Unbequeme Grundsätze

Eine der faszinierenden Entdeckungen, die ein engagierter Beobachter des politischen Geschehens machen kann, ist, wie vermeintlich souverän Leute über makroökonomische Probleme diskutieren, ohne jemals überhaupt von den wichtigsten ökonomischen Prinzipien gehört, geschweige denn, sie verinnerlicht zu haben. Das sowieso, insbesondere für an der Diskussion um Mindestlöhne Interessierte, äußerst lesenswerte Blog „Café Hayek„, das (fast möchte man sagen: natürlich) von Professoren der George Mason University betrieben wird, hat diese jetzt dankenswerterweise noch einmal kompakt aufgeführt. Wer Englisch kann, braucht jetzt hier nicht mehr weiter zu lesen, sondern kann sich gleich beim Original bedienen. Allerdings: there will be one more thing…

Hier meine (keinen Anspruch auf anglizistische Preise erhebende, weniger wortgetreue als sinngemäße) Übersetzung:

  1. Die Welt ist voller sowohl erwünschter als auch unerwünschter unabsichtlicher Folgen. Folgen, die größtenteils unsichtbar sind, die aber durch die größere Sichweise, die uns sogar ein „läppischer“ Grundkurs der Ökonomie vermittelt, „sichtbar“ gemacht werden. 
  2. Absichten sind nicht Ergebnisse.
  3. Unsere Welt ist eine der Zielkonflikte und nicht eine der „Lösungen“.
  4. Durch den Markt bestimmte Preise a) sind nicht willkürlich, b) verbinden Millionen von Fremden auf produktive Weise miteinander, die fast niemandem dieser Fremden bewusst wird, und c) können nur unter den außergwöhnlichsten Umständen durch die Regierung gesteuert werden, ohne Folgewirkungen zu verursachen, die das Gegenteil der angeblich erwünschten darstellen.
  5. Produktive und nachhaltige, komplexe ökonomische Ordnung entsteht ohne Gestaltung oder Absicht. 
  6. Individuen reagieren auf Anreize.
  7. Individuen, und nicht Kollektive, wählen aus und handeln.
  8. Die Höhe des Wohlstands (nicht zu verwechseln mit Geld) ist nicht fix.
  9. Regierungsoffizielle sind nicht klüger oder besser motiviert als Leute, die im privaten Sektor tätig sind.
  10. Wirtschaft ist unvorstellbar komplizierter als jemand mit geringem Ökonomieverständnis zu fassen vermag – so komplex, dass die Versprechen von Sozialingenieuren sich als unsinnige Täuschungen entpuppen.

Man müsste viel weniger Schwachsinn ertragen, hätten mehr Leute der Laberelite einen solchen Grundkurs besucht. Insbesondere Politiker diskutieren so gut wie immer, als ob keiner der o.g. Punkte existierte. Und das betrifft übrigens nicht nur ökonomische Fragestellungen: Die Punkte 1 bis 3 und 6 bis 7 gelten universell. Im Prinzip wäre es Aufgabe der Medien, die Werbesprüche der Politik entsprechend einzuordnen, aber die versammeln sich lieber selbst so sehr hinter einer Fahne, dass diese Ignoranz auch bei ihnen zur Voraussetzung wird.

Die obigen zehn Punkte wären übrigens auch genau das, was Schülern in einem Fach „Wirtschaft“ beizubringen wäre. Aber z.B. auf unerwünschte Folgewirkungen oder die Existenz von Zielkonflikten hinzuwirken, ist so sehr Kernpunkt von Ökonomie schlechthin, dass es bei der Laberelite sofort unter „Neoliberalismus“-Verdacht fällt, den es mit dem politikwissenschaftlichen und soziologischen, der beliebigen Gestaltungsmacht durch die richtige Politik huldigenden Beelzebub auszutreiben gilt. Der Glaube an die in Punkt 10 angesprochenen „unsinnigen Täuschungen“, die man auch mit „abstruse Wahnvorstellungen“ übersetzen könnte, gilt bei der Laberelite allerdings als das 11. Gebot, das sie demzufolge auch nicht müde wird, auf allen Kanälen zu predigen. 

Aber die Bürger fühlen sich in dieser Traumwelt offensichtlich recht wohl. Sollte die Illusion mal platzen, ist die Laberelite auch nicht verlegen, geeignete Schuldige zu präsentieren. Für deren gerechte Bestrafung lassen wir uns dann gerne weiter einlullen. Wir schaffen das.

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