Nochmal was Politisches (leider wieder AfD)

So gegen Abschluss des „offiziellen“ Jahres – die Festtage und die Tage „zwischen den Jahren“ zählen ja nicht – passt noch mal was Politisches. Und es betrifft wieder die AfD. Als ehemaliges Mitglied hätte der Werwohlf sowohl etwas Innensicht beizutragen als auch aufzuzeigen, warum die eigentliche Gefahr für die Demokratie eher nicht bei der AfD liegt. 

Kommen wir zu ersterem. Die Konflikte zwischen Petry/Meuthen und Häcke/Gauland & Co. sind nicht mehr zu übersehen. Auch Mitgründer Konrad Adam schaltet sich da jetzt ein. Dazu wäre aus werwöhlfischer Sicht u.a. das Erlebnis des Essener Parteitags beizutragen, als dessen Folge Lucke und Anhänger (und der Werwohlf) aus der AfD austraten. 

Erstens tat sich Adam auf dem Parteitag selbst als Scharfmacher hervor. 

Mag er hinterher auch den Umgang mit Lucke kritisiert haben, den frenetischen Beifall des rechten Mobs und die Lucke geltenden Zwischen- und Buhrufe während seinen Reden genoss er, ohne auch nur die Andeutung von Widerwillen zu zeigen. Des Werwohlfs Diagnose ist da klar. Adam ist ein gefallsüchtiger Typ ohne politische Relevanz, der seine eigene Rolle dramatisch überschätzte. Nachdem er auf dem Parteitag die Pflicht eines nützlichen Idioten getan hatte, wurde er abserviert. Und war darüber auch noch überrascht. Wie man auf Parteitagen Mehrheiten organisiert, beherrschten die Pretzells und Höckes nun mal deutlich besser. Und er war nicht ihr Mann, nur ihr Werkzeug. 

Zweitens musste jedem klar sein, dass Petry, die nach Einschätzung vieler inhaltlich von Lucke gar nicht so viel trennte, einen faustischen Pakt geschlossen hatte. Die Höckeschen Truppen beherrschten eindeutig den Parteitag und sicherten ihr den Sieg über den Parteigründer. Um ihren Sprung an die Spitze der Partei sicherzustellen, beendete Petry den Widerstand gegen die ersten Abdriftungen Richtung Republikaner, „Freiheit“ und NPD und stellte sich zur Verfügung – ihrer Absicht nach als ausgleichende Kraft, der Absicht ihrer Steigbügelhalter nach als Feigenblatt, das die gar nicht so „völkisch“ denkenden Kräfte in der Partei halten sollte. Nicht anders ist auch die Wahl von Jörg Meuthen zu ihrem Stellvertreter zu erklären. Durchsetzen können sich die beiden im Vorstand nicht, wie sich jetzt zeigte und was keinen, der die Wahlergebnisse des Essener Parteitags aufmerksam zur Kenntnis nahm, verwundern kann. Der rechtsextreme Flügel der AfD sah bislang die Zeit noch nicht gekommen, ganz schamlos an die Spitze zu treten, zumal gegen die NRW-Truppen des Petry-Lebensgefährten Pretzell auf Bundesebene nur schwer anzukämpfen ist. Aber sie wissen, dass sie bei der Parteibasis auf Sympathien in Ost und West stoßen.

