große Zukunft vorhergesagt. Und so setzt sich m.E. der Irrtum fort. Erst war es Lucke ohne den der AfD angeblich keine Zukunft beschieden war und nun ist es das Flüchtlings- und Migrantenthema, welches die Partei strategisch sehr geschickt und mit einer außerparlamentarischen Bewegung recht „kraftvoll“ besetzte.
          Sollte der Flüchtlings- und Migrantenstrom dauerhaft abebben, dann ist das Thema dennoch nicht durch. Und selbst wenn das der Fall wäre, ist die AfD längst dabei neue Baustellen zu eröffnen.
          Was angesichts des jahrelangen Linksrucks der CDU nicht schwer ist.
          Ehrlich gesagt, verfolge ich das ganze, und sicher nicht nur ich, mit einem lachenden und einem weinenden Auge.
          Denn wie Don Alphonso richtig feststellte die Diskussion wird geführt werden.
          Der vermeintliche Sieger steht vor den Scherben seiner Politik und schon jetzt zeichnet sich ab, dass die Meinungshoheit der Multikulturalisten an ihre Grenzen kommt. Was ich nicht bedauere.
          Nur ob jetzt der linken Kollektivierung Deutschlands noch eine von rechts hinzugefügt wird oder der liberale Konservatismus mit Individuum und Eigenverantwortung wieder mehr Bedeutung erlangt, ist eben m.E. noch offen. Ebenso wie eine Renaissance liberaler Themen.
          Was mich regelrecht quält ist das Bedauern darüber wie viele sich mit der AfD anfreunden nur weil es keine Alternative gibt.
          Zu unkritisch ist der Umgang mit ihr, zu sehr wird ihr totalitärer Kern übersehen, der doch mit Putinaffinität offensichtlich ist.
          Notfalls wird diese einfach in Frage gestellt oder Putin einfach „besser verstanden“.
          Der Durst nach Veränderung ist so groß, dass Kröten geschluckt werden, die einem Liberlalkonservativen im Halse stecken bleiben müssten.
          Im Landkreis Tübingen hat die AfD übrigens 10,3% geholt. Und die Grünen 37,7. Tübingen ist eben immer noch ein kleines bisschen grüner als Gesamt-BW.😉

          • n_s_n sagt:

            „Was mich regelrecht quält ist das Bedauern darüber wie viele sich mit der AfD anfreunden nur weil es keine Alternative gibt.“

            Lieber Erling,

            genaus dieses „anfreunden“ glaube ich nicht. Sehr viele Menschen wählen die AfD aus Notwehr oder überlegen dies aus Notwehr zu tun. Das ist meine persönliche, empirische Erfahrung an vielen Stellen im Leben. Diese Menschen wählen AfD mit Widerwillen, kamen für sich zu dem Schluß, dass die rot/grün/schwarze(und wohl leider auch gelbe) Einheitspartei, die größere Kröte ist.

            Diese Frau bei „Hart aber Fair“, selbst ehemals Grüne Wählerin, jetzt AfD Wählerin mit großen Bauchschmerzen: Ich kenne selbst solche Fälle, wo genau das gleiche Ringen stattfindet zahlreich. Für die Anwesenden schien Sie aber eine Zirkussensation zu sein, wie der „Elefantenmensch“.

            Was für mich bei dieser Wahl deutlich wurde, ganz extrem dann bei der Kommentierung der etablierten Parteien, dass es sich mittlerweile mehr denn je bei CDU/SPD/Grünen und FDP fast um eine Einheitspartei handelt, die das zulässige Meinungsspektrum dramatisch verengt.

            Dies nehmen viele Menschen, weil sie es nun auch über Jahre erleben, im mehr als bedrohlich wahr und begehren jetzt dagegen auf. Die einzige politische „Waffe“, welche derzeit dafür zur Verfügung steht, ist die AfD. AfD zu wählen wird erst einmal, abseits von grundsätzlichen Betrachtungen zu derer politischem Inhalt, für viele Menschen zu einer Kosten / Nutzen Analyse im hier und jetzt.

            Der Feind meines Feindes ist nicht mein Freund. Das impliziert aber keine Handlungsempfehlung für das taktische Verhalten, wenn ein Bündnis mit dem Feind meines Feindes der einzige Weg ist, letzteren zurückzudrängen.

