Doch ein gewaltiger Unterschied

Na, da haben es uns die Relativierer aber wieder gezeigt. Sie zitierten Stellen aus der Bibel (vorzugsweise aus dem Buch Leviticus), und siehe da, sie ähnelten doch sehr berüchtigten Stellen aus dem Koran. Also haben die „Allahu akbar“ schreienden Terroristen nichts mit dem Islam zu tun. Oder irgendwie so.

Nun, da gibt es schon kleine Unterschiede. 

Zum einen wüsste der Werwohlf nicht, wo denn ernsthaft je in einer christlichen Gemeinde das Buch Leviticus als zu befolgendes Gebot gelehrt worden sei. Was nicht erstaunt, denn der „Neue Bund“, der nach christlichem Glauben durch Jesus Christus gestiftet wurde, löst eben genau den „Alten Bund“ ab, der die Juden mit ihrem Gott zusammen brachte. Und Christen glauben nicht an die Bibel, sondern an eine Person, nämlich eben diesen Jesus Christus. Dass die Bibel, und zwar in sämtlichen Teilen, das Werk menschlicher Autoren ist, darüber bestand im Christentum nie ein Zweifel, ja in der Regel werden diese Autoren sogar explizit genannt (ob es sich dann wirklich um historische Personen handelte, ist eine andere Frage). Nach christlicher Überzeugung transportiert die Bibel zwar Gottes Wort, aber sie ist mit diesem nicht identisch. Und Jesus, daraufhin befragt, äußerte sich sogar mal konkret, was er vom „Alten Bund“ behalten wollte, z.B. in Matthäus 19, 18-19:

»Welche Gebote?«, fragte der Mann. Jesus antwortete: »Du sollst nicht morden, nicht die Ehe brechen, nicht stehlen, nichts Unwahres über deinen Mitmenschen sagen; ehre deinen Vater und deine Mutter, und liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst!«

Sozusagen eine Kurzfassung der Zehn Gebote. Zum Umgang mit Glaubensabtrünnigen oder Schwulen äußerte Jesus sich nicht. Vermutlich, weil beides zu seiner Zeit im Judentum auch kein Thema war. Die Juden seiner Zeit hatten andere, dominierende Probleme aufgrund der römischen Besatzung. Dennoch spricht überhaupt nichts dafür, dass Jesus ein besonderer Fan detaillierter Anweisungen gewesen wäre. Im Gegenteil, er richtete seine ganze Mission danach aus, diese Denkweise zu überwinden. 

All das zusammengefasst, sollte es für einen Christen kein Problem sein, die gerne hervorgeholten üblen Passagen aus dem AT mit reinem Gewissen als für ihn irrelevant zu erklären, ohne den Ausschluss aus irgendeiner Kirchengemeinschaft zu riskieren. Und das im Grunde schon von Anfang an.

Beim Koran sieht das leider etwas anders aus. Das fängt schon mit dem Kontext an. Die Bibel besteht überwiegend aus Erzählungen mit mehr oder weniger überzeugender historischer Einordnung. Aber der Koran besteht nur aus Suren, die auch noch ausgerechnet ihrer Länge nach geordnet wurden, was einen Kontext erst mal unmöglich macht. Hinzu kommen noch die Probleme, die ich im Blogbeitrag „Was zum Islam und den Konsequenzen von Paris“ beschrieb, nämlich die offiziellen Interpretationsregeln, die wie folgt lauten: 

  1. Der Koran ist original Allahs unverfälschtes Wort. (Buchstabentreue)
  2. Sollten sich im Koran Widersprüche finden, haben jüngere Suren Vorrang vor älteren. (“Abrogation” oder: Hinterher ist man immer schlauer)
  3. Das Leben und Wirken des Propheten Mohammed sind beispielhaft für alle Muslime.

Das Christentum kennt (entsprechend umgemünzt) die ersten beiden Regeln nicht, würde aber natürlich jederzeit die dritte für Jesus Christus in Anspruch nehmen. Und die Unterschiede im Leben von Jesus Christuns und Mohammed sind nun mal eklatant.

Dass die meisten derer, die sich heute Christen nennen, ihre eigene Religion nicht kennen, ist schlimm genug. Dass aber ausgerechnet Medien, die doch eigentlich der Aufklärung verpflichtet sein sollten, dies ausnutzen, um eine andere Religion in ein unproblematischeres Licht zu rücken, sagt viel aus über das, was man tatsächlich leider als „Mainstream“ bezeichnen muss. 

P.S.: Selbst die Juden, die nun wirklich die eigentlichen Ansprechpartner der „üblen“ Verse des AT sind, haben sich von diesen mehr als überzeugend verabschiedet.

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3 Kommentare on “Doch ein gewaltiger Unterschied”

  1. Klaus sagt:

    Dass die meisten derer, die sich heute Christen nennen, ihre eigene Religion nicht kennen, ist schlimm genug.

    Richtig, die Leute sollten sich Zeit nehmen und z.B. dies lesen.


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