Einfach, oder?

Wenn der Werwohlf sich politisch äußert, dann als Bürger wie jeder andere. Gut, vielleicht noch als einer, der von Wirtschaft mehr Ahnung hat als die meisten. Aber wenn es darum geht, was in Unternehmen so abgeht, beansprucht er noch mehr Expertise für sich. Insbesondere nervt es ihn, wenn Kommentare wie dieser hier bei der FAZ erscheinen: „Martin statt Professor“.

Da steht manches Richtiges, aber auch viel Falsches drin. 

Angefangen beim Thema, wie man den Chef nennt: Der Werwohlf hat schon viele Deppen gesehen, die mit dem Vornamen angesprochen wurden, und viele Bringer, die man mit dem Titel anredete. Das ist nun wirklich kein Kriterium. Dabei ist es ganz einfach. Man braucht nur 2 Regeln zu beachten, und das eigene Unternehmen wird sein Maximum errreichen. 

  1. Stelle keine Arschlöcher ein.
  2. Bemühe dich nicht zu „führen“, sondern kommuniziere einfach.

Mehr braucht man nicht. Dann flutscht es so gut, wie es nur flutschen kann. Wenn man das richtige Team beisammen hat, wird es das Beste für die Gesamtheit tun. Und ja, das Hauptproblem ist, keine Arschlöcher einzustellen. Wobei es schon hilft zu wissen, wo man zu suchen hat und wo nicht. Also bei den Typen, die so ziemlich alle Vorgaben erfüllen, die man aktuell an Lebensläufe stellt, eher nicht. Die funktionieren nur nach Vorgaben. Suchen Sie stattdessen nach denen, die irgendwas Verrücktes gemacht haben. Etwas eigenes. Und dannn trotzdem zu Ihnen in die Firma kommen wollen. Und achten Sie vor allem auf eins: Dass Ihre neuen Mitarbeiter Humor haben. Humor zeugt von innerer Distanz, und nur wer innere Distanz hat, kann Neues denken und verwirklichen. Und bringt genügend Neugier und Toleranz mit, auf die Ideen anderer einzugehen.

Wenn Sie diese Typen beisammen haben, dann sollten Sie alles, was Sie in irgendwelchen Schulungen über „Führung“ gelernt haben, in die Tonne treten. Seien Sie einfach ehrlich, und schildern Sie Ihrem Team die Lage, wie sie sich jederzeit darstellt. Ihre Top-Truppe wird schon richtig reagieren. Und vor allem: Sie wird Ihre Ehrlichkeit erwidern und Sie stets auf dem Laufenden halten. Aber ohne, dass Sie ständig eingreifen müssten. 

Vielleicht eins noch: Wenn Ihr Team mal wieder Top-Leistungen abgerufen hat, reden Sie nicht von sich selbst, sondern loben Sie die wahren Helden. Ja, viele Führungskräfte fürchten, die Herausstellung ihrer Mitarbeiter schwäche ihre eigene Position, aber meistens ist genau das Gegenteil der Fall: Es fällt im Top-Management (zumindest im hinreichend guten) schon auf, wer da immer wieder gut funktionierende Teams hervorbringt, und wenn Sie den Ruf haben, dass man „unter Ihnen“ etwas werden kann, dann ist das alles andere als schädlich.

Einfach, oder?

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5 Kommentare on “Einfach, oder?”

  1. Paul sagt:

    Wie sagte meine Oma immer? „Das Einfache, das so schwer zu machen ist.“

  2. n_s_n sagt:

    Dass der Werwohlf ein kluges Tier ist, ist mir nichts neues, Trotzdem kann ich mich immer wieder daran erfreuen, wie er Wahrheiten wunderbar klar benennen kann.

    „Man braucht nur 2 Regeln zu beachten, und das eigene Unternehmen wird sein Maximum errreichen.

    1. Stelle keine Arschlöcher ein.
    2. Bemühe dich nicht zu “führen”, sondern kommuniziere einfach.“

    Nur einen Fall deckt dieser Ratschlag nicht ab: Ein Unternehmen bei dem die in 1, Beschriebenen bereits über Einstellungen entscheiden.

    Nun kann man und das meine ich ganz ehrlich, natürlich darüber streiten, ob dies überhaupt ein relevanter Fall ist. Ich kann lediglich empirisch feststellen, dass ich im höheren Managment selten Menschen finde, denen ich persönliche Sympathie entgegen zu bringen, in der Lage bin.

