Mal was anderes – Manjaro Linux

Ja, schwerpunktmäßig geht es auf diesem Blog um Politik. Aber zwischendurch auch mal nicht. So wie jetzt.

Ich bin, seitdem es Linux-Desktops gibt, eingefleischter KDE-Fan. Vielleicht ist da sogar ein Stück rechtsradikaler, pegidanischer Patriotismus dabei, denn die Idee für KDE kam von einem Deutschen, und eine ursprünglich deutsche Distribution (SuSe) gilt bisher sozusagen als Referenz für KDE-Desktops. Bei den anderen, größeren Distributionen wird KDE eher stiefmütterlich behandelt, so in der Ubuntu-Familie, wo Kubuntu zuerst vom Status einer offiziellen Variante zu der einer der Community herabgestuft wurde und jetzt offenichtlich Probleme hat, engagierte Programmierer zu finden, und so auch bei dem vom Werwohlf jüngst in Form von Korora präferierten Fedora, wo die Qualität des KDE-Spins mit jeder Ausgabe nachließ. Hinzu kam, dass mein geliebtes Korora lange auf die nötigen Updates bei RPMFusion warten musste, bis es den nächsten Releasewechsel von Fedora nachvollziehen konnte. 

Also mal wieder Zeit, die Distribution zu wechseln[1]. Aber welche nehmen? SuSe kam irgendwie nicht in Frage. Wegen alter, wenig erbaulicher Erfahrungen, vielleicht auch wegen YAST, und auch, weil da irgendwie alles im Umbau zu sein scheint. Letztlich führte an Arch somit kein Weg vorbei. Die Frage war nur: in welcher Form? Das mühsame Installieren von Grund auf? Nein, danke, l’art pour l’art hat man bei Linux eh schon genug, das muss man nicht auch noch bewusst suchen. Auch die verfügbaren Installer schienen da keine sinnvolle Alternative zu sein. Dann lief es also auf die Abkömmlinge hinaus: Antergos oder Manjaro? Die letzte Bauchentscheidung fiel zugunsten von Manjaro, auch in der Hoffnung, von allzu frischen Updates vielleicht verschont zu bleiben, weil Manjaro im Gegensatz zu Antergos die Updates von Arch ja nicht automatisch übernimmt. 

Die Installation verlief problemlos. ISO runtergeladen, auf USB-Stick gezogen, neuen Rechner gestartet, installiert. Aber da kam schon das erste Problem: Der Standard-Kernel der aktuellen Manjaro-Ausgabe war ein 4.1er, und um dort die Grafikausgabe meines Skylake-Prozessors zu aktivieren, musste ein Boot-Parameter angegeben und eingetragen werden. Ein Anfänger hätte hier vermutlich schon aufgehört, aber für Anfänger sind Linux-Desktops eh nichts. Leider nicht. Das Schöne an Manjaro ist allerdings, dass es auch aktuelle Kernel anbietet, deren Installation im Wiki gut beschrieben ist. So wählte ich letztlich einen 4.4er (zunächst nur als Beta), bei dem die Angabe des Parameters entfallen konnte und auch andere Probleme (wie Aktivierung nach Bildschirmschonung) nicht auftraten. Perfekt wurde die Grafik allerdings erst, als ich bei allen Programmen zum Abspielen von Videos eine andere Quelle als „xv“ (also in meinem Fall z.B. „opengl“ oder „gl“) auswählte (über Konfigurationsdateien oder die „Options“). Auch daran wären Anfänger wohl gescheitert. Wie wohl auch manchen irritieren würde, dass trotz Auswahl der passenden Sprachpakete alle KDE-Programme überwiegend englischsprachige Menüs und Befehle anbieten, die ab und an mal mit Deutsch durchsetzt sind. Vermutlich ist das der Preis dafür, stets die neueste Software haben zu wollen. Auf jeden Fall muss hier und da am Anfang etwas Fehlendes nachinstalliert werden. Die Updates laufen dann ganz gut über pacman, yaourt oder auch das grafische Octopi.

Ein wenig Sorge machten mir meine Spezialbedürfnisse wie virtualbox oder moneyplex (inkl. ReinerSCT-Gerät). Aber im AUR von Arch, das auch Manjaro offen steht, findet man wirklich alles. Sorgfältiges Hinschauen, ob einem da nicht etwas untergejubelt wird, wird zwar vorausgesetzt, aber bisher het et noch immer jott jegange. 

Fazit: Auch Manjaro ist leider nichts für blutige Anfänger. Aber wer sich ein wenig in Linux auskennt und auch mal die Kommandozeile heranzieht, der kann sich damit eine Arbeitsumgebung schaffen, mit der sich alle Aufgaben erfüllen lassen. Gerade als KDE-Fan sollte man entweder auf ein altes, stabiles Release zurückgreifen (auch dafür gibt es Distributionen) oder auf das Neueste vom Neuen wie eben bei Arch und seinen Abkömmlingen, denn alles dazwischen ist fast sicher unrund.  Hinzu kommt das Versprechen des Rolling Release, dass man allein durch Aktualisieren immer auf dem neuesten Stand bleiben kann, ohne irgendwann ein neues Release installieren zu müssen. Schaun mer mal.

[1] Passte zum Zusammenbau eines neuen Rechners nach c’t-Bauvorschlag. Falls jemand eine Stellungnahe zu Windows vermisst: Das läuft bei mir in der virtualbox sowie auf einem Notebook und wird fast ausschließlich beruflich genutzt. Excel ist eine geile Software, und Access hilft mir in vielen Situationen. Aber privat passt Linux einfach perfekt. Abgesehen davon, dass mir die Beschäftigung damit viel Verständnis für Computer generell verschafft hat.

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