            Wenn es denn gelingen sollte, dass derzeit etablierte „Parteienkartell“ zu zerschlagen (und ich glaube, genau das muß wirklich geschehen), indem man die in ihm nach wie vor enthaltenen vielfältigen Meinungen, gegen den Druck der „großen Vorsitzenden“, wieder ausdifferenziert, sehen wir weiter.

            Natürlich haben Sie in meinen Augen damit Recht, dass das Etablieren eines rechten Kollektivismus gegenüber einem linken Kollektivismus keine erstrebenswerte Situation ist und dass eine politische Interessenvertretung für liberale und konservative Werte noch lange nicht ausgemacht ist. Aber bevor wir darüber streiten können, muss der im Moment fast alles dominierende Gegner erst einmal entscheidend geschwächt werden. — Mir kommt ein bisschen das Bild eines Brandes in den Sinn, der eine Fläche danach wieder urbar macht. Was dann wachsen wird, weiß man jetzt noch nicht, trotzdem ist das erstickende Gestrüpp im hier und jetzt nun einmal da.

            Vielleicht habe ich unrecht. Gerade aber die Kommentierung der Wahlergebnisse hat mich nochmals in folgender Wahrnehmung bestärkt:
            Die etablierten Parteien verstehen sich als „80% Koalition“ (Ursula vdL). Wenn diese Front nicht zerbröselt wird, wird es nach der aktuellen politischen Krise noch schlimmer sein als zuvor, was Meinungsverengung betrifft. Diese Front wird aber nicht zerbröselt in dem man SPD, CDU, Grüne, Linke oder FDP wählt. Das haben die Landtagswahlen sehr deutlich klar gemacht. Und das wird, ganz gleich ob uns das gefällt oder nicht, zu weiterem Zulauf für die AfD führen.

            Ich befürchte seit Sonntag, es wird der Tag kommen, da es selbst die Linken brauchen wird, um eine Regierung zu bilden gegen das Scheckgespenst AfD, und ich bin dabei (ebenfalls seit Sonntag) recht sicher, dass man dieses bizarre, groteske Szenario im Zweifel in Erwägung ziehen würde.

            Herzlich

            nachdenken_schmerzt_nicht

            • erlingplaethe sagt:

              Keine Einheitspartei mit der FDP, lieber n_s_n. Schauen Sie mal hier: https://www.fdp.de/position/fluechtlingspolitik

              Herzliche Grüße
              Erling Plaethe

            • n_s_n sagt:

              Lieber Erling.

              Ich sehe sehr wohl, dass die FDP sich differenzierter in der Flüchtlingspolitik positioniert, als die anderen Parteien. Hier überwiegt bei mir persönlich allerdings, dass ich kein Vertrauen in solche Positionen habe, weil die Empirie der Vergangenheit dafür spricht, dass die FDP wieder zum Einheitsbrei wird, wenn sie glaubt dadurch Partizipation an der Macht zu bekommen.

              Zum einen hat mich die FDP mehrfach enttäuscht in der Vergangenheit. Vor allem, dass sie ein riesiges planwirtschaftliches Projekt wie die Energiewende bis zum Schluß in Verantwortung mittrug, kann ich nicht so ohne weiteres übersehen. Aber auch bei anderen Dingen wie Quoten, Mindestlohn oder EUR hat sie niemals wirklich klar und bestimmt (markt)liberale Positionen bezogen.

              Zum anderen ist für mich die FDP weitreichend in „grünem Zeitgeist“ gefangen, zumindest solange Linder ihre Geschicke bestimmt.
              Ich habe mir einige Reden Lindners angehört. Er ist ein guter Redner. Für mich atmet er aber dennoch mit vielen Poren grünen Zeitgeist, den er nur dort halbherzig attackiert, wo es ihm opportun erscheint.

