Frohe Weihnachten!

Liebe Leser dieses Blogs – ja, euch beide, euch meine ich -, 

die Weihnachtsfeiertage stehen kurz bevor, und vernünftigerweise verbringt ihr diese Zeit nicht vor dem Rechner, sondern im Kreis eurer Liebsten. Oder ihr fahrt irgendwo hin, wo ihr euch entspannt, ohne online zu gehen. Oder, um es ebenso kurz wie ehrlich zu sagen: Ihr nutzt nicht mehr eure Büros, um hier irgendwas mehr oder weniger Sinnvolles zu lesen. 

Das ist auch gut so.

Aber falls ihr es nicht lassen könntet, auch nach dem 23.12. hier nochmal vorbeizuschauen, soll euch hier auch etwas Weihnachtliches erwarten. Oder vielleicht eher etwas Weihnachtskritisches? Der Werwohlf mag Weihnachten eh nicht so sehr. Zu viel Konsum, zu viel Kitsch, zu viel Überfrachtung. Und für einen Christen sollte doch eigentlich die Ostergeschichte die weitaus Faszinierendere sein. Aber okay: Wenn Kinder da sind, gelten alle anderen Voraussetzungen nicht mehr. Sieht auch der Werwohlf ein. 

Jedenfalls dürftet ihr es, solltet ihr z.B. um diese Zeit eine Kirche aufsuchen, nur unter äußerst glücklichen Umständen vermeiden können, dass die christliche Weihnachtsgeschichte irgendwie auf die aktuelle Flüchtlingspolitik hingebogen wird. Den Tiefpunkt in dieser Richtung setzte erwartungsgemäß Tagesspiegel-Karikaturist Stuttman mit dieser Karikatur Der Tweet dazu wurde erwartungsgemäß dann auch von den üblichen Verdächtigen „retweetet“ und „gefavt“ („geliked“). Neben der Tatsache, dass angesichts der vielfachen Anschläge auf (zum Glück meist noch nicht bewohnte) Zuwandererheime in dieser Karikatur (wäre ich ein Linker, würde ich von „Hetz-Zeichnung“ reden) willkürlich Sachsen als einziges(?) Land der Übeltaten herausgegriffen wird, hat leider auch der Bezug den nicht unwesentlichen Nachteil, nicht zu stimmen. „Jesus war ein Flüchtling“ ist ein linkes Mem dieser Tage, aber wenn man es mit der Weihnachtsgeschichte in Verbindung bringt, liegt man daneben. Schauen wir uns den Text doch mal an:

Lukas 2
1 Zu jener Zeit ordnete Kaiser Augustus an, dass alle Menschen in seinem Reich gezählt und für die Steuer erfasst werden sollten. 2 Diese Zählung war die erste und wurde durchgeführt, als Quirinius Statthalter der Provinz Syrien war. 3 Und alle gingen hin, um sich einschreiben zu lassen, jeder in die Heimatstadt seiner Vorfahren. 4 Auch Josef machte sich auf den Weg. Aus Galiläa, aus der Stadt Nazaret, ging er nach Judäa in die Stadt Davids, nach Betlehem. Denn er stammte aus der Familie von König David. 5 Dorthin ging er, um sich einschreiben zu lassen, zusammen mit Maria, seiner Verlobten; die war schwanger. 6 Während sie dort waren, kam für Maria die Zeit der Entbindung. 7 Sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen, wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Futterkrippe im Stall. Denn in der Herberge hatten sie keinen Platz gefunden. 

Wir erleben hier zunächst die uns sehr bekannte Macht der Steuer. Die Staatsmacht in Person des damaligen Kaisers zwingt also die Familie Josefs, sich auf den Weg in die Heimatstadt seiner Vorfahren zu machen. Dort – wer in München beruflich zu tun hat, wird das Problem kennen – finden sie aber kein Hotel mehr und müssen mit einer eher armseligen Behausung vorlieb nehmen. Das ist die „Flüchtlings“-Story.

