Über Denken und Parkplätze

Ich weiß ja nicht, an was es liegt. Aber irgendwie muss sich mein Denken vor allem vom Denken Linker massiv unterscheiden[1]. Die scheinen alles irgendwie immer daran zu messen, wie der Eine im Vergleich zu einem Anderen abschneidet, während meinereiner nur daran interessiert ist, die eigenen Ziele zu erreichen, ohne dabei argwöhnisch danach zu schielen, ob ein Anderer nicht mehr erreicht. Und wenn ich von einem bestimmten Gut mehr haben möchte, dann wäre ich dafür, dass mehr davon angeboten wird, und nicht etwa, dass der Mangel anders verwaltet wird. Ich finde in diesem Zusammenhang zum Beispiel das Verteilungsverfahren „Windhund“ (wer zuerst kommt, mahlt zuerst) nicht gerechter als eine Versteigerung. Linke sehen das z.B. konkret anders. Die messen alles daran, wie Einkommens- oder Vermögensgruppen dabei relativ abschneiden. Aus ihrer Sicht sollte das ganze Leben anscheinend aus ständiger Umverteilung bestehen.Dabei besteht der Sinn in einem Mehr an Einkommen und Vermögen ja gerade darin, auch mehr vom gemeinsamen Kuchen abzubekommen, ansonsten könnte man sich die Anstrengungen, die zu diesem Zustand geführt haben, auch sparen. Wobei Linke wohl meistens zumindest insgeheim davon ausgehen, dass jedes Mehr irgendwie unrechtmäßig angeeignet wird.

Diesen Unterschied im Denken durfte ich eben erst wieder neu zur Kenntnis nehmen, als ich einen im FAZ-Feuilleton (die Redakteure des Wirtschaftsteils – und ich denke bei „Redakteure“ hier übrigens an mindestens eine Frau, Herr Stefanowitsch – bekämen bei dessen Lektüre wahrscheinlich das kalte Grausen) veröffentlichten Artikel des dort anscheinend sehr verehrten Netzaktivisten Evgeny Morozov las. 

Nicht nur, dass er irgendwelche Nischenanwendungen als Beleg heranzieht, Aussagen über die ganze Gesellschaft zu rechtfertigen (viele ähnlicher Apps wie die von ihm genannten sind inzwischen gescheitert), er misst sie auch auf eine mir fremde Weise. Zum einen ignoriert er völlig, dass alle diese von ihm kritisierten Aktivitäten, und auf Communities abzielende Apps sind letzlich nichts anderes als bestimmte Formen solcher, nur unter denen stattfinden, die sich freiwillig dazu entschließen. Und zum anderen erscheinen mir seine Maßstäbe als sehr seltsam. Völlig ohne Argumentation erhebt er das Windhundverfahren zu einem „fairen“, und zwar allein deshalb, weil es auch Chancen für Einkommensschwache biete. Letzteres stimmt zwar, aber wird es dadurch wirklich „fairer“? Wenn ich als Einkommensschwacher, um in Morozovs Beuspiel zu bleiben, einen bestimmten Parkplatz unbedingt brauche, tröstet es mich wenig, wenn ein anderer Einkommensschwacher diesen vor mir belegt. Da hätte ich es womöglich bevorzugt, um diesen Parkplatz zu bieten, auf dass mein höherer Bedarf den Ausschlag gegeben hätte gegenüber einem eher nebensächlichen eines Anderen, der seinen Termin in der Stadt auch einen Tag später hätte wahrnehmen können. Und selbstverständlich darf man davon ausgehen, dass Reiche nicht um alles mitbieten, nur weil sie viel Geld haben.

Eigentlich müsste man an Morozovs Beispiel etwas ganz anderes kritisieren, nämlich dass der knappe Parkraum, für den Versteigerungen zu inszenieren offensichtlich attraktiv ist, nicht von der jeweiligen Stadt selbst versteigert wird, am besten mit der Folge, als Maßnahme Einkommensmaximierung mehr davon zur Verfügung zu stellen. So würden es Private tun. 

Das eigentliche Übel scheint also weniger der Kapitalismus mit seiner aus Morozovs so ungerechten Verteilung zu sein, sondern eher die aus ideologischen und anderen Gründen bewirkte Verknappung eines Angebots. Aber, da bin ich mir sicher: Ein Linker würde so nie denken können.

[1] Wie weit das Denken Rechter, also sehr weit Rechter, von meinem entfernt ist, vermag ich nicht zu sagen, da ich von diesem so gut wie nichts mitbekomme, denn in den Mainstream-Medien kommt es praktisch nicht vor. Was ich davon kennen gelernt habe, sind meist irgendwelche Rückgriffe auf die Geschichte oder natürliche Gesetze (nicht „Naturgesetze“), mit denen ich schon mal gar nichts anfangen kann – da scheitert die Auseinandersetzung meist gleich am Anfang.

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