Irrationale Ängste

Am Sonntag ist es soweit: In drei Bundesländern wird der Landtag neu gewählt. In Hessen wählte man schon letzte Woche die Kommunalparlamente. All diese Wahlen haben eins gemein: Sie bringen (im letzteren Fall manifest, sonst nur als Vorhersage) große Stimmengewinne für die AfD. Die Aussicht darauf, oder besser: die Angst davor lässt bei einigen, nun, sagen wir mal: Intellektuellen offensichtlich den Teil des Gehirns aussetzen, der für die Vernunft zuständig ist. Nehmen wir exemplarisch die zwei Beiträge, die der notorische Sascha Lobo für SPON und Hausherr Alexander Görlach beim „European“ geschrieben haben. Und fangen wir mit Herrn Lobo an.

Der stellt zunächst fest, dass die AfD überproportional stark im Internet vertreten ist. Das verleitet ihn zu folgendem Schluss:

Weil die AfD eine Internetpartei ist, kann man Denkweisen und Argumentationsstrukturen der Sympathisanten und Funktionäre viel besser über soziale Medien kennenlernen als bei anderen Parteien.

Vielleicht muss er diesen Fehlschluss berufsbedingt machen, aber obwohl die AfD in den sozialen Netzwerken sehr lautstark ist, dürfte die überwiegende Mehrzahl ihrer Wähler ihre Informationen aus ganz anderen Quellen beziehen. Und auch die Mehrzahl ihrer Funktionäre ist eben nicht bei Facebook oder Twitter aktiv. Indem man sich dieser Partei über die sozialen Netzwerke nähert, bekommt man daher trotz allem weiterhin nur einen alles andere als repräsentativen Ausschnitt zu sehen. Wie bei allen anderen Parteien auch. Da die AfD aber nicht nur von ihren Anhängern, sondern auch von den meisten Medien (q.e.d.) als Fremdkörper im deutschen Parteiensystem empfunden wird und das Netz der einzige Ort ist, wo man sich in dieser Rolle einigemaßen gut einrichten kann, ist der höhere Anteil der AfD-Fans dort nicht verwunderlich. Aber wie gesagt: Lobos Schluss geht vollkommen fehl. Mit derselben „Logik“ hätte der Mitgliederentscheid der FDP damals mit überwältigender Mehrheit in der entgegengesetzten Richtung ausfallen müssen, weil im Netz der libertär angehauchte Teil der Liberalen eindeutig dominierte. Repräsentativ für die Partei war er allerdings mitnichten, wie diejenigen darunter, die sich von den Kräfteverhältnissen in der virtuellen Welt hatten täuschen lassen, schmerzhaft erfahren mussten. 

Mit dieser Feststellung kann man den Rest des Loboschen Textes natürlich in die berühmte Tonne treten, aber eine weitere Argumentation von ihm steht exemplarisch für die Plattheit, der man auch jederzeit in den anderen Qualitätsmedien begegnen kann. 

Flucht ist ein globales Problem, das nur global gelöst werden kann. Es kann schlicht nicht national gelöst werden, nicht einmal mit einer DDR-artigen Mauer um Deutschland. Die AfD belügt Sie bewusst, wenn sie tut, als könne sie die Flüchtlingszahlen irgendwie anders reduzieren, als es ohnehin bereits geschieht. Denn die Politik der Bundesregierung folgt gar nicht mehr Angela Merkels Bild der Willkommenskultur. Merkel erklärte, dass Flüchtlinge nach dem Krieg zurückgehen müssten. Die Asylgesetzgebung wurde zweimal verschärft. Die Regierung hofiert den islamistischen Verschwörungsautokraten Erdogan für die Verringerung der Flüchtlingszahl – mit vielen Milliarden Euro. Das kann man durchaus als Verbeugung vor den Forderungen der AfD betrachten, das werden Sie zugeben müssen.

