Und wieder mal was zur AfD – mit Endzeitstimmung

Seit dem letzten AfD-Beitrag hat sich eine Menge getan. Der Mitgliederentscheid wurde unter dem Jubel des rechten Flügels vom Bundesschiedsgericht gestoppt, und das Gesicht der AfD, Sprecher Bernd Lucke, hat mit einigen Getreuen einen Verein gegründet, um dort diejenigen zu sammeln, die ihm auf den Weg in eine moderate AfD folgen wollen. Laut Alexander Dilger hat das Bundesschiedsgericht auch die neue Bundessatzung kassiert – aber dazu gibt es noch keine offizielle Information und kein veröffentlichtes Urteil.

Wie die Sache aussieht, läuft es jetzt auf eine Spaltung der Partei hinaus. Nicht nur in einen „liberalen“ und einen „national-konservativen“ Teil, sondern auch in Ost und West. Wobei das letztlich nur die Formalisierung einer längst existierenden Spaltung wäre: Gerade im Osten hätte auch eine um den „Lucke-Flügel“ gestutzte Partei weiter eine Zukunft, indem sie dasselbe, anscheinend ausreichend üppige Wählerreservoir der Unzufriedenen beackert – mit der „Linken“ als Hauptkonkurrenten (da stimme ich mit Erling Plaethes Analyse überein). Im Westen geht der rechte Flügel weitgehend unter, und der „Lucke-Flügel“ würde wahrscheinlich zwischen der alles dominierenden Mutti und den FDP-Postergirls zerrieben (manche Metaphern sind aber sowas von schief ;-)). 

„Echte“ Konservative scheinen in Deutschland tatsächlich eine aussterbende Art zu sein. Diejenigen, die sich noch auf dieses Etikett berufen, entpuppen sich leider meist als bildungsferne Wutbürger, denen die janze Richtung nicht passt. Der Zeitgeist, und zwar sowohl der ökonomische als auch der gesellschaftliche, hat diese Spezies hinweggeweht. Es ist kein Platz mehr für die Nachdenklichen, die weder den Moden der Märkte noch denen der politischen Korrektheit hinterherlaufen, die jenseits von Individuum und Egaliserungswahn Begriffen wie Tradition, Geschichte, Herkunft, Familie und, ja, auch, Nation und Religion mit hinreichendem Tiefgang statt platten Parolen begegnen. Vereinzelte Ausnahmen unter Philosophen und Publizisten bestätigen die Regel. Damit fehlte der AfD die geistige Klammer, die sie vielleicht hätte zusammenhalten können. Aber der gemeinsame Feind schafft nicht immer Freunde – das geht auch mir ganz persönlich so: Vieles von dem, was ich von AfDlern so im Netz lesen musste, ruft bei mir Kopfschütteln bis Ekel hervor. Selbst, wenn man hier wie auch sonst im Netz üblich mit großem Zinsfuß diskontieren muss, zeigen doch die von Lucke in seinem Brief an die Mitglieder zum Ausdruck gebrachten Bedenken davon, dass sich allzu viel davon auch im „echten Leben“ wiederfindet. Auch wenn „mein“ Kreisverband davon zum Glück nicht betroffen ist.

Eins kommt noch hinzu: Ich kann mit radikalen Positionen leben. Aber wenn deren Verfechter so strunzdämlich argumentieren, dass ich mich als vermeintlicher Adressat davon beleidigt fühlen müsste, werde ich sauer. Und leider passiert mir genau das mit den Vertretern des „rechten Flügels“ immer mehr. Mit Typen, die nur hohle Phrasen dreschen, halte ich es auf Dauer nicht aus. Für mich sind z.B. AfD-Mitglieder nicht satisfaktionsfähig, die es als Makel ansehen, wenn jemand vorher Mitglied in einer anderen demokratischen Partei war. 

Und nein: Es ist keine Frage der Themen. Natürlich kann auch eine konservativ-liberale AfD die heißen Eisen Islam und Einwanderung anpacken. Die Frage ist immer nur: Wie? Man kann dem von links dominierten Medienkonsens und der lavierenden Politik auch entgegentreten, ohne zu den Hilfsmitteln von Übertreibung, Dämonisierung und Verschwörungstheorien zu greifen. Zumal bei denen, die sich auf diesen Pfad begeben, Antiamerikanismus und Antisemitismus meist nur einen kleinen Schritt entfernt sind – wenn überhaupt. 

Ich predige das praktisch schon seit Gründung der AfD: Es geht nicht ohne die Klärung. Zwar sieht ihr Ergebnis vielleicht anders aus, als ich das gehofft hatte, aber sie muss sein. Und wenn der Werwohlf danach irgendwann (den wahrscheinlich kurzen Weg einer „Lucke-Partei“ würde ich noch mitgehen) als parteiloser Nichtwähler übrig bleibt, dann ist das eben die angesichts der Alternativen(!) zu ziehende Konsequenz.

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5 Kommentare on “Und wieder mal was zur AfD – mit Endzeitstimmung”

  1. Random Member sagt:

    In aller Kürze meine abweichende Wahrnehmung aus etwas intensiverer Innenperspektive.

