Auf der Suche nach Pegida im Dschungelcamp

Auf „welt.de“ erschien heute ein Beitrag über das „Sommer-Dschungelcamp“. Der Werwohlf hätte es nicht gelesen, hätte die Überschrift nicht mehr versprochen: „Die Pegida-Offensive des deutschen TV-Humors“. Das interessiert dann doch, wie eine Demonstration von ein paar tausend Hanseln mit „dem deutschen TV-Humor“ in Verbindung zu bringen ist. 

Mit der Enttäuschung war zu rechnen.

Im gesamten Artikel tauchte nichts auf, was irgendwie in Verbindung mit der Überschrift zu bringen wäre. Insider berichten ja, die Überschriften und die „Teaser“ würden von weniger etablierten Schreibern verfasst als die Artikel selbst. Das scheint hier auch der Fall gewesen zu sein. Allerdings – bis auf die letzten beiden Absätze, wo sich die Autorin plötzlich bemüßigt sah, ihr Glaubensbekenntnis aufzusagen, unterstützt von einem „bekannten Experten“: 

C-Promis als Blitzableiter? Das klingt beinahe zu simpel, um wahr zu sein. Doch in einer Leistungsgesellschaft, die Arbeitnehmer immer stärker fordert, darf diese Ventilfunktion wohl nicht unterschätzt werden. Je größer der Druck, desto größer ist das Bedürfnis, sich über Menschen zu erheben, die noch weiter am Rand der Gesellschaft stehen. Ein untrügliches Indiz dafür, sagt Titze, sei der zunehmende Fremdenhass.
So gesehen muss man den C-Promis beinahe noch dafür dankbar sein, dass sie die Unzufriedenheit eines Millionenpublikums kanalisieren. Denn was ist schon die Schadenfreude über eine dilettantisch von einem Ex-Nationaltorwart geöffnete Baked-Beans-Dose gegen die braune Soße, die sich bei jeder Demo der Pegida-Bewegung auf Deutschlands Straßen ergießt?

„Leistungsgesellschaft, die Arbeitnehmer immer stärker fordert“, „Ventilfunktion“, daher resultierender Fremdenhass: Diese Sprüche kennt man von der Linken seit jeher, und auch von good old Ede hat man sie oft gehört. Mit Verlaub: Das Dschungelcamp ist mittlerweile uralt, und dass die Häme über ein paar Z-Promis wirklich eine „Ventilfunktion“ ausüben soll, welche die Massen von der eigentlich fälligen Revolution abhält, das kann doch ernsthaft nur eine Feuilletonistin annehmen, die vor leuter Freude darüber, ihre Histomat-Seminare überstanden zu haben, das weitere Denken eingestellt hat. Oder ein als Experte fungierendes one trick pony, das irritierenderweise auch in unserer unbarmherzigen Leistungsgesellschaft genug Futtertröge findet.

Der Werwohlf schaut gerade mal auf die Straße. Sie liegt in Deutschland, aber auf ihr ergießt sich gar nichts. Auch in seinem kleinen Örtchen wird man weder die erhoffte „braune Soße“ finden, noch auch nur einen Ansatz von Pegida. Weil das Ganze ein sehr lokales Phänomen war, das mittlerweile auch in Dresden deutlich weniger Teilnehmer anzieht als der lokale, drittklassige Fußballverein wöchentlich an Zuschauern hat. Von anderen Städten ganz zu schweigen. Aber die wichtigste Ideolog*_innendisziplin war ja schon immer das Strohmannbasteln. 

Wollen wir es gut sein lassen: Wahrscheinlich ist die Gute mit dem beruflichen Zuschauen beim „Sommer-Dschungelcamp“ genug gestraft.

Advertisements


Platz für Senf.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s