Was über die wirklich wichtigen Dinge

Jetzt sind nur noch zwei wichtige Entscheidungen offen: Wer darf nächstes Jahr in Liga 1 spielen, der KSC oder der HSV? Und wer darf (einem der beiden eben genannten Vereine käme es nicht so vor…) nächstes Jahr in Liga 2 spielen, die Löwen oder die Störche?

Knapp war’s. Viel zu knapp, um aus den Abstiegsentscheidungen grundsätzliche Trends herauslesen zu wollen. Paderborn und Freiburg hätten genau so gut drin bleiben wie 96, der VfB oder die Hertha absteigen können (oder der HSV direkt…). Dasselbe gilt für die 2. Bundesliga. Da sind mit Aalen und Aue zwei als Profimannschaften nicht zu den „Großen“ zu rechnende Klubs abgestiegen, während sich die mehr oder weniger großén Namen St. Pauli und Greuther Fürth gleich retten konnten und der riesengroße Name 1860 München noch die Chance hat, durch die Relegation den Klassenerhalt zu sichern. 

Aber ein Gesamtbild zeichnet sich ab. 

Oben thronen die Bayern über allen. Sie profitieren vor allem von den goldenen Jahren der Maier, Beckenbauer, Hoeneß, Müller und Breitner (vielleicht auch noch Rummenigge), und einer klugen Vereinsführung danach. Allen anderen Bundesligaklubs fehlt mindestens eine der beiden Voraussetzungen. Der FC Bayern müsste die Vereinsführung jetzt schon noch der SPD übergeben, um sich vom Dauerabonnement auf die Anwartschaft für alle deutschen und den wichtigsten internationalen Vereinstitel zu befreien. Diese Messe ist auf absehbare Zeit gelesen. Auch der UEFA-Teufel scheißt immer auf den größten Haufen. Das verfestigt Strukturen nicht nur in Deutschland. 

Die einzige dauerhafte Konkurrenz droht den Bayern in Deutschland von den Vereinen mit dicken externen Brieftaschen, zunächst also Wolfsburg, später wahrscheinlich auch mal Leipzig, wenn Red Bull am Ball bleibt. Leverkusen köchelt ja eher auf Sparflamme und dürfte sich damit wie Hopps Hoffenheim oder Audis Ingolstadt maximal in die Reihe der Klubs begeben, die neben den Bayern mal die europäischen Wettbewerb auffüllen dürfen. Außer den Werksvereinen und den „künstlichen“ gehören dazu noch die ollen Traditionsvereine Dortmund, Schalke und Mönchengladbach. Dortmund und Schalke leben von der Fanbasis (und ersteres dazu noch von einer inzwischen klugen Führung), während bei Mönchengladbach der aktuelle Erfolg dem kongenialen Duo Eberl/Favre zu verdanken ist – deren Basis ist die wackligste der drei, weil personenabhängigste.

Und dann ist da noch der große Rest aus alten Traditionsvereinen, die früher abgewirtschaftet wurden oder immer noch mit üblem Management zu kämpfen haben, sowie frechen Aufsteigern (darunter auch große, alte Namen) wie Augsburg, Freiburg, Paderborn, jetzt auch Darmstadt, die praktisch zwischen Europa-„League“ und Abstieg pendeln. Das wird zukünftig die Zone sein, die für die Spannung der Liga verantwortlich ist. Bayern spielt in einer eigenen Liga, aus der sie zukünftig wohl nur ab und zu in die normalen Gefilde zurückkehren, die starken Traditionsklubs werden mit den „Tiefe-Taschen“-Vereine um die übrigen internationalen Plätze kämpfen, ergänzt um die eine oder andere Überraschung von unten, und der Rest spielt um Verbleib und Abstieg, zwischen Liga 1 und Liga 3. 

Dem Werwohlf sei an dieser Stelle eine fußball-romantische Anwandlung erlaubt, die nichts mit den von ihm präferierten Vereinen zu tun hat: Die beste Nachricht dieses Fußball-Wochenendes ist der Aufstieg von Darmstadt 98. Ein großer Name, der von ganz unten kam und es unter dem in sich Ost und West vereinigenden Trainer Schuster in einem Rutsch nach ganz oben geschafft hat, ganz ohne Finanzspritzen von Scheichs oder Konzernen. Möge es sowas im deutschen Profi-Fußball auch weiter geben.

