Erfolglose Meinungsmache

Eben brachte die ARD einen „Brennpunkt“ zum Versuch von Migranten, die Grenze nach Mazedonien zu stürmen.

Der vom Moderator eingeschlagene Ton ließ keine Zweifel aufkommen, was die Botschaft dieser Sendung sein sollte: Etwas ganz Schlimmes ist passiert. Die bösen Mazedonier haben Gewalt gegen arme, hilflose Flüchtlinge angewendet. Ein wörtliches Zitat (aus dem Gedächtnis): „Schwerbewaffnete Polizeikräfte gegen Frauen und Kinder!“.

Doch da waren auch die Bilder. Und so sehr sich die Stimme aus dem Off auch bemühte, das zu Sehende mit der Situation der Migranten zu rechtfertigen, was man sah, war: Junge Männer, die mit wutverzerrten Gesichtern und unter Zuhilfenahme diverser Gegenstände versuchten, den Grenzübertritt zu erzwingen.Der Grenzzaun sollte zum Einsturz gebracht werden, und die Männer rückten, nachdem sie es geschafft hatten, ein Tor zu öffnen, gegen die dahinter postierte Polizeikette vor.

Das alles konnte man auch anders interpretieren als es der Moderator tat. Man konnte hier auch Menschen sehen, die mit allen Mitteln versuchen, ihr Ziel zu erreichen und dabei auch vor Gewalt nicht zurückschrecken. Und die – dass vom Tränengas der mazedonischen Polizei auch Frauen und Kinder betroffen waren, wurde im „Brennpunkt“ ständig wiederholt – auch Frauen und Kinder nach vorne ins Getümmel schieben, um sie als menschliche Schutzschilde zu verwenden. Und man konnte sich auch fragen, zu welchen Mitteln diese Menschen denn greifen würden, wenn die Versprechungen, die man ihnen machte, z.B. in Deutschland nicht erfüllt werden.

Der Moderator allerdings war entsetzt ob der Tatsache, dass dort Menschen das Grundrecht verwehrt wurde, sich ein Land ihrer Wahl als Lebensmittelpunkt auszusuchen, und dass Polizei es wagen kann, ihren Auftrag auch dann auszuführen, wenn Flüchtlinge mit sie mit Gewalt daran hindern wollen.

Er schaute allerdings etwas ungläubig und säuerlich drein, als praktisch alle seine Interviewpartner die Lage nicht so dramatisch sehen wollten wie er. Die österreichische Innenministerin wiederholte die Gründe, die zur Haltung ihres Landes führten, der Reporter an der mazedonischen Grenze berichtete von einer ruhigen Lage und davon, dass die Verletzten, von denen vorher die Rede war, alle nur leicht verletzt waren. Und aus Brüssel vernahm der Moderator, dass man dort nicht etwa, wie von ihm offenbar vorausgesetzt, von einer Sekunde auf die andere alle Forderungen Merkels erfüllte, sondern mit solchen Szenen wie an der Grenze nach Mazedonien gerechnet hatte.

Was alles insgesamt für die werwöhlfsche These spricht, dass die wahrgenommene Propaganda der Überzeugung einzelner Journalisten entspricht und nicht von Sendern zentral gesteuert wird.

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One Comment on “Erfolglose Meinungsmache”

  1. Paul sagt:

    Mir kam das alles vor wie die Propaganda eines Karl Eduard von Schnitzler aus der DDR. Der Vorteil damals: Er kam zu einer bestimmten Sendezeit, auf einem ganz bestimmten Sendeplatz.
    Das ist jetzt anders. Diese Propaganda ist diffus verteilt auf verschiedenen Sendeplätzen und kommt mehrmals am Tage. Gerne auch die gleichen Reportageschnipsel immer wieder. Diese Propaganda wird leider nicht ohne Wirkung auf die breite Masse der Bevölkerung bleiben.

    Herzlich, Paul


Platz für Senf.

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