Was zur Kriminalität bei Flüchtlingen

Heute wurde von Bundesinnenminister Thomas de Maizière eine „Lageübersicht des Bundeskriminalamts (BKA) und der Bundesländer“ zur Kriminalität im Zusammenhang mit den Flüchtlingen vorgestellt. Quintessenz:

„Insgesamt zeigen uns die derzeit verfügbaren Tendenzaussagen, dass Flüchtlinge im Durchschnitt genauso wenig oder oft straffällig werden wie Vergleichsgruppen der hiesigen Bevölkerung“, sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU). „Der Großteil von ihnen begeht keine Straftaten, sie suchen vielmehr in Deutschland Schutz und Frieden.“

Auf letzteres wären wir vermutlich auch ohne diese Lageübersicht gekommen, aber behalten wir doch erstmal den ersten Satz im Auge. Immerhin gibt er einer Pappnase mit Zugriff auf den Social-Media-Account der „Zeit“ Anlass zu diesem triumphierenden Kommentar:

Bestimmt gefälscht, diese Statistik. Nicht wahr, liebe „besorgte Bürger“? (sah)

Neben der Beobachtung, wie gerne Qualitätsjournalisten auf Strohmänner zurückgreifen, nehmen wir aber mal die indirekte Aussage zur Kenntnis: „Besorgte Bürger“ müssten schon behaupten, dass die Statistik gefälscht sei, wenn sie einen Anstieg der Kriminalität durch die Flüchtlinge propagieren.

Denn, so schließt dann auch unser Bundesinnenminister:

„Die Tendenzaussagen des Lagebildes zeigen: Es gibt durch Asylbewerber und Flüchtlinge keinen überproportionalen Anstieg der Kriminalität“, sagte de Maizière. „Jede strafbare Handlung ist eine zu viel. Egal wer sie begeht.“ Es gebe aber „keinen Grund für übertriebene Sorgen um den Anstieg der Kriminalität durch Asylbewerber und Flüchtlinge“.

Gießen wir mal etwas Wasser in den Wein, und fangen wir beim Trivialen an. 

Flüchtlinge begehen nicht überproportional mehr Straftaten als Einheimische. Soll das die Anwohner von Flüchtlingsheimen beruhigen? Denn hinter dieser Aussage steckt auch die simple Wahrheit: Mit den Flüchtlingen steigt die Kriminalität im Land. Und zwar nicht überproportional, also proportional. Was jetzt noch für die Anwohner von Flüchtlingsheimen interessant wäre zu wissen: Wer wird Opfer dieser Straftaten? Es dürfte ziemlich unwahrscheinlich sein, dass die Straftaten von Flüchtlingen ausnahmslos an anderen Flüchtlingen verübt werden. Also werden – und das ist jetzt simple Logik – durch die Zuwanderung der Flüchtlinge Einheimische Opfer von Straftaten, die ohne diese Zuwanderung nicht stattgefunden hätten. Mit Verlaub, werter (sah) von der „Zeit“: Wer sich als „besorgter Bürger“ bezeichnet, der braucht diese Statistik gar nicht als gefälscht abzulehnen, den gruselt es auch so. 

Noch ein Schluck Wasser dazu? Gerne. Im Eingangszitat war die Rede von „Vergleichsgruppen“. Auch das ist keine ganz unwichtige Information, denn wie wir mittlerweile wissen, besteht ein sehr großer Anteil der Flüchtlinge aus jungen Männern. Kleine Quizfrage zwischendurch: Welche Gruppe begeht in Deutschland die meisten Straftaten? Richtig getippt. Die Zahl der Straftaten steigt also nicht nur mit der Zahl der Zuwandernden, sondern, weil der Anteil junger Männer eben bei den Einheimischen dann doch viel geringer ist, vermutlich[1] sogar insgesamt doch überproportional. 

Ok, wenn dieses Blog mehr als eine Handvoll Leser hätte, gäbe es jetzt einen Shitstorm, der vor Begriffen wie „schüren, Brandstifter, Hetze, Rassist“ nur so überlaufen würde, aber wer Realität für ein soziales Konstrukt hält, mit dem ist eine Diskussion sowieso sinnlos. Und der Werwohlf ist der Meinung, dass Hass und Wut vor allem geschürt werden, wenn Leute das Gefühl haben, von den Institutionen, denen sie eigentlich Vertrauen gegenüber bringen sollte, nach Strich und Faden verarscht zu werden. Arrogante Aktivisten wie Pappnase (sah) tragen das ihrige dazu bei, indem sie den dann doch wohl nicht völlig unberechtigten Sorgen von Bürgern vor allem Spott und Häme entgegen bringen. Kann man machen, so lange man nicht betroffen ist, wirkt dann aber nur unglaubwürdig.