              Man nehme Beispielhaft diese, seine Aussage:
              „In einem liberalen Paradies hätte es Kernenergie nie gegeben!“
              http://www.science-skeptical.de/energieerzeugung/die-vertreibung-aus-dem-liberalen-paradies/0014858/

              In ihr manifestiert sich für mich bildhaft, dass Dilemma der aktuellen FDP:
              Anbiedern an den Zeitgeist, Technikfeindlichkeit, Opportunismus, Planwirtschaft und vor allem Widerspruch gegen die Freiheit menschlicher Phantasie und seinen Erfindungsreichtums. All dies verdichtet sich für mich in diesem Zitat und ich glaube nicht, dass Herrn Linder bewußt ist, wie viele heilige liberale Kühe er mit einer solchen Aussage implizit schlachtet. Für mich zu viele.

              Ich halte die aktuelle, multikultibesoffene Migrationspolitik für falsch, vielleicht auch katastrophal falsch. Aber sie ist deswegen nicht das einzige, was mich politisch bewegt. Vielleicht nicht einmal das, was mich unterm Strich am meisten bewegt. Mich bewegen vor allem auch der fehlende offene Meinungsstreit, fehlende Vernunft, Enttabuisierung, fehlende breitgestreute Interessen und die „Entgrenzung schablonenhaften Denkens“ in der politischen Landschaft.

              Dazu dies zu heilen, trägt die Linder FDP in der aktuellen Verfassung nichts bei, im Gegenteil: Sie würde es wohl wieder verfestigen. Das ist zumindest meine Einschätzung. Dass sie in der Migrationsfrage derzeit ein Abgrenzungsprofil gegen die Koalition der Willigen fährt, ändert für mich daran nichts.

              Es gibt derzeit keine Partei mit einer Chance über die 5% Hürde zu kommen, mit der ich inhaltlich genug Überschneidung bei mir wichtigen Themen hätte, um ihnen meine Stimme zu geben.

              Aus meiner Sicht gibt es nur einen einzigen relevanten Unterschied, bei den großen, aktuell wählbaren Parteien: Solche die in Opposition Grün/Schwarz/Rot zwingen könnten, den engen, zulässigen Meinungskorridor zu verlassen und solche die diesem Meinungskorridor beitreten würden. Zu letzteren zähle ich leider die aktuelle FDP.

              Deswegen wüßte ich trotzdem nicht, was ich wählen sollte, wäre morgen Bundestagswahl.

              Herzlich

              nachdenken_schmerzt_nicht

            • erlingplaethe sagt:

              Lieber n_s_n,

              die FDP hat die Energiewende mitgetragen und vieles mehr, aber nicht den Mindestlohn.
              Mein Nichtwähler-Dasein ist vorerst Geschichte und die FDP bekommt bei mir eine zweite Chance.
              Ich schlucke die Kröten der FDP um in politischer Gegnerschaft zur AfD auch meine Wählerstimme entgegensetzen zu können.
              Der Lindner vertritt weniger Planwirtschaft als alle anderen Parteien, was für mich immer Grund genug ist, die FDP zu wählen.
              Verweigert hatte ich mich wegen des Steuerversprechens und der halbherzigen Bemühungen beim Einlösen desselben.
              Das ist jetzt erledigt, ich schaue nach vorne und sehe eine Partei die das politische Potential weit rechts von der Mitte repräsentiert.
              Nun gibt eine Partei die den Wähler der extremen Linken und eine die der extremen Rechten Heimat ist. Das schafft Übersicht und eine bessere Basis als wenn die Unionsparteien behaupten rechts von ihnen gäbe es nichts. Ich halte es allemal für demokratischer seinen politischen Gegner zu erkennen.
              Zudem nimmt die AfD der Ex-SED Wähler ab, was auch dort für Klarheit sorgt.
              Eigentlich normalisiert sich die Parteienlandschaft und die CDU kann sich jetzt mal wieder überlegen, was sie von der SPD unterscheidet.

            • Paul sagt:

              Um es ganz platt zu sagen: Man wählt hierzulande (zumindest im Westen, den ich besser kenne) AfD, um Merkel “zur Vernunft zu bringen”, oder wenigstens ihre Partei.

              Politische Aussagen, die sich über das hinaus wagen, würde ich mal gepflegt in die Tonne treten.

              So sehe ich das auch, werter Werwohlf.
              Das ist der Grund weshalb ich derzeit die AfD wählen würde.

              Als unverbesserlicher Optimist, hoffe ich aber darauf, dass ALFA doch noch plötzlich kommt, wie „Kai aus der Kiste“.