Den wenigsten Menschen, die bereit sind, jetzt AfD zu wählen, geht es darum, das Problem „Flucht“ an sich zu lösen. Die möchten lediglich, dass nicht mehr so viele Migranten auf einmal einreisen, und das auch noch dermaßen unkontrolliert, dass multiple Identitäten nicht nur bei denen darunter üblich sind, die lediglich nach Europa kommen, um dem Dschihad (Gesundheit!) zu frönen. Diese Menschen machen sich auch keine Illusionen über Rückkehrer – sie kennen die Statistiken in Sachen Ausweisungen und sie wissen auch, wer alles alle möglichen Hebel in Bewegung setzt, sobald es irgendwo mal in dieser Richtung konkret zu werden droht. Damit kommen wir nämlich zu einem weiteren Punkt: Die Diskussion wird nicht nur auf der ganz rechten Seite unaufrichtig geführt. Während sich unter der oben genannten AfD-Position auch diejenigen versammeln, die praktisch überhaupt keine Fremden ins Land lassen wollen, gibt es auf der anderen Seite eine starke Bewegung für dauerhaft vollkommen offene und unkontrollierte Grenzen, deren Protagonisten sich jetzt gerne als „Merkelianer“ tarnen. Und dass die AfD den Herrn Erdogan mit Milliarden zuschütten möchte, wäre auch für Sascha Lobo eine sehr gewagte Behauptung. Ob es sich dabei um „Lösungen“ handelt oder lediglich um „Maßnahmen“: Was konkret wirkt, sind die nationalen(!) Beschlüsse der Balkan-Staaten und Österreichs. Man kann noch so lange „Europa“ beschwören, aber so lange die anderen Staaten keinen Grund haben, mehr Flüchtlinge aufzunehmen (aus mdeial-deutscher Sicht sind die EU-Partner allesamt eine menschenverachtende Bande, nur die Deutschen halten mal wieder das Edle und Hehre hoch), werden sie das auch nicht tun, und zwar mit gutem Grund: „Ihr Deutschen habt Euch doch gerne dazu bereit erklärt!“ Erst eine bedingte Schließung der deutschen Grenze (die von einer „Abschottung“ sehr weit entfernt wäre) würde auch bei den anderen europäischen Staaten so etwas wie Handlungsdruck erzeugen, aber mit ihrem monstranzartig vorgezeigten, hohen moralischen Anspruch hat Merkel diese Option de facto ausgeschlossen. Die Aktion der Balkanstaaten zeigt aber auch eins: Die EU-Staaten haben es selbst in der Hand. Sie brauchen Erdogan nicht. 

Dass Lobo dann noch allein aus dem Grund, dass es z.B. bei den „Grünen“ einzelne von der nationalen Front abweichende Stimmen gibt, einen veritablen „Rechtsruck“ bastelt, setzt den Absurditäten dieses Artikels noch die Krone auf. Aber das muss man andererseits auch verstehen: Als echter Linker ist es sozusagen Pflicht, sich im Widerstand zu sehen, und das wird eben verdammt hart, wenn der gesamte Bundestag der eigenen Logik folgt.

Kommen wir zum Artikel Herrn Görlachs, bei  dessen Lektüre der Werwohl zunächst zu der Überzeugung kam, der doppelt Promovierte sei im Besitz einer Zeitmaschine und eben erst aus den späteren Dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts zurück gekehrt. Die Dämonisierung der AfD, für die dieser Artikel nur beispielhaft steht, profitiert natürlich enorm von der Zuschreibung diverser Positionen, die man der AfD und vor allem ihren Wählern einfach mal so unterstellt, weil es sich dabei um das Feindbild handelt, für das man die passende Munition bereit hält. Görlach argumentiert heftigst gegen „Ausländer raus!“-Forderungen, die von der AfD (die übrigens diverse Funktionäre mit Migrationshintergrund in ihren Reihen hat) nie aufgestellt wurden. Er sieht aufgrund der Stimmen für diese Partei, die landesweit nirgendwo auch nur annähernd an 20% heran kommt, eine „Gleichschaltung des Kulturbetriebs“ und „Einschränkung der Meinungsfreiheit“ voraus – wie grotesk angesichts der vielen Meldungen, aufgrund derer potenzielle Gastgeber der AfD genötigt werden, ihre Einladung zurückzuziehen, und wie grotesk angesichts der von einer ehemaligen Stasi-Spitzelin angeführten Facebook-Löschbrigade im Auftrag des Bundesjustizministers, die keinen Zweifel daran lässt, welche extreme Richtung da gefördert werden soll und welche nicht. Aber das ist ja alles im Auftrag der guten Sache und somit nicht das, wonach es aussieht. Das wäre es nur in den Händen der „Braunen“. Da wird auch die Frechheit Kölner Konzertbesucher, einen Beitrag nicht gut zu finden, zu einem Politikum: Als aufgeklärter Deutscher hat man selbstverständich schwer verdauliche musikalische Kost zu goutieren. Zumindest, wenn sie von einem Iraner dargeboten wird.  Der einem natürlich leid tun kann, wurde er doch vom Veranstalter als Teil einer geplanten Provokation missbraucht, für die der sich bei Gelingen sofort selbst gelobt hätte. 

