Menno!

“The art of economics consists in looking not merely at the immediate but at the longer effects of any act or policy; it consists in tracing the consequences of that policy not merely for one group but for all groups.”

Henry Hazlitt schrieb das 1946, aber es ist heute mindestens so aktuell wie damals, weil insbesondere die linke politische Logik davon lebt, diese Anforderungen zu ignorieren. Dort nimmt man die Absicht für die Tat, und wenn sich am Ende unerwünschte Effekte einstellen, sind irgendwelche anderen Leute schuld, die mit ebenso finsterer Miene wie Absicht die hehren Bemühungen der Bestmenschen zu konterkarieren trachten. Oder, um es mit einem Wort zusammenzufassen: „Menno!“ 

Beispiele gefällig?

Nehmen wir die Mietpreisbremse. Wenige Wochen, nachdem diese in Kraft getreten ist, lässt der Bundesjustizminister Holger „das ist ein guter Tag für“ Maas die ersten Erfolgsmeldungen verkünden. Alle Kritiker sind widerlegt. Warum? Weil die Mieten tatsächlich nicht mehr so stark steigen. Hurra, Haken dran, wieder mal ein wenig den Neoliberalismus besiegt! Das Problem ist nur: Kein ernstzunehmender Kritiker hat je bezweifelt, dass die Menschen sich überwiegend an das Gesetz halten würden. Und wenn sie das tun, ist genau das zu erwarten, worüber der Minister jetzt jubeln lässt. Stattdessen sind die Kritiker der Auffassung, dass die Mietpreisbremse langfristig das Angebot an Wohnraum zurückgehen lassen wird. Und wenn dann noch der Preis als Allokationsmechanismus ausgeschaltet ist, treten eben andere auf den Plan. Zum Beispiel die gute, alte Warteschlange. Oder die beliebten B-Vitamine. Es ist ja auch nicht so, dass sowas nicht schon woanders zu beobachten wäre. Und jetzt denken wir mal ganz lange nach und fragen uns, was von diesen Befürchtungen in diesen wenigen Wochen warum widerlegt worden sein soll. Keine Sorge, Sie brauchen nicht länger zu grübeln: Nichts. Die „longer effects“ sind dem aufrechten Linken egal, allein die Absicht zählt, und in the long run we are all dead, nicht wahr. Die Stimmen der begeisterten Wähler fischen wir schon jetzt mal ab, und unsere Nachfolger können die Schuld dann immer noch bösen Spekulanten in die Schuhe schieben. Oder alle Anbieter von Wohnraum zu Rassisten erklären, denn woher der wesentliche Bedarf dafür kommt, dürfte angesichts der neueren Migrationsstatistiken klar sein.

Anderes Beispiel: Kinderarbeit. Kinder, die, statt zur Schule zu gehen oder friedlich mit ihren Altersgenossen zu spielen, sich in Fabriken abschuften, um für uns billige Kleidung herzustellen, machen vor allem ein schlechtes Gewissen. Das ist „Manchesterkapitalismus“, das wollen wir nicht. Also boykottieren wir die so hergestellte Ware. Oder wir bezahlen NGOs, die auf die lokalen Behörden Druck ausüben, damit das verboten wird. Und als Ergebnis gehen die Kinder dann wieder zur Schule und haben genug Freizeit zum Spielen mit ihren Altersgenossen. An dieser Stelle muss das Denken schnell eingestellt werden, denn dass dies wirklich das Ergebnis sein wird, kann auch der beste Gutmensch nicht glauben. Denn bevor es diese Fabriken gab, sind die Kinder, die später in ihnen arbeiten würden, eben nicht zur Schule gegangen oder haben ihre freie Zeit genossen. Die Chance ist sehr hoch, dass sie stattdessen für Feldarbeit eingespannt wurden, oder um Geerntetes aufbereiten und verkaufen zu helfen. Die Eltern lassen ihre Kinder nicht für sie arbeiten, weil es Rabeneltern sind, sondern weil ihre Armut ihnen das nahe legt. Und sie schicken ihre Kinder in die Fabrik, weil sie dort mehr erwirtschaften können als in anderen Tätigkeiten. Und wahrscheinlich auch zu besseren Arbeitsbedingungen. Nimmt man den Familien diese zusätzliche Option wieder, werden sie auf ihre alten Alternativen zurückgeworden: Ab ins Feld! Der Schlüssel zur Überwindung von Kinderarbeit ist die Überwindung der Armut ihrer Familien. Investitionen, also zum Beispiel der Bau von Fabriken, sind dafür eine notwendige Bedingung. Dass dann in ihnen auch Kinder arbeiten, ist kein erstrebenswerter Zustand, aber es ist für die Betroffenen ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Mit höherer Produktivität, die sich als Folge vermehrter Investitionen einzustellen pflegt, steigen dann nicht nur die Löhne allgemein, es lohnt sich auch vermehrt, in Ausbildung zu investieren – und das bringt die Kinder dann irgendwann weg von den Werkbänken. Auch wenn wir uns da einen „großen Sprung nach vorn“ erhoffen – sowas geht leider in der Regel mächtig schief.