              Herzlich, Paul

          • Werwohlf sagt:

            Für das gemeine AfD-Mitglied wie für den gemeinen AfD Wähler sind die Thesen von Herrn Jongen längst vertraut. Sie werden von den Spitzenkandidaten der AfD transportiert und müssen im einzelnen weder verstanden noch gelesen werden.

            Das wiederum verstehe ich nicht. Klar kann man die Aussagen eines Höcke den Vorstellungen von Herrn Jongen zuordnen, aber genau das macht bei der AfD und ihren Wählern sonst keine Sau. Will sagen: Nicht alles, was man im Nachhinein als Erklärung so sieht, war auch immer Intention.

            Als die Spaltung der AfD mit einem möglichen Weggang Luckes bevorstand, wurde auch (hier) der Partei keine große Zukunft vorhergesagt. Und so setzt sich m.E. der Irrtum fort.

            Mit Verlaub: Wenn ich mir hier nicht vorstellen konnte, dass die AfD zu solchen Höhenflügen ansetzt, dann hat das weniger mit meiner mangelnden Expertise in Sachen AfD zu tun, sondern vor allem mit dem Umstand, dass ich mir nie und nimmer hätte vorstellen können, zu welchen Aussagen sich eine von der CDU gestellte deutsche Kanzlerin je hätte hinreißen lassen und welche Politik sie damit rechtfertigen wollte. Wie schon im Beitrag geschrieben: Dass Merkel ihre Masche so sehr überziehen würde, hätte ich immer für unmöglich gehalten. Hättest Du mir prophezeiht, dass sich die CDU zu einer „No borders“-Partei entwickelt, hätte ich Dir die passenden AfD-Prozentsätze frei Haus geliefert.

            Sollte der Flüchtlings- und Migrantenstrom dauerhaft abebben, dann ist das Thema dennoch nicht durch. Und selbst wenn das der Fall wäre, ist die AfD längst dabei neue Baustellen zu eröffnen.

            Die Frage ist eben, ob die genau so ziehen. Sicher gibt die CDU rechts Raum, aber nicht alle Themen, die sie damit anderen überlässt, können so sehr mobilisieren.

            Nur ob jetzt der linken Kollektivierung Deutschlands noch eine von rechts hinzugefügt wird oder der liberale Konservatismus mit Individuum und Eigenverantwortung wieder mehr Bedeutung erlangt, ist eben m.E. noch offen. Ebenso wie eine Renaissance liberaler Themen.

            Ich schließe das aus. Deutschland ist nicht liberal, sondern kollektivistisch. Und obwohl ich selbst kein Liberaler bin, freut mich das nicht.

            Was mich regelrecht quält ist das Bedauern darüber wie viele sich mit der AfD anfreunden nur weil es keine Alternative gibt.
            Zu unkritisch ist der Umgang mit ihr, zu sehr wird ihr totalitärer Kern übersehen, der doch mit Putinaffinität offensichtlich ist.

            Die AfD konnte diese Prozente nur aus einem Grund erreichen: Sie wurde nicht wegen ihrer eigenen Inhalte gewählt, sondern wegen der Inhalte der anderen. Wer AfD wählt, macht sich keine Illusionen, dass diese Partei in der näheren Zeit jemals Regierungsverantwortung übernehmen könnte. Somit muss er sich auch keine Gedanken machen, welche Politik sie dann zu erwarten hätten. Um es ganz platt zu sagen: Man wählt hierzulande (zumindest im Westen, den ich besser kenne) AfD, um Merkel „zur Vernunft zu bringen“, oder wenigstens ihre Partei.

            Politische Aussagen, die sich über das hinaus wagen, würde ich mal gepflegt in die Tonne treten.

            • Paul sagt:

              Das gehört hier her.

              Bei der Gelegenheit: Habe gerade gemerkt, dass das Datum falsch angezeigt wird.

            • Werwohlf sagt:

              Bei der Gelegenheit: Habe gerade gemerkt, dass das Datum falsch angezeigt wird.

              Ich schon längst, habe aber keinen Bock, da jenseits der nahe liegenden Optionen in WP irgendwie weiter einzusteigen… Es gibt Schlimmeres, hoffe ich.

