Arme gefunden

Ulrich Schneider darf wieder besorgt in Kameras blicken: Sein „Paritätischer Gesamtverband“ veröffentlichte mal wieder Zahlen über die Armut in Deutschland. Und es ist jedes Mal dasselbe Spiel. Zum einen wird „Armutsgefährdung“ mit Armut gleichgesetzt, woran offensichtlich die Presseerklärung von Schneiders Truppe einen großen Anteil hat – klänge ja auch sonst nicht alarmierend genug. 

Zum anderen sorgt die gewählte Definition von „Armut“ (eigentlich eben „Armutsgefährdung“) wieder für eine Verwirrung, von der man annehmen kann, dass sie den Initiatoren nicht ganz unlieb ist. Es handelt sich hier bekanntermaßen um eine „relative Armut“. Ein Haushalt, der weniger als 60% des Medianeinkommens (also des Einkommens, bei dem je gleich viel Haushalte mehr bzw. weniger verdienen) verdient, gilt als armutsgefährdet. Qualitätsjournalisten wie die des Bayerischen Rundfunks (heute in den Radionachrichten um 19.00 Uhr) behaupten dann z.B. gerne mal, dass die so ermittelten Armen nur ein Einkommen bezögen, das „kaum noch zum Leben reiche“, und das „trotz starker Wirtschaft“. Aber genau darüber sagt dieses Maß, das eine Verteilung und keine Kaufkraft abbildet, eben überhaupt nichts aus. Und gerade eine starke Wirtschaft führt selbstverständlich dazu, dass das Medianeinkommen steigt, so dass Menschen, die nicht unmittelbar davon profitieren (z.B. Rentner, ALG-Bezieher), auf der Einkommenskala dann nach „unten“ rutschen und letztlich u.U. unter die ominöse Schwelle.

Es gibt viele gute Gründe, die Zahlen des „Paritätischen Gesamtverbands“ zu relativieren, angefangen von den Haushalten als Bezugsgröße der Einkommen (mehr oder weniger Menschen pro Haushalt wirken sich aus) über die Ermittlung der Daten bis hin zur Einkommensdefinition. Aber darauf hinzuweisen, würde den Demokratieabgabenfunk wahrscheinlich überfordern. Bei dem darf man (s.o.) schon zufrieden sein, wenn sie auf den Schelmen der Armutsindustrie nicht noch anderthalbe setzen.

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3 Kommentare on “Arme gefunden”

  1. stefanolix sagt:

    Zu Umrechnung der Einkommen zwischen Haushalten und Personen wird AFAIK mit einem Äquivalenzeinkommen (z.B. für Kinder) gerechnet. Allerdings sind die Faktoren wohl immer in die eine oder andere Richtung dehnbar.

    • Werwohlf sagt:

      Der Hinweis ist zwar richtig, aber da das Äquivalenzeinkommen eine mehr oder weniger willkürliche Größe ist, kann es Veränderungen der Verteilung aufgrund einer Veränderung der Haushaltsgrößen und dann anders anfallenden Ist-Einkommen nicht vermeiden.

  2. Dirk sagt:

    Lustig vor allem zu unterstellen, man müsse für die Bekämpfung der Armutunbedingt das Vermögen aufbringen und nicht die dauerhaften Einnahmen. Aber so sind sie die Sozis, extrem kurzfristig im Denken, 🙂


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