Flüchtlinge oder Migranten?

Einer von den beiden Lesern dieses Blogs wird vielleicht mitbekommen haben, dass an dieser Stelle wenig von „Flüchtlingen“ und viel von „Migranten“ die Rede ist. Aber ist das auch richtig? Die „Berliner Zeitung“, das Qualitätsblatt für Alltagshandreichungen, weiß zum Glück Rat:

Ein Flüchtling genießt nach der UN-Flüchtlingskonvention von 1951 in anderen Ländern völkerrechtlichen Schutz. Staaten sind zur Aufnahme verpflichtet. Anders verhält es sich mit Migranten, die sich in einem Land niederlassen wollen, etwa um eine Arbeit aufzunehmen. Ihre Einreise kann ein Staat regeln, so mit einem Zuwanderungsgesetz.

Will sagen: Alle Flüchtlinge müssen, Migranten können aufgenommen werden. Womit auch klar wäre, warum die politisch-mediale Klasse den Sprachgebrauch der Linken zur Hälfte übernommen hat, nur noch von „Flüchtlingen“ zu reden (richtig korrekt wäre natürlich nur „Refugees“, weil man edle Wilde nicht durch deutsche Ausdrücke beschmutzen darf). 

Aber was ist, wenn sich beide Motive mischen?

Wenn jemand aus einem Land flüchtet, in dem Krieg und Terror herrschen, aber nicht im erstbesten Land Halt macht, wo das nicht mehr zutrifft, sondern so lange weiterflüchtet(?), bis er das Land mit den besten Bedingungen für sofortige Sozialleistungen und mit der meistgerühmten Wirtschaftskraft erreicht hat?

Die hier vertretene These ist: Flüchtling ist man so lange, bis man, aus dem Land oder Gebiet der Bedrohung kommend, ein Land oder ein Gebiet erreicht hat, in dem die in der Genfer Flüchtlingskonvention anerkannten Fluchtgründe nicht mehr zutreffen. Entscheidet man sich dafür, doch lieber woanders sein Glück zu versuchen, wird man zum Migranten. 

Diese Definition ist auch hilfreich, um Probleme hinsichtlich von „Fluchtunterbrechungen“ oder Vererbungen des Flüchtlingsstatus auszuschließen. 

Aus diesen Überlegungen heraus muss man bei den meisten der unter dem quasi-offiziellen Begriff „Flüchtlinge“ Einreisenden zum Schluss kommen, dass es sich bei ihnen um Migranten handelt. Deren Aufenthalt man, und das ist das für die „Refugees Welcome“-Fans Tückische daran, durch Gesetze regeln kann. Allein durch diese Definition ist noch kein Problem gelöst, aber die Weigerung, einfach so einen der eigenen Meinung nach unsinnigen, aber unter Androhung übler sozialer Konsequenzen nahezu zwingend anzuwendenden Begriff zu übernehmen, ist schon mal ein guter Anfang. 

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8 Kommentare on “Flüchtlinge oder Migranten?”

  1. alphachamber sagt:

    Exzellent ausgeführt.

  2. erlingplaethe sagt:

    Wer durch den Krieg und das Grauen, das der IS in Syrien und dem Irak anrichtet, flieht, hat etwas verloren. Viele waren nicht schon immer entwurzelt. Es ist für mich klar, dass ich in einer solchen Situation weiter denke, weil klar ist: sobald werde ich nicht zurückkehren können. Also suche ich nach einer neuen Zukunft nicht nach einer Möglichkeit wieder und wieder den nächsten Tag zu überleben. Wenn ich dann durch die Türkei, Griechenland, den Balkan nach Ungarn komme oder nach Tschechien oder die Slowakei, oder ich erfahre wie man dort mit mir umgehen wird, bleiben nur noch wenige Länder übrig in denen ich für mich und evtl. meine Familie eine Chance sehe.
    Dabei bin ich solange auf der Flucht – und Flüchtling – bis ich zur Ruhe komme und mein Leben neu beginnen kann.
    Ein Migrant dagegen zieht um. Ohne Not.