            • Paul sagt:

              Stimmt.
              Ist nicht so wichtig.

            • Das wiederum verstehe ich nicht. Klar kann man die Aussagen eines Höcke den Vorstellungen von Herrn Jongen zuordnen, aber genau das macht bei der AfD und ihren Wählern sonst keine Sau. Will sagen: Nicht alles, was man im Nachhinein als Erklärung so sieht, war auch immer Intention.

              Herr Höcke steht doch nicht isoliert in der AfD. Auch aus den Reden von Gauland und einigen anderen Landesvertretern hört man Jongens Thesen heraus oder eben das was von Götz Kubitschek vertreten wird. Verstehe mich nicht falsch, ich will diese nicht an den Pranger stellen. Ich stelle nur fest durch wen und was die AfD politisch und philosophisch beeinflusst wird. Die Sezession und auch Jongen sind nicht nur konservativ, sie sind auch antiliberal. Und sie machen keinen Hehl daraus, dass sie eher Schnittmengen mit Linken als mit Liberalen haben. Gauland sagte mal, er habe kein Problem mit Nationalbolschewisten.
              Ich schon.

              Mit Verlaub: Wenn ich mir hier nicht vorstellen konnte, dass die AfD zu solchen Höhenflügen ansetzt, dann hat das weniger mit meiner mangelnden Expertise in Sachen AfD zu tun, sondern vor allem mit dem Umstand, dass ich mir nie und nimmer hätte vorstellen können, zu welchen Aussagen sich eine von der CDU gestellte deutsche Kanzlerin je hätte hinreißen lassen und welche Politik sie damit rechtfertigen wollte. Wie schon im Beitrag geschrieben: Dass Merkel ihre Masche so sehr überziehen würde, hätte ich immer für unmöglich gehalten. Hättest Du mir prophezeiht, dass sich die CDU zu einer “No borders”-Partei entwickelt, hätte ich Dir die passenden AfD-Prozentsätze frei Haus geliefert.

              Das verwundert mich. Deutschland hat im September 2015 den Artikel 17, Dublin III, zur Regel gemacht um den Rückstau in Ungarn und Österreich aufzulösen. Man konnte hoffen, dass dies eine Ausnahme bleibt, aber es sah nie wirklich danach aus. Weil es eben keine Masche war, sondern die Politik einer „Europäerin“. Als solche sieht sie keine Grenze zwischen Österreich und Deutschland, sondern nur eine fragile Außengrenze in Griechenland. Ihre Einsicht dass Griechenland niemals imstande sein wird, diese effektiv zu sichern führte direkt zu Verhandlungen mit der Türkei. Das muss man nicht gutheißen, aber irrational ist es m.E. nicht.

              Die Frage ist eben, ob die genau so ziehen. Sicher gibt die CDU rechts Raum, aber nicht alle Themen, die sie damit anderen überlässt, können so sehr mobilisieren.

              Ich sehe schon das nächste Thema anrollen und die nächste Chance, dass eine vermeintliche Gewissheit flöten geht. Die geplante Dekarbonisierung Deutschlands dürfte die AfD sicher nutzen und den Klimarettern in Deutschland ihre Dominanz nehmen. Dann ist das Thema Euro auch lang noch nicht durch und mit ihm die EU und die Frage nach der Souveränitätsabgabe.

              Ich schließe das aus. Deutschland ist nicht liberal, sondern kollektivistisch. Und obwohl ich selbst kein Liberaler bin, freut mich das nicht.

              Ja, mag sein. Nur hat sich Deutschland im Lauf der letzten Jahrzehnte erheblich liberalisiert.

              Im Osten (den ich besser kenne) wird es nicht allzu lange dauern, bis die AfD an einer Landesregierung beteiligt ist. Unter der Voraussetzung sie bekommt eine konstruktive Parlamentsarbeit hin.

            • Werwohlf sagt:

              Herr Höcke steht doch nicht isoliert in der AfD. Auch aus den Reden von Gauland und einigen anderen Landesvertretern hört man Jongens Thesen heraus oder eben das was von Götz Kubitschek vertreten wird.

