Der kranke Untertan

Ja, das waren früher noch Zeiten. Da haben die Krankenhäuser einfach Geld ausgegeben, und ein Dritter hat es ihnen erstattet.(Krankenkassen, Länder) oder den Verlust ausgeglichen (Kommunen). Oder besser: ein Vierter, denn hinter all diesen Institutionen stehen natürlich Leute wie Sie und ich, also Beitrags- und Steuerzahler. Dieses „System“, das dazu einlud, Patienten so lange wie möglich in Behandlung zu lassen und mit Ressourcen großzügigst umzugehen, hat offensichtlich auch noch heute Fans, wie man diesem Artikel im stramm linken Berliner „Tagesspiegel“ entnehmen kann: „Ein krankes System„. Und mit „krank“ ist nicht etwa das Selbstbedienungsprinzip gemeint, sondern die Abkehr davon.

Der Qualitätsjournalist der Zeitung beklagt, es sei eine „mittelbare Folge“ des seit einigen Jahren geltenden Systems der Fallpauschalen, dass z.B. eine Schwester pro Schicht mindestens zehn Patienten betreut, während „selbst in den USA“ dieses Verhältnis nur höchstens 1:7 beträgt. Dumm nur, dass diese Fallpauschalen in den USA schon lange die Regel sind, was natürlich die Frage aufwirft, warum diese „mittelbare Folge“ dort nicht eingetreten ist. 

Nun, was uns der Qualitätsjournalist verschweigt, ist natürlich, dass die Höhe einer Fallpauschale nicht vom Himmel fällt. In Deutschland z.B. ergeben sie sich erst arithmetisch nach einer Vorgabe der Politik, was die erlaubten Steigerungen des Budgets betrifft. Und die sind komischerweise immer deutlich geringer als die von der Gewerkschaft durchgesetzten Tarifabschlüsse. Nicht die Fallpauschalen, die zu sparsamem Umgang mit Ressourcen anregen, sind das Problem, sondern die Deckelungen durch die Politik, damit das wirklich kranke System der an die Arbeitskosten gekoppelten Beiträge erhalten bleiben kann. 

Als gesetzlich krankenversicherter Bürger kann man in diesem Land nicht nur nicht die Güte der eigenen Versorgung bestimmen, sondern wird auch noch vom Staat an allen Ecken und Enden in der Lebensführung gegängelt, um ja keine zusätzlichen Kosten im System zu verursachen. Wie gerne die Menschen hierzulande doch zum Untertan werden, wenn man ihnen einredet, etwas sei „sozial gerecht“.

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One Comment on “Der kranke Untertan”

  1. Paul sagt:

    Als am Gesundheitssystem direkt seit 1969 Beteiligter – in der DDR als Verwaltungsleiter eines kirchlichen Krankenhauses – habe ich festgestellt, dass das Gesundheitssystem immer zu wenig Geld bekommen hat. So jedenfalls die permanenten Klage in Ost und West.

    Das Grundproblem ist, dass das Produkt des System nicht messbar ist. Weder mehr Ärzte, noch mehr Krankenhäuser haben einen direkten Einfluss auf die Gesundheit im Sinne von weniger krank werden.

    Siegfried Eichhorn -http://de.wikipedia.org/wiki/Siegfried_Eichhorn – hat schon vor 30 Jahren festgestellt, dass das Gesundheitswesen sich einer marktwirtschaftlichen Bewertung und damit auch Beeinflussung entzieht, weil der Nutzer nicht der (direkte) Bezahler ist und der Anbieter seine eigene Nachfrage erzeugt.

    Die Bemühungen auf der Nutzerseite durch Boni etwas zu ändern sind als gescheitert anzusehen.

    Die Anbieterseite kann sich (beinahe) hemmungslos „austoben“. Auf die künstlichen Hüften und Kniegelenke sei an dieser Stelle hingewiesen. Auch den steigenden Medikamentenverbrauch möchte ich erwähnen. Die Preisgestaltung in der Pharmaindustrie wäre in keiner anderen Branche denkbar. Gleiches gilt für die medizinische Geräteindustrie.

    Der einzige Ausweg, den es gibt, wäre, dass Gesundheitswesen zu einem Nonprofitbereich zu machen.
    Das ist möglich, aber gegen die Ärzte- und Pharmalobby politisch wohl nicht umsetzbar.

    Als Erstes müsste der Alleinversorgungsauftrag der niedergelassenen Ärzte aufgehoben werden. Das wäre ein „Selbstmord“ für jeden Politiker, der das ernsthaft betreiben möchte.

    Deshalb wir alles beim Alten bleiben und nur an Details rumgewerkelt, ohne dass sich Wesentliches ändert.

    Das Gesundheitswesen wird also nicht genesen und als Kranker auch weiterhin seine Krankheit „beweinen“.

    Herzlich, Paul


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