    Die Finsterlinge, die BL in seinen Aussendungen markiert, sind vorhanden, aber eine relativ kleine Minderheit. Nichts, was sich nicht auf simplem demokratischen Wege im Zaum halten ließe. Das akute Problem liegt darin, daß BL seit jeher unangemessen autoritäre Züge hat und diese in letzter Zeit zunehmend auch als solche wahrgenommen werden und für Verärgerung sorgen. Mit dem Ergebnis, daß die große Mehrheit der (inhaltlich) ‚Vernünftigen‘ gespalten ist in die, die unverdrossen an diesem Vorsitzenden festhalten wollen, und denen, die bei aller Liebe inzwischen genug haben von Verfahrensweisen, die sie als grenzwertig nötigend und des demokratischen Impetus, der sie in die AfD geführt hat, unwürdig empfinden. (Zitat: ‚Ich bin nicht vor Mutti geflohen, um jetzt bei Vati zu landen!‘)

    Stimmung: leicht resignativ-entnervter Durchhaltewille. Sinngemäß: wenn denn nun leider Gottes BL nicht davon abzubringen ist, sich selber ins Knie zu schießen, dann muß halt der Vorsitzende ausgetauscht werden; anschließend wird man sich darum kümmern müssen, daß die Randgruppen das nicht als Bestätigung auffassen und meinen, sie hätten nun Oberwasser.

    • Werwohlf sagt:

      Ich bezweifle, dass die „Finsterlinge“ eine derartige Minderheit sind. Es reicht z.B. aus, dass sie auf Parteitagen hinter Mitgliedern stehen, die ihre frühere Mitgliedschaft in rechtsextremen Parteien verheimlicht haben. Es reicht aus, dass die Fraktion im brandenburgischen Landtag eine erbärmliche Show abzieht.

      Das Bild, es liege alles nur am autoritären Lucke, ist ja auch jenes, dass Frau Petry gerne pflegt. Wenn dem aber so wäre, hätten sicher nicht Leute wie Kölmel oder Starbatty den „Weckruf“ mitgegründet – von Henkel ganz zu schweigen.

      Und wenn ich mir jetzt ansehe, wie panisch gewisse Verbände auf den „Weckruf“ reagieren, dann scheinen mir die autoritären und undemokratischen Züge doch eher woanders verbreitet zu sein.

      • Random Member sagt:

        Hm. Ist nur meine subjektive Bewertung und Einschätzung, vielleicht liege ich falsch. Ich kenne natürlich auch nicht jeden Winkel und jede örtliche Strömung. Allerdings glaube ich, halbwegs eine Grundlage zu haben, nach zwei Jahren Mitarbeit auf Kreis-, Landes- und Bundesebene, dutzenden Parteitagen und hunderten Stunden Gesprächen mit Mitgliedern und Funktionsträgern.

        Wenn Personen angesprochen werden: für Prof. Starbatty würde ich mir wünschen, daß er eine größere Rolle spielte, weil ich mir sicher bin, daß er sie konstruktiv ausfüllen würde; für Herr Henkel gilt das Gegenteil. Der offene Brief aus dem Landesvorstand BW ist bekannt? MMn zutreffend, leider.

        Auf den Luckeverein mit Unvereinbarkeitsbeschlüssen auf Landesebene zu reagieren ist genauso unangemessen wie der Verein selbst. Speziell Herr Höcke sollte sich besser darauf konzentrieren, eine Landtagsfraktion ohne negative Schlagzeilen zu führen, anstatt auf den Bundesvorstand zu schielen.

      • Werwohlf sagt:

        Nun, ich habe Henkel nicht zum Parteivorsitzenden vorgeschlagen und würde ihn auch nicht mit diplomatischen Ehren ausstatten wollen. Zum Parteitier wird der Mann niemals werden können.

        Dennoch ist er aus meiner Sicht als Gewährsmann tauglich, wenn es um inhaltliche Dinge geht. Auch die Kritik von Jörg Meuthen ist ja eher eine der Art und Weise und der Taktik als dass er ihn inhaltlich widerlegen würde. Ich will hier auch gerne konstatieren, gerade angesichts der mir heute zugegangenen Stellungnahme des LV Ba-Wü, dass meine Ansicht, eine Klärung der Positionen (mit der Konsequenz der Trennung) sei unausweichlich, von vielen Mitgliedern und Funktionären anders gesehen wird. Da besteht noch viel Hoffnung, irgendwie eine Klammer für das aus meiner Sicht Unvereinbare zu finden. Ich schätze mal, in diese Richtung dürfte auch Deine Position ungefähr gehen.

        Ich selbst will endlich Klarheit. Nachdem der Mitgliederentscheid, der eine solche hätte bringen können, gestrichen wurde, bleiben nur noch die Personalentscheidungen und später der Programmparteitag. Die Entscheidung fällt also wohl erst gegen Ende des Jahres. Oder besser: Für mich fällt sie dann definitiv. Ich werde mit dieser Hängepartie nicht ins nächste Jahr gehen.

        Wie gesagt, ich kann mit vielen konservativen Positionen leben, und manche teile ich sogar, aber sollte es in Teilen tatsächlich auf etwas hinauslaufen, das auch ich nur als „rechtspopulistisch“ (ungeachtet der inflationären Verwendung in den Medien) oder gar „rechtsextrem“ einstufen kann, dann müsste ich gehen.


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