Donald von und zu Trump

Auf FAZ.net beschäftigt sich ein Artikel mit den populistischen Rabauken à la Donald Trump. Man fragt sich manchmal in der Tat, warum manche Leute durch das Absondern simpler und möglichst provokanter Parolen so viel Popularität erlangen können. Autor Frankenberger bietet dafür im Wesentlichen zwei Erklärungen an: einerseits eine Ablehnung des Kompromisses als üblicher Inhalt von Politik, andererseits eine Verunsicherung ob des vielfaltigen gesellschaftlichen, technischen und wirtschaftlichen Wandels. 

Diese beiden Erklärungen suchen die Ursache offensichtlich ausschließlich bei den Konsumenten dieser Art von „Politik“. Aber können sie auch wirklich überzeugen? Und ist diese Betrachtung nicht etwas einseitig? 

Sicher ist der Ansatz nicht verkehrt, die Beliebtheit solcher Polit-Rabauken vor allem als Reflex der Mainstream-Politik zu verstehen. Aber es wäre eben falsch, diese selbst als gänzlich schuldlos zu erklären. 

Ist es nicht eher so, dass die Menschen gegen Kompromisse gar nicht prinzipiell eingestellt sind, aber tendenziell immer dann, wenn vorher von den im Streit befindlichen Seiten unversöhnlich erscheinende Rhetorik aufgebaut wurde, die beim auch nur kleinsten Abweichen von den eigenen Forderungen für die dann zu erwartenden Folgen nur apokalyptisch anmutende Begriffe anzubieten hatte? Wenn sich die beiden Seiten dann plötzlich geräuschlos einigen und nur noch nette Dinge übereinander zu sagen haben, fühlt man sich wohl nicht ganz zu Unrecht vom politisch interessierten Bürger zum Zuschauer einer üblen Farce degradiert. 

Ähnlich ist es, wenn – und hier muss man die sich immer mehr als Akteur denn als Berichterstatter verstehenden Medien einbeziehen – in der Öffentlichkeit aus allen Rohren eine bestimmte Politik als alternativlos, moralisch überlegen und mit ausschließlich positivem Ergebnis verkauft wird, obwohl man selbst, wenn nicht gar unmittelbar von nachteiligen Folgen betroffen, durchaus diverse problematische Resultate erkennt. Und dann noch einen oben drauf gesetzt bekommt, indem derartig abweichende Sichtweisen öffentlich in Bausch und Bogen geächtet werden. Auch diese beliebte Form der Massenerziehung kontrastiert erheblich mit den salbungsvollen Worten, die dem Bürger als angeblich bestimmendem Akteur unseres politischen Systems gerne gewidmet werden, wenn es darum geht, einen weiteren Lebensbereich unter staatliche Kontrolle zu bringen. 

Politpöbler wie Trump sind dann nur das Angebot für eine künstlich geschaffene Nachfrage. In Deutschland scheint diese allerdings weitgehend unbefriedigt zu bleiben, was allerdings auch daran liegen mag, dass Talente, die in diese Rolle schlüpfen könnten, ähnlich dünn gesät sind wie potenzielle Wimbledon-Champions. Pegida und AfD haben solche Stimmungen in Ansätzen aufgegriffen, auch die „Linke“ von der anderen Seite des politsichen Spektrums her, aber zum bundesweiten Erfolg fehlt dann doch die passende Frontfigur, die wahrscheinlich persönliche Untadeligkeit (zumindest soweit bekannt…) mit gutem Aussehen und medialem Geschick verbinden müsste. Und sich wahrscheinlich dann doch eher geschliffen als polternd zu äußern hätte. Adelige Herkunft hilft auch: Wäre KT nicht so faul gewesen… Auf die Methode, also Säbel oder Degen, kommt es dabei eigentlich auch nicht an: In jedem Fall müsste sich diese Figur als Gegenentwurf zur üblichen Inszenierung der politisch-medialen Klasse verstehen.

Die Frage ist natürlich, ob die Politik in dem mittlerweile eingeschliffenen System überhaupt eine Chance zur Gegensteuerung hätte. Wer aufhört, Dinge zu dramatisieren, kommt in den Medien nicht mehr vor. Wer Floskeln vermeidet und lieber so redet, wie ihm der Schnabel gewachsen ist, produziert spätestens beim zweiten Mal den unvermeidlichen „Skandal“. Und wer versucht, abwägend zu diskutieren, muss damit rechnen, dass nur die eine Hälfte in die Überschrift kommt und damit die eigene Aussage komplett verzerrt. Politik und Medien haben sich in einem evolutionärem Prozess auf Spielregeln geeinigt, die nur unter Gefahr von gelben und roten Karten übertreten werden können. 

Dabei hätten gerade die öffentlich-rechtlichen Medien die Chance, ein neues Spiel anzufangen, weil sie eben nicht darauf angewiesen sind, auch noch dem letzten Leser/Zuschauer hinterherzujagen.Warum sie es dennoch nicht tun, wäre mal interessant zu erfahren. So jedenfalls, wie das Spiel angelegt ist, schreit es in Deutschland nach einem Donald von und zu Trump.

Advertisements


Platz für Senf.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s