Aber auch dieser Artikel hat eine Krone:

Es gibt also tatsächlich wieder braune Katholiken, die sich nur von einem weißen Priester den gewandelten Leib des jüdischen Zimmermannsohns, Flüchtling seines Zeichens, in den Mund legen lassen möchten.

Und die ist auch der Beweis, dass Görlach doch über keine Zeitmaschine verfügt, denn offensichtlich hat er keine Ahnung, dass der Rückhalt der Nazis in den katholisch geprägten Regionen Deutschlands besonders niedrig war. Aber es gibt eben immer zwei Wahrheiten: Die der Fakten und die der Behauptungen. Im Sinne letzterer könnte also auch Görlach nur Wahres berichtet haben. 

P.S.: Zur Wahlempfehlung des Werwohlfs geht es hier

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7 Kommentare on “Irrationale Ängste”

  1. erlingplaethe sagt:

    Ich weiß nicht ob es zum Genießen von Steve Reich zwingend notwendig ist, aber ich habe seit meiner sehr frühen Jugend gerne Tangerine Dream, Klaus Schulze und Kraftwerk gehört. Und als mit Techno Anfang der 90er richtig abging war ich sehr glücklich eine von mir geliebte Art von Musik so vielfältig erleben zu können.
    Das Stück welches zum Abbruch des Konzertes in der Kölner Philharmony eines der renomiertesten Chembalisten führte, ist nicht weniger als eine Perle: http://youtu.be/yJyGKP-WjKs
    (Eigentlich für zwei Piano, „Piano Phases“)
    Und das Verhalten eines Teils des Publikums mit Abo-Karten zum Fremdschämen.
    Vorgestern war ich bei Nigel Kennedy in der Berliner Philharmony, ein grandioses Konzert und es hätte auch noch mehr Zugaben gegeben wenn nicht zu meinem großen Ärger immer mehr Besucher aufstanden und den Garderoben zuströmten. Nachdem sie dann ihre Klamotten angezogen hatten kamen sie noch zurück, standen in den Gängen herum um noch etwas von dem zu erhaschen was sie verpasst hatten. Diese Unruhe verleidete mir etwas den Höhepunkt des Abends weil der Künstler zu diesem Zeitpunkt sein ganzes Können darbot.
    Und natürlich sprach auch er bei seinen Einleitungen (hauptsächlich) englisch.
    Glücklicherweise ist er dafür nicht mit „sprich gefälligst deutsch“ niedergebrüllt worden, so wie Mahan Esfahani in Köln.

    • erlingplaethe sagt:

      Nachtrag:

    • erlingplaethe sagt:

      Noch’n Nachtrag:
      Das Verhalten von Teilen des Publikums in der Kölner und Berliner Philharmony ist in meinen Augen mit „kulturell beschränkt“ treffend bezeichnet. Die Bandbreite westlicher Kultur werden die nie erfassen können.
      Diesen Leuten fehlt es an Kunstverstand, an Benehmen und an Respekt vor einer künstlerischen Leistung.
      Was auch immer deren Leitkultur sein mag, meine wird es niemals werden.

    • n_s_n sagt:

      Lieber Erling,

      Nach dem was ich bisher darüber gelesen habe, war es (mutmaßlich) ein einzelner Rufer. So zumindest beschreibt es Herr Bechlenberg hier:
      http://www.herrenzimmer.de/2016/03/02/die-menschheit-geraet-ausser-kontrolle/

      (Eine wie ich übrigens finde, sehr süffig zu lesende Kommentierung der Ereignisse)

      Wer dabei Bach bestellt und Reich serviert bekommt, hat in meinen Augen eine gewisse Legitimation für empfundenen Ärger. Wie und vor allem gegen wen man diesem Luft macht, steht dabei auf einem ganz anderen Blatt. Ich empfände zum Beispiel den Konzertveranstalter als passenden Adressaten. Nur ist eben Ärger kein sachliches Gefühl, welches sich immer in vernünftigen Reaktionen Bahn bricht, sondern im Gegenteil ein Gefühl, welches schon so manchen, auch mich, zu Verhalten animierte, welches im Nachhinein beschämte.