              Wenn man das unbedingt will. Ich bezweifle aber, dass es dort einen ursächlichen Zusammenhang gibt. Wenn überhaupt, liefert Jongen eine Art nachträgliche Rationalisierung (obwohl das gerade bei seinen Thesen ja eher weniger passt…) der jeweiligen individuellen Vorstellungen eines Höcke oder Gauland. Das ist eben typisch AfD: Da darf jeder rauskotzen, was er will, so lange der Feind derselbe bleibt.

              Man konnte hoffen, dass dies eine Ausnahme bleibt, aber es sah nie wirklich danach aus. Weil es eben keine Masche war, sondern die Politik einer “Europäerin”.

              Die Öffnung alleine ist gar nicht mal das Problem. Das Problem sind die nachfolgenden Begründungen, die einer Aufgabe von Staatlichkeit gleichkommen und die Versagen zum moralischen Prinzip erheben. Alleine schon, dass Merkel etwas öffnen konnte, impliziert ja, dass es vorher geschlossen war – eine Möglichkeit, die von Merkel selbst heute für nicht realisierbar erklärt wird. Absurder geht es nicht, und wenn es darauf nicht eine Gegenreaktion gäbe, wäre das ein mittleres Wunder oder Nordkorea.

              Tut mir leid, aber ich nehme Merkel keine politische Überzeugung ab. Nicht eine einzige. Ihr „Track Record“ spricht da eine zu eindeutige Sprache. Wenn ich von ihrer „Masche“ redete, dann meinte ich damit die Politik, sich immer mehr dem rot-grünen Tenor anzunähern, um einen doppelten Effekt im Sinn ihrer Machterhaltung zu generieren: Den Linken die Wähler abspenstig zu machen und die ihnen wohlgesonnenen Journalisten auf ihre Seite zu ziehen. Das konnte, musste so lange gut gehen, wie sich rechts keine Alternative etablieren konnte. Es ging dann eben so lange gut, wie es gut ging – und immer weiter gedreht wurde, bis auch alle verfügbaren Keulen zur Ausgrenzung die Wähler nicht mehr abhalten konnten.

              Die geplante Dekarbonisierung Deutschlands dürfte die AfD sicher nutzen und den Klimarettern in Deutschland ihre Dominanz nehmen.

              Da könntest Du in der Tat einen weiteren Wahlschlager für die AfD vorweggenommen haben, vorausgesetzt, die wahnwitzigen Pläne, die immerhin im Bundesumweltministerium zusammengestellt werden, geraten in die Gefahr, Gesetz zu werden. Das gehört auch zu den Dingen, von denen ich mir, als altem Hasen bundesrepublikanischer Politik, nie vorstellen könnte, dass eine Union auch nur annähernd dabei mitmacht. Was allerdings jetzt wohl nicht mehr viel heißt.

              Nur hat sich Deutschland im Lauf der letzten Jahrzehnte erheblich liberalisiert.

              Echt? Ich würde sagen: Nur da, wo es eine gemeinsame Agenda mit linken Forderungen gab. Aus liberalem Impetus passiert hierzulande nix.

              Im Osten (den ich besser kenne) wird es nicht allzu lange dauern, bis die AfD an einer Landesregierung beteiligt ist. Unter der Voraussetzung sie bekommt eine konstruktive Parlamentsarbeit hin.

              Meine AfD-These: Je konstruktiver, desto weniger Wähler. Erst recht und gerade im Osten. Hältst Du als Experte dagegen? 😉

            • erlingplaethe sagt:

              Meine AfD-These: Je konstruktiver, desto weniger Wähler. Erst recht und gerade im Osten. Hältst Du als Experte dagegen?

              Ja, wegen der Ex-SED. Ich sehe gute Chancen für die AfD, dass es bei ihr genauso laufen könnte. Aber klar, und da stimme ich Dir natürlich zu, ohne konstruktive Parlamentsarbeit kein dauerhaftes Bestehen.
              Übrigens habe ich gestern im neuen Programmentwurf gelesen, dass die AfD die Klimarettung ablehnt.
              Dann hat der Bundesvorstand der Partei gerade den Saarländischen Landesverband wegen „schwerwiegender Verstöße gegen die politische Zielsetzung und die innere Ordnung der Partei“ aufgelöst.
              Die sind gekommen um zu bleiben und – sie grenzen sich ab.
              Erstaunlich, das habe ich nicht so erwartet.
              Alles wichtige Punkte um eben diese konstruktive Arbeit zu realisieren.

