Weckrufe den Italiener in dir

So ist das leider oft mit italienischen Autos: Von der Idee her prima, auch von außen nett anzuschauen, aber in der Alltagspraxis schnell durch Macken lahm gelegt.

Droht dem neuen ALFA, der da jetzt am Start ist, ein ähnliches Schicksal?

Lassen wir mal die Witzeleien auf ähnlichem Niveau beiseite, an denen sich hauptsächlich die üblichen Verdächtigen auf Twitter berauschten. 

Nicht nur, dass der Inhalt der Scherzchen allzu vorhersehbar war, auch dass es sie überhaupt geben würde, gleichgültig wie der Parteiname gelautet hätte, war von vornherein klar. Bei solchen „Memen“ ist schließlich die Selbstvergewisserung und Einordnung in die gewünschte Peer Group das wesentliche Motiv. Sollte die frisch gegründete Partei sich auch gleich noch wieder umbenennen müssen, würde sich das Phänomen selbstverständlich wiederholen.

Über die Inhalte können wir nur das sagen, was die neue Partei veröffentlicht hat. Und manches mutmaßen, denn das Hauptmotiv für die Gründung ist ja bekannt.

In der Präambel des Parteiprogramms (PDF) ist zu lesen: 

ALFA wurde gegründet, um politische Lösungen für Herausforderungen zu finden, die Deutschland und seine Bürger in einer globalisierten Welt zu meistern haben. Als politische Partei wollen wir den Anforderungen einer hochdifferenzierten, vielschichtigen und pluralistischen Industriegesellschaft gerecht werden, in der es für komplexe Probleme meist keine einfachen Lösungen gibt. Wir wenden uns gegen eine Politik der populistischen Schlagworte, die den unzutreffenden Eindruck vermittelt, dass mit „Schwarzweiß-Denken“ und Pauschalurteilen befriedigende Ergebnisse zu erzielen seien. Sachkunde, Erfahrung und Professionalität sind unersetzliche Stützen einer seriösen Programmatik.

Auf den weiteren Seiten (es sind ingesamt 20) spricht sich die Partei u.a. für Westbindung, Marktwirtschaft, Bewahrung von Bürgerrechten und Schutz von Minderheiten aus. Und doch wissen die üblichen Verdächtigen wie Ralf Stegner, der Pöbel-Beauftragte der SPD, („Rechts bleibt rechts“) oder der notorische Volker „Shitstormy“ Beck („chauvinistisch“, „Ressentiment-Partei“) gleich, was von dieser Partei wirklich zu halten ist. Gut, dass bestimmte Knallchargen in ihrer ökonomie-befreiten Denke jede Kritik am Euro als „chauvinistisch und egoistisch“ verteufeln, ist ja durchaus etablierte Praxis in der öffentlichen „Diskussion“, aber nach solchen an Dümmlichkeit kaum zu überbietenden Abqualifizierungen ausgerechnet anderen „Ressentiments und Hass“ vorzuwerfen, beweist dann neben gewaltiger Chuzpe, dass hier vor allem das Primat ausgrenzender und diffamierender Ideologie gepflegt wird. Wer sich das Programm durchgelesen hat, wird mindestens am Textverständnis dieser beiden Herren zweifeln müssen. Und an dem so mancher Twitter-Herdentiere.

Als eher der Rudelbildung zugeneigter Werwohlf kann man das Parteiprogramm der ALFA zu 90% aus Überzeugung unterschreiben. Hier und da stört natürlich auch was, aber das liberale Ideal einer Partei mit nur einem Mitglied ist in Deutschland gesetzlich nicht erlaubt.

Und damit ist der Untergang dieser Partei besiegelt, denn die Erfahrung hat dem Werwohlf gezeigt, dass er mit seinen Präferenzen so gut wie überall nur eine kleine Minderheit darstellt. Wenn Voraussetzung für politischen Erfolg die seriöse, argumentative Auseinandersetzung wäre, die auf Pauschalurteile verzichtet und einfache Lösungen ablehnt, ließe sich nur schwer erklären, warum bisher keine einzige Partei zu solchen Mitteln greift. Politik präsentiert sich doch im Gegenteil als Veranstaltung, in der die Politiker auftreten wie Versicherungsvertreter und die Wähler wie deren etwas naive Kunden, die sich danach höchstens mal darüber beschweren, bei Vertragsabschluss sei aber etwas ganz anderes behauptet worden. Und warum? Weil es in diesem System eben so am besten für alle funktioniert. Wäre es nicht so, hätten sich andere Ansätze durchgesetzt. Und ein klar besseres System ist auch nicht in Sicht. Also dürfte der programmatische Ansatz von ALFA, wenn die Partei ihn durchhielte, eher ein Hindernis für weiteren Erfolg sein.

Eine Partei braucht aber auch echte Partei-Idealisten. So wollen wir die nennen, die so sehr von der Idee ihrer Partei ergriffen sind, dass sie in deren Einsatz vollkommen aufgehen, die „unsung heroes“ der Parteiarbeit. Leute, die viel Freizeit dafür opfern, Plakate zu kleben, Infozettel zu verteilen, sich an Infoständen zu langweilen, in sozialen Netzwerken Angriffe zu fahren bzw. zu kontern und vor allem die für neu zu Wahlen antretenden Parteien erforderlichen Unterschriften einzubringen. Leute, die auf politische Fragen keine eigenen Antworten parat haben, sondern die Beschlusslage ihrer Partei. Man mag über das ALFA-Programm und deren politisches Personal denken, wie man will, aber die Emotionalität, die erforderlich wäre, um ausreichend viele solcher Idealisten zu mobilisieren, ist bei beidem nicht vorhanden. Da war und ist die AfD weit besser dran, eben wegen der Positionen, die dann letztlich zur Spaltung führten. 

Hinzu kommt dann noch das Wahrnehmungsproblem. Die Medien konnten sich überhaupt nur mühsam daran gewöhnen, jetzt auch über eine Partei jenseits der „All you can eat“-Union berichten zu müssen. Und jetzt, wo sie für den Störenfried endlich die für die eigene Erzählung passende Rolle gefunden haben, würde ein weiterer Protagonist nur zu Verwirrung führen. Da die Medien dies nicht nur aufgrund der politischen Präferenzen ihrer Mitarbeiter so sehen, sondern auch, weil sie ihr Publikum kennen, wird es bei den Wählern nicht anders sein. In 1-Minuten-Äußerungen passen eben keine Zwischentöne – für andere Positionen als beispielsweise  „Ausländer raus“, „Flüchtlinge rein“ oder dem obligatorischen „Es muss was geschehen, aber es darf nichts passieren“ der Etablierten ist da kein Platz mehr.Das politische Mahl wird mundgerecht präferiert. 

Der Werwohlf wird diese neue Partei aber gut gebrauchen können als Bestätigung dafür, dass aktive Politik Eigenschaften erfordert, die ihm abgehen. Ob leider oder zum Glück, lassen wir mal dahingestellt. Und wenn schon italienisch, dann lieber Essen und Musik…

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