Also kein Krieg, kein Elend, nein – das aktuelle Staatsoberhaupt zwingt aus fiskalischen Erwägungen die Familie Josef, sich nach Bethlehem zu begeben. Also nicht etwa in ein weit entferntes Land zu fliehen, wo die Hoffnung auf Wohlstand besteht, sondern eher in die Gegenrichtung, nämlich zurück – zurück ins Land der Großeltern oder Urgroßeltern (die Mobilität schien damals noch nicht allzu sehr ausgeprägt gewesen zu sein). Und als Jude begegnete man da – Juden. Die vollständige Liste aller Parallelen zur aktuellen Massenmigration finden sie hier: Ende der Liste. Was sagt uns das über den Karikaturisten? Dass er jemand ist, der die Weihanchtsgeschichte zwar nicht kennt, aber sich nicht scheut, sie für ideologische Zwecke zu instrumentalisieren? Wäre jedenfalls eine naheliegende Vermutung. Die dann auch auf alle zuträfe, die ihm Beifall klatschten. 

Aber Moment, da war doch noch was mit Flucht? Stimmt. Allerdings in einem anderen Evangelium:

Matthäus 2
13 Nachdem die Sterndeuter wieder gegangen waren, erschien dem Josef im Traum der Engel des Herrn und sagte: »Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter und flieh nach Ägypten! Bleib dort, bis ich dir sage, dass du wieder zurückkommen kannst. Herodes wird nämlich das Kind suchen, weil er es umbringen will.« 14 Da stand Josef auf, mitten in der Nacht, nahm das Kind und seine Mutter und floh mit ihnen nach Ägypten. 15 Dort lebten sie bis zum Tod von Herodes. So sollte in Erfüllung gehen, was der Herr durch den Propheten angekündigt hatte: »Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen.«

Um dem Kindsmord des Herodes zu entgehen, fliehen die drei nach Ägypten. Das ist dann doch eine veritable Flüchtlingsgeschichte. Da haben wir die Parallele. Haken dran. Allerdings mit dem kleinen Stachel, dass nach Beendigung der Ursache sofort die Rückreise angetreten wurde. Und das, wo wir uns doch darauf vorbereiten sollen, dass unsere Zuwanderer gekommen sind, um zu bleiben. Sonst wären uns die Menschen ja nicht geschenkt, sondern nur geliehen. Aber es gibt da noch einen klitzekleinen Unterschied: Die Zahl der Zuwanderer betrug 3 (in Worten: drei). Es ist anzunehmen, dass dies auch nach ägyptischen Maßstäben eine Zuwanderung gewesen sein dürfte, die keinerlei Probleme verursachte, weder was die zu bereitstellenden Ressourcen anbelangte, noch das Zusammenleben mit den Einheimischen. 

Mit dieser Geschichte kann man also höchstens Strohmänner beeindrucken, die keinen einzigen Flüchtling in Deutschland haben wollen. Und weniger solche, die sich nach einer Million davon fragen, wie es weiter gehen soll…

Ihr zwei, ihr wisst, dass ich euch schätze. Ich will euer christliches Engagement gar nicht kleinreden. Es ist großartig, wie ihr euch einsetzt für jene, die sich auf den Weg hierher gemacht haben. Die können wirklich Hilfe gebrauchen, denn ihre Lage wird so bald so rosig nicht werden. Aber ihr wisst auch, dass es auf Dauer nicht gut gehen kann, wenn einige ihr Gewissen dadurch beruhigen, dass sie vor allem anderen die Konsequenzen aufhalsen. Und ihr schätzt es auch, wenn man eure Bemühungen nicht dadurch in den Dreck zieht, dass man sie mit idiotischen Bezügen als unvermeidlich hinstellt. Auch meines Wissens hat sich Jesus nicht als jemand hervorgetan, der die guten Taten delegierte oder ihre zwangsweise Durchsetzung einem Staat auferlegte. Auch eure Pfarrer können Unsinn reden. Auch da hätte Jesus bestimmt nicht widersprochen.

Also feiert dieses Fest, wie es eurer Ansicht nach gebührend zu feiern ist. Auch wenn es verkitscht und verkommerzialisiert ist – man kann individuell immer etwas daraus machen. Das wünsche ich euch und mir.

In diesem Sinne: Frohe Weihnachten!

