Ein paar Gedanken zu Weihnachten

Den Werwohlf trifft es hart, dass der BundesjustizPegidawarnminister Maas offensichtlich sein Blog nicht liest. Twitterte der doch fröhlich zu Heiligabend, es sei doch sehr bitter, wenn viele nicht einsehen würden, dass man jetzt den Geburtstag eines Flüchtlingskinds feierte. Hätte der Minister den werwöhlfischen Beitrag vom 23.12. gelesen, so wäre ihm das hoffentlich nicht passiert. Dennoch entblödete sich die übliche Claque natürlich wieder nicht, diesen Tweet zu „faven“ bzw. zu „liken“ oder begeistert zu „retweeten“. Allerdings gab es auch einigen Gegenwind von Leuten, die nicht nur gelernt haben, dass ein Blick ins Gesetz die Rechtsfindung, sondern dass auch ein Blick in das Neue Testament die Exegese erleichtert. 

Wie auch immer: Einen Link zum moralinsauren Fehlgriff (und der dachte wohl noch, Jesus und Flüchtlinge, da kann man nichts falsch machen) des SPD-Politikers gibt es diesmal leider nicht: Er hat seinen Tweet inzwischen gelöscht. Wahrscheinlich lag zu Hause in der Nähe des Weihnachtsbaums auch eine Bibel herum. Da dürfen mittlerweile ja sogar Katholiken hineinschauen.

Neues vom Papst, also nicht dem ollen Professor im Kloster, sondern vom neuen, dem theologisch befreienden Sponti: Er hat es sich nicht nehmen lassen, Konsum und Vergnügen zu geißeln. Und wieder auf die Armen und Bedürftigen hinzuweisen. Für so übersimpel ich die Gedanken des schlagkräftigen Armutsdemonstranten auch oft halte, die zu erwartende Kritik von liberaler Seite geht fehl, weil offensichtlich in einem Anfall christlicher Ahnungslosigkeit erfolgt. Denn natürlich sind Konsum und Vergnügen nicht per se falsch. Ich schätze mal, auch Franziskus würde das so nicht sagen. Aber es geht um Prioritäten. Oder, wenn man so will: Um das erste Gebot. Dass Menschen danach streben, ihre materiellen Lebensumstände zu verbessern, ist normal und verständlich. Ja, wenn sich der Papst für die Armen einsetzt, bedeutet das für diese natürlich auch mehr Konsum. Aber wie es aussieht, hat der Papst ja nicht den Konsum an sich gegeißelt, sondern eine Gesellschaft, die sich allein nach diesem ausrichtet, deren hauptsächliches Ziel er geworden ist. Was für einen Christen, der bescheidenen werwöhlfischen Interpretation nach jedenfalls, im Grunde selbstverständlich sein sollte. Eine Gesellschaft, in der Liebe und Barmherzigkeit unter der Last von Einkaufswagen zusammenbrechen, kann keine christliche sein. Es verwundert wirklich, warum sich so viele Liberale davon auf den Schlips getreten fühlen, denn so eine Gesellschaft dürfte auch nicht dem entsprechen, was sie sich als Ergebnis wünschen. So lange der Papst seine Appelle an jedes einzelne Mitglied seiner Kirche richtet, oder auch an jeden Christen oder jeden Menschen überhaupt, so lange sollte es auch für Liberale daran nur wenig zu motzen geben. Problematisch wird auch dieser Papst immer dann, wenn er meint, Politik machen zu müssen. 

Auf Welt.de kann man heute in der Rubrik „Fuhrs Woche“ einen merkwürdigen Text lesen. Sein Titel lautet: „AfD-Anhänger, warum wollt ihr das Rad neu erfinden?“, und der Autor Eckhard Fuhr befasst sich darin mit dem für ihn unverständlichen Wunsch kluger, älterer Journalisten wie Konrad Adam, eine neue Partei zu gründen. Wo doch bereits die im Bundestag vertretenen anständigen Parteien (ausdrücklich die SED mit eingeschlossen – der Werwohlf muss die Definition von Anstand nochmal nachlesen) zum „allergrößten Teil aus hochanständigen, fleißigen Leuten [besteht], die ziemlich professionell daran arbeiten, dass Deutschland im Glanze seines unwahrscheinlichen Glücks blühen kann.“ Lieb Vaterland, magst ruhig sein, fest steht und treu die Wacht am Rhein an der Spree! – ist das jetzt etwa das neue Leitbild des einstigen „Springer“-Flagschiffs? Und dann wird es richtig weihnachtlich schön:

Am Ende des wahrlich nicht leichten Jahres 2015 will ich also ein Loblied auf die Altparteien singen, auf diese große Koalition vernünftiger Leute, in deren Händen das politische Geschick meines Landes liegt.
Angela Merkel verkörpert dieses überparteiliche Parteiensystem. Sie ist im Hauptberuf Bundeskanzlerin und im Nebenberuf CDU-Vorsitzende. So gehört sich das. Das gibt ihr die Souveränität, Entscheidungen zu treffen, die im Parteiengetriebe niemals möglich wären. Zum Beispiel die Grenzen für Flüchtlinge zu öffnen, was aus vielerlei Gründen nötig war. Deutschland wächst an dieser Entscheidung.

Wie weit ist es von da bis zur „Schwatzbude“ der Weimarer Republik? Der Deutsche, auch und gerade der deutsche Journalist hat für politischen Zank keine Ader. Da gehen mutige Männer (oder eben Frauen) voran und machen Geschichte. Und das Volk steht treu und fest an ihrer Seite. auf dass es wachse und der Welt Erleuchtung bringe. Wo soll da noch der Sinn darin bestehen, politische Alternativen zu entwickeln, wenn es sich doch so schön auf CDU-Parteitagen kaderklatschen lässt? Wenn dieses dann doch mal irgendwann versiegen sollte, wird vielleicht auch Merkel rufen: „Ich liebe doch alle Menschen!“ Und wir kennen jetzt schon einen, der dabei heftig nicken wird.

Andererseits: Es besteht noch die leise Hoffnung, dass Fuhr, dieser alte Fuchs, seine Leser hier kräftig durch den Kakao zieht und dieser Text eine geniale Satire ist. Für diesen Preis würde sogar der Werwohlf gerne zugeben, sich veralbern haben zu lassen. 

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