    • Werwohlf sagt:

      Zu diesem Thema gesellten sich noch andere, wie Quotenregelungen, Gender, Dinge in der Familienpolitik, u.ä. mit deren aktueller gesellschaftspolitischer Gestaltung viele Menschen nicht wirklich etwas anfangen können. Auch bei diesen Themen wurde durch die etablierten Parteien (über deren fast einheitliche Programmatik zu diesen Themen) faktische Alternativlosigkeit verordnet. Die Alternativlosigkeit bei diesen Themen bewegte die Menschen nur nicht so sehr, weil sie in ihnen keine wirkliche Bedrohung sahen. Kopfschütteln, so glaube ich, auch mitunter Mißmut, löste das dennoch aus.
      Die aktuelle „Zuwanderungs Krise“ ist in meinen Augen nun lediglich der Katalysator an der genau dieser lange aufgestaute Mißmut zu einer stark beschleunigten, explosiven Reaktion führt.

      Ja, das sehe ich ganz genau so. Bis auf das „lediglich“. Aber das eben ist die Chance der AfD, dieses „Kopfschütteln“ in der Parteipolitik zu verankern.

      Ich stimme Dir auch zu, dass es selbstverständlich nicht um geschlossene, rechte Weltbilder geht, auch wenn Teile davon dabei auftauchen. Die AfD ist einfach der Gegenpol zu allem, was man politisch in der letzten Zeit gefälligst nicht in Zweifel zu ziehen hatte, wenn man sich nicht ausgrenzen wollte. Solche Ausschlüsse funktionieren nur bis zu einem gewissen Grad – wenn zuviel tabuisiert wird, lohnt sich das Aufbegehren dagegen, können auch breitere Gruppen mobilisiert werden.

      Wie es gemacht wird, zeigte Boris Palmer in Tübingen. Die eigene Partei schalt ihn wegen seiner realistischen Aussagen zur Migrationspolitik, aber die Wähler dankten es ihm: In Tübingen holten die Grünen 45%, während die AfD bei 6% vergleichsweise klein gehalten wurde, Einfach sagen, was ist, nüchtern und ohne Rücksicht auf heilige Parteikühe. Mehr brauchte es nicht, um die harmoniebedürftigen Deutschen wieder in den Schoß der „guten Demokraten“ zurückzuholen. Allerdings lassen die Auftritte der Nationalen Front in den jüngsten Talkshows nur wenig Hoffnung aufkommen, dass diese Parteien es begriffen haben könnten.

      • nachdenken_schmerzt_nicht sagt:

        Allerdings lassen die Auftritte der Nationalen Front in den jüngsten Talkshows nur wenig Hoffnung aufkommen, dass diese Parteien es begriffen haben könnten.

        Altmaier gestern Abend bei „hart aber fair“, das ich mir mal anschaute, war in der Tat gespenstisch. Formvollendetes Teflon.

        Wenn ich sowas sehe bleibe ich wirklich ratlos zurück. Ich kann es mir nur so erklären, dass hier „Wille und Vorstellung“ eine wirklich neue Welt geschaffen haben, zu der mir der Zugang fehlt. Dummheit und Ignoranz reichen für so etwas, nach meinem Empfinden nicht aus. Es muss mehr sein. Eine eigene Welt eben, aus der ich draussen bleiben muss.

  2. erlingplaethe sagt:

    Nachtrag:
    …und die damit eine wichtige Vorraussetzung für eine Massentauglichkeit in Deutschland erfüllen. Immer wenn hier Theorien erfolgreich etabliert wurden, ging das nur über die Gefühlsebene, selten über Logik. Und logischerweise greift Jongen das Logos auch nicht auf, sondern nähert sich bewusst dem Irrationalen.

  3. Paul sagt:

    Gestern habe bei den Wahlberichterstattungen eine Analyse wahrgenommen, in der festgestellt wurde, dass die Wahlbeteiligung gestiegen ist.
    40% der früheren Nichtwähler haben die AfD gewählt.
    Daraus ziehe ich den Schluss, dass eine große Mehrheit der Nichtwähler in der AfD eine wirkliche Alternative zu den etablierten Parteien sehen. Ihr Interesse am politischen Geschehen wurde geweckt und sie haben die Wahlenthaltung aufgegeben. Das ist für mich der eigentliche politische Erfolg der AfD.