    • Werwohlf sagt:

      Also suche ich nach einer neuen Zukunft nicht nach einer Möglichkeit wieder und wieder den nächsten Tag zu überleben.

      Ich dachte, das stehe an erster Stelle bei einer Flucht. Und dass Deutschland das einzige Land auf diesem Weg ist, in dem Flüchtlinge eine Zukunft haben, das wollen wir doch nicht wirklich annehmen, oder?

      Griechenland? Österreich? Italien? Alles Horror? Frankreich so sehr voller Unmenschen, dass man nach England „fliehen“ muss? Deutschland, die Insel des Guten in einer kontinental-europäischen Welt der Inhumanität?

      Also wenn dem wirklich so wäre, dann müssten sofort sämtliche EU-Beitrittsverhandlungen mit den inhumanen Ländern gestoppt werden, und bei den übrigen müsste man den Ausschluss erwägen. Aber dann ist Deutschland allein in der EU – geht auch nicht.

      Ein Migrant dagegen zieht um. Ohne Not.

      Ein Migrant kann daheim mindestens so sehr „ohne Zukunft“ sein wie ein Flüchtling.

      Entscheidend ist: Es geht dem Migranten nicht mehr um die Abwehr von Gefahr für Leib und Leben, sondern um eine Verbesserung seiner Lebensumstände. So, wie du die Motivation der Flüchtlinge schilderst, passt das auch auf die.

  3. erlingplaethe sagt:

    Was ich lese über Tschechien wo Flüchtlinge ihres letzten Besitzes beraubt und gefangen genommen werden ist der „Horror“. Dort gibt es keine Zukunft. Auch Ungarn scheint nicht willens zu sein Flüchtlinge aufzunehmen. Italien und Griechenland sind die Ankunftsländer und scheinbar nicht mehr im Stande
    noch mehr als sie ohnehin aufgenommen haben, aufzunehmen.
    Deutschland ist offenbar das einzige Land welches mit Kriegsflüchtlingen angemessen umgeht. Leider.

    Bei den Flüchtlingen kann ich nicht von Lebensumständen sprechen, ich sehe vor allem Fluchtumstände. Sie treffen in Europa auf Ablehnung, kaum ein Land will ihnen dauerhaft Zuflucht gewähren. So lange sie danach auf der Suche sind migrieren sie m.E. nicht.
    Was Tschechien macht zeigt die Irrationalität der Dublinvereinbarung. Sie ist typisch für Europa, weil sie von beherrschbaren und sicheren Außengrenzen ausgeht. Sie passt nicht zu den hochtrabenden Asyl- und Sozialstandards die es sich gibt. Viel Schaumschlägerei und wenig bis gar nichts dahinter. Die Länder aus dem ehemaligen Ostblock (DDR inkl.) haben in Bezug auf die syrischen und irakischen Kriegsflüchtlinge eine schrecklich ignorante Sicht.
    Ich habe dafür kaum Verständnis, ganz besonders wie Tschechien und die Slowakei mit ihnen umgeht.

  4. erlingplaethe sagt:

    Monatelang hat sich die EU von griechischen Linksradikalen wöchentlich zu immer letzten Gesprächen an der Nase herumführen lassen, weil Griechenland Vetternwirtschaft, Korruption und Sozialismus mehr schätzt als eine eigenverantwortliche Haushaltspolitik. Ständig waberte das Wort „Solidarität“ durch die Hallen von Brüssel und Straßburg. Hochtrabende Ansprüche wurden beschworen ohne deren Pflege die Gemeinschaft zerstört werden würde.
    Jetzt hat es diese mit einem veritablen Flüchtlingsproblem zu tun und keine Konferenzen tagen bis tief in die Nacht. Jedes Land macht was es für richtig hält und nicht wenige kümmert es einen Dreck was mit den Kriegsflüchtlingen, die übrigens schon zu Millionen in der Türkei, dem Libanon und Jordanien Zuflucht suchten, passieren soll.
    Deutschland ist eines der wenigen Länder in dieser EU, das bereit ist, sich dem Problem zu stellen und nach Lösungen sucht. Angesichts dieser Tatsache bin ich sehr zufrieden Deutscher zu sein.


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