Misstraue den Medien, auch wenn sie Nachrichten bringen

„Als am 12. Dezember in Leipzig Neonazis demonstrierten, kam es dabei zu schweren Randalen, Krawallen und Ausschreitungen. 69 Polizisten wurden verletzt.“

So oder so ähnlich lautete die Meldung in diversen Medien, zumindest in Überschrift und Aufmacher. Daran ist gleich mehrerlei bemerkenswert. Erstens muss man mit Verblüffung zur Kenntnis nehmen, dass zwar AfD und Pegida immer „aufmarschieren“, aber ausgerechnet die umstandslos als „Neonazis“ bezeichnete Partei „Die Rechte“ nicht. Die demonstriert. Nun würde der Werwohlf es zwar vorziehen, wenn er sich die Meinung, dass es sich bei „Die Rechte“ um Neonazis handelt, selbst bilden dürfte (was nicht schwer fällt) und nicht von den Medien in der Berichterstattung aufgedrückt bekommen würde, aber nun gut, da gibt es krassere Fälle der Mischung von Meinung und Berichterstattung. 

Interessanter ist allerdings zweitens, dass die eigentlich Handelnden, nämlich die linksextreme „Antifa“, die in Leipzig als Teil ihrer Folklore Polizeiwachen anzugreifen pflegt, gar nicht erwähnt wird. 

Dem eiligen Leser wird so suggeriert, als seien die „Rechten“ nicht nur üble Neonazis, sondern auch noch so zahlreich und gut organisiert, dass sie in der Lage sind, sich in einer Stadt wie Leipzig derart gewalttätige Auseinandersetzungen mit der Polizei zu liefern, dass dabei eine doch recht hohe Zahl von Polizeibeamten verletzt wird. 

Steckt dahinter Absicht, Dummheit oder nur die stupide Übernahme von dpa-Texten? Immerhin, wenn man heute bei Google News danach sucht, schaffen es einige Medien dann dennoch, die eigentlichen Täter korrekt zu spezifizieren. Also vielleicht dominieren dann wirklich nur die letzten beiden Punkte. Aber was auch immer für derartige Berichte an der Grenze zur Falschmeldung verantwortlich sein mag: Selbst wenn man das „Lügenpresse“-Geschrei für verfehlt hält, sollten solche Fälle zu gehöriger Skepsis gegenüber Medien im Allgemeinen und sogenannten Qualitätsmedien im Besonderen Anlass geben. 

Des Werwohlfs Tipp: Misstrauen Sie allen Überschriften und Schlagzeilen. Nehmen Sie die aktuellen Nachrichten zur Kenntnis und merken Sie sich nur die Themen. Sollte eins davon Sie interessieren, lesen Sie die Informationen dazu am nächsten Tag (bei Holzmedien: am übernächsten Tag) nochmal nach, und zwar gründlich. Wenn Sie es schaffen, nutzen Sie auch ein Medium, das bekannterweise die Seite vertritt, die in der betreffenden Nachricht nicht besonders gut weg kam. Erstellen Sie dann ihr eigenes Bild von dem, was passiert sein könnte. Was Sie nur „aufschnappen“, ignorieren Sie besser. Ist es wichtig, wird Ihnen das Thema bald genug wieder begegnen, und dann können Sie sich immer noch die Zeit nehmen, sich genauer damit zu beschäftigen.

Und wenn jetzt einer sagte, das widerspräche aber allen Gewohnheiten, die mit dem Internet in Mode gekommen sind, dann hätte er damit leider Recht. 

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