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4 Kommentare on “Was über die wirklich wichtigen Dinge”

  1. Klaus sagt:

    Auch die 1. Bundesliga der Frauen bietet ein ähnliches Bild: mittlerweile nur noch drei Vereine (zwei davon heißen VFL Wolfsburg und FC Bayern München) machen alles unter sich aus, der Rest guckt nur noch zu bzw. versucht nicht abzusteigen. Auch hier hängt es hauptsächlich am Geld, selbst eine Spitzenspielerin wie Alexandra Popp arbeitet 8 Stunden am Tag als Tierpflegerin. Deshalb wäre meine Forderung eine klare 50/50 Quote bei der Bundesliga TV-Berichterstattung. Wäre nicht populär aber würde sicherlich auch dem Männerfußball nützen, zumindest mittelfristig.

  2. n_s_n sagt:

    „Da halte ich mich ja mittlerweile sehr zurück. Ich habe gelernt, dass andere Menschen das nicht so entspannt sehen wie wir beide, und ich habe keine Lust auf Zoff deswegen.“

    Und dann blogst du an diesem bitteren Tag doch um Fußball und schreibst auch noch sowas:

    „Die beste Nachricht dieses Fußball-Wochenendes ist der Aufstieg von Darmstadt 98.“

    Salz in meine offene Wunde. Ein Elfmeter am 31. Spieltag, der keiner war, es aber dennoch zum Gnickbruch brachte.

    Doch befreit von aller Emotion gebe ich dir recht. So schwer mir das fällt. Fußball hierzulande macht Spaß. Ich finde ihn spannend wie selten und dass Bayern Abonnementmeister ist, ändert daran wenig und Ereignisse wie Darmstadts Aufstieg sind wunderbar.

    Schließen möchte ich dennoch herzblutend mit Marcel Reif:
    „Und immer daran denken: „Bei uns in Lautern tun mir kei Walzer tanze!“ Und nun rennt, ihr roten Teufel, rennt und schießt das Tor auch für mich.“

    http://www.tagesspiegel.de/sport/1-fc-kaiserslautern-bleibt-bitte-provinziell/1782576.html

    • Werwohlf sagt:

      Und dann blogst du an diesem bitteren Tag doch um Fußball und schreibst auch noch sowas:

      “Die beste Nachricht dieses Fußball-Wochenendes ist der Aufstieg von Darmstadt 98.”

      Tja, ab und zu bricht eben der Fußballromantiker bei mir durch. Auch, wenn der direkte Aufstieg Darmstadts einem Verein, in dem ich Mitglied bin, ebenfalls nicht so ganz zupass kam. Aber in Zeiten der mit Konzernmillionen aufeplusterten Provinzvereine ist so eine Story viel zu schön, um sie nicht zu lieben.

      Salz in meine offene Wunde. Ein Elfmeter am 31. Spieltag, der keiner war, es aber dennoch zum Gnickbruch brachte.

      Es ist nie nur einer der letzten Spieltage schuld. Die Punkte, die einem zum Schluss fehlen, hat man im Lauf der gesamten Saison liegen gelassen. Es ist eben eine sehr junge Mannschaft, die des 1. FCK. Da kann man nicht gleich Großtaten erwarten. Aber vielleicht ist nächste Saison was drin?

      • n_s_n sagt:

        Je länger man in der Zweiten verbleibt, desto schwerer wird es, denke ich. Dazu kommt, dass die zweite Liga sehr homogen ist, um nicht zu sagen stark. Da braucht es auch Glück vorne mit dabei zu sein, weil fast jeder jeden schlagen kann.

        Dazu kommt die Vertragssituation in Lautern. Die Hälfte der Leistungsträger war ausgeliehen und wird wohl gehen. Die richtig guten unter Vertrag werden wohl weggekauft. Der Haußtsponsor wird gehen. Das wird alles durcheinander wirbeln, mit offenem Ausgang. Auch wenn ich Kunz, Schupp und Runjaic für fähig halte und mal weiter hoffe. Aber mit der konstanten entwicklung ener zusammenbleibenden jungen mannschaft darf man nicht rechnen.

        Derweil lese ich ein Buch: 111 Gründe den FCK zu lieben und schwelge so in meiner Fußballromantik. Schwelge in Zeiten, wo ich selbst noch in der Westkurve stand. Tränen vergoß und Glückseligkeit empfand.

        Und nun rennt, ihr roten Teufel, rennt und schießt das Tor auch für mich. 🙂


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