    Der Werwohlf … sieht die Möglichkeit, dass die AfD sie (diese Chance) noch verspielen könnte, weil ihre weiterhin existierenden inneren Widersprüche nicht durch die meist bei solchen Parteien erforderliche, dort aber bislang fehlende, charismatische Führungspersönlichkeit überspielt werden können.

    Das ist auch meine Befürchtung, lieber Werwohlf.

    Mir wäre es auch lieber gewesen ALFA hätte diese Chance bekommen (oder die alte AfD, das wäre noch besser gewesen).

    Noch ein letzter Gedanke:
    Die AfD ist in der Parteienlandschaft jetzt das ausgegrenzte „Schmuddelkind“, wie nach der Wende die SED-Nachfolgerin PDS. Jetzt als LINKE haben Viele die Herkunft vergessen und koallieren frohgemut.

    Das wird mit der AfD auch passieren. Sie muss nur den „langen Atem“ haben.

    Auch müsste sie deutlicher die Themen Atomkraftwerke, Klimawandel und alternative Energie artikulieren.

    Herzlich, Paul

    • Werwohlf sagt:

      Das wird mit der AfD auch passieren. Sie muss nur den “langen Atem” haben.

      Klar – wenn es die AfD lange genug gibt, und wenn sie es schafft, sich zumindest in einigen Bundesländern eine seriöse Funktionärsschicht aufzubauen, kommt auch sie mal als Koalitionspartner in Frage. Allerdings nur für die Union. Allein: Ich bezweifle, dass sie diese Voraussetzungen wird erfüllen können. Ihre besten Verbündeten sind momentan die Bundestagsparteien, weil sie im Umgang mit der AfD und vor allem deren Wählern alles tun, um die AfD groß zu machen.

      Auch müsste sie deutlicher die Themen Atomkraftwerke, Klimawandel und alternative Energie artikulieren.

      Zur AfD heute passt nicht nur Misstrauen gegen die herrschenden Konzepte, sondern auch Markt- und Fortschrittsfeindlichkeit. Insofern glaube ich nicht, dass sie bei solchen Fragen zu überzeugenden Antworten finden könnte,.

      • nachdenken_schmerzt_nicht sagt:

        Zur AfD heute passt nicht nur Misstrauen gegen die herrschenden Konzepte, sondern auch Markt- und Fortschrittsfeindlichkeit. Insofern glaube ich nicht, dass sie bei solchen Fragen zu überzeugenden Antworten finden könnte.

        Ich habe diesbezüglich ebenfalls kein Vertrauen in die AfD. Für mich ist es keine Partei, die meine Ziele je wird vertreten können — es sei denn sie ändert sich dramatisch in Personal und Inhalten.

        Mir gibt sie nur Hoffnung, dass sie die Programmatik der bestehenden Parteien neu adjustiert, durch die Macht des Faktischen. Oder das sie den Raum schafft für Parteien wie ALFA. wobei ich bei der im Moment nicht weiss, wie sie ihre potentiellen Wähler (medienwirksam) erreichen will und vor allem mit welchem Gesicht.

        Lucke kann das nicht sein. Er braucht einen mediewirksamen Front Mann. Vielleicht kann er ja Leute wie Merz gewinnen. Das wäre doch mal ein Coup. 🙂

  4. Paul sagt:

    Dieser Tage hat mich im Zusammenhang mit den Wahlen ein anderer Aspekt nachdenklich gemacht:

    Mehrfach wurde darauf hingewiesen, dass die Verdrossenheit mit den etablierten Parteien bewirkt hat, dass (wieder) mehr Personen das Wahlgeschehen bestimmen. Kretschmann hat sehr viele Stimmen bekommen, weil er als Person einen guten Eindruck macht. Es ist also nicht der Grüne gewählt worden, sondern die Person.
    Auch in anderen Bundesländern wurde dieser Trend wahrgenommen.
    Das macht mir Sorge, das macht mir Angst und zwar wegen 1933. Denn damals war es wohl genau so.

    Herzlich, Paul


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