Nun kann man es den Flüchtlingen kaum übel nehmen, wenn sie so ticken wie alle anderen hier auch[2]. Das eigentliche Drama hinter den obigen Überlegungen ist das Staatsversagen. Weil dieser Staat sich mehr und mehr als Umverteilungsstaat versteht, ist er seit längerer Zeit dabei, eine seiner eigentlichen Kernfunktionen, die ihm überhaupt erst Legitimität verleihen, nämlich für Sicherheit zu sorgen, und zwar sowohl äußere als auch innere, nach und nach aufzugeben, damit im Budget mehr Platz für Umverteilung frei wird. Ironischerweise übrigens vor allem von Jung zu Alt, egal was einem irgendwelche anderen Ideologen sonst noch so erzählen – die entsprechenden Positionen sind allerdings manchmal gut in angeblich der jüngeren Bevölkerung zukommenden Etats versteckt. Schon mal nachgeschaut, wieviel von den Ausgaben für Bildung ihres Bundeslandes auf Pensionen entfällt? Und bevor jetzt einer denkt „Mensch! Da kommen uns die Flüchtlinge doch gerade recht!“, den muss man leider enttäuschen. Verzehnfachen wir deren Zahl, dann wird ein Schuh draus. Ob diese Gesellschaft das aushält, ist dann die andere Frage. 

Die Zahl der Soldaten haben wir reduziert, weil. es angeblich keine Feinde mehr gibt. Nun gut, dafür funktionieren die Waffen ja auch nicht. Und trotz aller gegenteiligen Bekundungen werden mit jeder „Polizeireform“ wieder mehr Polizisten auf der Straße abgebaut.  Der Staat sucht stattdessen sein Heil in der elektronischen Überwachung, aber die ist für die ganz alltägliche Kriminalität nur dann zu verwenden, wenn wir die Bürgerrechte gänzlich an den Nagel hängen. Gut, vielleicht ist das ja auch die Absicht hinter einigen Positionen, wer weiß.

Aber natürlich wäre es Unterschied, wenn wir den „besorgten“ und auch allen anderen Bürgern sagen könnten: „Ja, es kommen sehr viele Menschen, und ja, die bringen auch zusätzliche Kriminalität mit. Nicht so viel, wie in euren Albträumen, aber eben doch einige. Aber wir sind darauf vorbereitet, weil uns entsprechendes Personal zur Verfügung steht. Den drohenden Verlust an Sicherheit werden wir durch mehr Schutzmaßnahmen eindämmen. Es gibt also keinen Grund, die Neuankömmlinge nur deswegen abzulehnen, weil es unter ihnen auch schwarze Schafe gibt.“

Auch nicht allzusehr überzeugend vielleicht, aber allemal besser als solche Scheinberuhigungen, auch wenn diese von denen gefeiert werden, die lieber nicht nachdenken.

Übrigens würde man sich mehr Polizei auch schon deswegen wünschen, damit endlich mal mehrere dieser Feuerteufel gefasst werden, denen in ihrem armseligen Hirn als Antwort auf Ungewohntes nur zerstörerischer Hass zur Verfügung steht, so dass sie die Heimstatt von Flüchtlingen anzünden „müssen“. 

[1] „vermutlich“, weil der Werwohlf die eigentliche Studie nicht kennt und daher auch nicht weiß, welche „Vergleichsgruppen“ genau herangezogen wurden. Aber der Bezug auf diese ist auf jeden Fall relevant und sollte beachtet werden.
[2] Der eigentliche Test kommt erst, wenn Flüchtlinge sich in den prekären Situationen wiederfinden, die von allen Experten erwartet werden, nur momentan nicht von ihnen selbst.

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One Comment on “Was zur Kriminalität bei Flüchtlingen”

  1. Paul sagt:

    Mir ist noch ein anderer Gedanke gekommen.
    Der Minister sagt:

    “Insgesamt zeigen uns die derzeit verfügbaren Tendenzaussagen, dass Flüchtlinge im Durchschnitt genauso wenig oder oft straffällig werden wie Vergleichsgruppen der hiesigen Bevölkerung”, sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU).

    Hat denn die Kriminalität dieser Vergleichsgruppen in der „hiesigen Bevölkerung“ nicht auch schon durch den gestiegenen Ausländeranteil zugenommen?
    Man muss den neuen Ausländern, Flüchtlinge genannt, auch eine gewisse „Einarbeitungsphase“ gestatten.
    So wie in der Vergangenheit die Kriminalität durch die Ausländer angestiegen ist, wird sie auch in Zukunft weiter ansteigen. Da rettet den Minister nur noch der steuernde Eingriff in die Statistik, z.B. es wird die Staatsangehörigkeit zu grunde gelegt.
    In den Medien wird die Herkunft des Täters sowieso schon sehr oft verschleiert.

    Dass die Kriminalität durch diese Flüchtlinge zunehmen wird ist für mich so sicher wie das Amen in der Kirche.

    Ist der unerlaubte Grenzübertritt nach Deutschland nicht auch schon eine Straftat? Ach so, das wird straffrei gestellt und dadurch ist es dann keine Straftat mehr.

    Es gab immer wieder Bemühungen die Kriminalität durch Straffreiheit zu senken:
    http://www.shz.de/schleswig-holstein/politik/verschont-die-justiz-kuenftig-ladendiebe-vorm-gefaengnis-id6922916.html
    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13691401.html

    So könnte das Problem doch auch gelöst werden.
    Da gleiches Recht für alle gilt, hätten die Ausländer auch was davon.

    Herzlich, Paul


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