Advertisements

4 Kommentare on “Frohe Weihnachten!”

  1. Paul sagt:

    Danke für die guten Wünsche, die ich ebenso gerne erwidere, werter Werwohlf.
    Mit Deinen „zwei Lesern“ kokettierst Du ein wenig. Du hast mehr, zumindest drei, nämlich mich noch dazu, weil ich in der Flüchtlingsfrage eine gänzlich andere Auffassung vertrete, als die zwei von Dir erwähnten.

    Bei uns in der Kirche wird regelmäßig für die auf dem Pfarrgebiet befindliche Suppenküche gesammelt. In diesem Jahr wird das Spendenaufkommen zwischen Suppenküche und Flüchtlingshilfe geteilt. Die Suppenküchennutzer wurden natürlich nicht gefragt, ob sie bereit sind zu teilen.
    Das hat mich aufgeregt und ich musste an mich halten, den Gottesdienst nicht mit einem Zwischenruf zu stören.
    Habe aber einem Kirchenvorstandsmitglied gegenüber mein Befremden geäußert. Darauf entgegnete er, dass der Pfarrer ursprünglich die Sammlung für die Suppenküche ausfallen lassen wollte, weil die Flüchtlinge die Hilfe dringender benötigen.

    Da könnte man vom Glauben abfallen.
    Wegen der menschlichen Schwäche eines Kirchenbediensteten werde ich das aber nicht tun. Bei Gelegenheit werde ich mit ihm darüber aber mal unterhalten.

    Übrigens, für mich sind die Feiertage keine blog- und politikfreien Tage. Als Rentner, notgedrungen den Haushalt alleine führen müssend, weil meine Frau das wegen Krankheit nicht mehr kann, sind die Feiertage auch nicht wirklich Feiertage, sondern Tage zusätzlicher Belastungen. Wenn die Feiertage vorbei sind, ist jeder Tag wirklich wieder ein Feiertag. 🙂

    Herzlich, Paul

    • Werwohlf sagt:

      Naja, so ganz anders, lieber Paul, sind deine Ansichten nun wieder auch nicht. Ich habe auch meinen beiden anderen Lesern nicht unterstellt, dass sie zugunsten ihres Einsatzes für Zuwanderer andere diakonische Projekte vernachlässigen. Für solche Konflikte gibt es m.E. nun wirklich keine allgemeingültige Regel außer dem eigenen Gewissen. Allerdings gibt es auch Theologen, die dann doch der Meinung sind, dass der „Nächste“ eben auch der „Nächste“ zu sein hat…

      Ja, vielleicht hätte ich auch an all die denken sollen, die über diese Tage wenig Grund zum Feiern haben, weil sie an irgendeiner Stelle voll eingespannt sind, So wie du z.B. Aber denen (und dir insbesondere) wünsche ich dann die Kraft, diese Herausforderungen zu meistern, und dass sie dafür möglichst bald mit Tagen belohnt werden, die sie dann zu ihren „Feier“tagen machen können.

      Frohe Weihnachten also trotzdem, lieber Paul!

    • n_s_n sagt:

      „Mit Deinen “zwei Lesern” kokettierst Du ein wenig.“

      Das siehst du falsch lieber Paul. Obschon ein kluges Tier, leidet der Werwohlf an einer Art Zahlenlegasthenie, bzw. Zählschwäche..

      Zum Kokettieren fehlt dem Werwohlf die dazu notwendige Eitelkeit.

      Übrigens hat der Werwohlf von „Lesern seines Blogs“ gesprochen, nicht von „seinen zwei Lesern“. Der Verzicht auf das Personalpronomen ist hier eine kleine aber wichtige Feinheit, wie sie der Werwohlf immer wieder gerne verwendet. Dafür mag ich ihn….

      … und verzeihe ihm auch als selbst Zahlenaffiner, dass er es mit ebendiesen nicht so hat.

      Er sieht mir dafür, so glaube ich, meine hier und da auftretende Rechtschreibschwäche nach.

  2. Barbara sagt:

    Also, es sind mindestens vier Leser. Ich gehöre auch noch dazu. Ich danke herzlich für die Klarstellungen zum Weihnachtsevangelium und möchte anmerken: Klar ist Ostern noch faszinierender als Weihnachten, aber wer nicht geboren wird, kann nicht sterben und auferstehen. Deshalb: Frohe Weihnachten!


Platz für Senf.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s