Alternativlos

Parteien mögen auf dem Papier demokratisch organisiert sein – faktisch sind sie das eher nicht. Und schon gar nicht in Wahlkampfzeiten.

Die innerparteiliche Demokratie erschöpft sich in der Regel in Personalien – nicht unwichtig, aber auch nicht dem Ideal entsprechend, das wenigstens eine Verknüpfung mit Inhalten vorsieht. Mit diesem Ideal wäre eine Angela Merkel aber nie CDU-Vorsitzende geworden und noch weniger geblieben, so wenig ist über ihre Ausgangsmotivation bekannt, und so sehr haben sich ihre Positionen inzwischen als beliebig erwiesen. 

CDUler können das irgendwie. Da muss schon jemand das Kommunistische Manifest zum Parteiprogramm erklären, bevor sich erster ernstzunehmender Widerstand gegen jemanden regt, der gute Chancen auf die Kanzlerschaft hat. CDUlern sind Inhalte weitestgehend egal, Hauptsache, die Sozis werden es nicht. Dass man selbst die Politik der Sozis umsetzt, gilt dort nicht als Problem. „Besser wir als die!“, heißt es dann eher noch.  

Jetzt nur noch das Abarbeiten linker Agenden als „alternativlos“ jeder Kritik entheben (Klima! Europa! Humanität!), und schon ist auch die einzige offiziell anerkannte nicht-linke Gruppierung auf Linie gebracht. Wobei „nicht links“ eigentlich nur heißt „sie brauchen etwas mehr Zeit zur selben Erkenntnis“. Ganz im Sinn aller, die den Ablauf der Geschichte genau kennen und daher problemlos das „Moderne“ vom „Veralteten“ zu unterscheiden vermögen. Wer wirklich total dagegen ist, sieht sich kurzerhand außerhalb des Verfassungsbogens gestellt. Der in vielen anderen Dingen zwar völlig uninteressant ist (Demonstrationsrecht, Drittstaatenregelung des Asyls), aber zur Ausgrenzung unliebsamer Positionen allemal taugt. 

Alles wird gut. 

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2 Kommentare on “Alternativlos”

  1. n_s_n sagt:

    „Alles wird gut.“

    Klar wird alles gut. Die Hertha wird dieses Jahr den europäischen Wettbewerb erreichen und der FCK wird trotz aller Widrigkeiten den Aufstieg noch schaffen.

    Ein essayistischer Ausflug in bundesdeutsche Politik Tiefen, beschlossen mit Betrachtungen zum Fußball – und das alles in 21 Zeilen stilsicher verpackt – ist dabei eine Herausforderung, die wohl nur ein echter Werwohlf meistern kann.

    • Werwohlf sagt:

      Fußball? Ich bin mir keiner Schuld bewusst… Aber während ich den FCK gerne in LIga 1 sehen würde, hoffe ich doch, dass die Hertha um den europäischen Wettbewerb herum kommt (realistischerweise spielen sie diese Saison auch weiter gegen den Abstieg).


Platz für Senf.

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