Liegt das nun daran, dass in der AfD so viele Rechtsextreme sind? Nicht zwingend. Nach des Werwohlfs unrepräsentativen Erlebnissen könnte es auch daran liegen, dass in der AfD so viele Kurzdenker sind. Das typische AfD-Mitglied kennt vor allem einen Feind: den Mainstream. Darunter fallen „Lügenpresse“, aber auch die kartellähnlich auftretenden Bundestagsparteien, die europäische Harmonisierung und der zunehmende kulturelle amerikanische Einfluss. Dem Werwohlf liegt es fern, eine solche Kritik in Bausch und Bogen zu verdammen, denn sie hat durchaus einen wahren Kern, auch wenn er sich nicht gar so simpel erklären lässt. Aber beim typischen AfD-Mitglied ist diese Kritik zu einem harten Schwarz-Weiß-Bild verkrustet, so dass es sich gezwungen sieht, alle Fakten und Personen, die dieses Bild u.U. beeinträchtigen könnten, ideologisch dem Feind zuzuordnen. Während es alles, was das eigene Bild bestätigt, unkritisch als Freund bejubelt[1]. Das heißt aber nicht, dass Sie auf zig Menschen mit einem geschlossenen Weltbild treffen. In den Details sind die alle z.T. meilenweit entfernt. Sie sind sich aber alle einig, dass „dieses System“ irgendwie krank ist und von diversen Übeltätern zum Schaden des Volkes gesteuert wird. Da mag man auch so eigenartiges Zeug schwafeln wie jüngst der Höcke – dass er vom Mainstream deswegen attackiert wird, reicht völlig aus, hinter ihm die Reihen zu schließen, auch wenn man dessen Gelaber weder verstanden noch verinnerlicht hat. Hinter allem wittert man den spalterischen Feind – und deswegen wird dann auch Adam von seinem eigenen Verband gerügt, weil er es gewagt hat, Höcke zu kritisieren. 

Gauland[2] hatte völlig Recht: Es ist die Flüchtlingskrise, die dem Auslaufmodell AfD wieder politische Relevanz verschafft hat. Allerdings nicht, wie das linke Märchen geht, weil die CSU zaghaft und folgenlos Kritik äußerte, sondern weil diejenigen, die der deutschen Politik in dieser Frage kritisch gegenüberstehen und das Thema für wichtig genug halten, in der AfD die bisland einzige Möglichkeit sehen, ihrem Willen an der Wahlurne Geltung zu verschaffen, ohne sich auf die NS-Ideologie einzulassen. 

Was natürlich nicht sein darf. Jedenfalls nicht nach Ansicht aller anständigen Bürger. So wird es uns auf allen Kanzeln und Kanälen mittlerweise gepredigt. Die AfD, das sind die Bösen. Die darf, ja die muss man auf allen Ebenen des öffentlichen Lebens ausgrenzen. Bei der NPD hat man das schon durchexerziert, ohne das es Kritik gab (wer will schon als NPD-Sympathisant auftreten?). Warum also bei der AfD zögern? Wehret den Anfängen!  Notfalls hilft man mit ein wenig Gewaltandrohung gegenüber Uneinsichtigen nach. Wenn es um die Werte geht, kann das Recht schließlich nur an zweiter Stelle in Betracht kommen, oder?

Da haben dann auch endlich Bremerhavener Gymnasiasten die Zeichen der Zeit erkannt und sich mutig in die Bresche geworfen gegen die Machtergreifung durch drohende 5% der AfD. Und nun soll es auch wieder nicht recht sein? Unverständlich. Es könnte ja Schlimmeres als eine gefälschte Wahl geben, z.B. dass Stimmen an eine Partei gehen, die man in den herrschenden Kreisen nicht mag. Nein, das ist keine rhetorische Überspitzung des Werwohlfs, sondern offen propagierte Meinung deutscher Volksvertreter von Regierungsfraktionen. 

Nun ist der Werwohlf ein Tier aus dem Westen. Was aber mögen wohl all seine Freunde aus der ehemaligen DDR denken, wenn sie dieses bundesdeutsche Demokratiemodell „live in action“ erleben? Dass man sich hier nur mehr Mühe gibt, den demokratischen Schein zu waren? Wenn, scheint man auch das mittlerweile für entbehrlich zu halten. Den Zuwanderern braucht man das übrigens nicht groß in Kursen zu erklären. Die sind das gewohnt.

[1] Eine solche Denke gibt es übrigens auch bei Linken, aber die ist dann vom Mainstream so sehr gar nicht mehr entfernt, was die Sache noch komplizierter macht.
[2] A propos Gauland: Lange rätselte der Werwohlf, warum „Welt“-Journalist Lachmann jede Gelegenheit nutzte, Bernd Lucke in einem schlechten Licht dazustellen. Jetzt weiß er: Gauland hat einen eigenen Pressesprecher

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