Überraschung!

Huch, die USA haben in Deutschland ausspioniert, was auszuspionieren ging. Allgemeine Überraschung. Dann allgemeine Empörung. 

Auch in der FAZ. Deren Schlussfolgerung:

Bleibt es dabei, dann wird man sich damit abfinden müssen, dass mit den Vereinigten Staaten nur eine geschäftsmäßige Partnerschaft möglich ist. Vertrauen im Sinne von Freundschaft, wie das Merkel einmal gefordert hat, kann auf so einer Grundlage nicht gedeihen.

Ja bitte, was sonst? 

Es gibt da doch nur zwei Möglichkeiten: Entweder Deutschland verpflichtet sich, grundsätzlich allen Vorgaben der USA zu folgen, und belegt dies durch Taten in den nächsten Krisensituationen. Dann dürfte die entsprechende Spionagetätigkeit nachlassen. Oder Deutschland besteht auf einer eigenen Position. Dann sollte sich hier niemand wundern, wenn die USA von dieser sehr früh sehr viel mehr wissen wollen.

Wer als amerikanischer Präsident nur aufgrund irgendwelcher salbungsvoller Freundschaftsbekundungen auf genaue Aufklärung der Positionen anderer Regierungen verzichtet, verletzte sehr wahrscheinlich seinen Amtseid. Da helfen auch altkluge Ratschläge aus Frankfurt nicht, sich doch besser auf eine Rezeption der deutschen Presse zu beschränken. Als ob dort die Position des politischen Berlin für alle Eventualitäten immer nachzulesen wäre – wahrscheinlich muss man als Journalist so denken, naiv ist es trotzdem. 

Es kann unter Staaten keine Freundschaften geben, die bedingungsloses Vertrauen rechtfertigen. Jeder Staat muss seine Interessen so gut wie möglich vertreten und schützen. Das heißt vor allem: Jedes US-Blaming ist in Wirklichkeit eine Kritik an der deutschen Spionageabwehr. Die Politik täte gut daran, sich mehr um deren Verbesserung zu kümmern statt verbündete Staaten für Selbstverständlichkeiten anzugreifen. 

Aber den Deutschen ist noch zuzutrauen, dass sie Naivität zur Staatraison erheben. Wenn schon Romantik diesen Status erlangt hat. 

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One Comment on “Überraschung!”

  1. Paul sagt:

    Was machen die investigativen Journalisten? Spionieren die nicht? Richtet sich deren Spionage nicht gegen deutsche Politiker?
    Wer so im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen, sondern sie liegen lassen.
    Diesen Senf wollte ich schon dazu geben.

    Herzlich, Paul


Platz für Senf.

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