Eine Unterart der Kinderarbeits-Diskussion ist die Billiglohn-Diskussion. Für das T-Shirt, das hier viele Euros kostet, muss irgendein armer Kerl in Fernost zu einem Hungerlohn schuften. Geht gar nicht. Da muss jemand für höhere Löhne sorgen. Also wieder Boykott, NGOs, Druck auf Regierung. Und wenn die Löhne steigen, muss der böse Kapitalist, der diese armen Kerle da hat schuften lassen, eben auf etwas Gewinn verzichten, und trotzdem sind alle zufrieden. Das wäre die gute Nachricht. Die schlechte Nachricht ist aber, dass die gute Nachricht zumindest auf lange Sicht, also wegen der „longer effects“, nicht zu vermelden sein wird. Denn das Land, in das der böse Kapitalist da investiert hat, ist nicht allein auf der Welt. Es gibt auch Länder, da sind die Löhen höher. Dummerweise sind sie das dort, weil dort auch die Produktivität höher ist – sei es, weil die Menschen besser ausgebildet sind, sei es, weil die Infrastruktur dort weiter entwickelt ist, sei es, weil den Fabriken mehr Kapital zur Verfügung steht. Wenn ich als böser Kapitalist also schon die höheren Löhne zahlen soll, weil das meine moralische Pflicht ist, dann aber doch auch da, wo ich dafür einen entsprechenden Gegenwert erhalte. Und hui, gehen meine nächsten Investitionen nicht mehr in das Billiglohnland, sondern in ein weiter entwickeltes. Der Jubel bei den Billiglöhnern wird wahrscheinlich grenzenlos sein, und die hiesigen Gutmenschen haben wieder eine gute Tat getan. Feldarbeit ist ja auch ganz schön, so naturnah.

Die Reihe ist fortsetzbar. Wird vielleicht auch so passieren.

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2 Kommentare on “Menno!”

  1. Ulrich Elkmann sagt:

    Bei der Kinderarbeit gibt es noch eine Möglichkeit, in diesem Fall sogar „empirisch belegt“ (von der UNESCO, deshalb die Gänsefüsschen): die haben Mitte der 90er Jahre das Resultat ihrer Kampagnen aus den späten 80ern gegen die Teppichknüpfenden Kids, hauptsächlich (aber nicht nur) in Pakistan, überprüft & kamen zu dem Schluß, daß der Boykott gegen diese Produkte im Westen zu einer de facto Verdreifachung der Kinderarbeit geführt habe: weil der Markt der 1. Welt ausfiel, sich aber China, Ostasien oder Lateinamerika nicht darum kehrten, allerdings mit der Folge, daß die Gewinnmarge sich drastisch reduzierte.

    • Werwohlf sagt:

      Das dürfte eine Folge sein, wenn der Boykott auch noch pauschal erfolgt und die Produkte eines ganzen Landes trifft. Ansonsten kann ich mir nicht vorstellen, woher Zusatznachfrage und -angebot an Kinderarbeit kommen soll.


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