Umfragen-Verarsche

Nehmen wir diese Meldung auf SPON:

“ Forsa-Umfrage: Deutsche beklagen Überpräsenz der AfD in den Medien“

Gut, rein von der Wortbedeutung ist diese Aussage schon richtig, wenn Forsa auch nur zwei Deutsche finden konnten, denen die AfD zu viel in den Medien vorkommt. Aber im Zusammenhang mit einer Umfrage wird hier suggeriert, die Mehrheit sehe das so.

Im Text:

Einer Umfrage zufolge ist eine große Zahl der Deutschen der Meinung, dass die Medien zu viel über die AfD berichten – und zu wenig über Nichtwähler. Wie aus der Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag der „Frankfurter Neuen Presse“ hervorgeht, denken rund 40 Prozent der Befragten, dass der rechtspopulistischen Partei zu viel Beachtung geschenkt wird.

„Eine große Zahl“: Das wird nicht definiert. Aber angesichts der Tatsache, dass die AfD bundesweit laut Umfragen nur um die 10% Wählerstimmen bekommen könnte, ließe sich das als Vermutung wahrscheinlich auch so ganz gut voraussetzen. Man könnte also erwarten, dass ca. 90% der Befragten gerne mit weniger AfD-Präsenz in den Medien leben würden. Aber das sieht dann doch anders aus: Nur „rund 40 Prozent“ sehen das so. „Eine große Zahl“, nun gut. Aber es ist wirklich auffällig, dass noch nirgendwo von „Mehrheit“ die Rede war. Und das nicht ohne Grund:

Nur 17 Prozent sagten, es werde zu wenig über die AfD berichtet, darunter seien laut Forsa-Chef Manfred Güllner überwiegend AfD-Anhänger. 36 Prozent halten den Umfang der Berichterstattung für „gerade richtig“.

Mit den 17%, die für „zu wenig“ votierten, und den 36%, die „gerade richtig“ befürworteten, kommen wir auf 53% der Befragten, die eben nicht der Meinung waren, über die AfD werde zu viel berichtet. Und das sind – allerdings ungegendert – deutlich mehr als 40%.

Warum Sie das selbst ausrechnen müssen, erfahren wir nicht. Es scheint von den Autoren des Artikels vielleicht als Glücksfall angesehen zu werden, dass die Prozentzahlen dieser beiden Gruppen einzeln jeweils unter den genannten 40% der AfD-Genervten liegen. Wohl aber stellen wir fest, dass mit dem Artikel ein Eindruck erweckt werden soll, der den Ergebnissen der Umfrage widerspricht. Denn wo sonst ist es üblich, dass über die Minderheitsmeinung nicht explizit als solche berichtet wird, sondern ausschließlich in einer Form, die einen glauben lassen kann, die Meinung der Minderheit könne als Ergebnis der Umfrage betrachtet werden?

Wir brauchen hier nicht über Lügen zu reden. Aber dass Sie verarscht werden sollen, das ist offensichtlich.

P.S.: Dem Werwohlf ist es so schnurz wie piepe, wie viel über die AfD berichtet wird oder über irgendwas anderes. Er würde nur gerne erleben, dass die Dinge, über die man tatsächlich berichtet, nicht verzerrt dargestellt werden.

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One Comment on “Umfragen-Verarsche”

  1. Da Wolf sagt:

    90% würden die AfD nicht wählen, wobei wahrscheinlich die Hälfte davon sowieso kein Interesse an Politik haben … die lesen sowieso keine Zeitung oder ignorieren es


Platz für Senf.

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