    Wenn man über ein strukturelles Problem der deutschen Industrie spricht (was der FAZ Artikel ja wohl tut), scheint mir, in übereinstimmung mit persönlichen Erfahrungen, auf der Hand zu liegen, dass dies daran liegen könnte, dass man die Nennung beim Vornamen für eine flache Hirachie hält, Vertrauen in Mitarbeiter und mittleres Management aber als Fürhungsschwäche ansieht.

    Auf den Punkt gebracht erscheint mir die Deutsche Industrie daher sowas wie ein „duzendes Milititär“ zu sein. Fühlt sich menschelnder an, hat aber die gleichen Schwächen.

    • Werwohlf sagt:

      Ich kann lediglich empirisch feststellen, dass ich im höheren Managment selten Menschen finde, denen ich persönliche Sympathie entgegen zu bringen, in der Lage bin.

      Geht mir auch so. Es liegt wohl in der Logik der jeweiligen Organisation. In nicht-inhabergeführten Unternehmen werden Eigenschaften wie Showmanship, an Selbstverliebtheit grenzende Selbstüberzeugung, Egoismus (muss aber nach außen getarnt sein), Machtwille, aber auch Hinteristigkeit und Skupellosigkeit in der Regel so sehr honoriert, dass Leute mit diesen Eigenschaften dort sehr schnell aufsteigen. Es gehört auch mehr dazu, aber das sind dann nun mal die Dinge, die anderen meist sehr negativ auffallen. In inhabergeführten Unternehmen haben solche Leute eher weniger Chancen, da dort keine anderen Götter erlaubt sind (meist noch nicht mal Halbgötter) und der Boss seinen Laden aus dem Effeff kennt. Dafür gehört die gut dosierte Schleimerzeugung dort zu den wichtigen Grundfähigkeiten.

      Meistens ist es das von den vermeintlichen Stars an der Spitze als überflüssige und störrische „Lehmschicht“ (oder „Lähmschicht“) geschmähte Mittelmanagement, das die großen, anonymen Organisationen überhaupt am Laufen hält, so ähnlich wie in der Armee das Unteroffizierkorps.

      Wenn dann mal tatsächlich der Vortänzer ein wirklich Guter ist, stehen einem solchen Unternehmen alle Türen offen. Ist aber leider selten.

  3. n_s_n sagt:

    „Eigenschaften wie Showmanship, an Selbstverliebtheit grenzende Selbstüberzeugung, Egoismus (muss aber nach außen getarnt sein), Machtwille, aber auch Hinterlistigkeit und Skupellosigkeit “

    Exakt diese Attribute geisterten bei der Formulierung meiner Antwort ebenfalls druch den Kopf. Da ich aber nur ungern allzu negativ über andere Menschen formuliere, wurde daraus kein Satz.

    Was immer man daraus schliesen mag, scheint unsere Wahrnehmung diesbezüglich sehr eng beisammen zu liegen.

    Für mich habe ich übrigens festgestellt, dass „Führung“ so garnicht meines ist. Egal unter welchen Prämissen. Dafür bin ich einfach nicht gemacht.

    • Werwohlf sagt:

      Da ich aber nur ungern allzu negativ über andere Menschen formuliere, wurde daraus kein Satz.

      Da ich keinen bestimmten Menschen damit meine, sondern eine Art Muster konstruiere, habe ich mit sowas kein Problem.

      Für mich habe ich übrigens festgestellt, dass “Führung” so garnicht meines ist. Egal unter welchen Prämissen. Dafür bin ich einfach nicht gemacht.

      Ich bin ja mal eine Weile auf dieser Schiene entlang gelaufen. Dann aber habe auch ich festgestellt, dass ich damit nichts anfangen kann. Ich bin weder blind, noch hilflos oder unmotiviert, mich muss keiner führen, und ich will im Beruf auch nichts mit Menschen zu tun haben, die in dem, für das sie eingestellt wurden, blind, hilflos oder unmotiviert agieren und die ich dann zu führen hätte.

      Wobei man sagen muss, dass das ganze Führungsgequatsche eine Form von Ausbeutung ist. Man steckt praktisch immer in der Mitte, bekommt Druck von oben und von unten, und versucht dann verzweifelt, durch eigenes Engagement die Gegensätze auszugleichen. Das trifft auch auf Vorstände und sogar ihre Vorsitzenden zu. Ganz oben landen dann aber eben Typen, die sich von der Illusion, etwas für das Unternehmen tun zu müssen, längst verabschiedet haben und auf die Maximierung ihres Eigennutzes setzen. Während man die Millionen einstreicht und die Annehmlichkeiten eines Obermackers genießt, kann mit dem Druck ganz gut leben.


Platz für Senf.

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