      Ich halte es nicht für ausgeschlossen, dass der Zwischenrufer, welcher Probleme mit dem Angelsächsischen gehabt zu haben scheint, mittlerweile durch seinen Zwischenruf selbst beschämt ist.

      Das wäre in meinen Augen ein anderes Szenario als jenes, welches eine Formulierung wie „niederbrüllen“ suggerieren könnte.

      Über Geschmack lässt sich nun mal streiten; manchmal so heftig wie über Politik. Ich vermute im Wesentlichen ist genau das in Köln geschehen.

      Beim Streiten vergessen manche Zeitgenossen auch gerne einmal ihre „gute Kinderstube“ – sofern sie eine haben. Das wiederum verärgert auch mich, ist aber kein Weltuntergang.

      Herzlich

      nachdenken_schmerzt_nicht

      • erlingplaethe sagt:

        Lieber n_s_n,

        es stimmt nicht, dass Bach bestellt und Reich serviert wurde:
        Ich zitiere aus dem Kölner Stadtanzeiger:

        „Im Rahmen eines sonntäglichen Abos von KölnMusik spielte Concerto Köln ein für diese Formation ungewohntes Programm, das allerdings seit langem angekündigt war: Werken von Johann Sebastian und Carl Philipp Emanuel Bach wurde Zeitgenössisches von Fred Frith, Henry Mikolaj Górecki und Steve Reich an die Seite gestellt.“

        Und es war auch nicht ein einzelner Rufer der den Abbruch des Konzertes erzwang:

        „Hatte bereits die von Esfahani in gut verständlichem Englisch gegebene Einführung in das Werk einzelne Rufe von der Güte „Reden Sie doch gefälligst Deutsch!“ provoziert, so folgte der Saal der Aufführung dann mit zunehmender Unruhe. Sie überschritt rasch den bei solchen Ereignissen erwart- und tolerierbaren Geräuschpegelstand. Schließlich, als der Künstler fünf, sechs Minuten des original 16 Minuten langen Stücks absolviert hatte, erzwangen Lachen, Klatschen, Pfeifen und andere Geräusche des Missfallens den Abbruch der Darbietung.“

        Ich will Ihnen auch noch zitieren was Jochen Schäfsmeier, Geschäftsführer der Alte-Musik-Formation Concerto Köln sagte:

        „Teile des Saals ließen jede gute Erziehung vermissen, das war schlicht unerträglich.“

        Alle Zitate aus: http://mobil.ksta.de/kultur/konzert-in-der-koelner-philharmonie-abgebrochen–reden-sie-doch-gefaelligst-deutsch—23646344?originalReferrer=http://www.independent.co.uk/news/world/europe/iranian-musician-forced-to-stop-cologne-concert-after-audience-members-jeer-and-shout-speak-german-a6909066.html

        Ich gehe nicht so weit wie die Zitate im „Herrenzimmer“ sondern habe einfach mal das Gelesene mit Erlebtem verbunden. Für mich hatte das ganze erst mal nichts mit irgendeiner parteipolitischen Präferenz zu tun.

        Aber klar, wer sucht der findet.
        Parallelen und die unausweichlichen Rechtfertigungen für alles was irgendwie die eigene Peergroup besser dastehen lässt.
        Ob man nun Verständnis für einen Konzertabbruch zeigt (hätte ich auf gar keinen Fall gehabt und ich wäre einer verbalen Auseinandersetzung mit denen, die mir meinen Konzertabend versaut hätten, wohl nicht aus dem Weg gegangen)
        oder wie Llarian für die Gaffer die sich an brennenden Flüchtlingsunterkünften erfreuen oder die Pegidisten mit ihren Nazi-Parolen.

        Es stimmt, unsere Regierung, das skandalöse Interview mit Altmaier (super Artikel von Andreas Döding), links und rechts polarisieren zur Zeit ungemein.
        Und ich will nicht in Richtung „rechts“ andere Maßstäbe ansetzen, als in Richtung „links“.

        Viele Grüße
        Erling

        • nachdenken_schmerzt_nicht sagt:

          Lieber Erling,

          mir ging es eigentich nur um Ihre letzte Formulierung, die da lautete:“…mit “sprich gefälligst deutsch” niedergebrüllt worden…“

          Für mich malte dies Formulierung ein Bild in einem bestimmten Kontext, das ich so nicht unbedingt sehen kann und welches mir persönlich etwas zu viel Emotion transportierte.

          Das ist auch schon alles.

