Heiko weiß es besser

Der Bundesjustizminister ließ heute über seinen Twitter-Account folgendes verkünden:

Featured image

Offensichtlich ist dieser Mann der Ansicht, er wisse besser als die Unternehmen, was für diese ein Gewinn und notwendig ist. Was ihn dazu qualifiziert, ist nicht klar. Auch nur rudimentäres Ökonomiewissen kann es jedenfalls nicht sein.

Üblicherweise und auch und gerade in den Kreisen, in denen der Herr Bundesjustizminister sich zu bewegen pflegt, wird den Unternehmen ja gerne vorgeworfen, alles dem nackten Profitinteresse zu unterwerfen. Aber ausgerechnet bei der Einstellung und Beförderung* von Frauen sollen anscheinend wieder andere Regeln (und Vorwürfe) gelten.

Die Frage ist ja: Warum hat sich die laut Minister erfolgversprechende Strategie nicht auf dem Markt durchgesetzt?

Erklärungsversuche:

  1. Alle Unternehmen werden von Chauvinisten beherrscht, die immer nur dem Profitinteresse folgen, nur beim Umgang mit weiblichen Mitarbeitern nicht.
  2. Nur wenige Unternehmen werden von solchen Chauvinisten beherrscht, aber die sind alle zufällig Mono- oder Oligopolisten.
  3. Die Herrscher in den Unternehmen wollen dem Profitinteresse folgen, unterliegen aber einem kollektiven Irrtum, sofern es um die Segnungen weiblicher Manager geht.
  4. Es gibt ungeschriebene Gesetze, wie man sich beim Aufstieg als Manager verhalten muss, und Frauen können die einfach nicht befolgen.

Ok, schauen wir uns das mal an. Für wie wahrscheinlich halten Sie diese Punkte jeweils? Kommt einer davon über 10%? Bei mir jedenfalls nicht.

Gerade im Zeitalter des Internets erleben wir doch jeden Tag aufs Neue, wie alte Gewissheiten in Frage gestellt werden, sofern damit die Aussicht auf Gewinn verbunden ist. Und ausgerechnet bei der Beschäftigung weiblicher Manager soll das Halt machen? Es wäre doch angeblich nichts einfacher als das, und alle Heuschrecken dieser Welt müssten bei den Unternehmen darauf dringen, entsprechend zu handeln.

Tatsächlich aber ist es schwieriger, und das hat nichts mit den Fähigkeiten, aber viel mit den Entscheidungen der Frauen zu tun. Sie wählen oft lieber andere Wege als den, den ein zukünftiger Topmanager einschlagen muss. Sozialer, familienorientierter, balancierter. Ich habe dafür volles Verständnis, denn ich wollte nirgendwo Vorstandsvorsitzender sein (nicht, dass ich es je geworden wäre, aber auf dem Weg zum Versuch war ich mal, bevor meine Liebste meine Prioritäten änderte). Und wenn, wie jüngst in Mode gekommen, zum Beispiel die Vorstandsjobs bei Automobilunternehmen nur noch mit Technikern besetzt werden sollen (vielleicht bis auf den Finanzer), dann spielt es eben eine Rolle, wieviele Frauen sich für ein Maschinenbaustudium entscheiden.

Es könnte auch noch etwas anderes zutreffen. Die Beschäftigung weiblicher Manager könnte trotz allem durchaus einen Vorteil darstellen, nur wäre dieser praktisch nicht messbar.

Wie auch immer: Dass sich selbst in den wettbewerbsintensivsten Branchen kein Wettbewerber die angeblich erfolgversprechende Strategie hinreichend zu eigen gemacht hat, spricht nicht gerade dafür. Da scheint dann doch vor allem Ideologie im Spiel zu sein. Das fände ich ja noch halbwegs okay, immerhin geht es hier um Politik, aber Versuche, mich zu verarschen, goutiere ich keinesfalls.

Übrigens scheint gerade die Internetbranche in den USA, wo es selbstverständlich keine Frauenquote gibt, Frauen als Führungspersonen gegenüber äußerst aufgeschlossen zu sein. Man denke nur an Marissa Mayer oder Meg Whitman. Dass Deutschland hier nicht vergleichbar mitspielt, sollte unserem Minister vielleicht eher zu denken geben.

*Ja, natürlich gilt die Quote „nur“ für Aufsichtsratsposten. Das war die einzige Chance, den Verfechterinnen der Quote auch einen persönlichen Vorteil zu verschaffen, denn Aufsichtsrat kann praktisch jeder Depp werden.

Advertisements

2 Kommentare on “Heiko weiß es besser”

  1. Paul sagt:

    Den Versuch der Gleichmacherei von Männern und Frauen kann ich nicht verstehen.
    Männer und Frauen sind eben unterschiedlich.

    Per 30.11.2014 gab es 58 316 Gefangene und Verwahrte Männer und nur 3554(!) Frauen.
    http://de.statista.com/statistik/daten/studie/158317/umfrage/gefangene-und-verwahrte-in-deutschland-nach-art-des-vollzugs/

    Auch unter den Bloggern gibt es bedeutend mehr Männer als Frauen. Da habe ich keine Zahlen, sondern nur meine subjektive Wahrnehmung. Weiß jemand, warum das so ist?
    „1000 Reichsmark zahlt die Deutsche Reichsbank für die Beantwortung dieser Frage“, hätte meine Oma gesagt.

    Nur im Alters- und Pflegeheimen gibt es bedeutend mehr Frauen als Männer.

    Ach so: „Der Minister hat einen an der Waffel“, hätte mein Opa gesagt.

    Herzlich, Paul

  2. alphachamber sagt:

    Politiker müssen ihr Gehirn gegen die Karriere eintauschen – und das kann man ihnen kaum vorwerfen. Der totale Verrat an der Vernunft und Logik aber ist unverzeihlich. Solche Pfeifen/Huren sind eine Sache in einem „Politbüro“. In einer (sg.) Demokratie unerträglich und rechtfertigt jede Form einer APO.


Platz für Senf.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s