          Wie sie selbst eben formulierten, kann sich dieser Tage fast niemand mehr der Emotion entziehen. Das irritiert und beunruhigt mich insbesondere bei den Menschen, die mir immer ein Anker der Sachlichkeit, ein wertvoller Spiegel und ein Halt waren, wenn an mir selbst die (negativen) Emotionen zu sehr zerrten.

          Das ist jetzt möglicherweise ein sehr eigenwillige Analyse, aber ich glaube das Problem ist weniger politische Lagerbildung als die immer weiter sinkende Bereitschaft verstehen zu wollen, was der andere sagt, ohne die eigenen Schablonen anzulegen.

          Und was mich persönlich fast am meisten trifft, ist meine Wahrnehmung einer immer weiter sinkenden Zuversicht bei eigentlich jedem, auch bei Ihnen, wo ich diese Wahrnehmung bisher nie kannte. Auch wenn diese sinkende Zuversicht die unterschiedlichsten Gründe haben kann, mag der Kern dafür überall derselbe sein.

          Herzlich

          nachdenken_schmerzt_nicht

          • erlingplaethe sagt:

            Ja, „niedergebrüllt“ ist eine Formulierung die der massiven Störung (also alles was zum Abbruch führte) bei einem Besuch an einem Veranstaltungsort für Liebhaber der Harmonie und des Klangerlebnisses, Rechnung tragen sollte. Ich gehe in eine Philharmonie, weil dort der Klang so exzellent ist, dass er auch meinen High End Verstärker daheim übertrifft.
            Wäre dies nicht der Fall, könnte ich zu Hause bleiben, wenn ich in Ruhe Musik hören möchte.
            Jedes Rufen, jede Verursachung von Geräuschen kommt einem plötzlich unscharfen Bild bei einer Filmvorführung in einem IMAX gleich.
            Es gibt eigentlich keinen anderen Grund in eine Philharmonie zu gehen, als den des Genusses von Klängen in einzigartiger Reinheit und Qualität.
            Wiederholte Störungen, welcher Art auch immer, sind nicht zu vergleichen mit denen bei einem Konzert elektronisch verstärkter Musik wo man sich auch mal laut unterhält.

            Wenn also irgendwo Ruhe angezeigt ist, auch aus Rücksicht auf andere Gäste (Stichwort Sozialverhalten), dann dort.
            Und darum halte ich die Übertreibung „niederbrüllen“ in diesem Kontext für angemessen. Ganz polemisch und auch sachlich genug, wie ich meine.

            Ich habe unsere Konversationen immer geschätzt und, wie gesagt, tue dies bis heute. Wir haben uns über Gefühle im Allgemeinen und Angst im Besonderen unterhalten. Um klarzustellen, dass auch mir Gefühle nicht fremd sind, gab ich welche preis. Meine Sachlichkeit habe ich keineswegs aus den Augen verloren. Die praktiziere ich nach wie vor im Netz, wie auch in der realen Welt.

            Allerdings stieg schon immer meine Bereitschaft bei Diskussionen mit antiliberaler Themensetzung mehr Schärfe hinzuzugeben (so bei der um die AfD-Ultima Ratio beim Grenzschutz).
            Trotz meines Eintretens für die Meinungs- und Versammlungsfreiheit für die AfD bin ich ein entschiedener Gegner dieser Partei.
            Mein politisches Umfeld im Netz war und ist nicht erst seit dem mich Zettel willkommen hieß, liberal-konservativ. Dieses Umfeld ist nun im Umbruch begriffen. National-konservative Perspektiven verdrängen zunehmend m.E. die liberal-konservativen.
            Dadurch gibt es immer öfter Themen die polarisierend auf mich wirken in dem Sinn, dass ich zwar z.B. die Willkommenskulturalisten und die Leitkulturalisten verstehe, aber weder der einen noch der anderen Ansicht bin (bis auf wenige einzelne Punkte).

            Und schon gar nicht sehe ich die Möglichkeit eines Ausgleichs. Hier liegt der Grund für meine mangelnde Zuversicht.
            Das heißt aber nicht, dass ich die Zukunft so schwarz sehe wie sie auf dem Blog gesehen wird, für den Sie schreiben und ich mal schrieb.
            Und schon gar nicht liegt meine große Hoffnung in einer handfesten Regierungskrise.
            Soweit wird es auch nicht kommen, das kann ich Ihnen versichern, lieber n_s_n.
            Nach meinem Verständnis werden Regierungen in einer Demokratie nicht gestürzt, sondern durch Parlamentarier abgewählt.


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